Marshallinseln: Nationale Kryptowährung von Block.One inspiriert

Es ist fast ein Jahr her, seit die Republik Marshallinseln (RMI) die Entwicklung ihrer nationalen digitalen Währung Sovereign (SOV) angekündigt hat. Die Kryptowährung soll einige Probleme lösen, mit denen die Republik ringt, wie etwa den hohen Überweisungskosten. Ein gesetzliches Krypto-Zahlungsmittel soll die Lösung für teure Überweisungen in das Geldsystem „direkt einbacken“.

Cointelegraph hat sich das Whitepaper von SOV genau angesehen und festgestellt, dass von einen Delegierten-Proof-of-Stake (DPoS) die Rede ist. Dieses System wurde wahrscheinlich von EOS entlehnt, insbesondere im Hinblick auf die Blockproduktion. Cointelegraph sprach mit Jim Wagner, dem Mitbegründer und CTO von SFB Technologies. Das Unternehmen steht hinter der Entwicklung der Blockchain-Infrastruktur von SOV. Der CTO wurde gefragt, ob das System von SOV auf der EOS-Software basiere, die von Block.One entwickelt wurde.

Inspiriert von Block.one

Wagner bestätigte, dass SOV derzeit intern aktiv entwickelt werde und dass die Kryptowährung nicht nur Ähnlichkeiten mit EOS aufweise, sondern tatsächlich auch von der Arbeit von Block.One inspiriert sei. Er sagte auch, dass ihre Chain vollkommen unabhängig sei, wollte sich aber nicht zur Interoperabilität oder zu Partnerschaften äußern.

Wagner erklärte, dass die Messwerte zum erwarteten/getesteten Transaktionsdurchsatz der Blockchain bald verfügbar sein würden. Dann wüsste man, wie viele Transaktionen pro Sekunde diese Blockchain schafft.

Entwicklungsstand

Dem Whitepaper zufolge besteht jeder SOV aus 100 Cent (Sovis). Jeden Sovi kann man wiederum bis auf vier Dezimalstellen unterteilen. Dieses interessante Detail unterscheidet den SOV von „traditionellen“ Krypto-Vermögenswerten.

Es scheint so, als ob die Entwickler den Coin extra so konzipieren, dass er für Leute nicht fremd wirkt, da sie es gewohnt sind, dass Währungen in Cent unterteilbar sind. Aber auch Mikrotransaktionen für geringere Werte werden dadurch ermöglicht.

Wagner kommentierte diese Vermutung: „Es ist nützlich, eine geeignete Terminologie zu bieten, aber je nach Wert und Verwendungszweck könnten eine neue Terminologie für verschiedene, geringere Werte aufkommen“.

Den aktuellen Entwicklungsstand von SOV kommentierte Wagner ebenfalls:

„Die Marshallinseln wollen bald mit der Timed Release Monetary Issuance [zu Deutsch: Zeitlich abgestimmte Geldausgabe] beginnen, um den SOV allmählich einzuführen. Der Pre-SOV ist das Recht auf einen SOV, sobald der SOV ausgegeben wird.“

Nationale Freiheit zeigen

Mit dem SOV wolle die Regierung „unsere nationale Freiheit zeigen“ und eine Alternative zum US-Dollar als Nationalwährung schaffen. Der kleine Inselstaat verwendet den US-Dollar bereits seit Jahrzehnten. 40 Jahre lang wurde das Land von den USA im Rahmen des Treuhandgebietes Pazifikinseln verwaltet und erlangte im Jahr 1986 aufgrund des freiwilligen Zusammenschlusses Compact of Free Association seine Unabhängigkeit.

Im September veröffentlichte David Paul, der Assistenzminister des Präsidenten und der Umwelt der Marshallinseln, ein Essay. In diesem erklärte er, dass die Marshallinseln ein zweites gesetzliches Zahlungsmittel auf Basis der Blockchain-Technologie herausbringen wollen,  weil zentralisierte Lösungen in einem Land mit etwas mehr als 50.000 Menschen auf über 1.000 pazifischen Inseln nicht funktionieren können.

Paul erklärte, dass es vom SOV eine feste, manipulationssichere Geldumlaufmenge geben werde und dass sein Wachstum auf 4 Prozent pro Jahr festgelegt sei. Er erläuterte weiterhin:

„Wir haben uns für eine feste Geldumlaufmenge mit festem Wachstum entschieden, da Fiatwährungen ausgesprochen instabil sein können. […] Die Politik der großen Zentralbanken ist nicht beruhigend, wie die Gold- und Bitcoin-Kurse zeigen. Wir als Regierungen müssen einen nachhaltigeren Geldansatz wählen und Geld nicht als unbegrenzte Ressource betrachten.“

Die Entwicklung des SOV wurde jedoch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) kritisiert. Er warnte die Behörden der Marshallinseln vor einer Einführung von Kryptowährungen und riet diesen davon ab. Es hieß, dass ein solcher Schritt Risiken für die finanzielle Integrität des Landes sowie für die Beziehungen zu ausländischen Banken mit sich bringen würde. Die Regulierungsbehörde rief die Republik dazu auf, die Ausgabe einer Kryptowährung zu überdenken, bis die Regierung „starke politische Rahmenbedingungen“ vorlegen und umsetzen kann.

Adrian Zmudzinsky trug zu diesem Artikel bei.

auf cointelegraph lesen