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WhatsApp plant Einführung von Digitalzahlungen in Indonesien

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet am 20. August, dass WhatsApp in Indonesien einen digitalen Bezahlservice für das Mobiltelefon lancieren will. Dem Bericht aus der Hauptstadt Jakarta zufolge führt das Internet-Unternehmen Gespräche mit verschiedenen indonesischen Finanzfirmen. Diesen möchte der Messenger-Dienst offenbar mobile Transaktionsservices anbieten.

Indonesien als Wachstumsmarkt für digitale Finanzservices

Neben Indien ist Indonesien das zweite Land weltweit, welches über solche WhatsApp-Services verfügen wird. Der Vorstoß von Mutterkonzern Facebook Inc. findet indes nicht zufällig in Indonesien statt. Der wachsende E-Commerce-Sektor des südostasiatischen Landes bietet dem IT-Giganten nämlich optimale Bedingungen für die Etablierung einer eigenen Finanzinfrastruktur.

Folglich könnte das indonesische Modell als Blaupause für die Adaption neuer Finanztechnologien in aufstrebenden Märkten fungieren. In wachsenden Volkswirtschaften asiatischer und südamerikanischer Schwellenländer erfreuen sich Social-Media-Dienste wie Facebook und WhatsApp nämlich einer enormen Beliebtheit. Gleichzeitig haben viele Menschen (noch) keinen Zugang zu klassischen Bankenprodukten wie beispielsweise einem Girokonto und Kreditkarten. Diese Lücke hoffen globale Internet-Giganten letztendlich zu füllen.

Im 260-Millionen-Einwohnerland Indonesien nutzen über 100 Millionen Menschen WhatsApp. Die E-Commerce Industrie wird Schätzungen zufolge bis 2025 auf einen Wert von 100 Milliarden US-Dollar anwachsen. Gleichzeitig hat die größte Volkswirtschaft Südostasiens aber die strengsten Vorschriften für Digitalzahlungen in der Region.

Im Gegensatz zu Indien wird WhatsApp in Indonesien deshalb keine direkten Peer-to-Peer-Payments anbieten. Vielmehr fungiert der Messenger lediglich als Plattform für die Bezahlung mit lokalen digitalen Wallets. Diese Entscheidung liegt den Reuters-Recherchen zufolge in den nationalen Lizenzregulierungen begründet.

Verhandlungen mit indonesischen Finanzfirmen laufen

Der Messenger-Dienst führt Verhandlungen mit verschiedenen indonesischen Digital-Payment-Firmen. Unter ihnen befinden sich beispielsweise der Transportation-Buchungsdienst Go-Jek und der Mobile-Payments-Anbieter DANA. Auch das FinTech-Start-up OVO und die staatliche Bank Mandiri sind an den Gesprächen beteiligt. Mandiri operiert sogar bereits mit einem Digital-Wallet-Service.

Eine Sprecherin von Facebook bestätigte die Pläne von WhatsApp. „Wie Mark Anfang diesen Jahres sagte […]planen wir, digitale Payments in mehr Länder zu bringen“, sagte sie gegenüber Reuters. Sie verwies aber auch darauf, dass sich die Gespräche in einem frühen Stadium befinden. Internen Quellen zufolge verzögert sich die Veröffentlichung des Dienstes in Indonesien, weil man den Service nicht vor dem Start in Indien lancieren will.

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Europäische Kommission untersucht Monopolbildung durch Facebook Libra

Die Kartellaufsicht innerhalb der Europäischen Kommission hat einen Fragebogen verschickt, um herauszufinden, ob Facebooks Kryptowährung Libra gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

Laut einem Bericht vom 20. August will das Nachrichtenportal Bloomberg Einsicht in ein Dokument erhalten haben, das belegt, dass die EU-Kommission Anfang August einen Fragebogen an Facebook und die Mitglieder der Libra Association verschickt hat, durch den untersucht werden soll, ob die Kryptowährung des Social-Media-Konzerns überhaupt einen fairen Wettbewerb zulässt.

Die Kartellaufsicht befürchtet, dass Facebook und die beteiligten Unternehmen untereinander verschiedenste Kundendaten austauschen könnten, um sich einen gemeinsamen Vorteil zu verschaffen. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht werden, inwiefern Libra in WhatsApp und den Facebook Messenger integriert werden soll.    

Des Weiteren bereiten die Mitgliederstruktur und die Machtverteilung innerhalb der Libra Association der Aufsichtsbehörde Sorge, da sich hier eine Art exklusiver Club herausbilden könnte, der nur ausgewählten großen Unternehmen eine Teilhabe ermöglicht und kleine Unternehmen vom Markt ausschließt.

Allerdings ist die Kartellaufsicht nicht die einzige Abteilung der EU-Kommission, die sich mit der Regulierung von Libra beschäftigt, so hat ein Sprecher der Abteilung für Finanzdienstleistungen bestätigt, dass diese „alle Entwicklungen im Bereich der Kryptowährungen und Zahlungsdienstleistungen verfolgt, darunter auch Libra“.

Wie Cointelegraph zuvor berichtet hatte, sind auch andere Regierungen besorgt, dass Facebook die Zahlungsbranche komplett an sich reißen könnte. So hatte der US-Senator Sherrod Brown, der ein ranghohes Mitglied des parlamentarischen Bankenausschusses ist, schon im Juni davor gewarnt, dass Facebook sowohl für kleine Unternehmen als auch für die Verbraucher zur Bedrohung werden könnte:

„Was passiert, wenn Facebook die Unternehmen dazu zwingt, keine Kreditkarten oder Bankkarten mehr anzunehmen? Dann werden die Kunden dazu gezwungen, Facebooks neue Monopolwährung zu nutzen. Oder was geschieht mit kleineren Unternehmen, die gezwungen sind, Libra zu nutzen, da sie ansonsten den Zugang zu Millionen von Facebook Nutzern verlieren, sich so aber von Facebook abhängig machen?“

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Winklevoss-Brüder in Gesprächen mit Libra Association

Tyler und Cameron Winklevoss, beide bekannte Bitcoin (BTC)-Bullen und Gründer der Kryptobörse Gemini, sagen, sie wären offen für eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Mark Zuckerberg im Hinblick auf Libra.

CNN Business berichtete am 19. August, dass die berüchtigte und langwierige Einigung zwischen den Zwillingsbrüdern und Zuckerberg einer möglichen Zusammenarbeit nicht im Wege stehen solle.

Gespräche über Beitritt in die Libra Association

Cameron erklärte gegenüber CNN, dass Libra – unabhängig davon, ob eine Partnerschaft zustande kommt oder nicht – einen Schritt in Richtung Massenakzeptanz für Kryptowährungen darstelle. Er betonte:

„Ich denke, es wird der Tag kommen, an dem wir nicht ohne Krypto leben oder uns eine Welt vor Krypto vorstellen können.“ 

Wie CNN erklärte, könnte die proaktive Förderung einer Kryptoregulierung durch die Zwillinge die beiden zu einem attraktiven Partner für Facebook machen. Denn weltweit hat das Libra-Projekt von Facebook bei Regierungen und Regulierungsbehörden bereits Bedenken aufgeworfen.

Die Zwillinge gaben bekannt, dass sie Gespräche über einen Beitritt zur Libra Association geführt hätten. Die Libra Association ist ein neu gegründetes, unabhängiges Governance-Konsortium für das geplante Token von Facebook – , das derzeit 28 Gründungsmitglieder zählt. Diese Zahl soll bis zum Start von Libra auf 100 ausgeweitet werden.

Tyler und Cameron erklärten jedoch, dass sie noch mehr Details über das Projekts in Erfahrung bringen müssen, bevor sie sich entscheiden, ob sie der Vereinigung beitreten oder nicht. Auch die Frage, ob sie Libra an der Börse Gemini notieren wollen soll in diesem Zusammenhang geklärt werden.

Die Libra Association wollte sich zu laufenden Verhandlungen mit Partnern nicht äußern.

Internet-Riesen werden Krypto begrüßen

Laut Cameron ist Facebook vielleicht der erste Tech-Riese, der eine firmeneigene Kryptowährung einführen möchte – aber er wird nicht der letzte sein:

„Ich denke, dass Internetunternehmen eine Krypto-Strategie haben müssen, und ich glaube, viele von ihnen denken über eigene Coin-Projekte nach. Sie beobachten Libra und Facebook wahrscheinlich, um zu sehen, wie das läuft, bevor sie eine eigene Währung entwickeln.“ 

Er prognostizierte, dass Amazon, Apple, Netflix und Google folgen werden und hob vor allem Amazon als soliden Konkurrenten hervor:

„Amazon kann wahrscheinlich Pakete an buchstäblich jeden Ort der Welt bringen, auch wenn die letzte Meile auf einem Geländefahrrad oder etwas in der Art gefahren werden muss […] sehr ironisch, dass wir physische Sachen überall auf der Welt hinliefern können, aber wir Geld an viele Orte auf der Welt nicht hin überweisen können.“

Heute früh berichtete Cointelegraph, dass die Entwicklung der geplanten staatlichen Kryptowährung der chinesischen Zentralbank von der Bekanntgabe des Libra beeinflusst wurde.

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China: Zentralbank-Kryptowährung kann Alipay und WeChat Pay ausstechen

Chinas Reaktion auf die digitale Währung Libra von Facebook könnte der Zentralbank dabei helfen, Alipay und WeChat Pay Kunden abzuwerben.

Cindy Wang, eine Analystin bei DBS Group Research, sagte am 19. August gegenüber der Medienplattform South China Morning Post (SCMP), Peking könne von der Attraktivität seiner staatlichen digitalen Währung für Händler profitieren.

Rückkehr zu Bankeinlagen

Laut Wang laufen neun von zehn Transaktionen in China über die beiden Zahlungsriesen Alipay und WeChat Pay. 

Darüber hinaus könnte die digitale Währung dazu beitragen, Kapitalabflüsse zu begrenzen.

„Derzeit stehen die Banken unter Druck, um ihre Einlagen zu halten, da das Geldmarktkapital, die von Drittanbietern wie Alipay oder Tencent verteilt werden, ein Teil des ungenutzten Geldes auf mobilen Zahlungskonten aus dem Bankensystem nun von Fondsmanagern verwaltet werden“, wie sie gegenüber der SCMP erklärte.

Chinas digitale Zentralbankwährung wird nicht mit dem Yuan konkurrieren

Wie Cointelegraph berichtete, ist Chinas bald geplanter digitaler Token so weit entwickelt, dass er ausgegeben werden kann, obwohl er nicht als bonafide Kryptowährung bezeichnet werden kann. Unter der Schirmherrschaft ihrer Zentralbank, der Volksbank von China (PBoC), wurden die Vorbereitungen beschleunigt, weil die Behörden den Libra als potenzielle Bedrohung eingestuft hatten.

Mu Changchun, der stellvertretende Direktor der PBoC gab letzte Woche weitere Details bekannt und betonte, dass diese Zahlungsmethode nicht mit dem Yuan konkurrieren oder eine seiner bestehenden Funktionen übernehmen würde.

„Sie kann die vorhandenen Ressourcen nutzen, um Geschäftsbanken zu unterstützen und zu entwickeln und die digitale Währung reibungslos zu fördern“, wie es in einem Kommentar zur Ausgabe hieß.

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US-Gesetzgeber tauschen sich mit der Schweiz über Facebooks Libra aus

Eine Delegation des US-Repräsentantenhauses wird die Schweiz wegen Bedenken hinsichtlich der Kryptowährung besuchen. Im Mittelpunkt steht dabei Facebooks noch nicht veröffentlichte Stablecoin Libra.

Wie die lokale Wochenzeitung NZZ am Sonntag am 17. August berichtete, wird eine sechsköpfige Delegation des House Financial Services Committee mit dem Datenschutz- und Informationskommissar (EDÖB) Adrian Lobsiger zusammentreffen, um sich über digitale Währungen auszutauschen.

Ein Sprecher sagte der NZZ am Sonntag, dass Libra im Mittelpunkt des Dialogs zwischen der Aufsichtsbehörde und dem US-amerikanischen Gesetzgeber stehen wird. Die Delegation wird von der Vorsitzenden des House Financial Services Committee, Maxine Waters, geleitet, die zuvor darum gebeten hatte, die Entwicklung von Facebook zu stoppen, bis die angeblichen Risiken, die damit verbunden sind, richtig verstanden werden.

Schweizer Verordnung

Der Besuch der US-Gesetzgeber zielt darauf ab, regulatorische Fragen im Zusammenhang mit Libra zu klären. In Anhörungen vor dem House Financial Services Committee im Juli äußerten einige Vertreter ihr Unbehagen darüber, dass die Coin von der Schweiz aus reguliert wird. 

In den Anhörungen versicherte David Marcus von Facebook dem Vertreter Bill Huizenga, dass Facebook mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht in Kontakt getreten sei.

Der Leiter der Kommunikation bei der EDÖB, Hugo Wyler, sagte anschließend, dass Facebook die Regulierungsbehörde bezüglich der Registrierung seines Kryptowährungsprojekts nicht kontaktiert habe. Die FINMA sandte daraufhin einen Brief an die Libra Association –das von der Stablecoin vorgeschlagene Leitungsgremium – mit der Bitte um Einzelheiten über Libra:

„Die EDÖB erklärte in einem Schreiben, dass die Libra Association sie über den aktuellen Stand des Projekts informieren sollte, damit sie beurteilen kann, inwieweit sie beratend und aufsichtsrechtlich kompetent ist, da sie keine Informationen darüber erhalten hat, welche persönlichen Daten verarbeitet werden und inwiefern sie als Berater und Aufsicht zuständig ist.“

Bei einer Anhörung vor dem US- Repräsentantenhaus Mitte Juli wurde Marcus die Frage gestellt, warum das Unternehmen entschieden hatte, seine Libra Association in der Schweiz und nicht in den USA zu registrieren. „Die Wahl der Schweiz“, so Marcus, „hatte nichts damit zu tun Umgehen von Vorschriften oder Versehen.“ Marcus argumentierte, dass die Gerichtsbarkeit ein internationaler Ort sei, der der Geschäftstätigkeit förderlich sei.

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Blockchain-Lobbyismus zwischen Berlin, Brüssel und Washington – Warum jetzt ein anderer Wind weht

Jede Branche hat sie: Lobbyisten. Die Interessenvertreter mit dem angeschlagenen Image sind unverzichtbar, wenn es um die Artikulation von Forderungen gegenüber der Politik geht. Bis dato ist der Einfluss von Krypto-Lobbyisten als sehr gering einzuordnen. Zu chaotisch, klein und finanziell schlecht ausgestattet ist die Krypto-Branche. Ganz anders sieht es bei Konzernen aus, die eigene Abteilungen haben, die unter den Bezeichnungen Governmental oder Public Affairs firmieren.

Ehrenamt remote statt vergoldete Hauptstadtrepräsentanz

Hauptberufliche Lobbyisten für die Krypto-Branche gibt es praktisch nicht. Kein Krypto-Start-up besitzt eine Hauptstadtrepräsentanz, die sich ausschließlich um die politische Kommunikationsarbeit kümmert. Stattdessen wird das Lobbying von der Unternehmensebene auf die Verbandsebene verlagert. Hierbei geht es weniger um die Partikularinteressen eines einzelnen Unternehmens als um übergeordnete Policy-Empfehlungen. In Verbänden wie dem Bundesblock, dem Blockchain Bundesverband mit Sitz in Berlin, wird mit minimalstem Budget und hauptsächlich ehrenamtlich versucht, die Politik für das Thema Blockchain zu sensibilisieren.

Im Rahmen der Möglichkeiten wird dies in Teilen auch erfolgreich umgesetzt. Verglichen mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) oder dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), deren Formulierungen in praktisch jedem themenspezifischen Gesetzesentwurf der Bundesregierung zu finden sind, sind die Einflussmöglichkeiten aber ziemlich begrenzt.

Die vereinigten Nodes von Europa

Dass eine nationale Regulierung der Blockchain-Technologie schnell an ihre Grenzen stößt, dürfte jedem einleuchten. Umso logischer erscheint die politische Interessenvertretung auf nächstgelegener Ebene, ergo der europäischen. Auch hier gibt es genauso wie im Nationalen wichtige Interessenvertretungen, die seit kurzer Zeit Krypto-Lobbying betreiben. Zu nennen wären hier beispielsweise die European Blockchain Association, thinkBlocktank, International Association for Trusted Blockchain Applications oder das European Blockchain Observatory and Forum.

Sie alle tragen einen wichtigen Teil dazu bei, das Thema Blockchain in den politischen Diskurs zu rücken. Doch auch sie haben das gleiche Aufmerksamkeits- und Kapazitätsproblem wie auf nationaler Ebene. Kurzum: Es fehlt an Schlagkraft und an einem über Jahrzehnte aufgebauten Netzwerk.

Daimler, Facebook und Walmart bestimmen nun die Marschrichtung

Ganz anders sieht es bei Konzernen aus. Neben oftmals starken Branchenverbänden wie dem Verband der Automobilindustrie (VDA) verfügen auch die Branchenunternehmen selbst, wie zum Beispiel Daimler, VW oder BMW, über schlagkräftige Politikabteilungen.

Passiert es nun, dass Blockchain und Kryptowährungen in der Unternehmensstrategie der Konzerne Beachtung finden, dann rückt damit das Thema automatisch auch auf die Agenda der einflussreichen Player. Ganz gleich, ob Car Wallet bei Daimler, eine eigene Kryptowährung bei Walmart oder vernetzte Endgeräte von Bosch, die über das IOTA Tangle laufen. Die Konzerne haben Grund genug, dafür zu sorgen, dass krypto-freundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Nicht zuletzt das kontroverseste Krypto-Konzernprojekt, Facebooks Libra, dürfte dafür sorgen, dass Millionen von US-Dollar und Euro in das politische Lobbying, vor allem in Washington, fließen.

Wird das alte Blockchain-Narrativ nun beerdigt?

Aufgrund ihres Einflusses schenkt man Konzernen Gehör und kommt eher ihren Forderungen nach als Kleinstunternehmen oder ehrenamtlich geführten Verbänden. Ebendieser Umstand kann sich positiv auf die Regulierung der Krypto-Branche auswirken. Mehr öffentliche Aufmerksamkeit und eine krypto-freundliche Politik können entsprechend dem gesamten Markt der Kryptowährungen helfen. Neben all den Vorteilen besteht allerdings auch die Gefahr, dass dadurch die Interessen der Krypto-Start-ups von den Konzern-Interessen ausgebootet werden. Schließlich verfolgen Facebook und Walmart andere Ziele in der Krypto-Ökonomie als die wirklich dezentralen Blockchain-Projekte.

Das ursprüngliche Blockchain-Narrativ der Dezentralisierung und Stärkung des Endverbrauchers dürfte dabei nicht in den Policy-Empfehlungen der Konzerne Berücksichtigung finden. Während viele kleine Blockchain-Start-ups und Projekte gänzlich neue Governance-Strukturen verfolgen – man denke hier beispielsweise an Dezentrale Autonome Organisationen – sind es bei den Konzernen eher Krypto-Features, die das eigene Ökosystem stärken. Am Ende geht es darum, das eigene Projekt durchzuboxen. Im Extremfall kann sich das Konzern-Krypto-Lobbying sogar gegen Blockchain-Start-ups richten. Dies könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich ein Internetkonzern von den diametral gegenüberstehenden Blockchain-Plattformen unter Druck gesetzt fühlt.

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Facebook Libra: Deutscher Bankenverband fordert strenge Kontrolle

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) Andreas Krautscheid hat in einem in den Zeitungen der Funke Mediengruppe veröffentlichten Interview vom 14. August eine strenge Regulierung von Facebooks Stablecoin Libra gefordert.

Schockwellen durch Libra-Ankündigung

Laut dem Verbandschef hat das von ihm gegenwärtig nur als “Idee” bezeichnete Projekt “im Finanzsektor eingeschlagen wie ein Meteorit”. Es sei zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abzusehen, ob Libra zu einer Art globaler Währung in privater Hand oder eine Gefahr für das Geldsystem werde.

Sollte Libra jedoch auf den sozialen Plattformen angenommen werden, “dürfte sie im internationalen Geldsystem allein wegen der schieren Zahl von derzeit 2,4 Milliarden aktiven Facebook-Nutzern eine wichtige Rolle spielen”, sagt Krautscheid vorher.

Zu den Bedingungen einer möglichen Zulassung durch die Regulierungsbehörden sagte Krautscheid:

“Wenn man eine „Währung“ in privater Hand zulassen will, dann muss das gut kontrolliert und reguliert sein. Libra müsste die weltweit höchsten regulatorischen Standards erfüllen und einer sorgfältigen Aufsicht und Kontrolle unterliegen. Zudem spielt Prävention gegen Cyberangriffe eine riesige Rolle.”

Bankenverband präzisiert seine Kritik

Bereits im Juli hatte der Bankenverband in einem Positionspapier zu einer internen Veranstaltung eine Regulierung von Libra eingefordert. Mit dem Interview hat Krautscheid diese Position öffentlich bekräftigt.

Angesichts des breiten Widerstands gegenüber Libra hat Facebook mittlerweile eine einflussreiche und gut in der US-Politik vernetzte Lobbyistin für das Projekt eingestellt. Unterdessen veröffentlichte der US-Einzelhandelsriese Walmart ebenfalls ein Patent für eine eigene Kryptowährung, welche nach der Meinung einiger Experten bessere Chancen haben könnte als Libra.

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Chinesische Digitalwährung „ist bereits fertig“

Die chinesische Zentralbank (PBOC) hat verlauten lassen, dass ihre Digitalwährung „schon als fertig bezeichnet werden kann“.

Laut Mu Changchun, dem stellvertretenden Direktor der PBOC, wurde nun nach fünf Jahren Entwicklungszeit ein erster Prototyp auf Basis der Blockchain-Technologie fertiggestellt.

Die entsprechende Ankündigung wurde auf einer chinesischen Finanzkonferenz gemacht, wie die Shanghai Securities News am 10. August berichtet hat.

Zweistufiges System

Wie Mu erklärt, basiert die Digitalwährung allerdings nicht ausschließlich auf der Blockchain-Technologie. Dies sei angesichts der Größe Chinas nicht möglich, da besonders der Einzelhandel eine hohe Zuverlässigkeit des Währungssystems benötigt, was zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich durch die Blockchain erreicht werden kann.

Des Weiteren wird die Digitalwährung in einem zweistufigen System betrieben, um einer „komplexen Volkswirtschaft mit einer großen Bevölkerung“ Rechnung zu tragen. Die chinesische Zentralbank operiert dabei auf dem obersten Level, während die Privatbanken auf der untergeordneten breitflächigen Ebene zum Zug kommen. Dadurch soll der Zugang zur Digitalwährung größtmöglich gemacht werden, um die Annahme in der Bevölkerung voranzutreiben und Innovation zu fördern.

Laut dem stellvertretenden Direktor der Zentralbank ist die Digitalwährung in erster Linie für „kleinere Händler mit viel Umschlag“ gedacht.

Antwort an die USA?

Wie Cointelegraph am 10. August berichtet hatte, waren die Planungen um eine chinesische Digitalwährung zuletzt immer lauter geworden, da diese auch als Antwort auf Libra und die momentane Politik der USA gedacht ist.

Trotz der jüngsten Ankündigung von Mu bleibt allerdings weiterhin unklar, wann Chinas Digitalwährung tatsächlich in Umlauf kommen wird. Es ist davon auszugehen, dass es sich zunächst um eine Art Säbelrasseln handelt, um den großen Konkurrenten aufhorchen zu lassen. 

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Wer ist David Marcus: Vom Bitcoin-Enthusiasten zum Leiter von Libra

David Marcus, der das Blockchain-Projekt von Facebook anführt, hat in letzter Zeit enormes Aufsehen erregt. Das rasche Aufkommen von Libra hat die Berichterstattung über andere Entwicklungen im Zusammenhang mit Krypto dominiert, da sich herausstellte, dass der Einstieg des Social-Media-Riesen in den Bereich digitaler Vermögenswerte schwerwiegende Folgen für den Blockchain-Sektor und das globale Finanzsystem im Allgemeinen haben wird.

Die Kryptoindustrie hatte bisher keinen richtigen Hauptsprecher – was für eine Domäne, in der Dezentralisierung die am meisten geschätzten Werte sind, vielleicht eine natürliche und begrüßenswerte Angelegenheit ist. Nun findet sich Libra in einer zentralen Positionen einer Finanzdebatte wieder, was den charismatischen Leiter des Projekts zum Gesandten für den gesamten Kryptowährungsraum aufsteigen lässt.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht, die Gesetzgeber der alten Schule in den USA und darüber hinaus sind es gewohnt, mit bestimmten Personen, die Interessengruppen und Branchenverbände vertreten, umzugehen. Die beiden Auftritte von Marcus vor dem US-Kongress haben ihn wahrscheinlich nicht nur zu „Mr. Facebook-Kryptowährung“ sondern eher zu „Mr. Kryptowährung “ in den Augen vieler Menschen in hohen Ämtern aufsteigen lassen. Aber wie kam es, dass ein in Paris geborener, in Genf aufgewachsener Studienabbrecher diese herausragende Stellung erlangte?

Von Genf ins Silicon Valley

Geboren in eine rumänisch-iranische Familie in Paris, wuchs der zukünftige Leiter von Libra in der Schweiz auf, wo er die Universität Genf besuchte. Wie so viele seiner zukünftigen Kollegen aus der Technologiebranche verließ er die Schule lange vor seinem Abschluss, um sich auf eine unternehmerische Karriere zu konzentrieren. Im Alter von 23 Jahren gründete Marcus sein erstes Startup – einen Telekommunikationsanbieter – der nach vier Jahren unter seiner Führung von einem größeren Kommunikationskonzern übernommen wurde. Seine ersten Erfahrungen mit Zahlungen sammelte er, nachdem er das Unternehmen namens Echovox gegründet hatte, zu dessen Leistungen unter anderem die Erleichterung der SMS-Abstimmung für bekannte Fernsehsendungen gehörte.

Zong, ein Spin-off von Echovox, hat erfolgreich ein Zahlungsnetzwerk eingerichtet, mit dem Benutzer Einkäufe über die Abrechnung von Mobilfunkanbietern tätigen können. Der Aufbau eines solchen Dienstes in großem Maßstab erforderte Verhandlungen zwischen Marcus und Hunderten von Mobilfunkbetreibern und Tausenden von Händlern. Es war Zongs Erfolg, der Marcus bei der Akquisition des Startups durch den Payment Koloss zum Vizepräsidenten der Abteilung für mobile Zahlungen bei PayPal machte. Es war hilfreich, dass PayPal sich auf die Ausweitung seiner mobilen Dienste eingestellt hatte, für die sich die Erfahrung von Marcus als unschätzbar erwies. 2012 wurde er zum Präsidenten des Unternehmens befördert und leitete das explosive Wachstum einer der weltweit größten Zahlungsplattformen.

Im Jahr 2014 gelangt es Mark Zuckerberg, Marcus als Leiter für Messaging-Produkte bei Facebook zu gewinnen. Marcus verwies auf seine Bereitschaft, wieder kleinere Teams zu leiten (PayPal zählte am Ende seiner Amtszeit rund 15.000 Mitarbeiter) und verbraucherorientierte Produkte und Dienstleistungen in einem dynamischeren Startup-Umfeld zu entwickeln. Unter seiner Führung wuchs der Facebook Messenger im Hinblick auf die Anzahl der aktiven Benutzer erheblich und verzeichnete einige Verbesserungen in seiner Funktionalität – einschließlich der Einführung von Tools, die die Interaktion zwischen Einzelhändlern und ihren Kunden erleichtern, z. B. Chatbots zur Unterstützung von Zahlungen.

Marcus leitete den Messenger vier Jahre lang, bevor das völlig neue Kapitel seiner Karriere mit der Ankündigung von Facebook eröffnet wurde, dass er die Leitung der neu eingerichteten Blockchain-Task Force übernimmt – der Initiative, die jetzt unter dem Namen Libra bekannt ist.

Früh-Anwender

Es wird angenommen, dass David Marcus einer der Ersten in der Welt der Big Tech ist, der mit Kryptowährungen experimentiert, wie Asaf Fybish, Mitbegründer der Blockchain-Marketingfirma GuerrillaBuzz, gegenüber Cointelegraph sagte:

„David Marcus gilt als einer der ersten Top-Manager im Silicon Valley, der Bitcoin akzeptiert und unterstützt. Auf der LeWeb-Konferenz in Paris im Jahr 2013 erklärte Marcus, dass er ein großer Fan von Bitcoin ist und selbst einige besitzt. Er nannte Bitcoin einen Wertspeicher und ein Distributed Ledger. Es war ziemlich aufregend, diese Art der Unterstützung im Jahr 2013 zu erhalten, und wir können feststellen, dass David ein Gespür für Blockchain- und Kryptowährungen hat.“

In dem von dem Journalisten Nathaniel Popper  verfassten Buch „Digital Gold“ wird Marcus neben den Gründern der digitalen Geldbörse Gemini (Cameron und Tyler Winkelvoss), dem Co-Vorsitzenden der Fortress Investment Group Peter Briger, und dem Unternehmer Wences Casares als hochrangiger Manager erwähnt, die in mindestens seit 2013 in Bitcoin investiert haben. Popper behauptet, Marcus sei so fasziniert von dem ursprünglichen digitalen Vermögenswert, dass er irgendwann überlegte, PayPal zu verlassen, um eine Kryptobörse zu starten.

Im April 2013 gab Marcus zu, dass PayPal nach Möglichkeiten suchte, Bitcoin in die Abläufe des Zahlungsunternehmens einzubinden.

„Also habe ich viel Zeit damit verbracht, mich damit zu beschäftigen, und es ist wirklich faszinierend: Die Art und Weise, wie die Währung gestaltet wurde und wie die Inflation eingebaut wird, um die Miner zu bezahlen, und all das ist wirklich faszinierend.“ Ich denke, dass es für uns bei PayPal nur eine Frage ist, ob Bitcoin den Weg zum PayPal-Finanzierungsinstrument findet oder nicht.“

Später im selben Jahr, als Marcus auf der erwähnten LeWeb-Konferenz sprach, meinte er, dass Kryptowährungen eine größere Chance hätten, die Zahlungsbranche innerhalb der nächsten 10 Jahre zu revolutionieren, als beispielsweise die NFC-Tap-to-Pay-Technologie.

Obwohl es anfangs so aussah, als hätte der Umzug zu Facebook Marcus viel weiter von seinen Bestrebungen nach Kryptowährung weggelockt als bei PayPal, schloss das Schicksal den Kreis, und nur ein paar Jahre später steht er an die Spitze des Blockchain-Projekts der sozialen Plattform. Einige Leute in der Branche ziehen direkte Vergleiche zwischen Libra und dem Zahlungsnetzwerk, das Marcus einst verwaltet hat. Ruud Feltkamp, ​​CEO und Mitbegründer der Crypto-Handelsplattform Cryptohopper, sagte gegenüber Cointelegraph:

„Hier bei Cryptohopper haben wir uns oft gefragt: Warum erschafft niemand das „PayPal“ von Krypto-Branche? Es ist großartig zu sehen, dass es tatsächlich ihr ehemaliger Präsident ist, der jetzt Libra leitet. Unabhängig davon, was Sie von Facebook halten, ihr Eintritt markiert den Beginn des Einzugs von großen Unternehmen in die Krypto-Branche. An nächster Stelle vielleicht Google?“

Während seiner Zeit bei PayPal blieb Marcus in einem abwartenden Modus. Er sagte in einem Interview von 2014, dass es für ein in mehr als 90 Ländern präsentes Zahlungsunternehmen von entscheidender Bedeutung sei, die regulatorischen Auswirkungen der Akzeptanz von Kryptowährung in allen Gerichtsbarkeiten zu verstehen. Zu diesem Zeitpunkt konnte er offenbar keinen realistischen Weg finden, um dies zu erreichen, da PayPal nicht über die Verbraucherbasis und die Wirtschaftskraft verfügte, die es Facebook ermöglichten, fünf Jahre später einen globalen Kryptowährungsplan aufzustellen.

Skalierende Blockchains

Eine der Hauptkompetenzen von Marcus besteht darin, die Bürokratie, die mit der Skalierung eines globalen Zahlungssystems auf Transaktionen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar pro Minute einhergeht, auf graziöse Weise zu durchbrechen. Bereits im Jahr 2012 sprach er mit Begeisterung über diese Facette seiner Arbeit Noch bevor er zum Leiter des Libra-Projekts benannt wurde, hatte diese Fähigkeit ihm eine Position im Coinbase-Verwaltungsrat eingebracht, da die Krypto-Handelsplattform gegen Ende des Jahres 2017 auf dem Vormarsch war, um einen Anstieg sowohl der Krypto-Preise als auch der Anzahl der Krypto-Investoren zu bewältigen.

Marcus zeigte sich begeistert von dieser Chance, Coinbase dabei zu helfen, „den Zugang zu Kryptowährungen zu demokratisieren und die Mission zur Schaffung eines offenen Finanzsystems für die Welt zu erfüllen“. Seine Amtszeit bei der Börse dauerte jedoch nur einige Monate, bevor er zurücktreten musste. Daraufhin  erhöhte Facebook seine eigenen Blockchain-Bemühungen.

Vor der Enthüllung von Libra prognostizierte Marcus die vorsichtige Haltung von Facebook in Bezug auf Kryptowährung. Er verwies beispielsweise auf die funktionalen Hürden bei Blockchain-fähigen Zahlungen und sagte:

„Krypto-Zahlungen sind derzeit sehr teuer und sehr langsam. Daher müssen die verschiedenen Communities, in denen die verschiedenen Blockchains und Assets ausgeführt werden, alle Probleme beheben. Wenn wir eines Tages dort ankommen, werden wir möglicherweise etwas unternehmen.“

Nach der umstrittenen Entscheidung, alle kryptobezogenen Anzeigen  zu verbieten, trat er auch für Zuckerberg ein und unterstützte die Ansicht, dass die meisten von ihnen ohnehin Betrug waren und das Verbot zum Schutz der Nutzer notwendig gewesen sei.

Stephanie So, Mitbegründerin und Chief Development Officer des Blockchain-Sicherheits-Startups Geeq, bemerkte gegenüber Cointelegraph, dass Marcus für seinen Job gut qualifiziert sei, dass dies jedoch die Bedenken hinsichtlich des Führungsmodells von Libra nicht ausräumen dürfe:

„Ich würde sagen, dass David Marcus seine Karriere eindeutig damit verbracht hat, die Zahlungsverkehrsbranche zu leiten und zu verstehen. Wenn es für eine Gruppe privater Unternehmen Möglichkeiten geben sollte, eine alternative Weltwährung zu gründen, um Handelstransaktionen zu dominieren, könnte die Erfahrung von Marcus im Bereich Finanzen in Milliardenhöhe und mit internationalen Aufsichtsbehörden Sinn machen. “

Dies stimmt auch mit den Ansichten überein, die Marcus in seiner Anhörung vor dem US- Kongress dargelegt hat. Sie sagte:

„Ich stimme auch dem zu, was er anscheinend in seiner Aussage vor dem Kongress angegeben hat: Blockchain-Technologie ist unvermeidlich. Wie Sie wissen, ist das Verständnis der Blockchain-Technologie noch dürftig. Trotz der ideologischen Tendenzen der meisten Blockchains zu Inklusion und Selbstverwaltung gibt es Gründe, warum Blockchain noch nicht weit verbreitet ist, und das liegt daran, dass es potenziell große Lücken in ihren Sicherheitsmodellen gibt, was das traditionelle Finanzwesen bedeutet (oder bedeuten sollte), dass Institutionen noch nicht bereit sind, auf Blockchain umzusteigen. “

Der wahre „Mensch“

Im Gegensatz zu vielen Technologiemanagern, die jahrzehntelang im Silicon Valley prominente Positionen innehatten, ohne ihre Ansichten öffentlich zu äußern, scheute Marcus dies nie – und das auf eine ziemlich leidenschaftliche Weise. Hill Ferguson, gleichzeitiger Mitarbeiter bei Zong und dann bei PayPal, sagte gegenüber der Financial Times einmal, dass der Libra-Chef kein menschliches Element in ihm vermisse lasse: „Er kann eine großartige, überzeugende Person in Bezug auf eine Vision sein, aber er kombiniert dies mit einer soliden Persönlichkeit – oder, wie er sagen würde, ein Mensch – und das ist er wirklich im wahrsten Sinne des Wortes.“

Ein berüchtigter, versehentlicher Ausdruck dessen, wie Marcus sich das, was er tut, zu Herzen nimmt, entstand im Jahr 2014, als der damalige PayPal-Präsident die Mitarbeiter des Unternehmens für ihre Abneigung gegen die Verwendung von PayPal-eigenen Produkten anklagte. Er nannte es „inakzeptabel“ und implizierte, dass diejenigen, die die App nicht nutzen oder ihr Passwort vergessen haben, sich lieber etwas suchen sollten, bei dem sie mit vollem Herzen dabei sind“.

In einem anderen Fall nutzte Marcus die sozialen Medien, um seine Meinung zu einer Streitigkeit zu äußern, die im Jahr 2018 zwischen dem Facebook-Management und Brian Acton, dem Mitbegründer von WhatsApp, bestand. In Bezug auf Acton schrieb Marcus, er habe „Angriffe auf die Menschen und die Gesellschaft verübt, die Sie zu einem Milliardär gemacht haben, und die in einem beispiellosen Ausmaß vorgegangen, um Sie jahrelang zu beschützen, unterste Schublade.“

Insgesamt lässt eine Überprüfung der Aufzeichnungen von Marcus darauf schließen, dass er unabhängig von seinen Gefühlen gegenüber Facebook und Waage ziemlich gut qualifiziert ist, den Kryptoraum vor den Mächtigen der Welt darzustellen. Während seine frühe Beschäftigung mit Bitcoin die Echtheit seiner Pro-Krypto-Behauptungen bestätigt, gibt Marcus aufgrund seiner Erfahrung mit dem globalen Zahlungsverkehrsmarkt und seiner Nutzer-Orientierung Anlass zur Hoffnung, dass er zumindest einen ehrlichen Versuch unternehmen könnte, Libra in Richtung des sozialen Wohls zu lenken .

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Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik

Nach Facebook hat nun auch Walmart in Form eines Patentantrags bekanntgegeben, die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung im Stable-Coin-Format zu planen. Genau wie Facebooks Libra soll also auch der Walmart Coin eine Bindung zu Fiatwährungen, wahrscheinlich vorrangig den US-Dollar, haben.

Walmart: Ein unterschätzter Gigant

Mit über zwei Millionen Mitarbeitern ist Walmart nicht nur der größte private Arbeitgeber der Welt, sondern auch der umsatzstärkste. Kein Einzelhandelsunternehmen der Welt wickelt damit mehr Transaktionen ab als Walmart. Das Potential, nicht nur hunderte Millionen US-Dollar an Transaktionskosten zu sparen. Sondern auch die Wertschöpfung des eigenen Ökosystems zu optimieren, eröffnet bislang ungeahnte Möglichkeiten – angefangen bei den zwei Millionen Mitarbeitern, deren Incentivierung über Token-Modelle besser abgedeckt werden kann, bis hin zu Lieferanten- und Kundenkrediten sowie Bonusprogrammen.

Wie bei Facebooks Libra wäre auch hier der Effekt auf die Krypto-Adaption enorm. Ein nicht unerheblicher Teil der Weltbevölkerung könnte so unmittelbar in Kontakt mit einer Kryptowährung kommen.

America first: Vorerst nur auf amerikanischem Boden?

Trotz der globalen Dominanz von Walmart richtet sich das Projekt scheinbar vorerst an die US-Bürger selbst. Während Facebook vor allem Entwicklungsländer im Visier hat, dürften insbesondere die unteren Gesellschaftsschichten in den USA als Zielgruppe angesprochen werden. Es ist davon auszugehen, dass Walmart damit beabsichtigt, weitere Konsum-Anreize zu schaffen, die nicht vom oftmals dauerhaft überzogenen Kreditkarten-Rahmen der Konsumenten ausgebremst werden. Die „Kultur“ der Kreditkarten-Schulden und Bonusprogramme nimmt in den USA bekanntlich einen ganz anderen Stellenwert als in Europa ein.

Zwar fischt damit auch Walmart im Gewässer der Banken und Kreditkarten-Dienstleister, dennoch dürfte hier die Konkurrenz für den Bankensektor geringer sein als bei Facebook. Zumindest versucht man seitens Walmart, die Gemüter der Regulatoren zu beruhigen, indem man die eigenen Pläne tendenziell herunterspielt. Nach den teils heftigen Reaktionen aus der US-Politik zu Facebooks Libra möchte es Walmart schließlich vermeiden, sich unnötig früh ins Visier der Regulatoren und der Öffentlichkeit zu stellen.

Die Büchse der Pandora

Gleichzeitig wächst mit Walmarts Absichtserklärung, eine Kryptowährung herauszugeben, der Druck auf die bis dato überforderte Politik. Wie kann privates Geld – selbst, wenn es sich um US-Dollar gedeckte Stable Coins handelt – neben dem US-Dollar der US-Notenbank Fed existieren? Gefangen zwischen Finanzmarkt-Liberalismus auf der einen und staatlichem Kontrollzwang auf der anderen Seite, hat man Angst davor, die Büchse der Pandora zu öffnen. Natürlich ist die US-Regierung (noch) in der Lage, die einzelnen Pläne einer Konzern-Kryptowährung abzuschmettern.

Dennoch wäre der Preis zu hoch und der Sieg nur ein temporärer. Jede halbwegs aufgeklärte Regierung weiß, dass sie solch übergeordnete Entwicklungen und Innovationen nicht aufhalten kann. Zumal die Verlockung im Falle Facebooks viel zu groß ist, einen neuen Ankäufer für US-Staatsanleihen zu gewinnen. Wie den Plänen zu entnehmen ist, würde Facebook zur Stable-Coin-Deckung auch Staatsanleihen aufkaufen und damit das Staatsschulden-Karussell stabilisieren.

Aktuell lässt sich an der Reaktion der Regulatoren ablesen, dass man den Tag X soweit wie möglich nach hinten schieben möchte. Wenn man ihn schon nicht verhindern kann, dann zumindest Zeit gewinnen. Während noch überhaupt nicht klar ist, wann Walmart einen Coin herausgibt, lässt sich daher ziemlich sicher vorhersagen, dass Facebooks Libra eher später als früher tatsächlich zugelassen wird.

Konzern-FOMO

Dabei sind Facebook und Walmart nicht die einzigen Konzerne, die Krypto-Patente eingereicht haben. Es ist davon auszugehen, dass die größten Unternehmen der Welt derzeit allesamt prüfen, inwiefern Krypto-Features sinnvoll umzusetzen sind. Die Angst, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, ist schlichtweg zu groß – Fear of Missing Out lässt grüßen.

Ein besonders spannendes Patent hat beispielsweise der Sportartikelhersteller Nike unter dem Namen Cryptokicks eingereicht. Dieses legt nahe, dass man bald auch Turnschuhe als digitale Sammlerstücke auf der Blockchain verwahren und handeln kann. Ebenfalls gibt es Gerüchte, dass auch Samsung an Plänen zu einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Es ist stark davon auszugehen, dass in den nächsten Monaten weitere solcher Meldungen folgen werden.

Dennoch sollte man bei Konzern-Kryptowährungen eines nicht vergessen: Es geht im Gegensatz zu Bitcoin nicht um die Unabhängigkeit der Endverbraucher. In erster Linie sollen die zukünftigen Konzern-Kryptowährungen die Unabhängigkeit der Konzerne gewährleisten und nicht die der Kunden.

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