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Security Token Offering: Todd Wier von Preflogic: „Es ist eine neue Welt und das Spiel hat sich verändert“

Ein Gast-Interview von Stefan Perlebach, CEO von STOcheck. Das Interview wurde zuerst auf Medium veröffentlicht. 

Welches Problem versucht Preflogic zu lösen?

KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) und Einzelpersonen brauchen Zugang zu fremdem Kapital, um den Fortschritt voranzutreiben. Wir zeigen, wie sie es erhalten können. Bisher hatte die Wall Street das Monopol auf den OPM-Prozess (Other People’s Money). Unser Ziel ist es, KMUs und Einzelpersonen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um Zugang zu Kapital zu erhalten und ihren finanziellen Fortschritt voranzutreiben.

Begleiten Sie uns durch den Prozess eines KMU, das Kapital über Preflogic erhalten möchte?

Nutzen Sie die Matrix und folgen Sie den Anweisungen. So einfach kann es sein. Unser Ziel ist und wird immer sein, den Zugang zu Kapital zu vereinfachen, um die Benutzererfahrung und die Ergebnisse der Kapitalbeschaffung zu verbessern.

Warum genau ist ein STO günstiger im Vergleich zu traditionellen Mitteln der Kapitalbeschaffung?

Todd Wier von Preflogic: „Es ist eine neue Welt und das Spiel hat sich verändert“

Die Kosten für Zwischenhändler fallen weg. Das Ziel der Matrix ist es, dem Emittenten einen organisierten und vereinfachten Weg zur Vorbereitung und Durchführung eines Wertpapierangebots zu bieten. Mit der Matrix hat er leichten Zugang zu den Gründungsdienstleistungen, zum PPM-Builder, um seine Angebotsdokumente und Ablagen zu erstellen, zur Versicherung des Emittenten, zu den Verwahrungsdienstleistungen für sein Anlegervermögen und zu vielem mehr. Alles auf einfache Weise, sodass er sein Angebot online direkt an die Anleger richten kann, ohne Intermediäre einschalten zu müssen, was bis zu 15 Prozent des aufgebrachten Kapitals kosten kann.

Warum sollte ich über einen STO investieren? Was sind meine Vor- und möglichen Nachteile als Investor?

Der Wert einer Investition definiert sich durch die Bedingungen, die dem Investor gewährt werden und die Ertragskraft des Unternehmens. Die Hauptvorteile der Struktur von Digital Security bestehen im Zugang zu einem globalen Pool von Investoren und der potentiellen Liquidität, die mit diesem großen Markt einhergeht. Darüber hinaus kann ein Großteil der Compliance-Funktion, die die Übertragbarkeit beinhaltet, durch die Token-Funktion verwaltet werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für das gesamte Security-Token-Ökosystem, um erfolgreich zu sein?

Erklärung, Kosten und Liquidität. Zur Erklärung: Der Markt, Blockchain, Smart Contracts usw. sind alles komplexe Themen und der gesamte Markt erklärt den Nutzern, wie man eine Uhr baut. Dabei wollen die Nutzer eigentlich wissen, was Zeit ist. Wir gehen schließlich auch nicht zu Google und fragen, wie der Algorithmus funktioniert. Als Nutzer verlangt man einfach ein Suchergebnis. Vorteile verkaufen sich, Funktionen langweilen. Es ist unsere Aufgabe, das Komplexe auf das Einfache zu reduzieren und Tools bereitzustellen, die Ergebnisse liefern.

Liquidität zieht Investitionen an. Ich denke, einer der überzeugendsten Anreize für den ICO war, dass Einzelpersonen in Unternehmen in der Frühphase investieren und Zugang zu der damit verbundenen frühen Volatilität erhalten konnten. Ein riskantes Angebot, aber es schien einen Wunsch des Markts zu erfüllen.

Was ist die eine Sache, von der Sie in Bezug auf Security Token glauben, dass die meisten anderen Branchenexperten nicht zustimmen würden?

Ich möchte normalerweise nicht gegen die Experten argumentieren, aber einige stellen den Gedanken in Frage, dass man Kapital auch ohne sie aufbringen kann. Damit bin ich ganz und gar nicht einverstanden. Obwohl niedrige Kosten, verbesserte Technologie und Netzwerkeffekte eine Welt schaffen, in der fast jeder in der Lage wäre, Kapital zu beschaffen, meinen einige, dass der durchschnittliche Emittent dies nicht bewältigen kann. Das höre ich vor allem von Finanzdienstleistungsexperten. Ehrlich gesagt, sind es die Finanzexperten, die uns in die Kernschmelze des Subprime-Markts und in die globale Finanzkrise geführt haben. Die Fähigkeit, Kapital zu beschaffen, ist ein mächtiges Werkzeug. Sie sollte wie alles andere auch, wenn es richtig eingesetzt wird, Vorteile in Form der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Entwicklung und des Fortschritts nach vorn bringen. Andererseits könnte die Kapitalbeschaffung, wenn sie nicht verantwortungsvoll eingesetzt wird, negative Auswirkungen haben. Sollte die Fähigkeit zur Kapitalbeschaffung für alle Menschen gleich werden, wird der Markt dies meiner Meinung nach mit der Zeit regulieren.

Die wichtigsten Aspekte eines erfolgreichen Wertpapierangebots sind, dass es die Vorschriften einhält und die Finanzierung erreicht. Mit der Matrix wird die Angebotserstellung vereinfacht, erklärt und durch den Zugang zu einer unabhängigen rechtlichen Prüfung unterstützt. Die Kosten werden durch die schlanke und organisierte Software deutlich reduziert. Je weniger es kostet, desto größer wird der Markt.

Welchen Rat hätten Sie Ihrem Unternehmen vor einem Jahr gegeben?

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Vor 35 Jahren, noch vor Handy, Faxgerät, Social Media und dem JOBS Act, war bei der Akquisition von Investoren ein Börsenmakler eingeschaltet, mit der Hoffnung, seinen Kundenstamm oder das verwaltete Vermögen einer Firma aufzubauen. Auf diese Weise hat man Anleger für den Kapitalzugang gewonnen und die Provisionen gerechtfertigt. In der heutigen Welt sind sie es nicht. Heute wird der Einfluss online hergestellt und ist zu weitaus geringeren Kosten zugänglich als die traditionellen zehn Prozent Kommission und drei Prozent nicht rechenschaftspflichtigen Ausgaben und Garantien, die traditionelle Firmen für den Zugang verlangen. Es ist eine neue Welt und das Spiel hat sich verändert.

Was ist das aufregendste Ereignis, das Sie im Security-Token-Ökosystem im Jahr 2020 sehen wollen?

Ein Emittent von digitalen Sicherheitsinfrastrukturen, der eine EQUITY-Beteiligung anbietet und an seinem ersten Handelstag einen doppelten Zuwachs erlebt oder ein großes Unternehmen, das einen Vermögenswert in digitaler Wertpapierform anbietet. Wie wäre es mit dem Waldorf-Hotel? Beides würde genug Aufmerksamkeit erregen, um einen Funken auf dem Markt zu entzünden.
Was von den 20 Millionen ursprünglichen Krypto-Enthusiasten übrig geblieben ist, repräsentiert immer noch mehr als 200 Milliarden US-Dollar an Krypto-Assets, die meiner Meinung nach ihren Weg in die obigen Themen finden würden.

Welcher Person folgen Sie, um Ihre Lernkurve zu verbessern?

Unseren Anwälten und der SEC.

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Privacy Coin Tixl: „Digitale Währungen werden das Bargeld ablösen“

BTC-ECHO: Tixl ordnet sich in die Gruppe der Privacy Coins, also Kryptowährungen mit einem besonders hohen Privatsphäre Standard, ein. Worin soll sein Mehrwert beispielsweise gegenüber Monero oder zCash liegen?

Christian Eichinger: Monero und Zcash haben für die Privatsphäre bei Kryptowährungen Bahnbrechendes geleistet. Zum einen durch die technologische Entwicklung und die neuartigen Konzepte. Zum anderen aber auch um ein Bewusstsein bei vielen zu schaffen, dass Privatsphäre ein wichtiges Thema ist, das jeden betrifft. Der Aspekt Privatsphäre ist sowohl von Monero als auch von Zcash nahezu perfekt erreicht worden. Sicherlich kann es an allen Konzepten noch gewisse Kritikpunkte geben, aber das wäre Meckern auf einem sehr hohen Niveau. Jedoch eignen sich bestehende Privacy Coins noch nicht, um für Zahlungen verwendet zu werden, bei denen heutzutage zentralisierte Anbieter wie PayPal oder Kreditkarten genutzt werden. Neben der aktuell allgemein noch geringen Adoption von Kryptowährungen liegt das vor allem auch daran, dass die Transaktionen viel zu langsam sind und zum Beispiel am Point of Sale nicht sinnvoll genutzt werden können.

Neben der Privatsphäre kann Tixl durch eine andere Datenstruktur und einen abweichenden Konsens-Algorithmus mit sehr schnellen Transaktionen überzeugen. Zudem sind Transaktionen bei Tixl komplett gebührenfrei, wodurch es sich insbesondere auch für Mikrotransaktionen perfekt eignen wird.

BTC-ECHO: Wenn die Transaktionen kostenlos sein sollen, wo liegt dann der Anreiz das Netzwerk zu betreiben?

Christian Eichinger: Ähnlich wie bei Bitcoin erhalten Validatoren etwas für ihre Arbeit. Anders als beim Mining werden aber keine neuen Coins erzeugt. Stattdessen sind 10 Prozent vom Tixl Token Supply für die Auszahlung an Validatoren reserviert. Ebenfalls ähnlich wie bei Bitcoin haben wir bei Tixl so etwas wie Halving vorgesehen. Die Tixl-Validatoren arbeiten aber anders als die Miner. Es gibt Vertrauensstrukturen zwischen den Validatoren. Anhand des Vertrauens, das ein Validator im Netzwerk genießt, ermittelt sich der Anteil an der Auszahlung. Zudem gäbe es für größere Investoren noch eine gewisse intrinsische Motivation, einen Validator zu betreiben, um die Sicherheit im Netzwerk zu unterstützen und so sein eigenes Vermögen zu schützen.

BTC-ECHO: Könnt ihr genauer erklären, wie ihr die Privatsphäre sicherstellt?

„Digitale Währungen werden das Bargeld ablösen“

Christian Eichinger: Bei Tixl verwenden wir verschiedene Ansätze, um gute Privatsphäre zu gewährleisten. Zunächst einmal werden die Beträge von Transaktionen und die daraus resultierenden Kontostände verschlüsselt. Für die Verschlüsselung wird bereits das quantensichere Verfahren NTRU eingesetzt. NTRU war für 10 Jahre bis Ende 2017 unter einem Patent geschützt. Daher konnten bekannte Kryptowährungen diese Verschlüsselung bisher nicht einsetzen.

Wenn niemand die genauen Beträge kennt, stellt sich die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass keiner etwas verschickt, was er eigentlich gar nicht besitzt und so einfach neue Coins erzeugen kann. Um das sicherzustellen, wird bei Tixl ein kryptografisches Verfahren eingesetzt, das man auch als (Pedersen-) Commitments bezeichnet. Mit Commitments kann für andere nachgewiesen werden, dass der Sender mindestens über die Anzahl der Coins verfügt, die gesendet werden soll, ohne dabei den genauen Betrag der Transaktion oder sein Vermögen offenlegen zu müssen. Um den Empfänger zu schützen, hat ein Tixl-Nutzer neben der Accountchain noch sogenannte Stealthchains. Ähnlich wie bei Monero werden Transaktionen auf diesen Stealthchains empfangen. Für Außenstehende ist nicht erkennbar, zu welchem Account eine Stealthchain gehört. Dadurch dass diese Coins niemals auf der eigene Accountchain landen, sondern von Stealthchains zu anderen Stealthchains weitergeschickt werden, wird automatisch auch der Absender einer Transaktion geschützt.

BTC-ECHO: Auf eurer Seite steht unter dem Punkt „Data Structure“ anstatt Blockchain wie bei den anderen aufgeführten Privacy-Kryptowährungen die Begrifflichkeit „Block-lattice (DAG)“. Wie kann man diesen Unterschied verstehen?

Christian Eichinger: DAG ist die englische Abkürzung für „azyklische gerichtete Graphen“ und ist eine Datenstruktur aus der Graphentheorie. Es gibt bereits verschiedene Kryptowährungen, die sich für einen DAG anstelle der „klassischen“ Blockchain entschieden haben. Der Vorteil liegt insbesondere in der Skalierbarkeit und Geschwindigkeit. Block-lattice ist eine spezielle Ausprägung eines DAG und vor allem durch die Kryptowährung Nano bekannt geworden. Es kann dabei als Regelwerk verstanden werden, wie der DAG aufgebaut werden darf. Beim Block-lattice hat jeder Nutzer seine eigene Blockchain auf dem DAG und neue Blöcke kann nur der Nutzer selbst ins Netzwerk schicken. Bei Tixl hat man neben der Accountchain noch eine Vielzahl an Stealthchains, daher sprechen wir teilweise bereits von Multi-block-lattice.

BTC-ECHO: Warum glaubt ihr, dass Privacy-Währungen in Zukunft stärker nachgefragt werden?

Christian Eichinger: Nahezu jede größere Zentralbank arbeitet derzeit an einer digitalen Version der eigenen Währung oder beschäftigt sich zumindest intensiv mit dem Thema. Das zeigt: Digitale Währungen werden das Bargeld ablösen. In Deutschland wird derzeit das Bargeld noch sehr viel genutzt. Das sieht jedoch in einigen anderen europäischen Ländern oder in den USA schon ganz anders aus. Auch in Deutschland nimmt der Anteil am Bargeld stetig ab. In einer Welt, die sich immer mehr in Richtung digitaler Währungen bewegt, müssen wir die wesentlichen Eigenschaften des traditionellen Geldes sichern und bewahren. Niemand will, dass die Öffentlichkeit Einblick in die eigenen Geldtransaktionen nehmen kann. Das ist unabhängig davon, ob es sich um Regierungen, Unternehmen oder Privatpersonen handelt. Die größte Herausforderung liegt unserer Ansicht nach darin, sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und Regierungen bestmöglichen Schutz durch Privatsphäre zu ermöglichen, ohne dabei Tür und Tor für Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung zu öffnen.

BTC-ECHO: Ist es nicht denkbar, dass Staaten Privacy-Währungen verbieten werden? Auch wenn dies technisch nur schwer möglich ist, würde es schließlich einen Großteil der Bevölkerung davon abhalten…

Christian Eichinger: Es ist auf jeden Fall denkbar, dass gewisse Privacy Coins verboten werden und die Exchanges und Wallet-Betreiber gezwungen sind, diese zu delisten. Gefährdet sind insbesondere Privacy Coins, die die FATF-Richtlinien (FATF steht für das internationale Gremium Financial Action Task Force) nicht ausreichend erfüllen können. Tixl möchte die Privatsphäre unterstützen und dabei trotzdem komplett konform zu den entsprechenden Richtlinien zur Geldwäscheprävention sein. Ein genaues Konzept dazu werden wir im Laufe des Jahres veröffentlichen. Wir sind beim Thema Privacy nicht komplett idealistisch unterwegs, sondern uns ist ebenso die Verantwortung bewusst, die man bei der Entwicklung einer solchen Plattform trägt.

BTC-ECHO: Wie ist denn der aktuelle Stand von eurem Projekt? Was sind die nächsten Schritte?

Christian Eichinger: Wir konnten 2019 in unserem ersten Jahr trotz eines schwierigen Markts sehr gute Ergebnisse beim Fundraising erzielen. Dadurch ist Tixl finanziell bereits solide aufgestellt. Ungefähr 10 Prozent des Geldes haben wir in der Tixl Global Reserve (TGR) auf einer Bitcoin-Adresse hinterlegt, sodass unsere Investoren sich sicher sein können, dass zumindest ein gewisser Betrag noch für die weitere Entwicklung zur Verfügung steht. Wir befinden uns in der Entwicklung des Testnet. Im Dezember konnten wir bereits die erste Version unter dem Codenamen Altona veröffentlichen. In den nächsten Monaten werden wir den Fokus darauf legen, das Testnet quasi feature-complete abzuschließen, um mit den Vorbereitungen für das Mainnet beginnen zu können. Neben einigen Optimierungen gehören insbesondere auch Security Audits dazu. Parallel sind wir stetig dabei, die Tixl Community weiter auszubauen. Auf unserem Blog geben wir in dem Status Update #4 einen noch detaillierteren Einblick in die Planung für die kommenden Monate.

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Krypto-Hedgefonds: Dr. Philipp Kallerhoff zu Investmentstrategien im Krypto-Markt

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im August 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

Mithilfe verschiedener Investmentstrategien, Datenanalyseverfahren und der Möglichkeit, auch auf fallende Kurse zu wetten, soll der Markt der Kryptowährungen deutlich outperformt werden. Zukünftig sollen Anleger einfach via Token von den Fertigkeiten des Krypto-Hedgefonds profitieren. Um mehr über die Investmentstrategien und die Markteinschätzung von Dr. Philipp Kallerhoff zu erfahren, haben wir ein Interview geführt.

BTC-ECHO: Wie würdest du die Investmentstrategie eures Krypto-Hedgefonds zusammenfassen?

Philipp Kallerhoff: Wir verwenden systematische Verfahren, um Kryptowährungen zu managen. Diese Verfahren kommen aus der Welt der traditionellen Hedgefonds und wir haben das Rad nicht neu erfunden. Systematisch heißt, dass wir Regeln für das Handeln aufstellen und diese dann umsetzen. Diese Regeln werden sukzessive getestet und verbessert. Außerdem definieren unsere Kunden natürlich, welche Risiken sie eingehen wollen und welche Strategien sie interessieren. Wir setzen das in Form von Managed Accounts um. D. h. wir bekommen Zugriff auf den Account unserer Kunden, um deren Assets zu handeln, können aber kein Geld abziehen.

BTC-ECHO: Ihr bietet verschiedene Indizes an. Zum Beispiel einen Small Cap Index oder Low Volume Index. Was hat es mit den beiden Indizes auf sich?

Philipp Kallerhoff: Über die letzten 50 Jahre haben wir viel über Hedgefonds und Handelsstrategien gelernt. Zunächst einmal ist Handeln schlecht, weil man nur Gebühren bezahlt, außer jedoch die Handelsstrategien produzieren ein sogenanntes Alpha. Alpha bedeutet, dass die Handelsstrategie nach Kosten besser ist als der Markt, also eben doch etwas bringt.
In diesem Bereich sind die Arbeiten von Fama und French sehr wichtig, die dafür einen Nobelpreis erhalten haben. Diese haben gezeigt, dass es Mechanismen in jedem Markt gibt, die zunächst einmal unabhängig vom Markt sind, aber auch besser sein können. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Größe des Unternehmens. Kleine Unternehmen haben in gewissen Märkten eine bessere Performance als große. Um das verfolgen zu können, haben wir einen Small Cap Index auf Kryptowährungen gebaut. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Volatilität, also die Schwankung der einzelnen Kryptowährungen. Es wurde oft gezeigt, dass Vermögenswerte mit kleiner Schwankung tatsächlich eine bessere Performance haben. Daher zeigen wir auch einen Low Vol Index.

BTC-ECHO: Ist eine solche Segmentierung bzw. Ausdifferenzierung denn überhaupt möglich im Krypto-Markt? Vereinfacht gesagt: Gehen nicht sowieso alle Kryptowährungen geschlossen runter oder geschlossen hoch?

Philipp Kallerhoff: Die Unterschiede bei den Kryptowährungen sind teilweise sehr groß, sodass sie sich eben doch teilweise sehr unterschiedlich bewegen. Ich finde die Unterscheidung zum Beispiel in Currency Tokens wie Bitcoin, Platform Tokens wie Ethereum, Brand Tokens wie Binance und Utility Tokens wie Maker gut. Wenn man sich diese Aufteilung anschaut, bewegen sich die einzelnen Klassen schon sehr unterschiedlich. Oft wird der Markt natürlich als Ganzes getrieben und die Unterschiede überspielt. Langfristig, denke ich aber, werden sich die Unterschiede durchsetzen und wir werden immer bessere Modelle finden, die die einzelnen Klassen beschreiben.

BTC-ECHO: Wie nutzt bzw. arbeitet ihr mit Daten, um Investmentstrategien für Kryptowährungen abzuleiten?

Philipp Kallerhoff: Wir sammeln zunächst einmal sämtliche Daten über jede einzelne Kryptowährung. Das Schöne an Kryptowährungen ist, dass man teilweise bessere Informationen bekommen kann als für normale Aktien. Der Unterschied ist, dass man den Erfolg und die Benutzung der Kryptowährungen live verfolgen kann – nämlich Block für Block. Bei Internet-Aktien bekommt man immer die genauen User-Zahlen oder wie viel Geld sie mit Werbung verdient haben. Bei Kryptowährungen sehe ich jederzeit, wie viele Leute das System benutzen, wie viel Geld sie verschieben und wie sie die Kryptowährungen benutzen. Diese Daten bringen wir in unsere Systeme und analysieren diese mit allem, was es an Machine Learning und statistischen Verfahren gibt.

BTC-ECHO: Worin unterscheidet sich das Trading mit Kryptowährungen am meisten gegenüber dem Trading mit traditionellen Assets?

Philipp Kallerhoff: Ich habe die letzten 15 Jahre eigentlich alle Asset-Klassen gehandelt und Handelssysteme für Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffe gebaut. Der Unterschied ist tatsächlich nicht besonders groß, außer dass Kryptowährungen sehr volatil und die Handelssysteme noch nicht so gut ausgebaut sind. Die annualisierte Volatilität (Schwankung) liegt oft über 100 Prozent pro Jahr, wobei diese für Aktien bei ca. 16 Prozent oder Anleihen bei 4 Prozent liegt. Man merkt also, dass es hier um sehr riskante Anlagen geht. Die Handelssysteme machen außerdem oft Fehler, sodass man viel mehr kontrollieren muss. Wir lassen konstant sogenannte Reconciliation-Prozesse laufen, um diese Fehler zu tracken. Das ist sehr aufwendig und langsam, aber das hat sich alleine im letzten Jahr schon sehr stark verbessert und ich denke, in ein bis zwei Jahren werden wir vergleichbare Verhältnisse haben.

BTC-ECHO: Mit welchen Instrumenten bzw. Finanz-Konstruktionen setzt ihr am Krypto-Markt auf fallende Kurse?

Philipp Kallerhoff: Es gibt natürlich Futures, aber nur auf Bitcoin. Viel besser sind CFD-Märkte, mit denen wir auf die Top-10-Kryptowährungen long und short gehen können. Für eine Short Position muss eine Margin von ca. 10 Prozent hinterlegt werden, sodass wir theoretisch auch einen Leverage von 10x nehmen können. Aber da die Volatilität so hoch ist (siehe oben), ist das keine gute Idee. Sobald das Margin zum Beispiel unter 5 Prozent fällt, kann man glatt gestellt werden. Falls sich der Kurs dann genau wieder in die andere Richtung bewegt, partizipiert man nicht mehr, sondern hat nur den Verlust.
Trotzdem sind die CFD-Märkte interessant, da ich Positionen hedgen kann und zusätzlich einen Zins bekomme. Wenn ich z. B. 100 Bitcoin bei einer Bank lagere, habe ich natürlich das Marktrisiko von 100 Bitcoins. Wenn ich zusätzlich aber 100 Bitcoins per CFDs verkaufe, habe ich kein Marktrisiko mehr und verdiene zusätzlich noch einen Zins von ca. 5 Prozent pro Jahr. Dieser Zins wird als Funding Rate bezeichnet. Wenn man long ist, muss man diesen bezahlen, bei short bekommt man diesen, weil man im Sinne von Future-Märkten Bitcoins „verleiht“. Dafür bekommt man einen Zins.

BTC-ECHO: Was sind aktuell deiner Meinung nach die drei wichtigsten Kurstreiber?

Philipp Kallerhoff: Der Markt ist aus meiner Sicht stark sentimentgetrieben. Das Zweite sind die Preise selbst. Als die Kurse in diesem Jahr wieder gestiegen sind, sind viele wieder auf den Zug aufgesprungen und die haben die Kurse auch weiter nach oben getrieben. Das Dritte sind durchaus fundamentale Daten, wie zum Beispiel das Bitcoin Mining. Das Mining ist bei diesen Preisen wieder sehr profitabel und damit werden viele Maschinen angeschaltet. Diese müssen aber den Strom und die Hardware mit den Bitcoins zahlen, die dann auf den Markt geschüttet werden und den Preis effizienter machen. Im Großen und Ganzen ist der aktuelle Einfluss von fundamentalen Daten auf Preise im Krypto-Markt bzw. die der jeweiligen Assets jedoch bei Weitem noch nicht so ausgeprägt wie in traditionellen Märkten.

BTC-ECHO: Welche Rolle nehmen in eurer Investmentstrategie Stable Coins ein?

Philipp Kallerhoff: Wir benutzen Stable Coins, aber eben hauptsächlich auch normale Währungen. Wir benutzen Stable Coins kurzfristig, um die Kryptowährungen auf den Börsen zu handeln und zwischen den Börsen Geld zu verschieben. Außerdem benutzen wir die Stable Coins für sogenannte „Yield Strategies“. Stable Coins haben meistens sehr ausgefeilte Mechanismen, um stabil zu bleiben. Diese Mechanismen beinhalten meistens, dass man dafür bezahlt wird, wenn man zur Stabilität beiträgt. Teilweise kann man nur damit 20 Prozent pro Jahr verdienen.

BTC-ECHO: Werden sich in den nächsten Jahren Dezentrale Autonome Organisationen, kurz DAOs, als neue Investment-Konstrukte durchsetzen?

Philipp Kallerhoff: Ich finde DAOs sehr interessant, wenn man diese als eine Art Investment Club umsetzen könnte. Das heißt, dass jeder, der möchte, in diesen Klub investieren kann, aber dann eben auch mitentscheidet, wie das Geld angelegt wird. Insbesondere geht es um Lernen und den Austausch von Investment-Ideen. Ich denke, es ist möglich, dass wir weitere DAOs sehen werden, aber die Regularien sind sehr teuer. Wir wollten bei Protos einen DAO umsetzen, mussten dann aber einsehen, dass das im Moment einfach sehr schwierig ist und haben uns dann für einen „normalen“ Fundtoken entschieden. Der Fund wird eben von uns gemanagt, auch wenn wir uns stark mit unserer Community auf Telegram austauschen und diese informieren.

BTC-ECHO: Welche Trends im Trading von Kryptowährungen kannst du ausmachen? Was wird sich in den nächsten 3 bis 5 Jahren am meisten verändern?

Philipp Kallerhoff: Ich glaube, fundamentale Daten werden stärker gewichtet werden in den nächsten Jahren und wir werden immer besser verstehen, wie man Kryptowährungen bewertet. Außerdem wird die Trading-Infrastruktur besser und es billiger werden, diese zu handeln. Das ist gut für Firmen wie uns, weil wir immer erstmal diese Kosten reinholen müssen, um dann besser zu sein.

BTC-ECHO: Mal angenommen du müsstest jetzt einen Betrag von 10.000 Euro in Kryptowährungen anlegen. In welche Krypto-Assets würdest du investieren?

Philipp Kallerhoff: Wie gesagt, ich bin kein Stock- oder Krypto-Picker, sondern würde immer systematisch anlegen. Die erste und einfachste Strategie ist aus meiner Sicht, immer erstmal den Markt nach Kapitalgewichtung zu kaufen. Bei Kryptowährungen ist das eigentlich sehr einfach, weil Bitcoin und die anderen Top-10-Kryptowährungen schon mal fast 90 Prozent vom Markt ausmachen. Natürlich finde ich unsere Trend-Strategie am besten, aber dafür muss man eben regelmäßig handeln. Diese Strategie hat das Ziel, dass man im Markt partizipiert, aber das Risiko nach unten dramatisch reduziert. Das hat natürlich seinen Preis, weil man immer wieder in den Markt investiert, aber dann auch wieder verkauft, wenn es nicht weiter nach oben geht. Das muss man natürlich managen und daher würde ich immer zuerst in den kapitalgewichteten Markt investieren, da sich das nur sehr langsam ändert.

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Virtual Reality und Blockchain: Adina Popescu: „Wir werden das Entstehen einer parallelen Ökonomie erleben”

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im März 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

BTC-ECHO: Mit Snowblack hast du ein eigenes Studio für Virtual Reality [VR] und Augmented Reality [AR]. Seit einiger Zeit bist du aber auch im Blockchain-Bereich aktiv. Zufall oder gibt es hier Schnittmengen zwischen den Technologien?

Adina Popescu: Definitiv kein Zufall. Die Schnittmenge zwischen XR (Extended Reality) und Blockchain liegt darin, dass die zunehmende Digitalisierung und damit verbunden die Automatisierung unserer Realität sicher und im Einklang mit unseren demokratischen Grundwerten stehen müssen – wie z. B. der Wahrung der Privatsphäre, dem Schutz der Eigenperson und dem Schutz von Arbeit. Blockchain organisiert den (Eigen-)Wert, den wir als Gesellschaft digital vermerken und auch produzieren, und XR liefert den zunehmend realistisch gestalteten digitalen Raum für unsere Interaktionen.

BTC-ECHO: Wie kann Blockchain helfen, eine Identität zu schützen und inwiefern ist sie gerade ungeschützt?

Adina Popescu: Gegenwärtig existieren viele verschiedene Identitäten, die verschiedene Institutionen verifizieren und bestätigen. Der Staat, deine Bank, PayPal, Facebook, Instagram etc. Jede dieser Plattformen bietet eine mehr oder weniger sichere Verifizierung deiner Person an. Dazu zählen auch Eigenschaften und Besitztümer, die an deine jeweilige Identität geknüpft sind. Wenn allerdings eine dieser Plattformen gehackt wird, kann unter anderem deine Identität gestohlen werden. Das passiert fast täglich, wird aber nur selten kommuniziert.

Ein Staat kann aufgrund eines systemischen Bankenkollapses in die Rezession stürzen, siehe Island. Eine demokratische Regierung kann korrumpiert werden, oder aber eine Plattform beschließt, dein Profil und damit deinen Wert ohne Begründung zu löschen, was auch relativ häufig passiert. Als User bist du vollkommen ausgeliefert. Deine Informationen können von den jeweiligen Plattformen eingesehen, weiterverkauft und korrumpiert werden. Auf der anderen Seite hast du keine Einsicht auf deren Verwaltungsapparate. Mit der Zukunft von WebVR und Facebook Spaces, werden wir in etwa zehn Jahren immer mehr unsere Identitäten, unsere sozialen Interaktionen, unser Konsumentenverhalten und unsere Wertverwaltung im immersiven digitalen Raum bzw. der Virtual Reality stattfinden lassen. Da ist es wünschenswert, sicherere Systeme zu bauen, als jene, die wir gerade verwenden.

BTC-ECHO: Kannst du mir ein Beispiel geben?

Adina Popescu: Stell dir nun einen Digital Twin [digitalen Zwilling] deines Hauses vor, der komplett mit IoT, einem virtuellen Assistenten wie Alexa, mit Smart Objects und einem selbstfahrenden Auto ausgestattet ist. Der Digital Twin deines Hauses zeigt dir die ein- und ausgehenden Verbindungen sowie das Sicherheitssystem in Echtzeit an. Vielleicht aber auch die Produkte, die du noch kaufen willst oder kaufen solltest, und generell den Fluss an Daten (Strom, Energie, Toxinwerte etc.), die dein Smart Home generiert. Wem würdest du den Zugriff auf diesen Digital Twin gebündelter Informationen anvertrauen? Unser Leben wird zunehmend gläserner und transparenter. Ich bin dafür, dass Sicherheit und Transparenz eine „two way street“, nicht „one way street“ ist.

BTC-ECHO: Du sprachst in einem der kürzlich gehaltenen Vorträge von AI driven Characters. Was kann man sich genau darunter vorstellen?

Adina Popescu: Ein guter Freund von mir aus LA hat gerade beim Film Festival in Sundance einen AI driven Character vorgestellt: Martin Luther King. Er hat die Rechte für diese Person gesichert, hat via Machine Learning alles Gesagte, Erlernte und Abgebildete von Mr. King zu einer digitalen Person amalgamiert. Natürlich ist das etwas komplexer als hier dargestellt. Nun kann man mit dem Charakter in Echtzeit kommunizieren und er wird auf der Basis des Erlernten neue Antworten und Interaktionen generieren.

Würdest du nicht wollen, dass diese Identität, gehen wir mal davon aus, es wäre deine, nur einmal im digitalen Raum als Widerspiegelung deiner existiert? Oder vielleicht gar nicht existiert und vor allem nicht multipel redupliziert und gar missbraucht wird? Deshalb braucht es kryptographische Protokolle, die dir dabei helfen, deine Privatsphäre und Anonymität sichern zu können. Ohne geht es leider nicht und das Web 2.0, das auf dem Prinzip der digitalen Kopie basiert und der Server Silos, kann diese Sicherheit nun gar nicht leisten.

BTC-ECHO: Nun arbeitest du selbst an einer Plattform…

Adina Popescu: Wir sind noch im Stealth Modus, deshalb kann ich hier noch nicht viel darüber sagen. Aber es wird ein interaktives 4D-Model der Erde sein, das Menschen erlauben wird, kollektive Probleme zu lösen. Die vierte Dimension in der Darstellung ist die Zeit, und die Plattform wird ganz normal mobil, aber auch später in XR zugänglich sein.

BTC-ECHO: Und wozu braucht es hier eine Blockchain?

Adina Popescu: Mir ist es wichtig, dass jeder Nutzer selbst über seine Daten bestimmen kann. Um dies umzusetzen bzw. Drittparteien, wie den aktuellen Big-Data-Plattformen keinen Übergriff zu ermöglichen, braucht es eine Blockchain-Infrastruktur. Jeder soll an der digitalen Ökonomie durch direkten Austausch auf Markplätzen partizipieren können. Außerdem ist es kaum möglich, globale, günstige und schnelle Transaktionen, in humanitären Krisengebieten wie im Kongo oder in Venezuela, vorzunehmen. Dafür brauchen wir einfach, schon aus Logistik- und Effizienzgründen, eine digitale, globale Währung.

BTC-ECHO: Worin siehst du das Big Picture von Virtual Reality und der Krypto-Ökonomie?

Adina Popescu: Wir werden das Entstehen einer parallelen Ökonomie erleben, wo wir z. B. in virtuellen Geschäften einkaufen gehen werden. So könnte man alle Einkäufe erstmal im virtuellen Raum abwickeln, bevor diese in der physischen Welt Realität werden. Wir werden aber auch mit digitalen Avataren in XR leben müssen, die uns versuchen werden, einen neuen Turnschuh zu verkaufen. Ähnlich wie in dem Film Minority Report. Dass Fiatwährungen dann ein Ding der Vergangenheit sind und man das Produkt mit einer von vielen seiner digitalen Währungen erwerben wird, ist relativ klar. Inwiefern wir die neuen Möglichkeiten des Advertising einschränken, um zu verhindern, dass beispielsweise personenbezogene Daten zur Beeinflussung von Wahlen genutzt werden, siehe Cambridge Analytica, ist eher eine ethische, gesellschaftliche und regulatorische Frage, für die ich mich stark einsetze.

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Libra und Krypto-Geldpolitik: Prof. Dr. Christian Piska von der Uni Wien im Interview

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im Oktober 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

BTC-ECHO: Wie schätzen Sie die Chance ein, dass Libra von den Regulierungsbehörden genehmigt wird?

Prof. Dr. Christian Piska: Das kann man nicht pauschal beantworten. Es gibt verschiedene Statements von einzelnen Regulierungsbehörden, wobei wir wissen, dass sich Deutschland und Frankreich klar gegen Libra positioniert haben. Das war auch zu erwarten. Schließlich ist eine staatliche Währung ein grundlegender Bestandteil der staatlichen Souveränität und da erscheint der etablierten Finanzwelt ein Coin, hinter dem eine solche Macht wie Facebook steht, schnell als unliebsame Konkurrenz. Aber auch Russland oder China sehen in privaten Stable Coins wie Libra eine Bedrohung.

Hier könnte die USA im Gegensatz zu China oder Russland von Libra profitieren, da die Deckung zu einem nicht unwesentlichen Teil durch US-Staatsanleihen erfolgen soll. Auch Europa könnte durch die Berücksichtigung von Euro im Libra-Währungskorb profitieren. Entsprechend kann es hier noch zu Meinungsänderungen in der Politik kommen. Ich sehe da einiges an Verhandlungspotenzial für Facebook.

BTC-ECHO: Losgelöst von dieser realpolitischen Betrachtung. Wie ist denn der juristische bzw. verfassungsrechtliche Blickwinkel auf Projekte wie Libra?

Piska: International gesehen immer noch uneinheitlich. Da gibt es beispielsweise den Blickwinkel, dass eine Währung vom Staat bzw. der Zentralbank ausgehen muss, um auch juristisch als Währung zu gelten. Tut sie das nicht, dann handelt es sich rechtlich gesehen um ein von Unternehmen erzeugtes Produkt oder eine Ware, nicht um ein Zahlungsmittel. Dies ist auch die Definition der „virtuellen Währung“ nach der 5. EU-Geldwäscherichtlinie, die Libra durchaus erfüllen könnte. Es gibt aber auch Ansätze, Libra wegen seiner zentralen Struktur als E-Geld zu qualifizieren oder gar als eine Form von STO, sollten den Inhabern Rechte gegen die Libra Association eingeräumt werden. Es gibt also mehrere Möglichkeiten, wie Libra in der EU legal eingeführt werden kann. Am leichtesten ist es für Facebook, wenn Libra als virtuelle Währung anerkannt wird.

Um meine Erfahrungen im Bereich der virtuellen Währungen einzubringen und ihren Rechtsrahmen zu klären, erscheint demnächst im Wiener MANZ Verlag das Handbuch „Blockchain rules“. Dort habe ich gemeinsam mit meinem Co-Herausgeber Oliver Völkel und meinen Autoren Antworten auf alle denkbaren Rechtsfragen rund um Digital Assets gegeben – von der grundlegenden Einordnung und Definition bis hin zu DSGVO und Tax.

BTC-ECHO: Glauben Sie, dass Facebook bzw. das Betreibernetzwerk die Privatsphäre der Nutzer berücksichtigt und keinen Zugriff auf die personalisierten Finanzdaten der Libra-Nutzer hat?

Piska: Ob das wirklich so ist, kann man anzweifeln. Daten sind sehr wertvoll, insbesondere wenn es um unser Kaufverhalten geht. Dies gilt nicht nur für Libra, sondern für alle digitalen Währungen, die zentral herausgegeben und gesteuert werden. Denken Sie an staatliche Digitalwährungen, wie sie jetzt in Europa diskutiert oder wie sie in China demnächst herausgegeben werden. Hier wird es überhaupt keine Privatsphäre mehr geben. Grundsätzlich muss man sich aber im Klaren sein, dass selbst beim dezentralen Bitcoin keine absolute Privatsphäre mehr gegeben ist, da Transaktionen zurückverfolgt werden können. Ich halte es auch durchaus für denkbar, dass ein Staat Libra erlaubt, wenn im Gegenzug die Finanzdaten ausgetauscht werden. Da ist eine Menge Raum für Bargaining.

BTC-ECHO: Wie gerade schon angesprochen dürfte China noch dieses Jahr mit seiner digitalen Zentralbankwährung die am wenigsten anonyme Währung geschaffen haben. Sehen Sie trotzdem Vorteile, die eine hochzentralisierte digitale Währung haben kann?

Piska: Sicherlich kann eine solche Währung vieles vereinfachen, insbesondere im digitalen Zeitalter. Dennoch kann sie auch zu massiver Überwachung der Bevölkerung führen, inbesondere in einem Land, das nicht so sehr für seine liberale Haltung bekannt ist. Inwiefern man solche staatlich-zentralistischen Währungen begrüßen kann, ist also vor allem auch eine Frage der politischen Haltung.

BTC-ECHO: In China erleben wir jetzt, dass mit der Ausgabe der digitalen Zentralbankwährung nicht nur Banken, sondern auch Tech-Konzerne betraut werden. So sind es Alibaba und Tencent, die bei der Distribution der digitalen Renminbi helfen sollen. Sehen Sie hier eine neue Form der staatlichen Geldpolitik?

Piska: Digitalkonzerne sind natürlich keine NGOs. Entsprechend liegt in dieser neuen Rolle auch eine große Chance für die Konzerne. Während Alibaba und Tencent vor allem als längerer Arm der chinesischen Zentralbank dienen – und davon sicherlich auch profitieren können –, sind die Möglichkeiten für Facebook noch weitreichender. Sollte Libra größere Summen an Währungen und Anleihen für sich vereinen, dann kann damit auch Macht gegenüber Staaten ausgeübt werden, wenn das Finanzvolumen, das über Libra abgewickelt wird, massiv ist. Insgesamt dürften die großen Digitalkonzerne noch einflussreicher werden, wenn sie eigene Coins schaffen, die der Markt akzeptiert.

Als Einfallstor können hier vor allem die Entwicklungsländer dienen – Stichwort: Banking the unbanked. Dort können Währungskonzepte wie Libra besonders einfach die Souveränität des Staates herausfordern. Gerade wirtschaftlich schwächere Länder könnten sich von der Stabilität einer Libra-Währung angezogen fühlen und damit ihre eigene Souveränität ein Stück weit opfern. Es könnte für Schwellenländer verlockend sein, einen Stable Coin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu erklären.

BTC-ECHO: Für wie realistisch halten Sie im Alltag eine Vermischung von dezentralem Geld, siehe Bitcoin, hybriden Währungen wie Libra und digitalen Zentralbankwährungen, wie jetzt in China geplant ist?

Piska: Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu einem solchen Szenario kommen wird. Da diese Entwicklungen viel Zeit für sich beanspruchen, werden auch verschiedene Währungskonzepte parallel zueinander existieren. Das hängt damit zusammen, wem die Menschen vertrauen möchten, einer starken zentralistischen Struktur, die ihre Kompetenz bewiesen hat, oder einem von der Community selbst getragenen System. Beide Denkmuster existieren am Markt, weltweit. Es gibt also eine Nachfrage sowohl nach dezentraleren wie auch nach zentraleren Währungslösungen, die sich in den nächsten Jahren noch weiter ausdifferenzieren wird.

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Digital Twins: Fabian Vogelsteller im Interview: „In Zukunft wird eine digitale Garderobe ganz normal sein.“

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im Januar 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

BTC-ECHO: Der Ansatz, mithilfe einer Blockchain die Lieferkette zu tracken, ist nicht neu. Worum geht es bei LUKSO denn noch, außer darum, die Echtheit respektive den Ursprung von Kleidungsstücken zu prüfen?

Fabian Vogelsteller: Es geht nicht primär um das Tracken einer Lieferkette. Unsere Blockchain ist in erster Linie für die Community da, also die Designer, Instagram Influencer etc. Mit LUKSO bieten wir eine Blockchain-Infrastruktur, die speziell für diese Vertikale, also Mode und Lifestyle, konzipiert ist. Das heißt: Sowohl ein Luxusartikelhersteller wie Prada oder Gucci kann unsere Infrastruktur nutzen als auch der Fashion-Blogger oder der Endkunde wie du und ich. Genau hier liegt auch die Zukunft der zukünftigen Blockchains. Der Trend geht zu branchen- oder kontextspezifischen Blockchains, die für eine bestimmte Community da sind – das Mindset passt zur Blockchain. Zu versuchen, eine „Super-Master-Blockchain“ zu schaffen, auf der sämtliche Anwendungen innerhalb der Krypto-Ökonomie ablaufen, ist – zumindest vorerst – nicht realistisch. Eine solche Blockchain wird es innerhalb der nächsten zehn Jahre sicherlich nicht geben.

BTC-ECHO: Ein Grundpfeiler eurer Blockchain-Lösung ist die Erstellung von Digital Twins. Was hat es damit auf sich?

Fabian Vogelsteller: Bei Digital Twins geht es darum, neben der physischen Version, also z. B. eine Handtasche, auch eine digitale Version, ein Item oder Collectable zu besitzen. Das Markenbewusstsein wird immer stärker im virtuellen Raum geprägt und vermarktet. So gibt es nicht nur virtuelle Models, sondern auch Kleidungsstücke und Accessoires, die ausschließlich digital erhältlich sind. Das Gaming-Unternehmen Fortnite hat so beispielsweise mit digitaler Kleidung mehr Gewinn gemacht als Amazon, insgesamt über 3 Milliarden US-Dollar. Insbesondere durch das Aufkommen von Virtual Reality wird es in Zukunft ganz normal sein, neben seiner physischen Garderobe auch eine digitale zu besitzen. Egal ob für den eigenen Instagram-Account, Gaming oder das virtuelle Business Meeting.

Neben digitalen Items auf der Blockchain geht es bei Digital Twins aber auch darum, die Wertschöpfung für alle Akteure dezentral zu gestalten. So können zum Beispiel Markenhersteller Token an Influencer oder treue Kunden vergeben. Treueprogramme in der Form, wie wir sie heute kennen, wären damit obsolet. Auch könnten so Token von einzelnen Brands auf Exchanges gehandelt werden. Steigt also die Popularität einer bestimmten Kollektion, kann damit auch der Digital Twin in Verbriefung eines Token an Wert gewinnen. Es entsteht ein neuer Markt, von dem Hersteller wie Endverbraucher profitieren können.

BTC-ECHO: Ihr werdet mit LYX einen Utility Token herausgeben. Nun liegt nach dem Platzen der ICO-Blase das Vertrauen gegenüber Utility-Token-Projekten ziemlich im Argen. Ist euer Projekt wirklich so dezentral angelegt, dass es auf jeden Fall einen Utility Token braucht?

Fabian Vogelsteller: LUKSO basiert auf einer Blockchain und eine Blockchain benötigt einen Token. Ohne einen sogenannten nativen Token müsste die Absicherung über zentrale Stellen geregelt werden, wo wir wieder im Web 2.0 wären. Zu Anfang wird das Projekt nicht ganz so dezentral wie Ethereum selbst sein. Anstatt Proof of Work werden wir eine Proof of Stake Governance nutzen. Diese wird wiederum mit einem Proof-of-Authority-Consensus-Algorithmus kombiniert. Dadurch dass wir aber planen, Casper zu adaptieren, also ausschließlich Proof of Stake wie bei Ethereum, wird sich der Grad an Dezentralität an die der Ethereum Blockchain anpassen.

Ich würde nicht mal sagen, dass es sich bei LYX um einen klassischen Utility Token handelt, sondern eher um eine Kryptowährung. Zwar ist dieser Token notwendig, um das Netzwerk zu nutzen, Wert zu transferieren und Smart Contracts auszuführen, aber es handelt sich auch um einen nativen Blockchain Token, der technisch notwendig ist. Ganz im Gegensatz dazu steht ein Großteil der Token, die auf dem ERC-20-Standard herausgegeben worden sind, für welche es meistens keine technische Notwendigkeit gab.

BTC-ECHO: LUKSO baut auf der Ethereum Virtual Machine auf. Wie wollt ihr dem Problem mangelnder Skalierbarkeit nachkommen?

Fabian Vogelsteller: Wir bauen auf der Ethereum Virtual Machine (EVM) auf, nutzen also das Ethereum-Protokoll. Trotzdem handelt es sich dabei um eine separate Blockchain, die neben Caspar auch Sharding zur Skalierung, wie eben Ethereum, übernehmen wird. Der Vorteil unserer Community Blockchain ist, dass man sich die Ressourcen nicht mit anderen Industrien bzw. Communities teilen braucht.

BTC-ECHO: Da ICOs, wie die Vergangenheit gezeigt hat, noch ihre Fehler haben, hast du kurzerhand einen neuen ICO-Standard, der erstmals bei LUKSO zum Einsatz kommen soll, entwickelt: den sogenannten reversible ICO, kurz RICO. Was können wir von dieser neuen Generation ICOs erwarten?

Fabian Vogelsteller: In der damaligen ICO-Welle haben einige ICOs horrende Summen eingesammelt, die nicht im Verhältnis zum Business Case standen. Doch einmal investiert, hatte man als Investor keine Möglichkeit, um wieder an seine Einlagen zu kommen. Mit RICOs stellt jeder Investor sein Kapital nur bereit und lässt es zum Projekt über Zeit fließen. Bei uns, LUKSO, sind das in diesem Fall zwei Jahre, in denen jeder Investor sein Kapital Stück für Stück automatisiert an das Projekt übergibt. Wie bei einem Escrow, welcher niemandem gehört, werden so die bereitgestellten Ether sicher in einem Smart Contract verwahrt. Diese stehen dann entweder in der Verfügung des Investors oder des Projekts. Diese Verfügung verlagert sich in Echtzeit, jedoch in einem vorhersehbaren Zeitrahmen. Dadurch entsteht ein erhöhter Investorenschutz, da jeder selbst entscheiden kann, wann er nicht mehr an das Projekt glaubt und gegebenenfalls Teile seiner bereitgestellten Ether zurückzieht.

Die Token der übergebenen Teile behält er natürlich. Also auch, wenn ein Projekt scheitert, kann man einen Teil des Kapitals retten. Die Investoren, die bis zum Ende dabeibleiben, sind deshalb nicht gezwungenermaßen Teil, sondern aus Überzeugung, was sehr im Interesse des Projekts liegt. Um zu verhindern, dass Investoren nur am Ende des Zeitraums eintreten oder ständig raus- und reingehen, können zeitbasierte Discounts eingebaut werden, die einem frühen Investor Vorteile verschaffen und ihn incentivieren, nicht ohne Weiteres herauszugehen, wenn er plant, später wieder reinzugehen.

BTC-ECHO: Theoretisch müsste durch den höheren Investorenschutz auch die Wahrscheinlichkeit steigen, die Erlaubnis zu bekommen, einen (R)ICO in Deutschland, genehmigt von der BaFin, durchzuführen. Wird euer RICO der erste in Deutschland?

Fabian Vogelsteller: Wir haben den Verkauf mit LYX beim Regulator überprüfen lassen und können damit voranschreiten. Das bedeutet allerdings nicht gleichzeitig, dass auch die Form eines RICO selbst erlaubt ist. Das werden wir in den nächsten Monaten mit dem Regulator besprechen. Da dies absolut im Interesse des Investorenschutzes steht, und wir nie die Verfügungsgewalt über die Ether bekommen, sofern sie nicht zu uns allokiert wurden, gehe ich davon aus, dass der Regulator hier positiv entscheiden wird. Die Entität, die aktuell den Private Sale und später den RICO macht, wird zudem in eine foundationähnliche GmbH umgewandelt, um das eingenommene Geld getrennt von der ausführenden Entität zu halten.

BTC-ECHO: Was ist deine Einschätzung für 2019? Wie wird sich die Krypto-Ökonomie dieses Jahr entwickeln?

Fabian Vogelsteller: 2019 wird das Jahr der technologischen Weiterentwicklung, wo wir Projekte sehen werden, die es schaffen, ihren Use Case erfolgreich umzusetzen. Dadurch, dass der Hype jetzt vorbei ist, wird vieles klarer, insbesondere auch aus regulatorischer Sicht. Projekte wie LUKSO werden mit Real World Use Cases das Ökosystem deutlich nach vorne bringen. Schließlich hat sich die Blockchain-Technologie im Grunde nicht verändert und ist genauso funktional wie früher, sodass man sich nicht zu stark von Marktzyklen oder den Krypto-Kursen beeinflussen lassen sollte. An vielen Sachen, die jetzt kommen werden, wird schon seit langer Zeit gearbeitet. Seien es Metatransaktionen, (Public) Blockchain Identity, Reputation Systems, State Channels, Layer 2 Solutions und so weiter. All diese technischen Innovationen brauchen Zeit, um in der Praxis zu funktionieren. 2019 werden wir hier sichtbare Anwendungen verzeichnen können. Auch auf den Krypto-Markt bezogen denke ich, dass wir das Tal erreicht haben.

BTC-ECHO: Du würdest also nicht sagen, dass zwischen 95 und 99 Prozent aller ICOs und Token-Projekte gescheitert sind oder zeitnah scheitern werden?

Fabian Vogelsteller: Viele Projekte hatten keine richtige Token Economy bzw. konnten keinen technischen Mehrwert in ihrem Token Use Case implementieren, weshalb sich einige von ihrem Token verabschieden werden. Es gibt aber auch noch genügend wirklich dezentrale Projekte, die ihren Token benötigen. Des Weiteren darf man die vielen neueren Projekte nicht vergessen, die noch überhaupt nicht gestartet sind und Entwicklung braucht Zeit. Eine dermaßen negative Einschätzung teile ich also nicht.

Hierbei muss allerdings zwischen Services und Ecosystems unterschieden werden. In 2017 haben viele Service-Dienstleister ihren ICO gemacht. Viele von denen werden es schwer haben, da das Token-Modell oftmals keinen Sinn macht. Anders sieht es bei den technologisch anspruchsvollen Ökosystem-Plattformen aus, die, wenn sie sinnvoll und variabel sind, gute Chancen haben, sehr groß zu werden. Entsprechend sind auch die Bewertungsansätze sehr unterschiedlich, was allerdings viele Investoren nicht berücksichtigt haben.

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Blockchain-Ökostrom: Richard Lohwasser im Interview: „Die Branche ist eine der rückständigsten“

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im Oktober 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

BTC-ECHO: Was war für euch der Anlass, Lition zu gründen?

Richard Lohwasser: Mein Mitgründer und ich sind zehn Jahre lang in der Energiebranche tätig gewesen. Ich war bei McKinsey, Vattenfall und zuletzt bei ExtraEnergie. Immer wieder haben wir versucht, frischen Wind in unsere Branche zu bringen. Obwohl ich zuletzt sogar Geschäftsführer war, ist es mir nicht gelungen, innovative Konzepte auszuprobieren. Es gab immer ein Nein. Die Branche ist nicht umsonst eine der rückständigsten.

BTC-ECHO: Ihr habt einen Strommarktplatz für ökologisch erzeugten Strom entwickelt, wo kommt da jetzt die Blockchain zum Einsatz?

Richard Lohwasser: Die Blockchain nutzen wir für Peer-to-Peer-Trading. Wenn man mit Bitcoin Geld ohne Bank transferieren kann, warum kann man dann nicht auch Kilowattstunden ohne Versorger transferieren? Direkt zwischen Erzeuger, also dem Kraftwerk auf der einen Seite und Konsument oder Kunde auf der anderen Seite. Das ist die Idee von Lition und genau da setzen wir die Blockchain ein.

BTC-ECHO: Wie dezentral ist die Blockchain-Lösung? Verifizieren die Nodes die Transaktionen?

Richard Lohwasser: In unserer Blockchain-Infrastruktur, einer Sidechain-Lösung auf Ethereum, gibt es keine Super Nodes oder Ähnliches. Es ist ein BFT-Konsensus-Mechanismus, in dem jede Node gleich gewichtet ist und Blocks mit einer Zweidrittelmehrheit geschrieben werden. Also absolut demokratisch und dezentral.

BTC-ECHO: Kann ich dann als Verbraucher auch nachvollziehen, wo der Strom herkommt, ergo Strom-Tracking über die Blockchain durchführen?

Richard Lohwasser: Genau, jeder Erzeuger hat einen öffentlichen Schlüssel, den wir veröffentlichen und den der Erzeuger auch veröffentlicht. Anhand dieses Schlüssels lässt sich mathematisch nachweisen, dass eine Energie-Verkaufstransaktion auch von einem bestimmten Kraftwerk gekommen ist – das gleiche Prinzip wie bei Bitcoins.

BTC-ECHO: Muss ich dann bei euch meine Stromrechnung mit einer Kryptowährung bezahlen?

Richard Lohwasser: Man kann mit Binance Token die Stromrechnung bei uns bezahlen, aber die große Mehrheit nutzt die klassische Lastschrift vom Bankkonto.

BTC-ECHO: Wie kommt dabei für den Kunden eine Ersparnis zustande?

Richard Lohwasser: Der Kunde nutzt uns über unsere Website Lition.de als ganz normalen Energieversorger. Man braucht dafür keine Wallet, alles was wir brauchen, ist die Zählernummer und ein Bankkonto. Mit der Blockchain kommt der Kunde nur in Berührung, wenn er mit ihr in Berührung kommen möchte. Also wenn er eigene Transaktionen signieren möchte, eine eigene Node laufen lassen möchte oder wenn er unsere Lition Token zum Staken verwenden möchte – das ist aber alles optional.

BTC-ECHO: Der Kunde hat also die Möglichkeit, selbst an diesem Strommarktplatz zu verdienen?

Richard Lohwasser: Richtig, unsere Blockchain-Infrastruktur – die Lition.io-Blockchain – nutzt Lition Token als Gas, genau wie bei Ethereum. Als Konsensus-Mechanismus haben wir aber nicht Proof of Work gewählt, sondern nutzen in unserem Mainnet, das letzte Woche gestartet ist, einen Proof-of-Stake-Mechanismus, der deutlich energieschonender ist. Schließlich können wir schlecht einen grünen Energiemarktplatz ausschließlich mit grünen Energieerzeugern anbieten, wenn wir auf der anderen Seite Energiefresser wie Proof of Work Blockchains verwenden.

BTC-ECHO: Der traditionelle Stromkonzern wird damit übergangen?

Richard Lohwasser: Ja, mit Lition macht man aktuell die Leipziger Energiebörse überflüssig. Dieser Mittelsmann wird komplett aus der Gleichung genommen. Wenn sich das Gesetz ändert, kann man mit Peer-to-Peer-Trading auch den Energieerzeuger selbst aus der Gleichung nehmen.

BTC-ECHO: Auf eurer Homepage steht Lition.de sei das Stromsystem der Zukunft. Was meint ihr damit?

Richard Lohwasser: Unser aktuelles Stromsystem wurde 1999, vor zwanzig Jahren, entworfen. Dort kam es zur Trennung von Erzeugung, Vertrieb und Handel. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wir haben inzwischen ein sehr komplexes System, in dem vor allem die Mittelsmänner verdienen. Letztlich braucht man aber nur drei Parteien. Man benötigt einen Erzeuger, der den Strom produziert, man braucht einen Netzbetreiber, der die Stromkabel im Boden hat und man braucht den Kunden. Faktisch wurde aber sehr viel drumherum geschaffen. Es wurden Energieversorger geschaffen, so wie Vattenfall zum Beispiel, die die Stromrechnung erstellen. Es gibt die Trading-Firmen, die Stromgewinne machen. In Summe gibt es fast 1.000 verschiedene Netzbetreiber in Deutschland, die natürlich alle miteinander kommunizieren müssen. Das ist alles ein System, das meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß ist. Es sollte verschlankt werden. Man sollte wegkommen von den staatlichen Monopolen. Und blockchainbasiertes Peer-to-Peer-Energie-Trading ist dafür eine sehr gute Lösung.

BTC-ECHO: Nun fördert ihr mit eurem Blockchain-Marktplatz ökologische Energiewirtschaft. Wo siehst du bei der Blockchain noch andere Ansätze, wie Blockchain ökologisch nachhaltige Energiewirtschaft fördern oder generell dem Klima zuträglich sein kann?

Richard Lohwasser: Ein weiteres Thema, das wir nur indirekt betreiben, sind Herkunftsnachweise. Wenn man bei uns Strom von einem Kraftwerk kauft, weiß man, dass Strom von diesem Kraftwerk ökonomisch gekommen ist. Wir kaufen in genau der Menge Strom von diesem Kraftwerk über die traditionellen Alte-Welt-Kanäle. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre, dass man jegliche Art der CO2-Vermeidung in Blockchains über Echtheitszertifikate darstellen kann.

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Tokenisierte Immobilien: Die Finexity-Gründer im Interview

BTC-ECHO: Was war eure Motivation, Finexity zu gründen?

Paul Hülsmann: Finexity haben wir mit dem Ziel gegründet, die Investment- und Immobilienbranche zu liberalisieren. Mithilfe von Finexity können Kleinanleger ab 500 Euro in Immobilien investieren, um von den Mieteinnahmen und der Wertsteigerung zu profitieren. Im Bereich der Immobilieninvestitionen gibt es vier Probleme für Privatanleger.

Erstens sind Immobilieninvestitionen enorm kapitalintensiv. Ein Immobilienkapitalanleger muss in der Regel 20 Prozent Eigenkapital vorweisen, um sowohl die Kaufnebenkosten als auch einen Teil des Immobilienkaufpreises zu finanzieren. Sprich, bei einem Kaufpreis von einer Millionen Euro muss ich heute 200.000 Euro Eigenkapital mitbringen. Dies limitiert den generellen Immobilienmarktzugang und ebenso die Möglichkeit für Privatanleger zu diversifizieren.

Zweitens, selbst wenn das Geld zur Verfügung steht, gibt es extreme Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer. Kaum ein Privatanleger hat das nötige Wissen, um eine Immobilie auf Herz und Nieren prüfen zu können. Verkäufer wissen oftmals mehr als Käufer. Privatanleger müssen sich heute vor dem Erwerb einer Immobilie zu vielen Themen bemühen. Nicht nur das Objekt gilt es zu prüfen, ebenso die Lage, Bodenrichtwert und vieles mehr. Mikro- und Makrolage sowie die Entwicklung in den kommenden Jahren ist schwer von Privatanlegern zu überprüfen. Wird beispielsweise eine neue Hauptverkehrsstraße nach einigen Jahren an der Immobilie gebaut, kann das den Wert mindern.

Drittens gibt es kaum Flexibilität aufgrund von bürokratischen Hürden. Beispielsweise gerät der Privatanleger beim gleichzeitigen Verkauf von mehr als drei Objekten in den gewerblichen Handel (Drei-Objekt-Grenze). Man muss für jedes Objekt zum Notar und es kommen steuerliche Nachteile hinzu. Somit ist das vierte Problem der hohe Aufwand, der für Kauf/Verkauf betrieben werden muss und natürlich der eigentliche Verwaltungsaufwand, den viele Privatanleger abschreckt, selbst Immobilienkapitalanlagen zu erwerben. All diese Punkte haben wir aufgenommen und als Kern in unserem Business-Modell definiert.

BTC-ECHO: Und wofür macht ihr euch die Blockchain-Technologie zu Nutze? Wie kommt sie zum Einsatz?

Tim Janssen: Durch die Blockchain-Technologie haben wir die Möglichkeit, rechtmäßige Besitzansprüche protokollieren und gleichzeitig den Handel dieser Besitzansprüche abbilden zu können. Die Immobilie wird durch das eingesammelte Geld sowie durch die 65-Prozent-Finanzierung mit einer Bank gekauft. Auf der Blockchain wird ein digitaler Anteil zu je einem Euro abgebildet. Aus der erfolgreichen Finanzierung resultieren Token in Höhe des Finanzierungsvolumen. Jeder Anleger bekommt Token in Höhe seiner Investition ausgeschüttet.

Das Konstrukt mit seinen unterschiedlichen Parametern setzen wir mit Smart Contracts um. In diesem digitalen Vertrag sind die Bedingungen der Immobilienkapitalanlage festgeschrieben. Nach Ausgabe der Token an die Anleger erhalten wir ein protokolliertes Orderbuch, mit dem wir in der Lage sind, rechtmäßig zu identifizieren, wer zum aktuellen Zeitpunkt investiert ist. Über unseren Marktplatz können Anleger ihre Anteile direkt anderen Anlegern zum Verkauf anbieten.

BTC-ECHO: Ihr sprecht von der Finexity Blockchain. Was ist das für eine Blockchain?

Tim Janssen: Bei der Blockchain handelt es sich um eine permissioned Blockchain. Diese betreiben wir in einer eigenen Infrastruktur. Wir haben vorab verschiedene Konfliktpotenziale identifiziert und eine Lösung in Abstimmung mit der BaFin entwickelt. Erst durch die Einhaltung des Regulierungsrahmens ist für uns der Marktstart möglich geworden. Der ganze Prozess ging im Vorfeld insgesamt über acht Monate; am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Einsatz einer permissioned Blockchain rechtliche Anforderungen und den gesetzlichen Rahmen, auch in Bezug auf Datenschutz, am besten erfüllt. Wir entwickeln auf Basis des Ethereum-Protokolls, unser Token entspricht also dem ERC-20-Standard.

BTC-ECHO: Das heißt, ihr gebt einen ERC-20 Token heraus, der theoretisch auf dem Sekundärmarkt handelbar ist? 

Tim Janssen: Theoretisch ist dies richtig. Wir müssen eine Fungibilität abbilden. Auf unserer Plattform wird der Kauf und Verkauf von Token-Anteilen ermöglicht. Allerdings nicht auf externen Plattformen oder Krypto-Börsen.

BTC-ECHO: Wie schafft ihr Liquidität? Wie können Verkäufer sicherstellen, dass sie auf eurer Plattform auch Käufer finden?

Paul Hülsmann: Liquidität auf dem Zweitmarkt zu schaffen ist eine Herausforderung für 2020. Wir sind aktuell dabei, Akteure zu gewinnen, die als Market Maker auf dem Zweitmarkt agieren. Wir unterstützen den Anleger zudem durch eine quartalsweise Neubewertung der Immobilie und einem indikativen Net-Asset-Value. Schlussendlich wird der Preis vom Angebot und der Nachfrage auf dem Zweitmarkt bestimmt. Je nach Anlage-Typ entscheidet der Anleger selbst, ob er langfristig investiert bleiben möchte, dabei die Vorzüge einer gemanagten Kapitalanlage wahrnimmt oder ob er lieber seine Anteile handelt und flexibel verkauft.

BTC-ECHO: Welche Rolle wird zukünftig die Blockchain-Technologie eurer Meinung nach, auch losgelöst vom Investmentaspekt, für die Immobilienbranche spielen?

Paul Hülsmann: Wir etablieren mit der Blockchain ein System, das nicht mehr den altbekannten Weg geht und enorme Kosten einspart. Etwa indem man nicht mehr vor dem Immobilienkauf zum Notar gehen muss. Immobilien, die einmal in unserem Ökosystem sind, sind von diesen Kaufnebenkosten befreit. Durch das Ausschalten weiterer Intermediäre, die eine Wertpapiertransaktion ermöglichen, senken wir die Emissionskosten einer digitalen Immobilienkapitalanlage enorm. Der Vorteil der Blockchain liegt also vor allem im Sparen von Kosten.

Tim Janssen: Wenn Immobilien einmal digitalisiert sind, steigt die Marktzugänglichkeit und ein illiquider Markt wird liquide. Geringe Investitionsschwellen gepaart mit der Flexibilität digital handelbarer Token, sind erfüllbare Erwartungen der Kunden an ein Finanzprodukt. Anleger entscheiden selbst über ihre Token – unbürokratisch, jederzeit und ebenfalls zu geringen Transaktionskosten. Auf diese Weise werden sowohl Depotbanken als auch Verwahrstellen obsolet.

BTC-ECHO: Glaubt ihr denn, dass die Investoren überhaupt dazu bereit sind, in einen Token zu investieren?

Paul Hülsann: Unser erstes Projekt ist bereits sehr gut gestartet. Wir bekommen bisher sehr gutes Feedback von den Investoren. Wir sind gestartet als einer der europäischen Pioniere im Bereich der Tokenisierung von Immobilien. Unser Ziel war es, die Abstimmung mit der BaFin durchzuführen, um als regulierte Kapitalanlage in Deutschland an den Start gehen zu können. Das haben wir geschafft und erleben eine täglich wachsende Nachfrage auf unserer Plattform. Wir konnten in den ersten 14 Tagen bereits 700.000 Euro einsammeln und haben über 2.500 registrierte Kunden auf unserer Plattform. Mit unserem Asset-Backed Token bieten wir die perfekte Diversifikation zu anderen Krypto-Werten. Kurz gesagt: klares Ja!

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Token Custody der Zukunft : Interview mit Alexis Hamel von der neu gegründeten solaris Digital Assets GmbH

BTC-ECHO: Was hat euch, also die solarisBank, dazu bewegt, die solaris Digital Assets zu gründen?

Alexis Hamel: Wir denken über das Thema bereits seit einer Weile nach. Anfangs waren die regulatorischen Anforderungen für die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten noch nicht vollumfänglich definiert. Vor allem war unklar, ob wir das Verwahrgeschäft über die solarisBank oder eine Tochtergesellschaft anbieten sollten. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, den Service als externes Angebot zu starten. Somit setzen wir maximalen Fokus auf die Digital Assets Initiative und haben für die Zukunft einen strategischen Vorteil, da diese separate Einheit auch für industriespezifische Investoren spannend sein kann.

BTC-ECHO: Welche Dienstleistungen umfasst das Angebot?

Alexis Hamel: Das übergeordnete Ziel ist es, die Verbreitung digitaler Assets zu fördern, indem wir eine technologisch ausgereifte und vor allem sichere Infrastruktur für Digital-Asset-Pioniere anbieten. Wir stellen dabei keine Wallets für Endnutzer zur Verfügung. Dafür aber APIs für unsere Partner, also andere Unternehmen, die damit Services im eigenen Branding und Design entwickeln können. Auf diesen B2B2X-Ansatz setzen wir bereits bei der solarisBank und führen ihn bei solaris Digital Assets fort. Als erstes Produkt haben wir mit einer Custody API begonnen, da wir die sichere und zugleich leicht zugängliche Verwahrung von digitalen Vermögenswerten als den Haupt-Pain-Point im Markt identifiziert haben.

BTC-ECHO: An wen richtet sich das Angebot? Wer sind die Kunden?

Alexis Hamel: Das ist ganz unterschiedlich. Die solarisBank hat bereits eine Menge Partner aus dem Krypto-Umfeld. Auf der einen Seite ist unser Angebot für Start-ups spannend, die sich vor allem auf unsere regulatorische Expertise verlassen können. Schließlich haben wir bereits seit 2016 für die Bereitstellung unserer Banking-Infrastruktur die notwendige Banklizenz und haben Partnerschaften im Bereich Krypto-Banking, Handelsplattformen oder STOs realisiert. Auf der anderen Seite beobachten wir eine steigende Nachfrage von etablierten Finanzinstituten. Diese schätzen an unserem Service, das er eine gute Einstiegshilfe in den Krypto-Sektor bietet, da wir ebenfalls vollständig reguliert sind.

BTC-ECHO: Kannst du uns mehr zu den technischen und sicherheitsrelevanten Aspekten erzählen und wie die Verwahrung von Token gemanagt wird?

Alexis Hamel: Auf der technischen Seite besteht unser Service aus verschiedenen Komponenten: Auf der einen Seite geht es um die Frage, wie man den Private Key verwaltet. Dafür nutzen wir eine Kombination aus verschiedenen Hardware-Modulen. Diese sind sehr sicher und gut geeignet, Private Keys zu halten. Als Tochterunternehmen einer volllizenzierten Bank sehen wir uns als Experten für Sicherheitsfragen. So haben wir unsere eigenen dezidierten Datenzentren und Clouds mit starken Sicherheitsstandards. Den Hauptteil der kritischen Infrastruktur managen wir inhouse. Auf das Thema Sicherheit muss man mit einer holistischen Perspektive blicken.

BTC-ECHO: Nun benötigen alle Krypto-Verwahrer ab nächstem Jahr die Zustimmung der BaFin. Bitte erklär doch, wie ihr euch hier positioniert?

Alexis Hamel: Wir werden im nächsten Jahr die neue Krypto-Verwahrlizenz bei der BaFin beantragen – diese umfasst dann die Dienste von solaris Digital Assets. Unser Produkt ist aber bereits heute verfügbar. Einige Partnerschaften haben wir in der Pipeline und können deren Go-Live zeitnah kommunizieren.

BTC-ECHO: Seht ihr eine größere Nachfrage bei der Verwahrung von Kryptowährungen oder bei Security Token?

Alexis Hamel: Kryptowährungen sind für uns der Anfang. Bestandskunden aus dem Krypto-Bereich fragen bereits Dienste wie Krypto-Banking oder einen Sekundärmarkt für den Handel nach. Das ist aber nur die erste Ebene der Digital-Asset-Verbreitung. Grundsätzlich sehen wir in der Tokenisierung von verschiedensten Assets die Zukunft großer Teile der Finanzwelt. Ein beträchtlicher Teil der Nachfrage kommt somit auch aus dem Bereich der Security Token. In dem Bereich sehen wir ein riesiges Potenzial für die Zukunft – der Markt steht aber noch am Anfang.

BTC-ECHO: Neben der praktikablen Verwahrung von tokenisierten Assets, welche weiteren Herausforderungen identifiziert ihr, um Investoren vom neuen Medium Token zu überzeugen?

Alexis Hamel: Ein Ziel von solaris Digital Assets ist die Förderung der Verbreitung von digitalen Assets. Wir fokussieren uns daher voll auf die Reduktion von Komplexität für unsere Partner und deren Endkunden. Im Krypto-Sektor gibt es eine enorme Diskrepanz zwischen der Möglichkeit von Services und deren tatsächliche Nutzererfahrung. Die ist häufig so schlecht, dass sie die Adaption von Krypto-Services massiv behindert. Für erfahrene Nutzer ist das weniger ein Problem. Aber so erreichen wir keinen Mainstream. Die meisten Kunden wollen schlicht und ergreifend eine übersichtliche Nutzeroberfläche haben. Das ist aktuell eine der größten Hürden für die Verbreitung der Technologie. Natürlich ist auch die fehlende Handelbarkeit diverser Token ein Problem. Hier werden neue Handelsplätze einen großen Unterschied machen.

BTC-ECHO: Was wünscht ihr euch vom Gesetzgeber, damit die Integration von Krypto-Services in Deutschland mehr Fahrt aufnehmen kann?

Alexis Hamel: Ich denke, dass die letzten Regulierungsvorstöße in Deutschland bereits ein Schritt in die richtige Richtung waren. Unternehmen wird dadurch ein verlässliches Umfeld für den Markteintritt geschaffen. Auch sind natürlich Themen wie Rechtssicherheit und Verbraucherschutz entscheidend. Was ich mir zudem wünschen würde, ist eine Vereinheitlichung der Regularien innerhalb der EU. Das ist der Schlüssel, um einen starken Krypto-Markt innerhalb der EU aufzubauen.

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Blockchain-Betriebssystem : Steven Fang erklärt LibertyOS

Das Interview wurde auf Englisch geführt und anschließend ins Deutsche übersetzt.

BTC-ECHO: Was hat dich dazu motiviert, LibertyOS zu entwickeln?

Steven Fang: Alles begann im Januar 2012, als ich angefangen habe, zunächst bei Qualcomm und dann später bei Microsoft zu arbeiten. Ich war dort an der Entwicklung von Datenbanken beteiligt und mir wurde allmählich die schiere Menge an personenbezogenen Daten bewusst, die von diesen größeren Unternehmen – ohne Wissen der Endverbraucher – gesammelt wurden.

Als ich zum Beispiel ein Login-Problem für einen Kunden in meinem früheren Unternehmen recherchierte, suchte ich in einer Datenbank nach seiner Benutzer-ID und fand zu meiner Überraschung dutzende von Gigabyte seiner Tracking-Daten, IP, Präferenzen, Informationen über seine Kinder und so weiter. Es war ein großer Schock und motivierte mich, eine umfassende Sicherheitslösung zu entwickeln, die vor allem den Nutzern zugutekommt.

Die Menge und der Umfang der Datensammlung sowohl auf Betriebssystem- als auch auf Softwareebene erschreckte mich. Das veranlasste mich gemeinsam mit meinen Kommilitonen, zu untersuchen, wie wir eine transparente und datensichere Lösung entwickeln können. Unsere Forschung ergab, dass wir, unabhängig davon, welche Sicherheitslösung wir auf einem Computer einsetzen, nie vollständig sicher sein werden, wenn wir nicht auch alle Verbindungen, Hosts und Schwachstellen auf der untersten Ebene der Betriebssystemebene vollständig entfernen. Deshalb haben wir uns letztendlich dazu entschieden, an den Sicherheitslösungen auf Betriebssystemebene zu arbeiten, und so wurde LibertyOS Anfang 2017 als Ergebnis mehrerer Sicherheitsprojekte geboren.

BTC-ECHO: Worin siehst du den größten Unterschied zu den klassischen großen Betriebssystemen wie Windows oder Mac?

Steven Fang: LibertyOS ist das einzige Betriebssystem, das automatisch Werbung, bösartige Verbindungen, störende Hosts und alle Tracker auf Betriebssystemebene erkennt und entfernt. Auch verfolgt unser Blockchain-Betriebssystem einen proaktiven Ansatz für eine vollständige Daten- und Benutzersicherheit. LibertyOS ist kostenlos, sehr leicht und zugleich hochperformant für alle Bürosoftware und PC-Spiele. Mit unserem Betriebssystem haben Nutzer sogar die Möglichkeit, Geld zu verdienen.

BTC-ECHO: Worin unterscheidet sich LibertyOS von anderen Blockchain-Betriebssystemen wie Overledger von Quant?

Steven Fang: Overledger ist ein Betriebssystem, das viele verschiedene Blockchains, wie Ethereum, EOS oder Tron integriert. LibertyOS hingegen ist ein verbraucherorientiertes Betriebssystem, vergleichbar mit Windows oder MacOS. LibertyOS ist ein voll verwendbares Betriebssystem, ergänzt um die Token-Ökonomie, um Nutzer auch für ihre Aktivität belohnen zu können. Lassen die Nutzer beispielsweise Werbeanzeigen zu, dann erhalten sie mit dem Liberty Token eine Belohnung. Im Vergleich zu Overledger verfügt unser Betriebssystem neben dem Incentivierungsmechanismus auch über eine umfassende Sicherheitslösung. Diese ist im Kern integriert, um bösartige oder belastende Verbindungen, Hosts, Programme und Ports automatisch zu erkennen und abzulehnen.

BTC-ECHO: Wie können Nutzer eure Kryptowährung, den Liberty Token, nutzen?

Steven Fang: Wenn der Nutzer zustimmt, vorselektierte und geprüfte Werbeeinblendungen zuzulassen, dann kann er dadurch nebenbei etwas Einkommen generieren. Umgekehrt können Publisher den Liberty Token nutzen, um effizient Werbung zu schalten. Da Mittelsmänner wie Google entfallen, die sich einen hohen Teil der Werbemarge einstreichen, kann der Nutzen für beide Seiten optimiert werden.

BTC-ECHO: Der Ansatz, dass ihr Nutzer für das Schauen von Werbung entlohnt, ist nicht neu. Beispielsweise bietet der Brave Browser dieses Feature bereits. Inwiefern kann LibertyOS hier mehr bieten?

Steven Fang: Da wäre zum einen der Aspekt, dass LibertyOS ein vollständiges Betriebssystem mit hohen Sicherheitsstandards ist, indem beispielsweise schädliche Verbindungen automatisch entfernt werden. Der Brave Browser kann hingegen auf verschiedenen Betriebssystemen installiert sein, die wiederum diverse Daten abgreifen können. Bei dem Aspekt Sicherheit kann der Brave Browser also nur einen bedingten Mehrwert liefern.

Auch ist durch unseren vorinstallierten Liberator Browser eine bessere Werbedistribution möglich. So können Nutzer beispielsweise genau festlegen, welche und wie viel Werbung sie an bestimmten Stellen eingeblendet bekommen möchten. Dadurch nimmt die Nutzerbereitschaft zu, Werbeinhalte zu konsumieren.

BTC-ECHO: Euer Token basiert auf der Binance Blockchain. Warum habt ihr euch für diese entschieden?

Steven Fang: Die Binance Blockchain hat uns von der Performance her angesprochen, da sie besser skaliert als beispielsweise Ethereum. Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Token nahezu in Echtzeit transferieren können. Auch glauben wir daran, dass das Binance-Ökosystem in Zukunft noch stark anwächst.

BTC-ECHO: Wie ist der aktuelle technische Stand von eurem Projekt und was sind die nächsten Schritte?

Steven Fang: Wir befinden uns aktuell im Beta-Stadium, das auch zum Download bereitsteht. Unsere Entwickler sind dabei, die letzten Bugfixes und Optimierungen fertigzustellen. Das Geld aus unserem aktuellen ICO wollen wir dazu nutzen, Software und Token Economy weiter auszubauen.

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