EU-Finanzchefs: „Europa braucht eigene Digitalwährung als Antwort auf Facebook Libra“

Der französische Finanzminister fordert, dass Europa eine eigene „öffentliche Digitalwährung“ als Antwort auf Facebook Libra entwickelt, eine Forderung, die auch von einigen seiner Kollegen unterstrichen wird.

Die entsprechenden Äußerungen der europäischen Finanzchefs wurden am 13. September von Reuters aufgegriffen.

EU-Kryptowährung als Antwort auf Libra?

Im Rahmen einer Konferenz der EU-Finanzminister in Helsinki kündigte Bruno Le Maire an, dass er nächsten Monat die Pläne zum Aufbau einer europäischen Digitalwährung mit seinen Kollegen besprechen wolle.

In diesem Zusammenhang wiederholte er auch seine Kritik an der Facebook Kryptowährung Libra, in der er eine Gefahr für Verbraucher und finanzielle Stabilität sieht. Darüber hinaus befürchtet er sogar, dass der Social-Media Konzern „die Währungshoheit der europäischen Nationen“ untergraben könnte.  

Benoit Coeure, ein Aufsichtsratsmitglied der Europäischen Zentralbank, schlug im Rahmen des Treffens in die gleiche Kerbe und nannte das Facebook Krypto-Projekt „einen Weckruf“ für die Europäische Union. In Folge dessen müsse sich Europa auch darum bemühen, grenzübergreifende Zahlungen zu vereinfachen, um konkurrenzfähig zu Libra zu sein.

Eine entsprechende Initiative namens TIPS hatte die EU bereits 2018 angeschoben, allerdings mit dem Widerstand vieler Banken, weshalb dessen Umsetzung bisher noch gering ist.

Rechtliche Schwebe

Jedoch steht für die EU-Finanzchefs nicht nur die Gestaltung einer eigenen Digitalwährung auf dem Plan, sondern auch die europaweite Regulierung von Kryptowährungen allgemein.  

Momentan befindet sich die Kryptobranche in der EU in einer rechtlichen Schwebe, da es keine eindeutige Klarheit darüber gibt, ob Kryptowährungen als Wertpapiere, als Zahlungsmittel oder als Währungen zu klassifizieren sind. Eine Ungewissheit, die dringender Klärung bedarf, besonders angesichts der Facebook Kryptowährung, die mit schnellen Schritten voranschreitet.

Eine Sprecherin der EU-Kommission gab in diesem Zusammenhang gegenüber Reuters an, dass derzeit noch ungewiss sei, welche bestehenden gesetzlichen Vorschriften für Libra Anwendung finden, da die verfügbaren Informationen über das Facebook Projekt noch unzureichend sind.

Frankreich ist Europas größter Libra-Kritiker

Wie gestern bereits berichtet, hatte Frankreichs Finanzminister Le Maire seine Bedenken wiederholt als er meinte, dass „unter diesen Bedingungen eine Genehmigung für Libra auf europäischem Boden nicht erteilt werden kann“.

Zuvor hatte er vom Social-Media Konzern bereits Garantien eingefordert, um sicherzustellen, dass die Kryptowährung die Anforderungen von Politik und Aufsichtsbehörden einhalten wird.

Die fünfte europäische Geldwäsche Richtlinie, die im Juli 2018 in Kraft getreten ist, wurde derweil zunehmend an die Kryptobranche angepasst, da die Aufsichtsbehörden befürchten, dass Kryptowährungen illegale Aktivitäten begünstigen könnten.

auf cointelegraph lesen