Portugal sperrt Konten von Kryptobörsen – Neuer Ärger für Europas Kryptobranche?

Mehrere große portugiesische Banken haben die bei ihnen geführten Konten von Kryptobörsen geschlossen. Als Grund dafür werden Bedenken hinsichtlich des „Risikomanagements“ angegeben. Da Portugals Zentralbank grünes Licht für die Schließungen gegeben hat, stellt sich nun die Frage, ob damit eine generelle Änderung der offenen Haltung des Landes einhergeht.

Laut Bloomberg sollen bereits mehrere große Banken die Konten der CriptoLoja, die als erste Krypto-Handelsplattform eine offizielle Zulassung in Portugal bekommen hat, geschlossen haben. Zudem sollen noch mindestens drei weitere portugiesische Kryptobörsen von Kontoschließungen bei den Banken BCP (Banco Comercial Portugues), Santander Bank, Caixa Geral de Depósitos, BiG und Abanca betroffen sein.

Neben der CriptoLoja sehen sich auch die Kryptobörsen Mind The Coin und Luso Digital Assets, sowie eine vierte Handelsplattform, die ungenannt bleiben möchte, mit den plötzlichen Schließungen konfrontiert. Mário Centeno, der Chef der Zentralbank von Portugal, die für die Zulassung der Krypto-Unternehmen verantwortlich ist, betont in diesem Zusammenhang, dass die Banken in diesen Fällen Entscheidungsfreiheit haben, immerhin will die Zentralbank die Lage im Auge behalten.

Der wahrscheinliche Grund für die Schließungen ist laut Bloomberg eine mangelnde Einhaltung der Vorgaben zur Geldwäschebekämpfung und Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung, die womöglich auf die Banken zurückfallen könnte. So wären Banken in der Pflicht, „verdächtige Transaktionen“ an die zuständigen Behörden zu melden.

Portugal gilt eigentlich als eines der offensten europäischen Länder im Hinblick auf Krypto. Vor dem Hintergrund der kürzlichen Verabschiedung der Krypto-Regulierungsvorhaben der Europäischen Union (EU) – die sich in MiCA und ToFR manifestiert – stellt sich also die Frage, ob das strengere Vorgehen der portugiesischen Banken vorauseilender Gehorsam gegenüber den neuen Vorgaben ist oder ob es sich um Einzelfälle durch Verfehlungen der betroffenen Kryptobörsen handelt. Die neue Regulierung, die für mehr rechtliche Klarheit in der europäischen Kryptobranche sorgen soll, könnte zunächst also neuen Ärger für diese bedeuten.

Cointelegraph hat CriptoLoja um Stellungnahme gebeten, aber bis Redaktionsschluss noch keine Rückmeldung erhalten. Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald ein Kommentar vorliegt.

auf cointelegraph lesen