Ethereum – ein letztes Aufbäumen oder ready for Mondreise?

Die Zahl der aktiven Ethereum-Wallets hat ein Zweijahreshoch erreicht. Das steckt hinter dem regen Treiben.

Wenn man einen Blick auf die Aktivität im Ethereum-Netzwerk wirft, könnte man meinen, der nächste Bull Run sei nur eine Frage der Zeit. Die Zahl der Wallet-Adressen, die aktiv an Transaktionen beteiligt sind, ist seit Jahresbeginn rasant angestiegen. Wie aus Daten des Blockchain-Analyseportals Glassnode hervorgeht, bewegt sich die Zahl der aktiven Ethereum Wallets auf einem Niveau, wie es das Netzwerk zuletzt vor zwei Jahren gesehen hat.

Die Zahl der aktiven Ethereum-Adressen. Quelle: Glassnodes.com

Auffallend ist dabei, dass sich die Zahl der aktiven Wallets zunehmend vom Ether-Kurs zu entkoppeln scheint. Beide hatten ihr Allzeithoch Ende 2017, am Höhepunkt des ICO-Hypes. Der Ether-Kurs betrug seinerzeit knapp 1.400 US-Dollar, die Zahl der aktiven Wallets belief sich auf über 600.000.

Ethereum boomt: DeFi sei Dank?

Der rapide Anstieg, den die Zahl der aktiven ETH-Wallets seit dem Frühjahr verbucht, korreliert zeitlich mit dem kometenhaften Aufstieg von DeFi-Projekten wie Compound und Synthetix. So konnte Compound praktisch aus dem Stand MakerDAO als die DeFi-Plattform mit dem größten Lending Pool ablösen. Was alle DeFi-Projekte (mit Ausnahme des Bitcoin Lightning Network) vereint, ist, dass sie auf Ethereum aufbauen.

DeFi-Ranking von defipulse.com (Screenshot): Ethereum, wohin das Auge blickt

Es wäre jedoch voreilig, DeFi alleine für den Wachstumsschub des ETH-Netzwerks verantwortlich zu machen. Denn selbst Compound (COMP), der neue Branchenprimus, hat mit mit einem Allzeithoch von 3.000 aktiven Wallets vergleichsweise wenig zum starken Gesamtbild beigetragen.

Tatsächlich scheint ein gewisser Anteil an der neuen Netzwerk-Aktivität auf einen wohlbekannten Stable Coin zurück zu gehen: Tether. Seit einem knappen Jahr finden die meisten Tether-Transaktionen auf Ethereum statt. Daten von Coinmetrics zeigen die wachsende Kluft zwischen E-Tether und der „originalen“ Omnilayer-Version von USDT.

Zahl der aktiven Wallets für den Stable Coin Tether. Oben/hellggrün: Ethereum-Tether, unten: Omnilayer. Quelle: coinmetrics.io

Da für das Überweisen von USDT Gebühren in ETH anfallen, ist davon auszugehen, dass der Stable Coin seinen Teil zur vermehrten Aktivität auf der Ethereum Blockchain beigetragen hat und weiterhin beiträgt.

Der Trubel vor dem Sturm

Ein weiterer Faktor, der dem Ethereum-Netzwerk Zulauf verschafft, ist die Aussicht auf das nächste bedeutende Netzwerkupdate. Mit der Hard Fork Serenity Phase 0 soll das Netzwerk noch in diesem Jahr der Weg zum Proof-of-Stake-Mechanismus geebnet werden. Durch die Abwendung vom energiehungrigen und vergleichsweise langsamen Proof-of-Work-Verfahren soll Ethereum vor allem skalierbarer werden – ein entscheidender Punkt, wenn Ethereum langfristig als DeFi- und Smart-Contract-Plattform relevant bleiben will.

Die Uhr tickt jedenfalls: Mittlerweile nimmt die Konkurrenz deutlich an Fahrt auf. Vor allem Cardano, die Smart-Contract-Plattform von Ethereum-Mitgründer Charles Hoskinson, befindet sich derzeit im Aufwind. Während bei Ethereum der Umstieg auf Proof of Stake nun nachträglich und vergleichsweise mühsam per Hard Fork vollzogen werden muss, setzt Cardano schon von Beginn an auf das Staking. Seit die US-amerikanische Bitcoin-Börse Coinbase angekündigt hat, ADA-Staking ab Q4 zu unterstützen, befindet sich der Cardano-Kurs im Höhenflug.

Fest steht: DeFi steht erst am Anfang. Und Ethereum muss sich sputen, wenn es Rankings wie DeFi-Pulse weiterhin dominieren will. Richtig spannend wird es, wenn das Staking sowohl bei Cardano als auch bei Ethereum im Mainnet ermöglicht wird. Bei Cardano soll es bereits Ende Juli soweit sein.

auf btc-echo lesen