Chainalysis: Volle Transparenz ist für Kryptowährungen nicht gut

Chainalysis, ein großes globales Unternehmen, das bei der Bekämpfung illegaler kryptowährungsbezogener Aktivitäten hilft, hält Privatsphäre auf den Krypto-Märkten nicht zwangsläufig für schlecht.

Obwohl Chainalysis einer der Hauptlieferanten für Krypto-Transaktionsdaten für Bundesbehörden wie die US-Steuerbehörde (Internal Revenue Service) und das FBI ist, lehnt das Unternehmen Privatsphäre und Dezentralisierung von Krypto nicht grundsätzlich ab.

„Vollständige Transparenz ist nicht unbedingt ideal“

Jonathan Levin, Mitbegründer und CSO des Blockchain- und Kryptoanalyse-Unternehmens Chainalysis, bekräftigte seine Haltung zum Schutz der Privatsphäre im Kryptobereich. Vollständige Transparenz von Kryptowährungstransaktionen ist seiner Meinung nach nicht erstrebenswert.

In einem Interview mit Cointelegraph wies Levin jedoch darauf hin, dass die Fähigkeit von Regulierungsbehörden und Unternehmen, illegale Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen überwachen zu können, noch unterstützt werden müsse. Er sagte in diesem Zusammenhang:

„Es wird technologische Erfindungen zur Verbesserung der Privatsphäre geben. Vollständige Transparenz ist auch nicht unbedingt ein Idealzustand, letztlich müssen Regulierungsbehörden und Unternehmen aber mit der entsprechenden rechtlichen Autorität und Aufsicht in der Lage sein, gegen die illegalen Aktivitäten vorzugehen, welche durch den Missbrauch der Systeme entstehen.“

In einem Gespräch mit Cointelegraph im Januar hatte Levin das Thema extremer Privatsphäre und Transparenz bereits umrissen:

„Die beiden Extreme der totalen Anonymität und der vollständigen Transparenz sind schlecht. Völlige Anonymität öffnet die Tür für illegale Aktivitäten, die per Definition dann nicht untersucht werden können. Das ist keine Welt, in der man leben möchte. Auf der anderen Seite bedeutet völlige Transparenz, dass es keinerlei Privatsphäre gibt. Das ist auch keine Welt, in der man leben möchte“.

Kettenanalyse kann manche Privacy Coins zurückverfolgen

Auch wenn Levin Privatsphäre im Krypto-Bereich in zu unterstützen scheint, gab der Mitbegründer von Chainalysis zu, dass das Unternehmen noch nicht in der Lage ist, datenschutzfokussierte Kryptowährungen vollständig zurückzuverfolgen:

„Wir sind vielleicht nicht unbedingt in der Lage, alle Gelder bei Privacy Coins zu verfolgen, aber wir führen dennoch Untersuchungen darüber durch, wofür sie verwendet werden. Manchmal finden wir Wege, um etwas davon zurückzuverfolgen.“

Levin wies darauf hin, dass die Mehrzahl der Kryptowährungstransaktionen bisher auf öffentlich nachvollziehbaren Blockchains wie Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) durchgeführt werden. Einige Kryptosicherheitsfirmen wie Elliptic sind jedoch der Meinung, Privacy Coins wie Monero (XMR) und Dash (DASH) würden trotz der im Darknet dominierenden Bitcoin-Transaktionen immer noch an Zugkraft und Benutzerfreundlichkeit dazugewinnen.

Chainalysis wurde ursprünglich 2013 in Dänemark gegründet und ist heute ein in New York ansässiger Anbieter von Know Your Transaction- und Anti-Geldwäsche-Lösungen für Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden in der Kryptobranche.

Das Unternehmen hat sich zu einer der zuverlässigsten Quellen für analytische Daten über globale illegale Aktivitäten im Krypto-Bereich sowie der Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche sowie anderer Darknet-Aktivitäten entwickelt. Laut Levin arbeitet das Unternehmen derzeit weltweit mit 250 Agenturen und Firmen zusammen, wobei sich die Dienstleistungen auf 45 Länder erstrecken.

Am 12. Februar ging Chainalysis eine Kooperation mit dem großen, an den US-Dollar gebundenen Stablecoin-Projekt Tether ein, um risikoreiche Transaktionen in dessen Netzwerk zu identifizieren.

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