Tunesiens Zentralbank gibt digitale Währung „E-Dinar“ heraus

Wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet, hat die tunesische Zentralbank eine eigene digitale Währung veröffentlicht. Der E-Dinar sei somit die erste digitale Währung, die von einer Zentralbank herausgegeben wird (Central Bank Digital Currency, CBDC). Verbraucher werden in den kommenden Monaten Zugang zum Währungsverkehr erhalten.

Das russische Tech-Unternehmen Universa stellt die zugehörige Blockchain gleichen Namens bereit, die den Handel mit der virtuellen Währung ermöglicht. Der Zugang zur CBDC soll dabei online und an lokalen Ausgabestellen erfolgen. Dort können die Verbraucher über eine Browser-Anwendung oder künftig über eine App Gelder in eine digitale Wallet einzahlen. Transfers zwischen Personen und Unternehmen werden durch das Scannen eines QR-Codes durchgeführt.

Universa hat vor rund einem Jahr mit der Arbeit an der Blockchain-Plattform für den E-Dinar begonnen. Das Unternehmen erhebt Gebühren für jede Transaktion, soll aber keinen Zugriff auf Verschlüsselungscodes oder Einsichten in Daten haben. Die Zentralbank Tunesiens sei das einzige Organ, das das System überwacht.

Digitale Währungen vs. Kryptowährungen

CBDCs oder nationale digitale Währungen sind digitale Vermögenswerte, die staatliche Regulierungsbehörden, in der Regel die Zentralbank, ausgeben und kontrollieren. Sie stehen im Gegensatz zu dezentralen Kryptowährungen wie Bitcoin, indem sie Fiatgeld in digitaler Form darstellen. Jede CBDC-Einheit ist ein digitales Äquivalent zu einer tatsächlichen Papiernote mit Nennwert und Seriennummer, die in digitaler Form vorliegt.

Alexander Borodich, CEO von Universa, hat entsprechend mitgeteilt:

Elektronische Banknoten können nicht gefälscht werden – jede dieser Banknoten ist wie die Papierversion durch Kryptographie geschützt, sie hat wie das Papiergegenstück ihre eigenen digitalen Wasserzeichen. Und die Herstellung einer solchen Banknote ist 100 mal billiger als die Verschwendung von Farbe, Papier und Strom für die Druckmaschine.

Andere Maghreb-Staaten wie Algerien und Marokko könnten dem Beispiel Tunesiens bald folgen. Auch Malaysia, die Philippinen, Argentinien, Brasilien und China haben bereits die Einführung eigener CBDC-Emissionen geäußert.

Insbesondere Chinas Pläne einer eigenen, durch die Zentralbank regulierten digitalen Währung scheinen aktuell an Fahrt aufzunehmen. Beflügelt durch die Sorge, dass Facebooks geplanter Libra die Vormachtstellung des US-Dollars als Währungseinheit weiter stärkt, forciert die chinesische Regierung die Einführung eines Zentralbanken-Coins.

Außerdem haben Singapur, Thailand, Kanada und die USA bereits Fortschritte im Bereich der digitalen Währungen bekannt gegeben. Auch die EU prüft derzeit die Einführung eines digitalen Euros, der von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegeben wird. Mit zunehmender Verbreitung von Kryptowährungen und dem angekündigten Facebook Libra droht den Staaten der Verlust ihrer Währungssouveränität.

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