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Wie man bereits heute Eigenkapital tokenisiert – Amazing Blocks CEO im Interview

Das Start-up Amazing Blocks konzentriert sich auf die noch junge Welt der Security Token. Während in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern einige regulatorische Hindernisse existieren, um tokensierte Wertpapiere herauszugeben, ist man in Liechtenstein schon etwas weiter. Die Vorteile der kleinen Jurisdiktion Liechtenstein, wie lange es dauert, tokenisierte Aktien herauszugeben und weshalb digitales Zentralbankgeld auch die Etablierung von Security Token fördert, hat uns Amazing Blocks CEO Sofia Balogianni im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der November-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.

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Wie bist du dazu gekommen, Amazing Blocks zu gründen? Was war deine Motivation?

Ich hatte während meines Studiums an der Frankfurt School die Crypto Assets Conference mitorganisiert und bin daher mit einer Vielzahl von Blockchain-Gründern und Experten in Kontakt getreten. Besonders inspirierend war der Vortrag der Kanzlei Nägele, in dem der bahnbrechende Liechtenstein Token Act vorgestellt wurde. Bei dem anschließenden Networking ergaben sich vielversprechende Schnittstellen mit den heutigen Mitgründern. Das Produkt von Amazing Blocks wurde dort bereits skizziert und der erste Block war gelegt.

Kurz und knapp: Was ist euer Kerngeschäft und welchen Nutzen bringt ihr euren Kunden?

Unser Kerngeschäft bezieht sich auf die Tokenisierung und der optional dazugehörigen Investorsuite, die wir Anfang nächsten Jahres anbieten können. Wir können helfen, die Geschäftsanteile von Unternehmen nach dem Liechtenstein Token Act zu tokenisieren, aber auch Sachwerte wie zum Beispiel Kunstobjekte oder gar Oldtimer. Unsere Aufgabe liegt darin, das Geschäftsmodell des Kunden zu analysieren und entsprechende Lösungskonzepte für Token, Smart Contracts und die technische Abbildung anzubieten. Unsere Stärke ist, dass wir individuell auf Kundenwünsche eingehen können, da flexibel eine Tokenart, also zum Beispiel Equity Token, Debt Token oder auch Ownership Token gewählt werden kann.

Was sind die größten Vorteile im Vergleich zum traditionellen Weg, ohne Blockchain?

Die Vorteile unserer Lösung fangen bereits bei der Gründung einer Aktiengesellschaft an. Der Liechtensteiner Token Act ermöglicht optional eine banklose Gründung ohne notwendiges Reisen nach Liechtenstein. Wir bieten unseren Kunden einen Step-by-Step-Plan für eine beschleunigte Gründung der Gesellschaft und deren Tokenisierung an. Der gesamte Prozess dauert bis zur Tokenisierung im besten Falle vier Wochen.

Was unsere Software-Lösung angeht, bieten wir eine Tokenmanagement-Plattform an, die es erstmalig ermöglicht von Equity Token bis hin zum Debt Token alles zu generieren, je nach Kundenwunsch. Das Thema Fundraising wird durch die Tokensierung von Equity Token flexibler, effizienter und kostengünstiger. Außerdem sind Eigentumsübertragungen 24/7 und ohne Notar möglich. Allgemein kann man durch das Nutzen von Smart Contracts vermehrt auf traditionelle Intermediäre verzichten. Als LegalTech-Start-up unterstützen wir unsere Kunden während des Gründungsprozesses sowie bei techbasierten Fragen rund um die Tokensierung und Administration. Hier arbeiten wir dann oftmals mit entsprechenden Kanzleien zusammen, etwa wenn unsere Plattform an bestimmte Use-Cases angepasst werden muss, wie zum Beispiel die Tokenisierung von Kunstwerken.

Warum habt ihr euch in Liechtenstein niedergelassen?

Liechtenstein gilt als „Blockchain-Cluster“ und entsprechend können wir hier von dem bereits bestehende Blockchain-Ökosystem profitieren. Die Regierung bewies Anfang des Jahres ihren weltweiten Pionierstatus, als der wegweisende Liechtenstein Token Act (TVTG) in Kraft getreten ist. Dies ermöglicht erstmalig die Tokenisierung von Unternehmensanteilen und jeglichen Assets unter anderem durch das disruptive „Token-Container-Model“. Man kann sich hierbei das Unternehmen als Blumenvase vorstellen, das den Legal Wrapper darstellt und somit von der Liechtensteiner Gesetzeslage ermöglicht wird. Das Unternehmen kann dann entscheiden, welche Assets – in dem Fall also die Blumen – durch den Legal Wrapper tokenisiert werden.

Für gewöhnlich sind Security Token nicht als Aktie, sondern als Anleihe aufgesetzt, da es regulatorisch schwierig ist in beispielsweise Deutschland Eigenkapital zu tokenisieren. Warum geht es bei euch, was macht ihr anders bzw. ist anders in Liechtenstein?

Das ist die deutsche Sicht der Dinge. In Liechtenstein haben wir Aktien tokenisiert. Dies erforderte einen Verwaltungsratsbeschluss von ungefähr einer halben Seite mit einigen Regelungen. Weiterhin mussten die Aktien technisch als Blockchain-basierte Wertrechte abgebildet werden. Dann waren unsere eigenen Aktien tokenisiert. Als echte Equity Token.

Die regulatorische Lage in Liechtenstein ermöglicht es, dass Aktien, Anleihen, Partizipationsscheine und generell Eigentum tokenisiert werden kann. Hierdurch differenziert sich Liechtenstein ganz klar von anderen Ländern wie eben Deutschland, die aktuell noch in der Entwicklungsphase stecken. Demzufolge haben wir uns entschieden, in Liechtenstein unser Start-up zu gründen und die bereits bestehenden, innovativen Gesetzesgrundlagen zu nutzen. Mit der richtigen Kanzlei als juristische Berater kann man auch fast komplett problemlos Token aus Liechtenstein in Deutschland platzieren. Die in Liechtenstein generierten Token können dann durch das EU-Passporting Liechtensteins auch zum Beispiel in Deutschland vertrieben werden.

Inwiefern habt ihr dann mit dem Emissionsprozess in Form eines Security Token Offerings zu tun? Oder verwaltet ihr nur die Legal Entity?

Amazing Blocks liefert dem Kunden eine Software-Lösung, die auf der einen Seite formal durch den Verwaltungsrat oder den CEO einer Aktiengesellschaft bedient wird. Das bedeutet, der CEO generiert die Unternehmensanteile und die anschließende Token-Emission von weiteren Assets selbstständig und verwaltet somit autonom das Tokenpad. Auf der anderen Seite kann eine optionale Investorsuite von uns bereitgestellt werden, damit eine Investitionsmöglichkeit schneller gegeben ist. Für die Technik arbeiten wir mit Micobo aus Frankfurt zusammen. Wir unterstützen unsere Kunden somit über den gesamten Prozess hinaus – Investition und Administration. Unsere Kunden haben hierbei jedoch die volle Kontrolle über ihre jeweiligen Private Keys.

Der Markt für Security Token Offerings hat sich bislang nicht in der Breite etablieren können. Glaubst du, dass sich das zeitnah ändert?

Der Grund des bis dato langsamen Wachstums war vor allem die fehlende Rechtssicherheit, die durch den Liechtenstein Token Act nun gegeben ist – zumindest für einige Arten und Anwendungsfälle für Token. Es wird interessant sein zu sehen, wie Liechtenstein hier eine gewisse richtungsweisende Funktion übernehmen wird. Entsprechend sehen wir es als unsere Aufgabe, hier Aufklärungsarbeit zu leisten und damit die „Mainstream-Adaption“ zu unterstützen. Eine besondere Hilfestellung sind die recht schlank gehaltenen Prozesse in Liechtenstein. Weniger Papierarbeit heißt weniger Aufwand.

Welche Treiber machst du aus, die helfen Security Token weiter zu etablieren?

Neben einer Überwindung der Rechtsunsicherheit können die digitalen Zentralbankwährungen wie der digitale Euro dabei helfen eine Etablierung von Security Token zu fördern. Diese werden dafür sorgen, dass es immer selbstverständlicher wird diverse Assets wie Oldtimer oder Kunstwerke in die Blockchain-Welt via Security Token zu übertragen.

Was sind eure nächsten Schritte? Habt ihr schon Kunden, die sich über euch tokenisiert haben?

Die erste Tokenisierung über unsere Plattform erfolgte mit unseren eigenen Amazing-Blocks-Aktien, da wir unseren Kunden nur etwas anbieten möchten, an das wir selbst glauben. Das erforderte eine halbe Seite für ein paar juristische Regelungen und dann einen Zeitaufwand von 20 Minuten. Wir werden in den nächsten Monaten den Fokus klar darauf legen, die traditionelle Finanzwelt im Bereich der Tokenisierung aufzuklären und als Kunden zu gewinnen. Hier haben wir erste Leads in Bereichen wie Equity, Oldtimer, Solaranlagen und Maschinen-Tokenisierung. Außerdem arbeiten wir daran, unsere Software zu erweitern, um eine ganzheitliche Plattform anbieten zu können, die als „Marketplace“ fungiert.

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Wie die Blockchain den Kunstsektor verändert – 4ARTechnologies CEO im Interview

Der Kunstsektor ist nicht gerade für seinen hohen Digitalisierungsgrad bekannt. Die Kosten durch Mittelsmänner, Betrug und Logistikprozesse sind enorm und gehen weltweit in die Milliarden. Das Schweizer Kunst-Start-up 4ARTechnologies möchte diese Missstände mit Hilfe der Blockchain-Technologie überwinden. Im Gegensatz zu vielen anderen Blockchain-Start-ups hat 4ARTechnologies schon einiges vorzuweisen und wird von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit 500 Millionen Euro bewertet. Wie hoch die Kostenersparnis durch optimierte Blockchain-Prozesse für den Kunstmarkt ist und was man von tokenisierter Kunst halten kann, hat uns der CEO und Gründer von 4ARTechnologies, Niko Kipouros, im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der Dezember-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.

Warum braucht es ein Unternehmen wie 4ARTechnologies, das mit Hilfe der Blockchain-Technologie den Kunstsektor revolutionieren möchte?

Blockchain alleine ist noch keine Lösung für den Kunstmarkt. Es ist bisher niemandem gelungen, einen wirklich standardisierten Ansatz zu finden, der die Kunstindustrie in ihrer Gesamtheit praxisgerecht abbilden kann. Zwar gab es immer wieder Anwendungen mit einer Blockchain-Komponente. Wir haben aber als erste diesen gesamtheitlichen Ansatz geschaffen, der 4ARTechnologies auszeichnet.

Ein Bestandteil davon ist die Sicherung von Informationen und Dokumenten zu Kunstwerken unter anderem mit der Blockchain. Dass wir den Schritt in den Kunstmarkt geschafft haben, liegt aber vor allem daran, dass wir alle Prozesse über Mobiltelefone abbilden können. Damit ist es auch zum ersten Mal gelungen, mit einem Smartphone die Authentifizierung von Kunstwerken nachvollziehen zu können. Das geht über digitale Fingerabdrücke von Objekten und Materialoberflächen, die wir mit verschiedenen Speichermedien verbinden.

Dabei dient die Blockchain als Sicherungsmedium, durch das alle digital angefertigten Transaktionen dann nochmal auf der Blockchain gehasht werden. Somit sind alle Informationen unveränderbar und valide, auch in vielen Jahren. Das war so vorher nicht möglich.

Ihr Produkt richtet sich dabei an drei Gruppen: Galeristen, Künstler und Versicherungen. Was sind die größten Pain Points der einzelnen Akteure?

Wir wenden uns an den gesamten Kunstmarkt. Unser System fängt beim Künstler an. Der kann seine Werke digitalisieren und die Daten in den Werkskatalog einspeisen. Die nächste Station ist der Galerist. Dieser erste Besitzwechsel ist im Kunstmarkt extrem wichtig. Die darauffolgende Station ist üblicherweise der Sammler. Und der hat heute ein großes Problem: Die große Menge an Kunstfälschungen. Experten gehen davon aus, dass zwischen 30 und 50 Prozent aller sich auf dem Markt befindlichen Werke nicht echt sein könnten.

Sammler wissen also nicht genau, woher die Kunstwerke kommen und ob sie echt sind. Durch die Übertragung der digitalen, durch die Blockchain gesicherten Protokolle können Sammler den Nachweis erbringen, dass ihr Werk echt ist. 

Andererseits spielt aber auch Transport eine große Rolle. Pro Jahr werden etwa 20 Millionen Werke zwischen den Museen ausgetauscht. Wir sprechen hier über extrem hohe Vermögenswerte. Usus ist, dass der Verleihnehmer die Kosten für den Transport übernimmt. Dazu gehört aber auch ein Zustandsbericht, der manuell gemacht wird. All dies könnte man schon heute digital abwickeln und dadurch enorme Kosten sparen.

Können Sie uns noch mehr Zahlen nennen, um einen besseren Eindruck von dem Einsparpotential zu geben?

Vor allem bei diesen Zustandsberichten besteht ein großes Kostensenkungspotenzial. Wir haben im Kunstmarkt weltweit über 250 Millionen Besitzwechsel pro Jahr. Bei 20 Prozent dieser Werke ist ein Zustandsbericht erforderlich, der mindestens 150 Euro kostet.

Galeristen kostet das pro Ausstellung, von denen es jedes Jahr hunderte gibt, zwischen 6.000 und 15.000 Euro. Alleine hier ist das Einsparungspotenzial enorm und kann gut 70 Prozent Kostenersparnis liefern.

Und werden sich auch die großen Auktionshäuser wie Sotheby’s oder Christie’s zukünftig auf Blockchain–Verifizierung setzen?

Ich bin überzeugt, dass unser Modell zum Standard wird und bisher gibt uns der Erfolg recht. Mittlerweile ist es uns gelungen, die drei größten Logistiker der Welt als Partner zu gewinnen. Wir arbeiten mit namhaften Galerien zusammen. Dazu gehört auch der Weltmarktführer Gagosian aus New York. Die machen etwa eine Milliarde US-Dollar Umsatz pro Jahr. Zudem sind wir in konkreten Verhandlungen mit verschiedenen Auktionshäusern. Wir stoßen da immer weiter rein – die finale Version ist ja auch gerade einmal fünf Monate online. Ferner arbeiten wir eng mit dem Deutschen Galeristenverband zusammen. Da ergibt sich eine Systematik und am Ende wird kaum jemand drum herumkommen, das System zu nutzen.

Es gab sogar ein ICO, das den 4ARTcoin hervorgebracht hat. Inwiefern muss ich diesen denn besitzen, um die Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen?

Die App kann man auch ohne den Coin nutzen, ein Zwang wäre zu viel für den jetzigen Markt. Die jeweilige Dienstleistung lässt sich einfach per Kreditkarte oder Prepaid zahlen. Die Credits sind natürlich auch mit dem 4ARTcoin bezahlbar – und lassen einen Rabatt von 20 Prozent zu. Wir haben ein Gesamtdienstleistungsvolumen von hohen, dreistelligen Millionenbeträgen. Aktuell sind wir von PwC Strategy& mit 500 Millionen bewertet worden. Unser Umsatzziel ist ambitioniert, aber wir streben einen Marktanteil von 0,1 Prozent und damit dreistelligen Millionenumsatz an.

Wenn am Ende nur zehn Prozent über den Token bezahlt werden würde, dann wäre das schon ein nennenswertes Trading-Volumen. Für Dienstleistungsnehmer sind 20 Prozent Rabatt ein gutes Argument – wir können uns also gut vorstellen, dass der Coin eine große Nutzung erfährt.

Eine andere Komponente ist, dass wir unsere Kunden dazu bewegen möchten, eben auch eigene Dienstleistungen mit dem Coin bezahlbar zu machen. Man kann etwa Kunstwerke mit dem Coin bezahlen – und das wird immer mehr angenommen.

Gegenwärtig sehen wir einen kleinen Hype bei digitalen Kunstwerken in Form von Non-fungible Token (NFT). Unsinn oder die Zukunft des Kunstmarktes?

Digitale Kunst hat eine große Zukunft, davon bin ich überzeugt. Bei dem was Sie ansprechen, handelt es sich allerdings um etwas anderes: Die Tokenisierung von Kunst. Man nimmt also ein Asset, und stellt ein verbrieftes Pendant daneben, das als Kryptowährung auf den Markt gebracht wird.

Kunst ist indes eine sehr illiquide Assetklasse und liegt häufig als Vermögenswert in den Lagern von Sammlungen. Die gesamte Finanzindustrie bemüht sich nun, diese Assetklasse liquider zu gestalten. Einen Picasso kann ja kaum jemand bezahlen. Aber wenn man Teile eines Werks kaufen kann, sieht das schon ganz anders aus.

Wir haben dahingehend bereits verschiedene Ansätze begleitet; die bisherigen Projekte haben aber ein Reputationsproblem. Man ist sich nicht sicher, ob der jeweilige Token tatsächlich zu dem Werk gehört. Wir haben nun eine Systematik entwickelt, jeden Pixel eines physischen Werkes mit einem Token zu verbinden und zu verifizieren.

Damit können wir in Zukunft die Reputation liefern, die ernsthafte Investoren benötigen.

Könnte es sich also lohnen, bereits heute als einer der ersten in rein digitale Kunst zu investieren?

Man muss schon die Spreu vom Weizen trennen. So muss die Handelsplattform etwa die richtige Liquidität haben und die physischen Werke müssen richtig abgesichert sein. Ich glaube, das kommende Jahr wird die entscheidende Wende bringen. Wir haben auch mit drei anderen großen Gesellschaften ein großes Projekt gestartet, bei dem wir das größte Leinwand-Kunstwerk der Welt digitalisieren. Das ist ein Werk von Sacha Jafri und ist fast so groß wie ein Fußballfeld. Unsere Aufgabe ist vor allem, die Grundlagen zu schaffen, damit der digitale Kunstmarkt an Reputation gewinnt.

Abschließend: Welche Rolle werden Token und die Blockchain-Technologie im Kunstmarkt in 5 Jahren spielen? Wo sehen sie Ihr Unternehmen 4ARTechnologies?

Wir wollen absoluter Weltmarktführer mit zehn Prozent Marktanteil im gesamten Abwicklungsprozedere werden. Aktuell gibt es weltweit kein vergleichbares Unternehmen. Blockchain kann jeder – das Auslesen von Materialoberflächen ist aber unsere Kernkompetenz und Alleinstellungsmerkmal. In drei bis fünf Jahren werden wir so viel Marktanteil haben, dass es schwierig wird, den noch aufzuholen. Alles wird digital und Corona hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt – besonders im Kunstmarkt.

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„Wir vergleichen Bitcoin gerne mit Gold“ – VanEck-Manager Dominik Poiger

Die international tätige Investmentgesellschaft VanEck ist bekannt für ihre börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Als eines der ersten Finanzhäuser hat VanEck versucht, auch Bitcoin über klassisch verbriefte Finanzprodukte handelbar zu machen. Wie institutionelle Investoren zu Bitcoin stehen, warum es trotz regulierter Token-Verwahrlösungen auch einen Markt für urkundlich verbriefte Krypto-Finanzprodukte gibt und ob Security Token noch in diesem Jahrzehnt zu einem neuen Standard werden, hat uns Dominik Poiger, Portfoliomanager bei VanEck, im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der Oktober-Ausgabe des Kryptokompass erschienen.

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Wie kommt man als Portfoliomanager bei einer großen Investmentgesellschaft wie VanEck dazu, sich mit Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin, auseinander zu setzen?

Da ging es mir wie vielen anderen in der Branche: Das Interesse wurde vor allem durch die Entwicklung des Bitcoin-Kurses getrieben. Mit Hinblick auf die Produktentwicklung hat sich das Interesse aber erst bei VanEck so richtig vertieft. Auch BTC-ECHO berichtet ja regelmäßig von den Bestrebungen der US-Kollegen, einen Bitcoin ETF zu lancieren. Der projektleitende Kollege war 2017 auch für drei Monate in Deutschland – seitdem herrscht reger Austausch miteinander. Als kleines Unternehmen sind wir in Sachen Produktentwicklung auch relativ flexibel. Übrigens zeigen wir in unserem Bericht „The Investment Case for Bitcoin“, wieso BTC seinen Platz in einem traditionellen Wertpapierportfolio auch verdient hat.

Oft hört man die Aussage:Institutionelle Investoren drängen in den Krypto-Markt, um positive Stimmung für Kryptowährungen zu erzeugen. Inwiefern teilst du diese Aussage beziehungsweise inwiefern relativierst du diese?

Man kommt nicht mehr daran vorbei. Seit der Erschaffung von Bitcoin hat sich gezeigt, dass die Kryptowährung in ein klassisches Wertpapierportfolio gehört. Was fehlt, sind aber die sogenannten Onramps für institutionelle Investoren. Wir als Unternehmen haben es uns daher auch zur Aufgabe gemacht, genau diese Infrastruktur zu bauen, um den Weg für institutionelle Investoren zu ebnen.

Kannst du etwas über eure Kunden verraten, wie diese das Thema Kryptowährungen aufnehmen?

Gerade in Hinblick auf den US-Launch des ETFs gibt es reges Interesse seitens der Investoren. Sobald in den Medien über Krypto-ETFs gesprochen wird, fällt meist der Name VanEck. Dahingehend sind wir auf jeden Fall auf dem Radar von Investoren.

Glaubst du, dass sich der Trend traditionell verbriefter Finanzprodukte weiter fortsetzt?

Institutionelle Investoren müssen ihre Kryptowährungen irgendwo verwahren. Wenn man als einzelner Investor aber keine eigene Verwahr-Infrastruktur aufbauen möchte, kommt man mittelfristig an einem Finanzvehikel nicht vorbei.

Aber es gibt inzwischen auch BaFin-regulierte Verwahrstellen, die ein Direktinvestment in Bitcoin und Co. ermöglichen…

Genau. Ich denke, dass das eine positive Marktentwicklung ist. Wir vergleichen Bitcoin gerne mit Gold. Auch im Goldmarkt ist es so, dass viele Investoren eher in einen Gold ETF oder Minen-Aktien investieren. Investorenpräferenzen sind einfach unterschiedlich und so braucht es unterschiedliche Produkte, die diese Präferenzen treffen.

Bislang hat die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC alle öffentlich handelbaren Bitcoin ETFs, ergo auch eure, abgelehnt. Wann glaubst du wird es zur ersten Zulassung kommen?

Unsere Erfahrung ist, dass die Kollegen in den USA sehr viel Zeit und Energie in die Ausbildung der SEC in Sachen Kryptowährungen gesteckt haben. Irgendwann wird es sicherlich einen Bitcoin ETF geben, wann das sein wird, ist schwer zu sagen. Wir werden jedenfalls dranbleiben und versuchen einen Bitcoin ETF aufzulegen.

Aber sind die Vorrausetzungen denn nicht inzwischen erfüllt?

Ja, die wesentlichen Voraussetzungen sind bereits erfüllt. Gerade in Deutschland hat man in den vergangenen Monaten einige positive Entwicklungen sehen können. Von daher sind die regulatorischen Weichen für ein derartiges Finanzprodukt gestellt.

Losgelöst von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. Glaubst du, dass sich Token als Wertpapier-Medium, Stichwort Security Token, in den nächsten zehn Jahren gegenüber urkundlichen Verbriefungen durchsetzen werden?

Für eine Transformation dieser Art sind zehn Jahre vermutlich zu kurz gegriffen. Ich denke aber schon, dass die Finanzwirtschaft auf die von dir beschriebene Art hinauslaufen wird. Die gesamte Wertschöpfungskette kann durch Tokenisierung optimiert werden – seien es Aktien, Anleihen oder Immobilien. Jetzt muss „nur“ noch der regulatorische Mantel dafür geschaffen werden. Bis das Ökosystem darauf abgestimmt ist, tokenisierte Wertanlagen zu produzieren, dürfte es daher noch ziemlich lange dauern. Dass das die Zukunft ist, ist aber fast jedem in der Branche klar.

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IBM: „Die Blockchain-Technologie ist wie gemalt für den Mittelstand“

Im letzten Jahr konnte der US-amerikanische Tech-Riese IBM die Anzahl seiner Blockchain-Patente im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen. Das und andere Signale sprechen eine deutliche Sprache: In der Blockchain-Industrie schlummert gewaltiges Potential. Christian Schultze-Wolters leitet den Geschäftsbereich Blockchain Solutions für IBM DACH. In einem Interview spricht er über IBMs Blockchain-basiertes Supply-Chain-Management-Projekt TradeLens , die Digitalisierung der Logistik-Branche und realistische Perspektiven der Verschlüsselungstechnologie.

BTC-ECHO: Hallo Herr Schultze-Wolters, welches Interesse hat ein IT-Riese wie IBM an der Logistik?

Christian Schultze-Wolters: Es ist relativ einfach: Natürlich kommen wir traditionell aus der IT, allerdings haben wir unsere gesamte Organisation schon vor vielen Jahren viel stärker auf  Branchen ausgerichtet, weil die IT-Anforderungen unserer Kunden eine immer größere Branchen-Relevanz haben. Dazu gehören unter anderem die Logistik, der Handel, Versicherungen oder Banken – dementsprechend haben wir unsere gesamte Organisation national wie international auf diese Branchen ausgerichtet.

BTC-ECHO: Nennen Sie mal einen konkreten Blockchain–Anwendungsfall, an dem IBM zurzeit arbeitet.

Christian Schultze-Wolters: Unsere Lösung TradeLens, die die IBM Blockchain Technologie nutzt. Vor ungefähr vier Jahren hat IBM zusammen mit Maersk begonnen TradeLens zu entwickeln. Maersk ist die größte Containerreederei der Welt mit Sitz in Kopenhagen. TradeLens ist seit etwa zwei Jahren live und in Produktion und umfasst mittlerweile mehr als 180 Unternehmen. Das heißt, diese haben Zugang zur Plattform, laden Daten darauf und digitalisieren Dokumente. Zusätzlich schließt diese Plattform auch mehr als 600 Häfen und Terminals weltweit mit ein, denn es geht um das gesamte Ökosystem der Seefracht.

BTC-ECHO: Und welchen Vorteil bringt TradeLens dem Ökosystem der Seefracht?

Christian Schultze-Wolters:  Diese Lösung adressiert zwei Herausforderungen. Einmal die Frage, wo sich der Container und damit die Ware des Kunden beziehungsweise Empfängers aktuell befindet. Wir wollen diese Informationen sicher, mit hoher Qualität und in nahezu Echtzeit zur Verfügung stellen; nicht nur einem Unternehmen, sondern dem gesamten betroffenen Ökosystem in der Lieferkette. Zum Zweiten geht es darum, diese unglaubliche Papierabhängigkeit in der Logistikbranche anzuvisieren. Denn diese ist ineffizient, anfällig für Fehler, kostet viel Geld und ist einfach extrem hemmend, wenn es darum geht, digitale Prozesse aufzusetzen.

BTC-ECHO: Wenn sich Unternehmen für die Blockchain-Technologie im Logistikbereich interessieren, wie einfach ist es für sie, diese „unglaubliche Papierabhängigkeit“ loszuwerden?

Christian Schultze-Wolters: Einfach ist gar nichts im Leben. Komplexe Prozesse, wie etwa globale Supply Chains, zu digitalisieren und auf eine Plattform zu bringen, passiert nicht einfach so. es geht doch nicht darum, Dokumente einzuscannen und sie als PDF hochzuladen. Es gibt ungefähr 25 verschiedene Dokumenten-Formate, die wir hier in der Lieferkette für alle Beteiligten digital zur Verfügung zu stellen und die bearbeitet werden können – in der Blockchain. Davon sind acht oder neun (Stand heute) bereits komplett digitalisiert und können entsprechend digital auf der Plattform genutzt werden.

Doch diese Prozesse sind auch sehr anspruchsvoll. Neben den Unternehmen, die die Waren versenden und empfangen, braucht man auch Zollbehörden, Reedereien, Häfen und weitere sogenannte Governmental Authorities, die diese digitalen Dokumente dann auch akzeptieren.

BTC-ECHO: Kommt IBM insgesamt bei der Digitalisierung seiner Projekte mittels der Technologie gut voran?

Christian Schultze-Wolters: Die grundsätzliche Vorgehensweise bei Blockchains ist „Start small, grow fast“ – eine sogenannte Blockchain Journey. Folglich gehen wir grundsätzlich Schritt für Schritt, Kunde für Kunde, Rolle für Rolle, Use Case für Use Case, Industrie für Industrie vor und zerlegen das Ganze quasi in Teile, die es uns dann ermöglichen, konzentriert, zielgerichtet, Schritt für Schritt den jeweiligen Use Case und damit den Mehrwert für die Branche zu entwickeln.


BTC-ECHO:
Auf was für einer Blockchain baut IBM die Lösung TradeLens auf?

Christian Schultze-Wolters: Wir arbeiten bei IBM ausschließlich mit einer klassischen Private Blockchain, also weder Bitcoin noch Ethereum. Die Blockchain-Technologie, die wir in ungefähr 98 Prozent aller Projekte einsetzen, nennt sich Hyperledger Fabric.  Aus unserer Sicht ist das die einzige wirklich „Enterprise-ready” Blockchain-Technologie.

BTC-ECHO: Was meinen Sie damit?

Christian Schultze-Wolters: Wir adressieren den B2B-Bereich. Gerade in diesem Bereich sind sensitive, sensible Daten ein wesentliches Element der Kommunikation. Dementsprechend müssen alle beteiligten Unternehmen in der Supply Chain, aber auch in anderen Branchen, darauf vertrauen können, dass die Daten sicher, verschlüsselt, hochperformant und 24/7 zur Verfügung gestellt werden können. Da ist aus unserer Sicht Hyperledger Fabric, eine Open Source Software – kostenfrei nutzbar -, die ideale Lösung; nicht zuletzt auch aufgrund der Performance, die diese Technologie mit sich bringt.

BTC-ECHO: Wie verdient IBM eigentlich Geld, wenn TradeLens auf einer kostenfrei nutzbaren Open Source Software basiert?

Christian Schultze-Wolters: Es gibt unterschiedliche Geschäftsmodelle, die abhängig vom Use Case stark variieren. Bei TradeLens ist es so, dass wir die teilnehmenden Unternehmen in zwei Gruppen einteilen. Die eine Gruppe sind die sogenannten TradeLens Members. Das sind die Herzstück-Unternehmen der Logistik mit den großen Container-Reedereien, Häfen, Terminals, Zollbehörden. Das sind die, um die sich in der Seefracht alles rankt. Sie liefern Daten, die von anderen genutzt werden können, und das ist ihr Wertbeitrag zu dieser Lösung. Sie zahlen nichts dafür, denn sie liefern ja die Daten.

Die zweite Gruppe sind die TradeLens Kunden. Das sind die sogenannten Shippers oder Beneficiary Cargo Owners: diejenigen, die einen Auftrag erteilen, Ware von A nach B zu transportieren. Das sind Logistikunternehmen, die mit den Daten ihre logistischen Prozesse optimieren können. Sie generieren sich aus diesen Daten einen Mehrwert und reduzieren damit Kosten. Sie bezahlen eine transaktionsbasierte Gebühr von 25 US–Dollar pro Container.

Die Lösung IBM Food Trust im Lebensmittelbereich hat ein sogenanntes Subscription-Fee-Modell, also eine Software-Lizenz-Gebühr, die das Unternehmen nicht transaktionsabhängig zahlt, sondern abhängig von der Nutzung verschiedener Module und von der Größe des eigenen Unternehmens.

BTC-ECHO: Die Hyperledger Blockchain wird besonders im industriellen Bereich viel angewendet. Sie soll das Problem der Skalierbarkeit der Blockchain lösen, welches oft angeführt wird. Wird die Hyperledger-Technologie diesbezüglich tatsächlich Abhilfe schaffen?

Christian Schultze-Wolters: Ja. Während sie im Umfeld von Bitcoin und Ethereum im unteren Bereich der Anzahl von Transaktionen pro Sekunde unterwegs sind, hat die Hyperledger-Fabric-Technologie die Möglichkeit, das bis zu Tausendfache in puncto Transaktionszahlen und Performance zu realisieren. Unabhängig davon ist sie auch nicht so energieintensiv wie z.B. der gesamte Mining-Bereich in der Bitcoin-Technologie

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BTC-ECHO:
Wie viel Kontrolle hat IBM über die Nutzung der Blockchain-Technologie respektive der Daten?

Christian Schultze-Wolters: Wir haben zwar die Lösung entwickelt, gebaut, betreiben sie auch und entwickeln sie auf Basis der Anforderungen des Ökosystems, also einem Konsortium unserer Kunden, kontinuierlich weiter. Wir haben aber aufgrund der Datenverschlüsselung grundsätzlich, egal, um welche IBM–Blockchain-Lösung es sich handelt und auch wenn sie in unseren Rechenzentren auf unserer Cloud gehostet wird, keinen Zugang zu den Daten. Zudem haben wir auch keine Kontrolle darüber, was die Unternehmen – bezogen auf die Dateninhalte – mit dieser Blockchain-Lösung tun. Nichtsdestotrotz sehen wir natürlich, wie viele Daten geladen werden und wie intensiv die Lösung damit genutzt wird.

BTC-ECHO: Ist TradeLens die einzige Blockchain-Lösung von IBM und wird sie auch wirklich richtig genutzt?

Christian Schultze-Wolters:  IBM arbeitet an verschiedenen Lösungen, insgesamt sind mehr als 100 Lösungen weltweit realisiert und in aktiver Nutzung durch viele hundert Unternehmen. TradeLens ist für das Logistic-Supply-Chain-Umfeld gebaut. Eine andere Lösung ist zum Beispiel IBM Food Trust im Bereich der Lebensmittelindustrie.

Über TradeLens werden momentan ungefähr 100.000 Dokumente pro Woche digitalisiert, zwei Millionen Events pro Tag auf der Plattform abgebildet. Ein Event ist dabei eine Art Container-Transaktion: Also, der Container ist am Hafen angekommen. Der Container befindet sich beim Zoll. Der Container ist beladen usw.


BTC-ECHO:
Wenn wir über den Grad der Kommerzialität sprechen: Von welchen größeren Unternehmen wird diese Technologie standardisiert eingesetzt?

Christian Schultze-Wolters: So wie Sie die Frage gestellt haben, impliziert sie, dass die Blockchain-Technolgie ausschließlich für große Unternehmen gedacht oder sinnvoll ist; dem möchte ich gerne widersprechen. Natürlich ist es gut, wenn man gerade in der Frühphase der Entwicklung einer solchen Lösung größere Konzerne mit im Boot hat, die helfen, mit ihrem Branchen-Know-How und ihrer Kompetenz diese Lösung zu entwickeln. Sie sind dabei auch in der Lage, bei der Weiterentwicklung derartiger Lösungen einen gewissen finanziellen Beitrag zu leisten, das heißt, auch über einen längeren Zeitraum zu investieren. Das kann und will der Mittelstand in der Regel nicht. Deshalb ist es gut, wenn man Unternehmen wie Walmart bei IBM Food Trust oder Maersk bei TradeLens hat.

BTC-ECHO: Warum widersprechen Sie dann?

Christian Schultze-Wolters: Weil diese Lösungsart wie gemalt für den Mittelstand ist; weil andere Unternehmen investiert und diese Lösung gebaut haben und mittelständische Unternehmen relativ einfach sowohl in der technologischen Anbindung als auch mit geringem finanziellem Aufwand an dieser Lösung teilhaben und die Mehrwerte, die diese Lösungen generieren, dann auch nutzen können.

BTC-ECHO: Sind deutsche Unternehmen an TradeLens beteiligt?

Christian Schultze-Wolters: Hapag-Lloyd ist einer der Partner, der gerade auf dem Weg ist, der TradeLens-Plattform beizutreten. Ein zweites ist die Hamburger Hafenlogistik ( HHLA ). Das ist einer der großen Terminal-Betreiber im Hamburger Hafen, die die großen Containerschiffe be- und entladen. Mit ihren Terminals sind sie allerdings noch nicht in Deutschland Mitglied der Lösung, sondern in einer ersten Stufe zunächst in Tallinn, Estland. Ansonsten sind wir natürlich mit vielen Unternehmen aus der Logistikbranche, im Zoll und in vielen anderen Bereichen, für die diese Lösung interessant ist, im Gespräch.


BTC-ECHO: Sie haben gerade von der Blockchain Journey gesprochen. Wann kommt diese dann bei der Blockchain-Adoption oder dem Mainstream an?

Christian Schultze-Wolters: Wenn man sich die Gartner Hype Curve anschaut, dann ist Blockchain seit ungefähr zwei Jahren über den Hype-Scheitelpunkt hinweg und befindet sich jetzt in der sogenannten Konsolidierungsphase. Und das ist gut so. In einer Hype-Phase geht man die Themen meiner Erfahrung nach nicht so konzentriert und seriös an, wie man das eigentlich sollte. Die Frage nach dem Mainstream möchte ich folgendermaßen beantworten: Bei TradeLens sind wir in diesen Tagen dabei, große Container-Reedereien auf die Plattform zu bringen. Sie befinden sich im sogenannten technischen Onboarding. Wenn wir das in diesen Wochen abgeschlossen haben, dann werden wir ungefähr 60 Prozent der weltweiten Seefrachtcontainer-Kapazität über diese Plattform abwickeln. Das ist nicht alles, aber das ist schon markant.


BTC-ECHO:
Hat die Corona-Krise Ihrer Meinung nach den Blockchain-Bereich vorangetrieben?

Christian Schultze-Wolters: Ja, ich glaube schon, dass die Corona-Pandemie, so schlimm sie ist, das ganze Thema Digitalisierung – und Blockchain ist ja ein Kind der Digitalisierung – schon mal als Begriff befeuert hat. Das fängt schon damit an, dass viele Unternehmen ihre Mitarbeiter in das Homeoffice geschickt haben. Prozesse digitaler zu denken, digitaler zu arbeiten: ja, die Corona-Krise wird das sicherlich forciert haben und auch weiter forcieren.

Zudem ist durch die Corona-Krise auch transparenter geworden, wie groß die Schwächen in den jeweiligen Supply Chains sind. Das heißt, die Lieferketten in ihrer globalen Komplexität auf solidere, planbarere, festere Füße zu stellen, ist sicherlich eine der Herausforderungen, vor der viele Branchen und Unternehmen stehen werden. Sicherlich wird sich dadurch auch die eine oder andere Art zu arbeiten, zu denken und zu kommunizieren ändern. Und das könnte wiederum einen Einfluss auf die Nutzung der Blockchain-Technologie haben.

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Dr. Stefan Grill vom größten Bitcoin-ATM-Aufsteller Europas im Interview

Während man sich in Deutschland seit jeher schwer mit Bitcoin-Automaten tut, befinden sich diese in Europa immer weiter auf dem Vormarsch. Die meisten Bitcoin ATMs stehen dabei in Österreich. Kein Wunder also, dass der größte Bitcoin-Automatenhersteller Europas aus Österreich kommt. Um mehr über das Bitcoin-Automaten-Business zu erfahren, haben wir ein Interview mit dem Kurant-Geschäftsführer Dr. Stefan Grill geführt.

Das Interview wurde zuerst in der September-Ausgabe vom Kryptokompass veröffentlicht.

Warum sollte man als Nutzer überhaupt Bitcoin an einem Automaten erwerben? Die Gebühren sind schließlich in der Regel höher als im Online-Brokerage.

Die Bitcoin-Automaten stellen im Vergleich zu Online-Börsen den schnellsten und einfachsten Zugang zu Kryptowährungen dar. Gleichzeitig sind die Transaktionen sehr sicher, weil wir uns als Unternehmen allen Vorgaben der verschiedenen Finanzmarktaufsichten unterworfen haben und einen geschulten, telefonischen Kundensupport anbieten.

Könnt ihr Aussagen zu der Demographie eurer Kunden treffen? Eher jung oder alt? Weiblich oder männlich?

Das können wir nicht, worüber wir uns auch prinzipiell sehr freuen. Unsere Kunden gehören allen Altersklassen und Geschlechtern an. Das zeigt uns, dass das Interesse an Kryptowährungen in allen Bereichen der Gesellschaft vorhanden ist und unsere Automaten entsprechend gut angenommen werden. Auch der freiheitliche Gedanke hinter dieser Verteilung gefällt uns sehr. Bitcoin ist als dezentrale Währung für alle da und sollte auch genauso angenommen werden.

Nun ist euer Kernmarkt Österreich, der in Europa führend bei Bitcoin ATMs ist. Seht ihr auch eine Chance, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen?

Wir haben in Österreich gestartet, sind aber inzwischen auch europäischer Marktführer für das Betreiben von Bitcoin ATMs. Das bedeutet, dass wir auch Standorte in Spanien, Griechenland, den Niederlanden oder Italien haben. Davon abgeleitet, sind wir uns natürlich sicher, dass es Potenziale auf dem deutschen Markt gibt. Gleichzeitig ist Deutschland regulatorisch ein sehr herausfordernder Zielmarkt, weswegen wir der Meinung sind, dass nur die Kooperation mit einem Bankinstitut einen sinnvollen Markteintritt gewährleisten kann.

Erst kürzlich hat die BaFin Bitcoin ATMs in Deutschland vom Betreiber Shitcoins.club geschlossen. Wie beurteilt ihr die Chancen von regulatorischer Seite, in Deutschland ein erfolgreiches Geschäft zu betreiben?

Als Unternehmen ist es Kurant sehr wichtig, die regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Landes komplett einzuhalten. Das hat den Grund, dass wir auch nur so ein nachhaltiges Geschäftsmodell betreiben können. Deshalb glauben wir weiterhin, dass die Kontrolle seitens der Behörden dazu beiträgt eine Chancengleichheit auf dem Markt zu schaffen, ganz zu schweigen von der Sicherheit für den jeweiligen Endkunden. Trotz der jüngsten Entwicklungen sehen wird Deutschland als Standort, an dem wir sehr gerne tätig werden würden.

Welche digitalen Assets neben Bitcoin könnt ihr euch vorstellen in Zukunft über eure Automaten zu vertreiben?

Wir vertreiben an unseren Automaten bereits die wichtigsten Altcoins wie Ether, Litecoin, Dash oder Bitcoin Cash. Den größten Umsatzanteil macht trotzdem noch Bitcoin aus. Wir sind grundsätzlich immer offen für die Listung weiterer Assets, was aber von der jeweiligen Nachfrage bestimmt wird. Im Moment können wir diese außerhalb der vorhandenen Coins noch nicht feststellen. Gleichzeitig ist für eine Listung auch immer wichtig, dass sich die Assets unseren Compliance-Auflagen entsprechend verhalten und langfristig angeboten werden können.

Gibt es neben Wechselgebühren noch weitere Einnahmen mit denen die Kurant GmbH plant, Erträge zu erzielen?

Über den zwischenzeitlich sehr internationalen Footprint der Kurant werden wir zukünftig in Kooperation mit unserer Mutter Coinfinity weitere Krypto-Produkte am Markt außerhalb Österreichs anbieten.

Konntet ihr während dem Corona-Ausbruch eine verstärkte Nutzung durch verunsicherte Anleger an den ATMs beobachten?

Seit des Ausbruchs von COVID-19  können wir eine verstärkte Nachfrage von Kryptowährungen registrieren. Allerdings haben wir hauptsächlich unter der Entwicklung gelitten. Das liegt daran, dass unsere Automaten bei vielen Einzelhändlern platziert sind. Durch die Schließung dieser Ladenlokale konnten auch unsere Automaten leider nicht weiter genutzt werden. Wir empfinden die Entwicklung allerdings insofern interessant, als sich mehr Menschen denn zuvor Gedanken über alternative Assets zu machen scheinen.

Wie geht es bei euch nun weiter?

Wir haben dieses Jahr Automatenstandorte in den Ländern Spanien und Griechenland eröffnet. Ein weiterer Fokus wird sein, die Position in diesen Ländern auszubauen. Abgesehen davon sind wir natürlich laufend auf der Suche nach interessanten Optionen in anderen europäischen Ländern. Sobald wir dazu Konkretes sagen können, lassen wir Euch das gerne wissen.

Abschließend der Blick in die Glaskugel: Was schätzt du, wo der Bitcoin-Kurs Ende 2020 steht?

Als Teil des Krypto-Marktes sind wir natürlich von einer weiteren und langfristigen Steigerung des Bitcoin-Kurses überzeugt. Von konkreten Prognosen möchte ich allerdings Abstand nehmen, dafür hat uns alle die Kursentwicklung schon oft genug plötzlich überrascht.

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Daimler: „Daimler Mobility ist bereit für die Tokenisierung“

Die Blockchain-Technologie nimmt Fahrt auf – auch in der Mobilität. Immer mehr Unternehmen setzen auf das vollautomatisierte, dezentrale Verschlüsselungsverfahren. Auch bei Daimler kommt die Technologie zum Einsatz. Perspektivisch jedoch, plant die Dienstleistungs-Plattform eigentlich schon das nächste große Ding. BTC-ECHO hat mit Daimlers Leiter der Blockchain Factory, Dr. Harry Behrens, über den Wandel der Mobilität und vielverheißende Tokenisierungspläne gesprochen.

BTC-ECHO: Guten Tag Herr Dr. Behrens, laut dem Institut für Mobilitätsforschung ging der Anteil junger Erwachsener, die sowohl einen Führerschein haben als auch in einem Haushalt mit Auto leben, in Deutschland seit den 90er Jahren deutlich zurück. Werden wir in Zukunft überhaupt noch Autos haben?

Dr. Harry Behrens: Natürlich generieren solche Umfragen nur heuristische Werte. Sicherlich sind die Zahlen aber gesunken. Der Bedarf nach einem Auto als privates Eigentum ist nicht mehr so ausgeprägt, wie es beispielsweise bei der Generation meiner Eltern noch der Fall war. Die Zahlen, die ich dabei spannender finde, sind die – etwas künstlichen Zahlen – der Personenkilometer. Denn rein auf das Segment Auto bezogen, steigen sie. Das heißt die Anzahl der Kilometer wächst. Das wiederum bedeutet, dass der Bedarf an Mobilität existiert. Nur wird sie diversifizierter und viel breit gefächerter konsumiert.

BTC-ECHO: Das heißt unser unser Zugang und Konsum von Mobilität wandelt sich vielmehr, als dass die tatsächliche Nachfrage dafür zurückgeht. Was meinen Sie genau, wenn sie von „diversifiziertem und breitgefächertem Konsum“ von Mobilität sprechen?

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Dr. Harry Behrens: Beispielsweise gibt es den Trend der Multimodalität. Das bedeutet schlichtweg nichts anderes, als dass Menschen verschiedene Verkehrsmittel nutzen, mit denen sie sich bewegen. Das multimodale Angebot in urbanen Räumen kommt mittlerweile einem Blumenstrauß-Prinzip nahe. Menschen benutzen nach Bedarf Taxi, Scooter, öffentlichen Nahverkehr, E-Bikes oder Autos. Wenn Sie mich fragen, sollte jedem urbanen Menschen, in einer gut gesteuerten Stadt, je nach Bedarf diese verschiedenen Optionen zur Verfügung stehen.

BTC-ECHO: Und wie kam die Daimler Mobility AG dann auf die glorreiche Idee, die Blockchain in diesem System zu implementieren?

Dr. Harry Behrens: Wie ich gerade erwähnte, gibt es in dem Ökosystem der Mobilität viele Marktteilnehmer, die denselben Markt oder Kundenstamm bedienen. Nun möchten sie gemeinsam in diesem Markt interagieren und zum Beispiel auch ihre Dienste miteinander bündeln. Das endet optimaler Weise darin, dass ein Carsharing-Anbieter sein Produkt mit einem Scooter-Provider ergänzt und Kunden dieses nahtlos anbieten kann. Denn normalerweise kann der Anbieter das ganze Angebot gar nicht allein mit seinen eigenen Assets, seinen eigenen Fahrzeugen, bedienen. Dort setzt die Distributed Ledger Technology an. Ledger bedeutet ja einfach nur Buchführung. Das heißt darüber werden alle finanziellen Transaktionen, also die Bilanzen, Gewinne, Verluste und ausstehenden Rechnungen verrechnet.

BTC-ECHO: So wie Sie diese Prozesse gerade beschreiben, funktioniert das System doch aber schon teilweise. Warum würde die Blockchain da abhelfen?

Dr. Harry Behrens: Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass Prozesse vollautomatisch, revisionsfest und nicht anfechtbar zwischen mehreren Geschäftsanbietern und einem Kunden nahtlos miteinander verrechnet werden können. Dem steht gegenüber, wie es heute läuft. Kunden müssen sich bei jedem Anbieter separat onboarden und die Legitimierung ist nicht übertragbar. Dies ist nicht nur umständlich für den Einzelnen, sondern auch für Gruppen, die sich beispielsweise ein Gruppenticket für mehrere Anbieter kaufen wollen. Unter Einsatz der Blockchain–Technologie können Unternehmen jedenfalls solche Kreisläufe sehr schön, elegant und am Ende auch sehr schlank abbilden. Wir bei der Daimler Mobility nennen das Hyperscaling oder Hyperautomatisierung.

BTC-ECHO: Das heißt die Distributed Ledger Technology hilft bei der Buchführung von verteilten Transaktionen beziehungsweise der Zurückverfolgung von Zahlungen. Reicht sie alleine, um die Prozesse effizienter zu gestalten?

Dr. Harry Behrens: Neben der Distributed Ledger Technology sind digitale Identitäten ausschlaggebend. Jedes Mal, wenn Kunden ein Auto mieten, Hotelzimmer buchen oder einen kostenpflichtigen Streaming Service nutzen wollen, müssen sie sich mit ihrer Kreditkarte, Telefonnummer oder Identität legitimieren. Und das an drei, vier, fünf, zehn, zwanzig Stellen. Das ist absolut ineffizient. Und dabei ist ja auch wichtig zu wissen, dass das Kerngeschäft dieser Firmen nicht Daten- und Identitätsverwaltung ist, sondern eben Hotellerie oder Autogewerbe.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings Unternehmen, deren Kerngeschäft es ist, Trusted Identity Provider zu sein. Bei denen identifizieren sich Kunden einmal. Und dann, wenn sie in Zukunft irgendwo ein Hotel buchen oder ein Auto leihen möchten, können sie sich über diese Firma einmal identifizieren. Und diese Signatur-Mechanismen bringt die Blockchain mit. Das heißt, im Ergebnis müssen Sie sich im gesamten Ökosystem einmal legitimieren und sind dann in der Lage, bei jedem Anbieter mit einem Klick direkt in die Serviceerbringung einzusteigen

BTC-ECHO: Worin bestehen denn für Ihre Dienstleistungs-Plattform noch die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Dr. Harry Behrens: Die Herausforderung besteht darin, die breite Masse zu erreichen. Es ist ein schrittweiser Prozess. Die ersten Schritte sind hierbei noch die längsten und langsamsten. Jedes Geschäft, das auf Plattformen basiert, sieht sich mit der gleichen Entwicklungskurve konfrontiert. Wir sind am Anfang dieser Entwicklungskurve.

BTC-ECHO: Könnte im Bereich der industriellen Blockchain (Ledger) nicht auch die Tokenisierung eine wichtige Rolle spielen?

Dr. Harry Behrens: Perspektivisch auf jeden Fall. Der Bereich Tokenisierung fing im Jahr 2017 über die sogenannten ICOs (Initial Coin Offerings) das erste Mal statt. Dort ist jedoch leider ein sehr valider, revolutionärer und mächtiger Mechanismus missbraucht worden. Es kam zu Leerverkäufen. Eine Blase, die am Ende in sich zusammengebrochen ist. Daraufhin wurden neue und bessere Anstöße gegeben. Die Stuttgarter Börse hat sich beispielsweise diesbezüglich klar positioniert. Sie werden in naher Zukunft eine Plattform für Security Token Offerings (STO) anbieten. Das ist vom Mechanismus her genau dasselbe wie ICOs, aber deutlich regulierter. Dadurch wird generell mehr Sicherheit und auch mehr Investorensicherheit bestehen.

BTC-ECHO: Könnte dieser Mechanismus auch für die Daimler Mobility AG oder generell für den Bereich der Mobilität in den nächsten Jahren wichtig werden?

Dr. Harry Behrens: Ja. In Deutschland, in Europa und weltweit. Lassen Sie uns beispielsweise einen Blick auf die Elektromobilität werfen. Aktuell ist die Situation so, dass es noch nicht genügend Ladestationen gibt. Ich muss vor Fahrtantritt gut planen, um genau zu wissen, wo ich mit meinem Elektroauto überall „tanken“ kann. Das geht übrigens immer besser, aber das Ladesystem ist natürlich noch lange nicht so ausgereift, wie für reguläre Tankstellen. Das ist die Kundenseite. Auch von Betreiberseite bestehen noch Hemmschwellen. Denn wer die Ladestationen betreibt, der befürchtet aktuell noch, nicht genügend Kunden zu beliefern, damit sich die Stationen auch rechnen. Damit bestünde kein Anreiz, überall im Land die Ladestationen aufzubauen.

BTC-ECHO: Wir reden hier wohl von einem klassischen Henne-Ei-Problem. So könnte Ihrer Meinung nach über die Tokenisierung ein System geschaffen werden, das Anreize setzt in diesen jungen Markt zu investieren?

Dr. Harry Behrens: Genau. Denn es besteht Bedarf in diesen Markt zu investieren. Beispielsweise könnte ich die Einkünfte der Infrastruktur-Komponenten von Flotten und Ladestationen als STO (Security Token Offering) über eine Börse, wie zum Beispiel die Stuttgarter Börse, an Investoren anbieten. Und damit finanziere ich die nötige Infrastruktur. Das wäre zumindest ein Szenario, das so in der Branche diskutiert wird und durchaus möglich ist. Der Bereich Tokenisierung ist nichtsdestotrotz sehr vielversprechend. Er wird sich sicherlich etablieren und einen großen Einfluss auf den Bereich der Vermögensfinanzierung haben. Die Frage ist nur wann. Ob es dieses Jahr, nächstes Jahr oder in fünf Jahren ist – wir wissen es nicht. Diese Entwicklung und Etablierung auf dem Markt steht und fällt mit der entsprechenden Regulierung, die es in den gesetzlichen Rahmen bringt. Wenn es kommt, sind wir bei Daimler Mobility auf jeden Fall bereit.

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Die Nr. 1 im DeFi-Space: Aave CEO Stani Kulechov im Interview

Der DeFi-Hype hat den Markt fest im Griff. Neben Compound und Maker ist es vor allem ein Protokoll, das für Aufsehen und hohe Renditen sorgt: Aave. Das Projekt konzentriert sich auf den dezentralen Kreditmarkt. Anleger erhalten für ihre Token-Einlagen Zinsen und Kreditnehmer müssen entsprechend Zinsen zahlen. Im Gegensatz zu einem klassischen Bankkredit funktioniert Aave Open Source und non-custodial, das so genannte Lending-Protokoll ist also nicht für die Verwahrung der Token verantwortlich. Wie es um den dezentralen Kreditsektor bestellt ist und was Aave so besonders machen soll, hat uns der Gründer und CEO Stani Kulechov im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der August-Ausgabe von unserem Kryptokompass erschienen. Es handelt sich nachfolgend um eine deutsche Übersetzung des englischen Originalinterviews.

Neben Aave gibt es noch andere DeFi-Token, die Lending anbieten. Was unterscheidet euch von den anderen Protokollen?

Aave unterscheidet sich von den anderen Protokollen dadurch, dass es das vielfältigste Kreditvergabeprotokoll im Ethereum-Ökosystem ist – der Hauptmarkt von Aave bietet 19 verschiedene digitale Assets an, von denen sechs Stable Coins sind, die den US-Dollar abbilden. Darüber hinaus ist Aave quelloffen und non-custodial, so dass jeder Zugang zu dem Code hat, alles transparent ist und man jederzeit an sein Geld kann. Aave wird demnächst seine Governance und Tokenomics („Aavenomics“) veröffentlichen und sich damit noch weiter von den anderen Protokollen absetzen. Zudem bietet Aave nicht nur variable, sondern auch feste Zinssätze an. Wirklich einzigartig sind aber unsere Flash-Darlehen. Hierbei müssen die Kreditnehmer nicht wie üblich hohe Sicherheiten als Pfand hinterlegen, sondern können liquiditätsschonend Kredite aufnehmen.

Der DeFi-Sektor ist in den letzten Monaten stark angewachsen, immer mehr Geld fließt in die Protokolle. Seht ihr nicht die Gefahr einer Blase?

Auf keinen Fall. Was wir in den letzten Wochen beobachtet haben, ist, dass sich DeFi aus dem Stealth-Modus herausentwickelt hat. Ursprünglich war es eine kleine Nische für wenige Ethereum-Experten. Nun öffnet sich der Sektor aber langsam und immer mehr neugierige Menschen interessieren sich für das Thema.

Das Gros der Kleinanleger kann mit DeFi aber noch gar nichts anfangen. Schließlich befindet sich das in DeFi-Anwendungen gebundene Kapital bei gerade einmal drei Milliarden US-Dollar. Für eine wirkliche Blase ist also noch sehr viel Luft nach oben.

Was muss geschehen, damit DeFi auch einen realwirtschaftlichen Nutzen liefern kann und man sich von der Spekulation weiter entfernen kann?

Ich denke, dass DeFi bereits vielen Nutzern echte wirtschaftliche Vorteile bringt. Für mehr Mainstream-Benutzer, die Einlagen tätigen und ein passives Einkommen erzielen möchten, bietet DeFi die Möglichkeit, viel höhere Zinssätze zu erzielen als bei herkömmlichen Bankkonten. Kreditnehmer können sofort einen Kredit aufnehmen, ohne dass eine Bonitätsprüfung oder irgendetwas anderes erforderlich ist. DeFi kommt auch ohne die üblichen Mittelsmänner und Bürokratie aus. Außerdem gibt es bei DeFi keinen Zeitrahmen für Darlehen. Solange man ausreichend Sicherheiten hinterlegt, kann man die Darlehensposition zeitlich unbegrenzt offenhalten. DeFi bietet in vielen Punkten bessere Rahmenbedingungen als der traditionelle Kreditsektor, die auch außerhalb der Spekulation einladen Kredite aufzunehmen.

Bei anderen Protokollen wie Maker oder Compound muss man ausreichend Token hinterlegen, um sich wiederum Token ausleihen zu können. Ihr bietet nun die Möglichkeit, dass auch ohne Hinterlegung von Sicherheiten so genannte Flash Darlehen ausgegeben werden können. Erkläre bitte, wie das möglich ist.

Flash-Darlehen (zu Deutsch: Blitzkredite) ermöglichen es Programmierern oder Personen mit technischen Kenntnissen, sofort einen Kredit aufzunehmen, ohne dass Sicherheiten erforderlich sind, solange sie die Liquidität innerhalb einer Blocktransaktion an den Pool zurückgeben. Wenn dies nicht geschieht, findet eine Rückabwicklung statt.

Warum sollte ich das denn überhaupt machen, welche Möglichkeiten habe ich, um die Bonität zu prüfen?

Das ist also der wirklich coole Teil der Sache – Blitzdarlehen erlauben es im Grunde jedem, ein Wal zu sein. Früher musste man eine Menge Kapital haben, um ausreichend Sicherheiten hinterlegen zu können, aber mit Flash-Darlehen braucht man kein Kapital, um anzufangen. Das System funktioniert auch ohne eine Bonitätsprüfung. Wenn der Flash-Kreditnehmer die geliehene Liquidität nicht an den Pool zurückgibt, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Durch diesen Mechanismus und die automatische Rückführung der Liquidität an den Pool, können die Einlagen gut vor Verlusten geschützt werden.  

Was passiert denn, wenn der Kredit platzt? Kann ich dann zum Gericht gehen und meine Forderung einklagen?

Bei DeFi und dem Krypto-Raum im Allgemeinen ist es entscheidend, die Risiken selbst zu erforschen. Bei der Kreditaufnahme besteht immer das Risiko, Verluste zu erleiden, wenn zum Beispiel die eigenen Sicherheiten im Kurs fallen. Es gibt keine Gerichtsverfahren, wenn man seine Gelder verliert, aber man kann sich bei Nexus Mutual gegen Smart-Contract-Fehler versichern. Zusätzlich werden wir zukünftig einen Versicherungsfonds einrichten, um das Protokoll im Falle von größeren Verlusten stabil zu halten.

Was muss passieren, damit DeFi massentauglich wird und nicht nur einen kleinen Kreis von Blockchain-Enthusiasten anspricht?

Bildung ist hier wichtig, aber auch eine intuitive Benutzerfreundlichkeit, um den Einstiegsprozess zu erleichtern. Ich glaube, das wird von Tag zu Tag besser. Bei Aave arbeiten wir auch hart daran, es den Endbenutzern so einfach wie möglich zu machen, und wir haben sogar gerade Transak als Onramp-Lösung für die Aave dApp eingeführt. Nutzer können dadurch sowohl in der dApp KYC durchführen als auch Token mit Debitkarte oder Banküberweisung erwerben, ohne die App verlassen zu müssen.

Gibt es Strategien, die man jemandem auf dem Weg mitgeben kann, der in DeFi investieren möchte?

Mein Hauptratschlag wäre, jede Plattform erstmal auf Seriosität zu überprüfen. Audits sind im DeFi-Sektor super wichtig. Wenn man neu im DeFi-Sektor ist, sollte man anfangs kleinere Einzahlungen durchführen und sich an die Mechanismen rantasten. Letztlich muss man auch erst mal herausfinden, wie man den höchsten Ertrag erwirtschaftet.

Wird euer Protokoll vorerst auf das Leihen und Verleihen von Token beschränkt bleiben oder sind bereits weitere Dienstleistungen geplant? Wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Wir haben vor kurzem angekündigt, dass wir eine Kreditdelegation in Aave starten werden, bei dem Einzahler ihre Kreditlinien an Kreditnehmer delegieren können. Zum Beispiel könnte Partei A in Aave einzahlen und dann ihre Kreditlinie an Partei B delegieren, die dann beim Aave-Protokoll Kredite aufnehmen kann. Die Einzelheiten der Kreditdelegation (d.h. Zinssatz und Rückzahlung) werden in einer rechtlichen Vereinbarung ausgearbeitet, wobei OpenLaw zur Unterzeichnung der Vereinbarung verwendet wird.

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Ahoi Tokenisierung! Investmentgelegenheiten auf hoher See

Immer mehr Immobilien und zum Teil auch Unternehmen werden tokenisiert, um Anlegern wie Emittenten Vorteile gegenüber traditionell verbrieften Wertpapieren zu bieten. Die Digitalisierung respektive Entmaterialisierung von Wertpapieren ist nun auch in der Schifffahrt angekommen. Das Hamburger Investmentunternehmen New Shore Invest hat sich auf die Finanzierung von Schiffen via Token spezialisiert. Im Interview erklärt einer der Gründer, Hanno Tamminga, welche Vorteile die Tokenisierung von Schiffen bietet und wie der Markt aus Investorensicht einzuordnen ist.

Das Interview ist zuerst in der Kryptokompass-Ausgabe vom Juli 2020 erschienen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Tokenisierung auch für Schiffe zu nutzen?

Die Idee, Crowdfunding für die Schifffahrt zu entwickeln, hatten wir bereits 2016. Wir waren und sind auch weiterhin der Meinung, dass das klassische Crowdfunding in Form von Nachrangdarlehen, also fremdkapitalbasierte Investments, nicht zu der Assetklasse „Schiff“ passt. Zum einen finden wir, dass ein fester Zins ohne Möglichkeit für den Anleger, von einer positiven Entwicklung des Schifffahrts-/Chartermarkts profitieren zu können, für die Assetklasse nicht angemessen ist. Zum anderen würde bei einem Investment in Form eines Nachrangdarlehns der Anleger nicht von der Tonnagesteuer profitieren, wonach die Steuerlast der Gewinne für den Anleger bei unter 1 Prozent liegt.

Wir haben uns daher überlegt, wie wir den Anleger an den Vorteilen einer eigenkapitalbasierten Investition (d.h. kein „gedeckelter“ Zins) wie auch an dem Tonnagesteuervorteil teilhaben lassen konnten. Über anfängliche Umwege sind wir dann im Ergebnis auf die Tokenisierung von Kommanditanteilen gekommen und haben es als erste in Deutschland geschafft, tokenisierte Kommanditanteile mittels eines von der BaFin gebilligtem Wertpapierinformationsblatt (WIB) auf new-shore-invest.de öffentlich anbieten zu können.

Sind die Vorteile einer Tokenisierung von Schiffen dieselben wie von Immobilien oder Unternehmen?

Bei der Tokenisierung von Immobilien handelt es sich zumeist um so genannte nachrangige Schuldverschreibung. Zwar werben die Anbieter damit, dass der Anleger „wie ein Miteigentümer“ an Wertsteigerungen der Immobilie partizipiert, doch tatsächlich ist der Anleger kein Eigentümer der Immobilie. Das ist bei unseren tokenisierten Kommanditanteilen anders. Der Anleger erwirbt Eigenkapital. Ihm gehört daher ein Teil des Schiffes. Er partizipiert damit auch zu 100 Prozent – und nicht wie bei einigen Tokenisierungen im Immobilienbereich nur zum Teil (zum Beispiel 80 Prozent) – von positiven Marktentwicklungen, das heißt Wertsteigerungen des Assets. Anders als bei den bisherigen STOs im Immobilienbereich wird ein Anleger bei uns also richtiger „Miteigentümer“ des Schiffes.

Wenn es sich also um „echtes Eigenkapital“ handelt, müsstet ihr dann nicht auch eine Jahreshauptversammlung machen wie bei klassischen Aktienunternehmen?

Ja, richtig. Die Projektgesellschaft wird jedes Jahr mindestens eine Gesellschafterversammlung abhalten. Dies erfolgt jedoch anders als bei Hauptversammlungen nicht in Form einer Präsenzveranstaltung, sondern ausschließlich online in unserem Anlegerportal. Die Anleger werden hierfür rechtzeitig benachrichtigt, bevor eine Gesellschafterversammlung stattfindet, und natürlich darüber informiert, in welchem Zeitraum sie ihre Stimmen abgeben können. Auch das erfolgt natürlich rein online, das heißt, es muss also keiner einen Stimmzettel ausfüllen und diesen dann noch in den Briefkasten werfen.

Was sind das für Schiffe, die ihr tokenisiert?

Wir haben den Fokus auf ökologische Schiffe aus Nischensegmenten gelegt. Dabei ist die Wahl des aktuellen Projekts auf das für den europäischen Warenaustausch systemrelevanten so genannte Coaster-Segment gefallen, das circa 60 Prozent des innereuropäischen Warenhandels abwickelt. Die Bestandsschiffe in diesem Segment sind überaltert. 67 Prozent der Bestandsflotte sind über 15 Jahre alt, bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von Schiffen von ungefähr 25 bis 30 Jahren. Zudem gibt es kaum Neubauaufträge. Mit der RHAS 5 bieten wir einen modernen und ökonomischen Neubau an, der auf Grund vieler technischen Innovationen, zum Beispiel rund ein Drittel weniger Treibstoffverbrauch, Bestandschiffen überlegen sein wird und auch aus ökologischer Sicht absoluter Vorreiter ist. Die CO2-Emissionen des Schiffes werden bei Ablieferung Anfang 2022 schon 16 Prozent unter dem für 2025 maximal zulässigen Höchstwert liegen.

Worauf müssen Anleger achten, wenn sie in Schiffe investieren? Wie groß sind die Ausfallrisiken?

Schiffsinvestments sind – wie tokenisierte Immobilieninvestments – unternehmerische Beteiligungen, die mit erheblichen Risiken verbunden sind. Dies liegt schlicht an der Natur einer Investition in einen Sachwert. Wie auch bei Immobilien muss das Schiff regelmäßig „vermietet“, das heißt verchartert werden. Bleiben Miet- oder Chartereinnahmen aus, können die prognostizierten Renditen nicht bezahlt werden. Auch bei Schiffen besteht daher das Risiko eines Teil- oder Totalverlustes des investierten Kapitals. Wir möchten Schiffsinvestments als das vermitteln, was sie sind: Eine risikoreiche Anlagemöglichkeit mit attraktiver Rendite. Denn einer überdurchschnittlichen Rendite für den Anleger (im aktuellen Projekt immerhin knapp 7 Prozent nach Steuern) steht natürlich auch ein entsprechendes Risiko gegenüber. Eine Nachschusspflicht gibt es jedoch nicht.

Anleger, die in Schiffe investieren möchten, sollten daher nicht nur die attraktive Rendite vor Augen haben, sondern auch das damit verbundene Risiko. Schiffsinvestments allein dienen sicherlich nicht der Altersvorsorge. Sie sind vielmehr der renditestarke Bestandteil eines diversifizierten Portfolios.

Hat der Schiffmarkt unter Corona sehr zu leiden? Wie ist die Marktlage hier zu beurteilen?

Die Auswirkungen durch die Coronakrise auf den Schiffsmarkt im Allgemeinen sind unterschiedlicher Natur. Der Tankermarkt hat, wie in der Presse breit berichtet wurde, vom Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Rohöl kurzfristig sehr stark profitiert. Auf der anderen Seite machen sich reduzierte Handelsvolumina gerade zwischen Asien und Europa stark auf das Containersegment bemerkbar. Was die Ertragslage der RHAS 5 angeht, sind wir jedoch entspannt. Zum einen wird der Neubau erst Anfang 2022 abgeliefert, wenn die Mehrheit der Experten davon ausgeht, dass wir die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise überwunden haben werden. Weiterhin wird die RHAS 5 ausschließlich im innereuropäischen Warenverkehr eingesetzt und in einem Erlöspool mit vier baugleichen Schwesterschiffen eingesetzt, die bereits heute, trotz Coronakrise, fest für drei Jahre an den Branchenprimus dieses Frachtmarktes, Wilson ASA, verchartert wurden. Damit besteht bereits heute für die RHAS 5 eine 4/5 Einnahmesicherheit für die ersten Betriebsjahre, was für die Qualität und starke Nachfrage dieses Schiffstyps spricht.

Ihr werbt damit, dass Investoren zusätzlich von einer Tonnagebesteuerung profitieren. Was ist damit gemeint?

Die „Tonnagesteuer“ ist streng genommen keine Steuer, sondern eine Gewinnermittlungsmethode und ein Privileg der deutschen Handelsschifffahrt. Die Anwendung dieser Gewinnermittlungsmethode führt im Ergebnis dazu, dass ein Anleger lediglich von unter 1 Prozent p.a. Steuern bezogen auf seine Zeichnungssumme zahlen muss – unabhängig vom tatsächlichen wirtschaftlichen Ergebnis der Projektgesellschaft, das heißt des Schiffes, und auch unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Ausschüttungen, die dem Anleger zufließen.

Im Vergleich zur Kapitalertragssteuer kann das ganz wesentlich sein. Um auch hierzu einen bildlichen Vergleich anbieten zu können, haben wir einen Tonnagesteuerrechner, der den Unterschied der steuerlichen Belastung bei Anwendung der Kapitalertragssteuer vs. Tonnagesteuer zeigt, gebaut.

Wie löst ihr die Verwahrung der Security Token? Bietet ihr die Verwahrung der Token an oder ist das den Investoren freigestellt?

Wir bieten den Anlegern, die eine Wallet im Rahmen der Zeichnung in unserem Anlegerportal erstellen wollen, unter anderem an, die Wallet-Daten verschlüsselt (PGP-Verschlüsselung) auf unserem Server zu speichern. Auf die entschlüsselten Daten beziehungsweise den Private Key, haben wir natürlich zu keiner Zeit Zugriff. Auf die verschlüsselten Daten kann der Anleger jederzeit im Anlegerportal zugreifen und diese mittels des von ihm vergebenen Passworts entschlüsseln. Daneben bieten wir den Anlegern natürlich auch an, ihre bereits bestehende Wallet zu nutzen.

Wie ist euer Ausblick für die Etablierung von Security-Token-Angeboten in der Schifffahrtsbranche in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Obwohl Schiffsbeteiligungen bisher schon über Zweitmarktplattformen gehandelt wurden, war der Markt auf Grund der Struktur und umständlichen Übertragung sehr illiquide. Die Tokenisierung eröffnet das enorme Potential, einen sehr liquiden Zweitmarkt zu bilden, der, ähnlich wie bei einem Aktienmarkt, durch die Intelligenz des Marktes den fairen Wert des Tokens und damit den Schiffswert, ähnlich der Marktkapitalisierung bei börsengehandelten Unternehmen, findet. Deshalb erhalten die Anleger auch quartalsweise eine Berichterstattung über den Geschäftsverlauf über das Anlegerportal, um sich so laufend ein Bild über die Werthaltigkeit ihres Investments machen. Für die Liquidität und Preisbildung in einem künftigen Zweitmarkt sind solche Informationspflichten, wie sie auch bei Aktienunternehmen bestehen, unerlässlich.

Die Tokenisierung macht es möglich, zum Beispiel Unternehmensanteile kosteneffizient und kleinstteilig an einen breiten Markt herauszugeben, dabei sind die Token technisch unkompliziert, kosteneffizient und innerhalb weniger Sekunden handelbar und übertragbar. In unseren Augen nimmt ein STO dabei die Rolle eines IPO ein und ist auch für kleine und mittelständische Unternehmen erschwinglich, denen dadurch der Zugang zum Kapitalmarkt gegeben wird.

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„Der gesamte Bankenmarkt befindet sich derzeit in einer extremen Umbruchphase“

Die TEN31 Bank ist eine Marke der WEG Bank mit Sitz in Ottobrunn, nähe München. Angefangen als Spezialbank für die Wohnungswirtschaft, startet die Bank nun gen Krypto-Ökonomie durch. Denn für den CEO, Matthias von Hauff, ist eines klar: Stillstand heißt Rückschritt. Die Zukunft sieht er im Blockchain Banking und möchte seine Bank als Gewinner des Strukturwandels positionieren. Warum sich Banken ändern müssen, wie die Blockchain-Technologie vieles in Frage stellt und wie die Finanzdienstleistungen der Zukunft aussehen werden, hat uns der Banken-Vorstand im Interview erläutert.

Das Interview erschien zuerst in unserer Kryptokompass-Ausgabe Juni. Hier geht es zur aktuellen Ausgabe.

Wie kommt man dazu, als eher bodenständiger Bankdienstleister für die Wohnungswirtschaft, nun auf Blockchain zu setzen und die Fintech-Marke TEN31 zu gründen?

Das Motto unserer Bank war seit Gründung: „Immer einen Schritt voraus“. Mit unserer Entscheidung, eine neue und aufstrebende Industrie zu unterstützen, bleiben wir diesem Leitspruch treu. Auch wenn digitale Währungen im Alltagsleben vieler Bürger noch keine zentrale Rolle spielen, so sehen wir doch das Potential. Wir wollen die Chance, hier eine entscheidende Rolle zu spielen, nicht an uns vorbeiziehen lassen. Wir sind Gestalter.

Wie kann man sich TEN31 in Zukunft vorstellen, seht ihr euch als eine weitere Smartphone-Bank wie N26 oder Revolut?

Wir sehen uns definitiv in Zukunft in der Umgebung voll digitaler Banken. Hierzu gehört selbstverständlich auch die Anbindung unserer Kunden über eine App. Wir wollen jedoch an diversen Stellen einen entscheidenden Mehrwert bieten, der über das gegenwärtige Angebot der diversen „Challenger-Banks“ hinausgeht.

Wichtig ist für uns in diesem Zusammenhang auch die klare Abgrenzung gegenüber Playern, die behaupten eine Bank zu sein, dies aber in Wahrheit gar nicht sind. Das ist für den Verbraucher sehr wichtig zu wissen.

Womit hat die Bankenlandschaft – also Privatbanken und Sparkassen – deiner Meinung nach am meisten zu kämpfen?

Der gesamte Bankenmarkt befindet sich derzeit in einer extremen Umbruchphase. Strukturen, die seit Jahrzehnten funktioniert haben, eignen sich täglich weniger für die Anforderungen der jungen und vernetzten Generation. Zusätzlich wirken sich viele Jahre des durch die Politik ausgeübten Missbrauchs der Instrumente der Geldpolitik natürlich massiv auf die Bankenwelt aus. Das Stichwort ist der „Negativzins“. Als marktwirtschaftliches Institut ist es auf Dauer unmöglich, in einer Planwirtschaft zu überleben. Und diese hat uns die Politik der letzten Jahre hier klar beschert.

Was müssen Banken unternehmen, um langfristig überleben zu können?

Hier bedarf es meines Erachtens mehrerer Dinge. Ob gerechtfertigt oder nicht, Banken haben in der breiten Bevölkerung durch die Finanzkrise massiv an Ansehen verloren. Manch einer, so wirkt es zuweilen, empfindet die schwierige Situation der Banken als eine gewissermaßen „gerechte Strafe“. Banken müssen das Vertrauen der Allgemeinheit wieder zurückgewinnen. Nur dann werden sie den Rückhalt haben, den sie im Umgang mit der Politik brauchen. Außerdem müssen Banken ihr Selbstverständnis überdenken. Sie müssen ihre Position als Dienstleister weit mehr in den Vordergrund stellen.

Wenn wir uns das Zinsniveau und dessen Auswirkungen anschauen, kann man dann nicht sagen, dass die Notenbanken den Banken langfristig mehr schaden, auch wenn sie diese kurzfristig vor größeren Zusammenbrüchen bewahren?

Ich bin kein Freund der freien Marktwirtschaft. Ich halte es durchaus für wichtig, dass der Staat in manchen Bereichen und Situationen regulierend eingreift. Wir sollten uns jedoch bewusst machen, dass jeder solcher Eingriff quasi eine volkswirtschaftliche Droge ist. Negativzinsen nenne ich das Crystal Meth der Finanzpolitik. Es führt unweigerlich irgendwann zum k.o.

Wenn du einen Wunsch bei den Regulatoren frei hättest: Was wäre die deiner Meinung nach wichtigste regulatorische Anpassung, um Banken zu helfen?

Ich möchte hier ganz besonders die Situation der kleineren Banken ansprechen. Diese waren in keiner Form für die Verwerfungen der Finanzkrise verantwortlich, bekommen aber die Konsequenzen am stärksten zu spüren. In dem Versuch, besser zu überwachen und zu regulieren sind selbst kleinere Institute einem „Regulationswahnsinn“ ausgesetzt. Stellen Sie sich vor, ein Taxifahrer müsste vor jeder Fahrt eine Checkliste wie der Kapitän einer 747 abarbeiten. Dann wäre das Taxigewerbe zu Tode reguliert.

Mein Wunsch ist: Gebt den kleinen und mittleren Instituten, die kein Risiko für die Stabilität des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes darstellen, bitte massive Erleichterungen.

Wo siehst du zeitnah den größten Einfluss der Blockchain-Technologie auf den Banken-Sektor?

Blockchain-Technologie wird oft mit „Bitcoin“ gleichgesetzt, kann aber so viel mehr. Die Vorstellung, dass durch diese Technik Informationen im Allgemeinen auf eine völlig neue Art verarbeitet werden können, sehe ich als den größten Einfluss. Das mag jetzt etwas abstrakt sein. Daher ein Beispiel: Blockchain-Technologie ermöglicht Teilhabe, auch in ganz geringem Umfang, da die Transaktionskosten extrem gering sind. Sie ermöglicht zum Beispiel, dass jemand pro Monat 0,20 Euro in einen Windpark in der Eifel, 1,40 Euro in ein Krankenhaus in Marokko und 3,50 Euro in ein Containerschiff investiert. Das war früher nicht möglich. Wir werden „Investment“ und „Teilhabe“ an der Weltwirtschaft neu zu definieren lernen.

Die Tokenisierung von Unternehmen läuft noch schleppend an, besser sieht es da bei Immobilien aus. Glaubst du, dass Banken zukünftig Tokenisierung als normale Bank-Dienstleistung anbieten werden?

Ja, sicherlich. Dieser ganze Bereich wird einen völlig neuen Vertriebskanal bedeuten. Banken sollten diesen auf keinen Fall verschlafen.

Welche weiteren Finanzdienstleistungen befinden sich durch Blockchain und Token noch im Wandel?

Neben der Tokenisierung sehe ich vor allem den klassischen Bezahlvorgang und den internationalen Geldverkehr im Wandel. Wir haben selbst gerade einen Web-Designer aus Malaysia beauftragt. Er wollte in ETH bezahlt werden. Die Vorstellung, dass der Konsument künftig an der Ladenkasse die freie Wahl hat, welches Zahlungsmittel er verwendet, beflügelt mich.

Ein bekannter Slogan der Krypto-Ökonomie heißt Be your own Bank. Nur ein naiver, anarchistischer Spruch ohne Relevanz für die breite der Bevölkerung oder steckt mehr dahinter?

Da liegt für mich die Antwort irgendwie in der Mitte. Es kommt ja darauf an, womit wir Krypto-Werte vergleichen wollen. Bleiben wir für einen Moment einmal bei den klassischen „Währungs“-Token wie BTC. Hier ist für mich der Vergleich zum Bargeld eigentlich der nächste.

Einerseits, wenn ich 1.000 EUR in Bar bei mir zu Hause habe, dann bin ich auch meine eigene Bank. Obendrein gibt es niemand, der auf meine Scheine für mich aufpasst und ich bleibe anonym, wenn ich damit meine Tankrechnung bezahle. Andererseits ist eine Bank auch Vertrauenspunkt. Diesen kann ich nicht selbst darstellen. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen Menschen genau das Vertrauen einer Bank suchen und nutzen wollen.

Abschließend freuen wir uns immer über eine Bitcoin-Kursprognose. Was ist deine Einschätzung für den Bitcoin-Kurs bis Ende 2020?

Solche Prognosen vermeide ich im Allgemeinen, da sie wie fast immer falsch sein müssen. Aber aus reinem Spaß gebe ich meine ab: Circa 10.000 Euro.

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Max Keiser über den „Krieg“ um Bitcoin und die Ambitionen von Paul Tudor Jones

Cointelegraph Markets hat sich zum Interview mit Max Keiser, einem ehemaligen Wall Street Trader und dem aktuellen Moderator der gleichnamigen Sendung Keiser Report, getroffen, um über die Rolle von Bitcoin in der Weltpolitik und das viel beachtete Lob für die Kryptowährung durch den bekannten Großinvestor Paul Tudor Jones zu sprechen.

Stellen die Spannungen zwischen den USA und China und andere weltpolitische Konflikte ein Risiko für Bitcoin dar?

Max Keiser: China, die USA, Russland und der Iran werden in einen regelrechten Krieg um die Hashrate [Anm. der Redaktion: die Rechenkraft zur Schöpfung neuer Bitcoin] eintreten, um sich so viel von Bitcoin zu schnappen wie möglich. Die Regierung des Irans hat bereits mit dem Mining begonnen. Ich glaube, sie besitzt inzwischen 3 % der insgesamten Hashrate. Das hier ist ein neuer „Sputnik Moment“, in dem sich die USA entscheiden muss, ob sie den Krieg um die Hashrate annehmen will oder bald nur noch ein Fall für die Geschichtsbücher ist.

Würden Sie zustimmen, dass Paul Tudor Jones mit seinem Geständnis, dass er in Bitcoin investiert, grünes Licht für traditionelle Investoren gegeben hat, es ihm gleich zu tun? Ist das der lang ersehnte Wendepunkt?

Max Keiser: Ich behaupte, dass Paul Tudor Jones, den ich schon während meiner Zeit als Aktienhändler an der Wall Street von 1983 – 1990 genau beobachtet habe, in 2 Jahren der größte Bitcoin-Besitzer überhaupt sein wird. Wenn er an etwas Gefallen findet, dann kennt er keine Gnade.

„Die Bitcoin-Community hat noch nie jemanden, wie Paul Tudor Jones gesehen und sie wird von seiner Kaltblütigkeit schockiert sein.“

Selbst große Banken ändern inzwischen ihre Haltung zu Bitcoin, allen voran JPMorgan. Was denken Sie, woran das liegt und zeichnet sich dahingehend ein Trend ab?

Max Keiser: Wenn man sich mit Bitcoin anlegt, dann veränderst du nicht Bitcoin, sondern Bitcoin verändert dich. Ich habe Bitcoin ein bißchen in diese Richtung geschubst und den Rest hat die Kryptowährung von ganz allein gemacht. Jetzt ist selbst JPMorgan-Chef Jamie Dimon ein Bitcoin-Fan und dasselbe Schicksal wird irgendwann auch Peter Schiff ereilen. 

Glauben Sie, dass der Aktienmarkt dieses Jahr ein neues Rekordhoch erreichen wird? Was würde das für Bitcoin bedeuten? Was ist Ihre Prognose für den Bitcoin-Kurs bis 2021?

Max Keiser: Der amerikanische Aktienmarkt wird wahrscheinlich genauso neue Rekordhochs erreichen wie die Aktienmärkte in Venezuela, Zimbabwe oder Iran. Und zwar nicht, weil es der Wirtschaft so gut geht, sondern weil die Landeswährung zusammenbrechen wird.

„Meine Kursprognose für Bitcoin liegt schon seit 2011 bei 100.000 US-Dollar und jüngst habe ich sie auf 400.000 US-Dollar erhöht. Wann dies eintrifft, hängt ganz davon ab, wann der US-Dollar zusammenbricht.“

Schon morgen könnte es soweit sein, weshalb es besser ist, lieber einen Tag zu früh einzusteigen als einen Tag zu spät. Sobald der US-Dollar zusammenbricht, wird Bitcoin Sprünge von 10.000 US-Dollar machen. Wer bis dahin nicht mit dabei ist, wird später dumm aus der Wäsche gucken.

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