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Dr. Stefan Grill vom größten Bitcoin-ATM-Aufsteller Europas im Interview

Während man sich in Deutschland seit jeher schwer mit Bitcoin-Automaten tut, befinden sich diese in Europa immer weiter auf dem Vormarsch. Die meisten Bitcoin ATMs stehen dabei in Österreich. Kein Wunder also, dass der größte Bitcoin-Automatenhersteller Europas aus Österreich kommt. Um mehr über das Bitcoin-Automaten-Business zu erfahren, haben wir ein Interview mit dem Kurant-Geschäftsführer Dr. Stefan Grill geführt.

Das Interview wurde zuerst in der September-Ausgabe vom Kryptokompass veröffentlicht.

Warum sollte man als Nutzer überhaupt Bitcoin an einem Automaten erwerben? Die Gebühren sind schließlich in der Regel höher als im Online-Brokerage.

Die Bitcoin-Automaten stellen im Vergleich zu Online-Börsen den schnellsten und einfachsten Zugang zu Kryptowährungen dar. Gleichzeitig sind die Transaktionen sehr sicher, weil wir uns als Unternehmen allen Vorgaben der verschiedenen Finanzmarktaufsichten unterworfen haben und einen geschulten, telefonischen Kundensupport anbieten.

Könnt ihr Aussagen zu der Demographie eurer Kunden treffen? Eher jung oder alt? Weiblich oder männlich?

Das können wir nicht, worüber wir uns auch prinzipiell sehr freuen. Unsere Kunden gehören allen Altersklassen und Geschlechtern an. Das zeigt uns, dass das Interesse an Kryptowährungen in allen Bereichen der Gesellschaft vorhanden ist und unsere Automaten entsprechend gut angenommen werden. Auch der freiheitliche Gedanke hinter dieser Verteilung gefällt uns sehr. Bitcoin ist als dezentrale Währung für alle da und sollte auch genauso angenommen werden.

Nun ist euer Kernmarkt Österreich, der in Europa führend bei Bitcoin ATMs ist. Seht ihr auch eine Chance, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen?

Wir haben in Österreich gestartet, sind aber inzwischen auch europäischer Marktführer für das Betreiben von Bitcoin ATMs. Das bedeutet, dass wir auch Standorte in Spanien, Griechenland, den Niederlanden oder Italien haben. Davon abgeleitet, sind wir uns natürlich sicher, dass es Potenziale auf dem deutschen Markt gibt. Gleichzeitig ist Deutschland regulatorisch ein sehr herausfordernder Zielmarkt, weswegen wir der Meinung sind, dass nur die Kooperation mit einem Bankinstitut einen sinnvollen Markteintritt gewährleisten kann.

Erst kürzlich hat die BaFin Bitcoin ATMs in Deutschland vom Betreiber Shitcoins.club geschlossen. Wie beurteilt ihr die Chancen von regulatorischer Seite, in Deutschland ein erfolgreiches Geschäft zu betreiben?

Als Unternehmen ist es Kurant sehr wichtig, die regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Landes komplett einzuhalten. Das hat den Grund, dass wir auch nur so ein nachhaltiges Geschäftsmodell betreiben können. Deshalb glauben wir weiterhin, dass die Kontrolle seitens der Behörden dazu beiträgt eine Chancengleichheit auf dem Markt zu schaffen, ganz zu schweigen von der Sicherheit für den jeweiligen Endkunden. Trotz der jüngsten Entwicklungen sehen wird Deutschland als Standort, an dem wir sehr gerne tätig werden würden.

Welche digitalen Assets neben Bitcoin könnt ihr euch vorstellen in Zukunft über eure Automaten zu vertreiben?

Wir vertreiben an unseren Automaten bereits die wichtigsten Altcoins wie Ether, Litecoin, Dash oder Bitcoin Cash. Den größten Umsatzanteil macht trotzdem noch Bitcoin aus. Wir sind grundsätzlich immer offen für die Listung weiterer Assets, was aber von der jeweiligen Nachfrage bestimmt wird. Im Moment können wir diese außerhalb der vorhandenen Coins noch nicht feststellen. Gleichzeitig ist für eine Listung auch immer wichtig, dass sich die Assets unseren Compliance-Auflagen entsprechend verhalten und langfristig angeboten werden können.

Gibt es neben Wechselgebühren noch weitere Einnahmen mit denen die Kurant GmbH plant, Erträge zu erzielen?

Über den zwischenzeitlich sehr internationalen Footprint der Kurant werden wir zukünftig in Kooperation mit unserer Mutter Coinfinity weitere Krypto-Produkte am Markt außerhalb Österreichs anbieten.

Konntet ihr während dem Corona-Ausbruch eine verstärkte Nutzung durch verunsicherte Anleger an den ATMs beobachten?

Seit des Ausbruchs von COVID-19  können wir eine verstärkte Nachfrage von Kryptowährungen registrieren. Allerdings haben wir hauptsächlich unter der Entwicklung gelitten. Das liegt daran, dass unsere Automaten bei vielen Einzelhändlern platziert sind. Durch die Schließung dieser Ladenlokale konnten auch unsere Automaten leider nicht weiter genutzt werden. Wir empfinden die Entwicklung allerdings insofern interessant, als sich mehr Menschen denn zuvor Gedanken über alternative Assets zu machen scheinen.

Wie geht es bei euch nun weiter?

Wir haben dieses Jahr Automatenstandorte in den Ländern Spanien und Griechenland eröffnet. Ein weiterer Fokus wird sein, die Position in diesen Ländern auszubauen. Abgesehen davon sind wir natürlich laufend auf der Suche nach interessanten Optionen in anderen europäischen Ländern. Sobald wir dazu Konkretes sagen können, lassen wir Euch das gerne wissen.

Abschließend der Blick in die Glaskugel: Was schätzt du, wo der Bitcoin-Kurs Ende 2020 steht?

Als Teil des Krypto-Marktes sind wir natürlich von einer weiteren und langfristigen Steigerung des Bitcoin-Kurses überzeugt. Von konkreten Prognosen möchte ich allerdings Abstand nehmen, dafür hat uns alle die Kursentwicklung schon oft genug plötzlich überrascht.

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Daimler: „Daimler Mobility ist bereit für die Tokenisierung“

Die Blockchain-Technologie nimmt Fahrt auf – auch in der Mobilität. Immer mehr Unternehmen setzen auf das vollautomatisierte, dezentrale Verschlüsselungsverfahren. Auch bei Daimler kommt die Technologie zum Einsatz. Perspektivisch jedoch, plant die Dienstleistungs-Plattform eigentlich schon das nächste große Ding. BTC-ECHO hat mit Daimlers Leiter der Blockchain Factory, Dr. Harry Behrens, über den Wandel der Mobilität und vielverheißende Tokenisierungspläne gesprochen.

BTC-ECHO: Guten Tag Herr Dr. Behrens, laut dem Institut für Mobilitätsforschung ging der Anteil junger Erwachsener, die sowohl einen Führerschein haben als auch in einem Haushalt mit Auto leben, in Deutschland seit den 90er Jahren deutlich zurück. Werden wir in Zukunft überhaupt noch Autos haben?

Dr. Harry Behrens: Natürlich generieren solche Umfragen nur heuristische Werte. Sicherlich sind die Zahlen aber gesunken. Der Bedarf nach einem Auto als privates Eigentum ist nicht mehr so ausgeprägt, wie es beispielsweise bei der Generation meiner Eltern noch der Fall war. Die Zahlen, die ich dabei spannender finde, sind die – etwas künstlichen Zahlen – der Personenkilometer. Denn rein auf das Segment Auto bezogen, steigen sie. Das heißt die Anzahl der Kilometer wächst. Das wiederum bedeutet, dass der Bedarf an Mobilität existiert. Nur wird sie diversifizierter und viel breit gefächerter konsumiert.

BTC-ECHO: Das heißt unser unser Zugang und Konsum von Mobilität wandelt sich vielmehr, als dass die tatsächliche Nachfrage dafür zurückgeht. Was meinen Sie genau, wenn sie von „diversifiziertem und breitgefächertem Konsum“ von Mobilität sprechen?

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Dr. Harry Behrens: Beispielsweise gibt es den Trend der Multimodalität. Das bedeutet schlichtweg nichts anderes, als dass Menschen verschiedene Verkehrsmittel nutzen, mit denen sie sich bewegen. Das multimodale Angebot in urbanen Räumen kommt mittlerweile einem Blumenstrauß-Prinzip nahe. Menschen benutzen nach Bedarf Taxi, Scooter, öffentlichen Nahverkehr, E-Bikes oder Autos. Wenn Sie mich fragen, sollte jedem urbanen Menschen, in einer gut gesteuerten Stadt, je nach Bedarf diese verschiedenen Optionen zur Verfügung stehen.

BTC-ECHO: Und wie kam die Daimler Mobility AG dann auf die glorreiche Idee, die Blockchain in diesem System zu implementieren?

Dr. Harry Behrens: Wie ich gerade erwähnte, gibt es in dem Ökosystem der Mobilität viele Marktteilnehmer, die denselben Markt oder Kundenstamm bedienen. Nun möchten sie gemeinsam in diesem Markt interagieren und zum Beispiel auch ihre Dienste miteinander bündeln. Das endet optimaler Weise darin, dass ein Carsharing-Anbieter sein Produkt mit einem Scooter-Provider ergänzt und Kunden dieses nahtlos anbieten kann. Denn normalerweise kann der Anbieter das ganze Angebot gar nicht allein mit seinen eigenen Assets, seinen eigenen Fahrzeugen, bedienen. Dort setzt die Distributed Ledger Technology an. Ledger bedeutet ja einfach nur Buchführung. Das heißt darüber werden alle finanziellen Transaktionen, also die Bilanzen, Gewinne, Verluste und ausstehenden Rechnungen verrechnet.

BTC-ECHO: So wie Sie diese Prozesse gerade beschreiben, funktioniert das System doch aber schon teilweise. Warum würde die Blockchain da abhelfen?

Dr. Harry Behrens: Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass Prozesse vollautomatisch, revisionsfest und nicht anfechtbar zwischen mehreren Geschäftsanbietern und einem Kunden nahtlos miteinander verrechnet werden können. Dem steht gegenüber, wie es heute läuft. Kunden müssen sich bei jedem Anbieter separat onboarden und die Legitimierung ist nicht übertragbar. Dies ist nicht nur umständlich für den Einzelnen, sondern auch für Gruppen, die sich beispielsweise ein Gruppenticket für mehrere Anbieter kaufen wollen. Unter Einsatz der Blockchain–Technologie können Unternehmen jedenfalls solche Kreisläufe sehr schön, elegant und am Ende auch sehr schlank abbilden. Wir bei der Daimler Mobility nennen das Hyperscaling oder Hyperautomatisierung.

BTC-ECHO: Das heißt die Distributed Ledger Technology hilft bei der Buchführung von verteilten Transaktionen beziehungsweise der Zurückverfolgung von Zahlungen. Reicht sie alleine, um die Prozesse effizienter zu gestalten?

Dr. Harry Behrens: Neben der Distributed Ledger Technology sind digitale Identitäten ausschlaggebend. Jedes Mal, wenn Kunden ein Auto mieten, Hotelzimmer buchen oder einen kostenpflichtigen Streaming Service nutzen wollen, müssen sie sich mit ihrer Kreditkarte, Telefonnummer oder Identität legitimieren. Und das an drei, vier, fünf, zehn, zwanzig Stellen. Das ist absolut ineffizient. Und dabei ist ja auch wichtig zu wissen, dass das Kerngeschäft dieser Firmen nicht Daten- und Identitätsverwaltung ist, sondern eben Hotellerie oder Autogewerbe.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings Unternehmen, deren Kerngeschäft es ist, Trusted Identity Provider zu sein. Bei denen identifizieren sich Kunden einmal. Und dann, wenn sie in Zukunft irgendwo ein Hotel buchen oder ein Auto leihen möchten, können sie sich über diese Firma einmal identifizieren. Und diese Signatur-Mechanismen bringt die Blockchain mit. Das heißt, im Ergebnis müssen Sie sich im gesamten Ökosystem einmal legitimieren und sind dann in der Lage, bei jedem Anbieter mit einem Klick direkt in die Serviceerbringung einzusteigen

BTC-ECHO: Worin bestehen denn für Ihre Dienstleistungs-Plattform noch die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Dr. Harry Behrens: Die Herausforderung besteht darin, die breite Masse zu erreichen. Es ist ein schrittweiser Prozess. Die ersten Schritte sind hierbei noch die längsten und langsamsten. Jedes Geschäft, das auf Plattformen basiert, sieht sich mit der gleichen Entwicklungskurve konfrontiert. Wir sind am Anfang dieser Entwicklungskurve.

BTC-ECHO: Könnte im Bereich der industriellen Blockchain (Ledger) nicht auch die Tokenisierung eine wichtige Rolle spielen?

Dr. Harry Behrens: Perspektivisch auf jeden Fall. Der Bereich Tokenisierung fing im Jahr 2017 über die sogenannten ICOs (Initial Coin Offerings) das erste Mal statt. Dort ist jedoch leider ein sehr valider, revolutionärer und mächtiger Mechanismus missbraucht worden. Es kam zu Leerverkäufen. Eine Blase, die am Ende in sich zusammengebrochen ist. Daraufhin wurden neue und bessere Anstöße gegeben. Die Stuttgarter Börse hat sich beispielsweise diesbezüglich klar positioniert. Sie werden in naher Zukunft eine Plattform für Security Token Offerings (STO) anbieten. Das ist vom Mechanismus her genau dasselbe wie ICOs, aber deutlich regulierter. Dadurch wird generell mehr Sicherheit und auch mehr Investorensicherheit bestehen.

BTC-ECHO: Könnte dieser Mechanismus auch für die Daimler Mobility AG oder generell für den Bereich der Mobilität in den nächsten Jahren wichtig werden?

Dr. Harry Behrens: Ja. In Deutschland, in Europa und weltweit. Lassen Sie uns beispielsweise einen Blick auf die Elektromobilität werfen. Aktuell ist die Situation so, dass es noch nicht genügend Ladestationen gibt. Ich muss vor Fahrtantritt gut planen, um genau zu wissen, wo ich mit meinem Elektroauto überall „tanken“ kann. Das geht übrigens immer besser, aber das Ladesystem ist natürlich noch lange nicht so ausgereift, wie für reguläre Tankstellen. Das ist die Kundenseite. Auch von Betreiberseite bestehen noch Hemmschwellen. Denn wer die Ladestationen betreibt, der befürchtet aktuell noch, nicht genügend Kunden zu beliefern, damit sich die Stationen auch rechnen. Damit bestünde kein Anreiz, überall im Land die Ladestationen aufzubauen.

BTC-ECHO: Wir reden hier wohl von einem klassischen Henne-Ei-Problem. So könnte Ihrer Meinung nach über die Tokenisierung ein System geschaffen werden, das Anreize setzt in diesen jungen Markt zu investieren?

Dr. Harry Behrens: Genau. Denn es besteht Bedarf in diesen Markt zu investieren. Beispielsweise könnte ich die Einkünfte der Infrastruktur-Komponenten von Flotten und Ladestationen als STO (Security Token Offering) über eine Börse, wie zum Beispiel die Stuttgarter Börse, an Investoren anbieten. Und damit finanziere ich die nötige Infrastruktur. Das wäre zumindest ein Szenario, das so in der Branche diskutiert wird und durchaus möglich ist. Der Bereich Tokenisierung ist nichtsdestotrotz sehr vielversprechend. Er wird sich sicherlich etablieren und einen großen Einfluss auf den Bereich der Vermögensfinanzierung haben. Die Frage ist nur wann. Ob es dieses Jahr, nächstes Jahr oder in fünf Jahren ist – wir wissen es nicht. Diese Entwicklung und Etablierung auf dem Markt steht und fällt mit der entsprechenden Regulierung, die es in den gesetzlichen Rahmen bringt. Wenn es kommt, sind wir bei Daimler Mobility auf jeden Fall bereit.

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Die Nr. 1 im DeFi-Space: Aave CEO Stani Kulechov im Interview

Der DeFi-Hype hat den Markt fest im Griff. Neben Compound und Maker ist es vor allem ein Protokoll, das für Aufsehen und hohe Renditen sorgt: Aave. Das Projekt konzentriert sich auf den dezentralen Kreditmarkt. Anleger erhalten für ihre Token-Einlagen Zinsen und Kreditnehmer müssen entsprechend Zinsen zahlen. Im Gegensatz zu einem klassischen Bankkredit funktioniert Aave Open Source und non-custodial, das so genannte Lending-Protokoll ist also nicht für die Verwahrung der Token verantwortlich. Wie es um den dezentralen Kreditsektor bestellt ist und was Aave so besonders machen soll, hat uns der Gründer und CEO Stani Kulechov im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der August-Ausgabe von unserem Kryptokompass erschienen. Es handelt sich nachfolgend um eine deutsche Übersetzung des englischen Originalinterviews.

Neben Aave gibt es noch andere DeFi-Token, die Lending anbieten. Was unterscheidet euch von den anderen Protokollen?

Aave unterscheidet sich von den anderen Protokollen dadurch, dass es das vielfältigste Kreditvergabeprotokoll im Ethereum-Ökosystem ist – der Hauptmarkt von Aave bietet 19 verschiedene digitale Assets an, von denen sechs Stable Coins sind, die den US-Dollar abbilden. Darüber hinaus ist Aave quelloffen und non-custodial, so dass jeder Zugang zu dem Code hat, alles transparent ist und man jederzeit an sein Geld kann. Aave wird demnächst seine Governance und Tokenomics („Aavenomics“) veröffentlichen und sich damit noch weiter von den anderen Protokollen absetzen. Zudem bietet Aave nicht nur variable, sondern auch feste Zinssätze an. Wirklich einzigartig sind aber unsere Flash-Darlehen. Hierbei müssen die Kreditnehmer nicht wie üblich hohe Sicherheiten als Pfand hinterlegen, sondern können liquiditätsschonend Kredite aufnehmen.

Der DeFi-Sektor ist in den letzten Monaten stark angewachsen, immer mehr Geld fließt in die Protokolle. Seht ihr nicht die Gefahr einer Blase?

Auf keinen Fall. Was wir in den letzten Wochen beobachtet haben, ist, dass sich DeFi aus dem Stealth-Modus herausentwickelt hat. Ursprünglich war es eine kleine Nische für wenige Ethereum-Experten. Nun öffnet sich der Sektor aber langsam und immer mehr neugierige Menschen interessieren sich für das Thema.

Das Gros der Kleinanleger kann mit DeFi aber noch gar nichts anfangen. Schließlich befindet sich das in DeFi-Anwendungen gebundene Kapital bei gerade einmal drei Milliarden US-Dollar. Für eine wirkliche Blase ist also noch sehr viel Luft nach oben.

Was muss geschehen, damit DeFi auch einen realwirtschaftlichen Nutzen liefern kann und man sich von der Spekulation weiter entfernen kann?

Ich denke, dass DeFi bereits vielen Nutzern echte wirtschaftliche Vorteile bringt. Für mehr Mainstream-Benutzer, die Einlagen tätigen und ein passives Einkommen erzielen möchten, bietet DeFi die Möglichkeit, viel höhere Zinssätze zu erzielen als bei herkömmlichen Bankkonten. Kreditnehmer können sofort einen Kredit aufnehmen, ohne dass eine Bonitätsprüfung oder irgendetwas anderes erforderlich ist. DeFi kommt auch ohne die üblichen Mittelsmänner und Bürokratie aus. Außerdem gibt es bei DeFi keinen Zeitrahmen für Darlehen. Solange man ausreichend Sicherheiten hinterlegt, kann man die Darlehensposition zeitlich unbegrenzt offenhalten. DeFi bietet in vielen Punkten bessere Rahmenbedingungen als der traditionelle Kreditsektor, die auch außerhalb der Spekulation einladen Kredite aufzunehmen.

Bei anderen Protokollen wie Maker oder Compound muss man ausreichend Token hinterlegen, um sich wiederum Token ausleihen zu können. Ihr bietet nun die Möglichkeit, dass auch ohne Hinterlegung von Sicherheiten so genannte Flash Darlehen ausgegeben werden können. Erkläre bitte, wie das möglich ist.

Flash-Darlehen (zu Deutsch: Blitzkredite) ermöglichen es Programmierern oder Personen mit technischen Kenntnissen, sofort einen Kredit aufzunehmen, ohne dass Sicherheiten erforderlich sind, solange sie die Liquidität innerhalb einer Blocktransaktion an den Pool zurückgeben. Wenn dies nicht geschieht, findet eine Rückabwicklung statt.

Warum sollte ich das denn überhaupt machen, welche Möglichkeiten habe ich, um die Bonität zu prüfen?

Das ist also der wirklich coole Teil der Sache – Blitzdarlehen erlauben es im Grunde jedem, ein Wal zu sein. Früher musste man eine Menge Kapital haben, um ausreichend Sicherheiten hinterlegen zu können, aber mit Flash-Darlehen braucht man kein Kapital, um anzufangen. Das System funktioniert auch ohne eine Bonitätsprüfung. Wenn der Flash-Kreditnehmer die geliehene Liquidität nicht an den Pool zurückgibt, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Durch diesen Mechanismus und die automatische Rückführung der Liquidität an den Pool, können die Einlagen gut vor Verlusten geschützt werden.  

Was passiert denn, wenn der Kredit platzt? Kann ich dann zum Gericht gehen und meine Forderung einklagen?

Bei DeFi und dem Krypto-Raum im Allgemeinen ist es entscheidend, die Risiken selbst zu erforschen. Bei der Kreditaufnahme besteht immer das Risiko, Verluste zu erleiden, wenn zum Beispiel die eigenen Sicherheiten im Kurs fallen. Es gibt keine Gerichtsverfahren, wenn man seine Gelder verliert, aber man kann sich bei Nexus Mutual gegen Smart-Contract-Fehler versichern. Zusätzlich werden wir zukünftig einen Versicherungsfonds einrichten, um das Protokoll im Falle von größeren Verlusten stabil zu halten.

Was muss passieren, damit DeFi massentauglich wird und nicht nur einen kleinen Kreis von Blockchain-Enthusiasten anspricht?

Bildung ist hier wichtig, aber auch eine intuitive Benutzerfreundlichkeit, um den Einstiegsprozess zu erleichtern. Ich glaube, das wird von Tag zu Tag besser. Bei Aave arbeiten wir auch hart daran, es den Endbenutzern so einfach wie möglich zu machen, und wir haben sogar gerade Transak als Onramp-Lösung für die Aave dApp eingeführt. Nutzer können dadurch sowohl in der dApp KYC durchführen als auch Token mit Debitkarte oder Banküberweisung erwerben, ohne die App verlassen zu müssen.

Gibt es Strategien, die man jemandem auf dem Weg mitgeben kann, der in DeFi investieren möchte?

Mein Hauptratschlag wäre, jede Plattform erstmal auf Seriosität zu überprüfen. Audits sind im DeFi-Sektor super wichtig. Wenn man neu im DeFi-Sektor ist, sollte man anfangs kleinere Einzahlungen durchführen und sich an die Mechanismen rantasten. Letztlich muss man auch erst mal herausfinden, wie man den höchsten Ertrag erwirtschaftet.

Wird euer Protokoll vorerst auf das Leihen und Verleihen von Token beschränkt bleiben oder sind bereits weitere Dienstleistungen geplant? Wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Wir haben vor kurzem angekündigt, dass wir eine Kreditdelegation in Aave starten werden, bei dem Einzahler ihre Kreditlinien an Kreditnehmer delegieren können. Zum Beispiel könnte Partei A in Aave einzahlen und dann ihre Kreditlinie an Partei B delegieren, die dann beim Aave-Protokoll Kredite aufnehmen kann. Die Einzelheiten der Kreditdelegation (d.h. Zinssatz und Rückzahlung) werden in einer rechtlichen Vereinbarung ausgearbeitet, wobei OpenLaw zur Unterzeichnung der Vereinbarung verwendet wird.

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Ahoi Tokenisierung! Investmentgelegenheiten auf hoher See

Immer mehr Immobilien und zum Teil auch Unternehmen werden tokenisiert, um Anlegern wie Emittenten Vorteile gegenüber traditionell verbrieften Wertpapieren zu bieten. Die Digitalisierung respektive Entmaterialisierung von Wertpapieren ist nun auch in der Schifffahrt angekommen. Das Hamburger Investmentunternehmen New Shore Invest hat sich auf die Finanzierung von Schiffen via Token spezialisiert. Im Interview erklärt einer der Gründer, Hanno Tamminga, welche Vorteile die Tokenisierung von Schiffen bietet und wie der Markt aus Investorensicht einzuordnen ist.

Das Interview ist zuerst in der Kryptokompass-Ausgabe vom Juli 2020 erschienen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Tokenisierung auch für Schiffe zu nutzen?

Die Idee, Crowdfunding für die Schifffahrt zu entwickeln, hatten wir bereits 2016. Wir waren und sind auch weiterhin der Meinung, dass das klassische Crowdfunding in Form von Nachrangdarlehen, also fremdkapitalbasierte Investments, nicht zu der Assetklasse „Schiff“ passt. Zum einen finden wir, dass ein fester Zins ohne Möglichkeit für den Anleger, von einer positiven Entwicklung des Schifffahrts-/Chartermarkts profitieren zu können, für die Assetklasse nicht angemessen ist. Zum anderen würde bei einem Investment in Form eines Nachrangdarlehns der Anleger nicht von der Tonnagesteuer profitieren, wonach die Steuerlast der Gewinne für den Anleger bei unter 1 Prozent liegt.

Wir haben uns daher überlegt, wie wir den Anleger an den Vorteilen einer eigenkapitalbasierten Investition (d.h. kein „gedeckelter“ Zins) wie auch an dem Tonnagesteuervorteil teilhaben lassen konnten. Über anfängliche Umwege sind wir dann im Ergebnis auf die Tokenisierung von Kommanditanteilen gekommen und haben es als erste in Deutschland geschafft, tokenisierte Kommanditanteile mittels eines von der BaFin gebilligtem Wertpapierinformationsblatt (WIB) auf new-shore-invest.de öffentlich anbieten zu können.

Sind die Vorteile einer Tokenisierung von Schiffen dieselben wie von Immobilien oder Unternehmen?

Bei der Tokenisierung von Immobilien handelt es sich zumeist um so genannte nachrangige Schuldverschreibung. Zwar werben die Anbieter damit, dass der Anleger „wie ein Miteigentümer“ an Wertsteigerungen der Immobilie partizipiert, doch tatsächlich ist der Anleger kein Eigentümer der Immobilie. Das ist bei unseren tokenisierten Kommanditanteilen anders. Der Anleger erwirbt Eigenkapital. Ihm gehört daher ein Teil des Schiffes. Er partizipiert damit auch zu 100 Prozent – und nicht wie bei einigen Tokenisierungen im Immobilienbereich nur zum Teil (zum Beispiel 80 Prozent) – von positiven Marktentwicklungen, das heißt Wertsteigerungen des Assets. Anders als bei den bisherigen STOs im Immobilienbereich wird ein Anleger bei uns also richtiger „Miteigentümer“ des Schiffes.

Wenn es sich also um „echtes Eigenkapital“ handelt, müsstet ihr dann nicht auch eine Jahreshauptversammlung machen wie bei klassischen Aktienunternehmen?

Ja, richtig. Die Projektgesellschaft wird jedes Jahr mindestens eine Gesellschafterversammlung abhalten. Dies erfolgt jedoch anders als bei Hauptversammlungen nicht in Form einer Präsenzveranstaltung, sondern ausschließlich online in unserem Anlegerportal. Die Anleger werden hierfür rechtzeitig benachrichtigt, bevor eine Gesellschafterversammlung stattfindet, und natürlich darüber informiert, in welchem Zeitraum sie ihre Stimmen abgeben können. Auch das erfolgt natürlich rein online, das heißt, es muss also keiner einen Stimmzettel ausfüllen und diesen dann noch in den Briefkasten werfen.

Was sind das für Schiffe, die ihr tokenisiert?

Wir haben den Fokus auf ökologische Schiffe aus Nischensegmenten gelegt. Dabei ist die Wahl des aktuellen Projekts auf das für den europäischen Warenaustausch systemrelevanten so genannte Coaster-Segment gefallen, das circa 60 Prozent des innereuropäischen Warenhandels abwickelt. Die Bestandsschiffe in diesem Segment sind überaltert. 67 Prozent der Bestandsflotte sind über 15 Jahre alt, bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von Schiffen von ungefähr 25 bis 30 Jahren. Zudem gibt es kaum Neubauaufträge. Mit der RHAS 5 bieten wir einen modernen und ökonomischen Neubau an, der auf Grund vieler technischen Innovationen, zum Beispiel rund ein Drittel weniger Treibstoffverbrauch, Bestandschiffen überlegen sein wird und auch aus ökologischer Sicht absoluter Vorreiter ist. Die CO2-Emissionen des Schiffes werden bei Ablieferung Anfang 2022 schon 16 Prozent unter dem für 2025 maximal zulässigen Höchstwert liegen.

Worauf müssen Anleger achten, wenn sie in Schiffe investieren? Wie groß sind die Ausfallrisiken?

Schiffsinvestments sind – wie tokenisierte Immobilieninvestments – unternehmerische Beteiligungen, die mit erheblichen Risiken verbunden sind. Dies liegt schlicht an der Natur einer Investition in einen Sachwert. Wie auch bei Immobilien muss das Schiff regelmäßig „vermietet“, das heißt verchartert werden. Bleiben Miet- oder Chartereinnahmen aus, können die prognostizierten Renditen nicht bezahlt werden. Auch bei Schiffen besteht daher das Risiko eines Teil- oder Totalverlustes des investierten Kapitals. Wir möchten Schiffsinvestments als das vermitteln, was sie sind: Eine risikoreiche Anlagemöglichkeit mit attraktiver Rendite. Denn einer überdurchschnittlichen Rendite für den Anleger (im aktuellen Projekt immerhin knapp 7 Prozent nach Steuern) steht natürlich auch ein entsprechendes Risiko gegenüber. Eine Nachschusspflicht gibt es jedoch nicht.

Anleger, die in Schiffe investieren möchten, sollten daher nicht nur die attraktive Rendite vor Augen haben, sondern auch das damit verbundene Risiko. Schiffsinvestments allein dienen sicherlich nicht der Altersvorsorge. Sie sind vielmehr der renditestarke Bestandteil eines diversifizierten Portfolios.

Hat der Schiffmarkt unter Corona sehr zu leiden? Wie ist die Marktlage hier zu beurteilen?

Die Auswirkungen durch die Coronakrise auf den Schiffsmarkt im Allgemeinen sind unterschiedlicher Natur. Der Tankermarkt hat, wie in der Presse breit berichtet wurde, vom Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Rohöl kurzfristig sehr stark profitiert. Auf der anderen Seite machen sich reduzierte Handelsvolumina gerade zwischen Asien und Europa stark auf das Containersegment bemerkbar. Was die Ertragslage der RHAS 5 angeht, sind wir jedoch entspannt. Zum einen wird der Neubau erst Anfang 2022 abgeliefert, wenn die Mehrheit der Experten davon ausgeht, dass wir die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise überwunden haben werden. Weiterhin wird die RHAS 5 ausschließlich im innereuropäischen Warenverkehr eingesetzt und in einem Erlöspool mit vier baugleichen Schwesterschiffen eingesetzt, die bereits heute, trotz Coronakrise, fest für drei Jahre an den Branchenprimus dieses Frachtmarktes, Wilson ASA, verchartert wurden. Damit besteht bereits heute für die RHAS 5 eine 4/5 Einnahmesicherheit für die ersten Betriebsjahre, was für die Qualität und starke Nachfrage dieses Schiffstyps spricht.

Ihr werbt damit, dass Investoren zusätzlich von einer Tonnagebesteuerung profitieren. Was ist damit gemeint?

Die „Tonnagesteuer“ ist streng genommen keine Steuer, sondern eine Gewinnermittlungsmethode und ein Privileg der deutschen Handelsschifffahrt. Die Anwendung dieser Gewinnermittlungsmethode führt im Ergebnis dazu, dass ein Anleger lediglich von unter 1 Prozent p.a. Steuern bezogen auf seine Zeichnungssumme zahlen muss – unabhängig vom tatsächlichen wirtschaftlichen Ergebnis der Projektgesellschaft, das heißt des Schiffes, und auch unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Ausschüttungen, die dem Anleger zufließen.

Im Vergleich zur Kapitalertragssteuer kann das ganz wesentlich sein. Um auch hierzu einen bildlichen Vergleich anbieten zu können, haben wir einen Tonnagesteuerrechner, der den Unterschied der steuerlichen Belastung bei Anwendung der Kapitalertragssteuer vs. Tonnagesteuer zeigt, gebaut.

Wie löst ihr die Verwahrung der Security Token? Bietet ihr die Verwahrung der Token an oder ist das den Investoren freigestellt?

Wir bieten den Anlegern, die eine Wallet im Rahmen der Zeichnung in unserem Anlegerportal erstellen wollen, unter anderem an, die Wallet-Daten verschlüsselt (PGP-Verschlüsselung) auf unserem Server zu speichern. Auf die entschlüsselten Daten beziehungsweise den Private Key, haben wir natürlich zu keiner Zeit Zugriff. Auf die verschlüsselten Daten kann der Anleger jederzeit im Anlegerportal zugreifen und diese mittels des von ihm vergebenen Passworts entschlüsseln. Daneben bieten wir den Anlegern natürlich auch an, ihre bereits bestehende Wallet zu nutzen.

Wie ist euer Ausblick für die Etablierung von Security-Token-Angeboten in der Schifffahrtsbranche in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Obwohl Schiffsbeteiligungen bisher schon über Zweitmarktplattformen gehandelt wurden, war der Markt auf Grund der Struktur und umständlichen Übertragung sehr illiquide. Die Tokenisierung eröffnet das enorme Potential, einen sehr liquiden Zweitmarkt zu bilden, der, ähnlich wie bei einem Aktienmarkt, durch die Intelligenz des Marktes den fairen Wert des Tokens und damit den Schiffswert, ähnlich der Marktkapitalisierung bei börsengehandelten Unternehmen, findet. Deshalb erhalten die Anleger auch quartalsweise eine Berichterstattung über den Geschäftsverlauf über das Anlegerportal, um sich so laufend ein Bild über die Werthaltigkeit ihres Investments machen. Für die Liquidität und Preisbildung in einem künftigen Zweitmarkt sind solche Informationspflichten, wie sie auch bei Aktienunternehmen bestehen, unerlässlich.

Die Tokenisierung macht es möglich, zum Beispiel Unternehmensanteile kosteneffizient und kleinstteilig an einen breiten Markt herauszugeben, dabei sind die Token technisch unkompliziert, kosteneffizient und innerhalb weniger Sekunden handelbar und übertragbar. In unseren Augen nimmt ein STO dabei die Rolle eines IPO ein und ist auch für kleine und mittelständische Unternehmen erschwinglich, denen dadurch der Zugang zum Kapitalmarkt gegeben wird.

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„Der gesamte Bankenmarkt befindet sich derzeit in einer extremen Umbruchphase“

Die TEN31 Bank ist eine Marke der WEG Bank mit Sitz in Ottobrunn, nähe München. Angefangen als Spezialbank für die Wohnungswirtschaft, startet die Bank nun gen Krypto-Ökonomie durch. Denn für den CEO, Matthias von Hauff, ist eines klar: Stillstand heißt Rückschritt. Die Zukunft sieht er im Blockchain Banking und möchte seine Bank als Gewinner des Strukturwandels positionieren. Warum sich Banken ändern müssen, wie die Blockchain-Technologie vieles in Frage stellt und wie die Finanzdienstleistungen der Zukunft aussehen werden, hat uns der Banken-Vorstand im Interview erläutert.

Das Interview erschien zuerst in unserer Kryptokompass-Ausgabe Juni. Hier geht es zur aktuellen Ausgabe.

Wie kommt man dazu, als eher bodenständiger Bankdienstleister für die Wohnungswirtschaft, nun auf Blockchain zu setzen und die Fintech-Marke TEN31 zu gründen?

Das Motto unserer Bank war seit Gründung: „Immer einen Schritt voraus“. Mit unserer Entscheidung, eine neue und aufstrebende Industrie zu unterstützen, bleiben wir diesem Leitspruch treu. Auch wenn digitale Währungen im Alltagsleben vieler Bürger noch keine zentrale Rolle spielen, so sehen wir doch das Potential. Wir wollen die Chance, hier eine entscheidende Rolle zu spielen, nicht an uns vorbeiziehen lassen. Wir sind Gestalter.

Wie kann man sich TEN31 in Zukunft vorstellen, seht ihr euch als eine weitere Smartphone-Bank wie N26 oder Revolut?

Wir sehen uns definitiv in Zukunft in der Umgebung voll digitaler Banken. Hierzu gehört selbstverständlich auch die Anbindung unserer Kunden über eine App. Wir wollen jedoch an diversen Stellen einen entscheidenden Mehrwert bieten, der über das gegenwärtige Angebot der diversen „Challenger-Banks“ hinausgeht.

Wichtig ist für uns in diesem Zusammenhang auch die klare Abgrenzung gegenüber Playern, die behaupten eine Bank zu sein, dies aber in Wahrheit gar nicht sind. Das ist für den Verbraucher sehr wichtig zu wissen.

Womit hat die Bankenlandschaft – also Privatbanken und Sparkassen – deiner Meinung nach am meisten zu kämpfen?

Der gesamte Bankenmarkt befindet sich derzeit in einer extremen Umbruchphase. Strukturen, die seit Jahrzehnten funktioniert haben, eignen sich täglich weniger für die Anforderungen der jungen und vernetzten Generation. Zusätzlich wirken sich viele Jahre des durch die Politik ausgeübten Missbrauchs der Instrumente der Geldpolitik natürlich massiv auf die Bankenwelt aus. Das Stichwort ist der „Negativzins“. Als marktwirtschaftliches Institut ist es auf Dauer unmöglich, in einer Planwirtschaft zu überleben. Und diese hat uns die Politik der letzten Jahre hier klar beschert.

Was müssen Banken unternehmen, um langfristig überleben zu können?

Hier bedarf es meines Erachtens mehrerer Dinge. Ob gerechtfertigt oder nicht, Banken haben in der breiten Bevölkerung durch die Finanzkrise massiv an Ansehen verloren. Manch einer, so wirkt es zuweilen, empfindet die schwierige Situation der Banken als eine gewissermaßen „gerechte Strafe“. Banken müssen das Vertrauen der Allgemeinheit wieder zurückgewinnen. Nur dann werden sie den Rückhalt haben, den sie im Umgang mit der Politik brauchen. Außerdem müssen Banken ihr Selbstverständnis überdenken. Sie müssen ihre Position als Dienstleister weit mehr in den Vordergrund stellen.

Wenn wir uns das Zinsniveau und dessen Auswirkungen anschauen, kann man dann nicht sagen, dass die Notenbanken den Banken langfristig mehr schaden, auch wenn sie diese kurzfristig vor größeren Zusammenbrüchen bewahren?

Ich bin kein Freund der freien Marktwirtschaft. Ich halte es durchaus für wichtig, dass der Staat in manchen Bereichen und Situationen regulierend eingreift. Wir sollten uns jedoch bewusst machen, dass jeder solcher Eingriff quasi eine volkswirtschaftliche Droge ist. Negativzinsen nenne ich das Crystal Meth der Finanzpolitik. Es führt unweigerlich irgendwann zum k.o.

Wenn du einen Wunsch bei den Regulatoren frei hättest: Was wäre die deiner Meinung nach wichtigste regulatorische Anpassung, um Banken zu helfen?

Ich möchte hier ganz besonders die Situation der kleineren Banken ansprechen. Diese waren in keiner Form für die Verwerfungen der Finanzkrise verantwortlich, bekommen aber die Konsequenzen am stärksten zu spüren. In dem Versuch, besser zu überwachen und zu regulieren sind selbst kleinere Institute einem „Regulationswahnsinn“ ausgesetzt. Stellen Sie sich vor, ein Taxifahrer müsste vor jeder Fahrt eine Checkliste wie der Kapitän einer 747 abarbeiten. Dann wäre das Taxigewerbe zu Tode reguliert.

Mein Wunsch ist: Gebt den kleinen und mittleren Instituten, die kein Risiko für die Stabilität des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes darstellen, bitte massive Erleichterungen.

Wo siehst du zeitnah den größten Einfluss der Blockchain-Technologie auf den Banken-Sektor?

Blockchain-Technologie wird oft mit „Bitcoin“ gleichgesetzt, kann aber so viel mehr. Die Vorstellung, dass durch diese Technik Informationen im Allgemeinen auf eine völlig neue Art verarbeitet werden können, sehe ich als den größten Einfluss. Das mag jetzt etwas abstrakt sein. Daher ein Beispiel: Blockchain-Technologie ermöglicht Teilhabe, auch in ganz geringem Umfang, da die Transaktionskosten extrem gering sind. Sie ermöglicht zum Beispiel, dass jemand pro Monat 0,20 Euro in einen Windpark in der Eifel, 1,40 Euro in ein Krankenhaus in Marokko und 3,50 Euro in ein Containerschiff investiert. Das war früher nicht möglich. Wir werden „Investment“ und „Teilhabe“ an der Weltwirtschaft neu zu definieren lernen.

Die Tokenisierung von Unternehmen läuft noch schleppend an, besser sieht es da bei Immobilien aus. Glaubst du, dass Banken zukünftig Tokenisierung als normale Bank-Dienstleistung anbieten werden?

Ja, sicherlich. Dieser ganze Bereich wird einen völlig neuen Vertriebskanal bedeuten. Banken sollten diesen auf keinen Fall verschlafen.

Welche weiteren Finanzdienstleistungen befinden sich durch Blockchain und Token noch im Wandel?

Neben der Tokenisierung sehe ich vor allem den klassischen Bezahlvorgang und den internationalen Geldverkehr im Wandel. Wir haben selbst gerade einen Web-Designer aus Malaysia beauftragt. Er wollte in ETH bezahlt werden. Die Vorstellung, dass der Konsument künftig an der Ladenkasse die freie Wahl hat, welches Zahlungsmittel er verwendet, beflügelt mich.

Ein bekannter Slogan der Krypto-Ökonomie heißt Be your own Bank. Nur ein naiver, anarchistischer Spruch ohne Relevanz für die breite der Bevölkerung oder steckt mehr dahinter?

Da liegt für mich die Antwort irgendwie in der Mitte. Es kommt ja darauf an, womit wir Krypto-Werte vergleichen wollen. Bleiben wir für einen Moment einmal bei den klassischen „Währungs“-Token wie BTC. Hier ist für mich der Vergleich zum Bargeld eigentlich der nächste.

Einerseits, wenn ich 1.000 EUR in Bar bei mir zu Hause habe, dann bin ich auch meine eigene Bank. Obendrein gibt es niemand, der auf meine Scheine für mich aufpasst und ich bleibe anonym, wenn ich damit meine Tankrechnung bezahle. Andererseits ist eine Bank auch Vertrauenspunkt. Diesen kann ich nicht selbst darstellen. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen Menschen genau das Vertrauen einer Bank suchen und nutzen wollen.

Abschließend freuen wir uns immer über eine Bitcoin-Kursprognose. Was ist deine Einschätzung für den Bitcoin-Kurs bis Ende 2020?

Solche Prognosen vermeide ich im Allgemeinen, da sie wie fast immer falsch sein müssen. Aber aus reinem Spaß gebe ich meine ab: Circa 10.000 Euro.

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Max Keiser über den „Krieg“ um Bitcoin und die Ambitionen von Paul Tudor Jones

Cointelegraph Markets hat sich zum Interview mit Max Keiser, einem ehemaligen Wall Street Trader und dem aktuellen Moderator der gleichnamigen Sendung Keiser Report, getroffen, um über die Rolle von Bitcoin in der Weltpolitik und das viel beachtete Lob für die Kryptowährung durch den bekannten Großinvestor Paul Tudor Jones zu sprechen.

Stellen die Spannungen zwischen den USA und China und andere weltpolitische Konflikte ein Risiko für Bitcoin dar?

Max Keiser: China, die USA, Russland und der Iran werden in einen regelrechten Krieg um die Hashrate [Anm. der Redaktion: die Rechenkraft zur Schöpfung neuer Bitcoin] eintreten, um sich so viel von Bitcoin zu schnappen wie möglich. Die Regierung des Irans hat bereits mit dem Mining begonnen. Ich glaube, sie besitzt inzwischen 3 % der insgesamten Hashrate. Das hier ist ein neuer „Sputnik Moment“, in dem sich die USA entscheiden muss, ob sie den Krieg um die Hashrate annehmen will oder bald nur noch ein Fall für die Geschichtsbücher ist.

Würden Sie zustimmen, dass Paul Tudor Jones mit seinem Geständnis, dass er in Bitcoin investiert, grünes Licht für traditionelle Investoren gegeben hat, es ihm gleich zu tun? Ist das der lang ersehnte Wendepunkt?

Max Keiser: Ich behaupte, dass Paul Tudor Jones, den ich schon während meiner Zeit als Aktienhändler an der Wall Street von 1983 – 1990 genau beobachtet habe, in 2 Jahren der größte Bitcoin-Besitzer überhaupt sein wird. Wenn er an etwas Gefallen findet, dann kennt er keine Gnade.

„Die Bitcoin-Community hat noch nie jemanden, wie Paul Tudor Jones gesehen und sie wird von seiner Kaltblütigkeit schockiert sein.“

Selbst große Banken ändern inzwischen ihre Haltung zu Bitcoin, allen voran JPMorgan. Was denken Sie, woran das liegt und zeichnet sich dahingehend ein Trend ab?

Max Keiser: Wenn man sich mit Bitcoin anlegt, dann veränderst du nicht Bitcoin, sondern Bitcoin verändert dich. Ich habe Bitcoin ein bißchen in diese Richtung geschubst und den Rest hat die Kryptowährung von ganz allein gemacht. Jetzt ist selbst JPMorgan-Chef Jamie Dimon ein Bitcoin-Fan und dasselbe Schicksal wird irgendwann auch Peter Schiff ereilen. 

Glauben Sie, dass der Aktienmarkt dieses Jahr ein neues Rekordhoch erreichen wird? Was würde das für Bitcoin bedeuten? Was ist Ihre Prognose für den Bitcoin-Kurs bis 2021?

Max Keiser: Der amerikanische Aktienmarkt wird wahrscheinlich genauso neue Rekordhochs erreichen wie die Aktienmärkte in Venezuela, Zimbabwe oder Iran. Und zwar nicht, weil es der Wirtschaft so gut geht, sondern weil die Landeswährung zusammenbrechen wird.

„Meine Kursprognose für Bitcoin liegt schon seit 2011 bei 100.000 US-Dollar und jüngst habe ich sie auf 400.000 US-Dollar erhöht. Wann dies eintrifft, hängt ganz davon ab, wann der US-Dollar zusammenbricht.“

Schon morgen könnte es soweit sein, weshalb es besser ist, lieber einen Tag zu früh einzusteigen als einen Tag zu spät. Sobald der US-Dollar zusammenbricht, wird Bitcoin Sprünge von 10.000 US-Dollar machen. Wer bis dahin nicht mit dabei ist, wird später dumm aus der Wäsche gucken.

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Richard Heart: „HEX performt 11x besser als Bitcoin“

HEX ist Richard Hearts umstrittene Kryptowährung, die am 2. Dezember 2019 über einen Bitcoin UTXO-Snapshot auf einem Ethereum-Netzwerk (ERC 20) gelauncht wurde. Funktionieren tut es wie folgt: BesitzerInnen von HEX erhalten “Zinsen” in Form von weiteren HEX Coins auf Ihre Stakings (Einlagen). Der Gesamtwert der Token ist allerdings reine Spekulation und keine Einnahmen werden an die TeilnehmerInnen ausgezahlt. Daraus macht Heart kein Geheimnis. In einem Interview mit BTC-ECHO spricht er über die Legitimität von HEX, die Konkurrenz zu Bitcoin und einiges mehr.

BTC-ECHO: Hallo Richard, was ist deine Kritik am freien Markt momentan?
Richard Heart: Monopole wie Youtube, Google oder Facebook sollten aufgelöst und reguliert werden. Am Besten so wie Versorgungsunternehmen, also Firmen für Strom, Gas, Wasser und Elektrizität. Zwar gibt es die Theorie, dass der freie Markt sich selbst um die Dinge kümmert und das kann auch funktionieren – aber der Markt ist nicht frei. Ein freier Markt bedeutet immer ein regulierter Markt. 

Du kannst also nicht tun und lassen was immer du willst und deinen Konkurrenten das Genick brechen. Zum Beispiel haben Google und Facebook keine Konkurrenz und wenn, dann kaufen sie sie auf. Kapitalismus kann so nicht funktionieren. Menschen hatten noch nie so wenig Auswahl. Und wenn du von Yahoo! Google, Facebook, Amazon verboten oder geblockt wirst, dann existierst du nicht mehr. Dann hast du ein Problem und es gibt kein Zurück mehr.

„Kapitalismus kann so nicht funktionieren. Menschen hatten noch nie so wenig Auswahl“

BTC-ECHO: Bitcoin hatte anfangs doch auch noch keine Konkurrenz und wurde nicht reguliert. Das funktionierte doch ganz gut. Ist das in diesem Fall etwas anderes?

Richard Heart: Ich sag’s mal so: Du willst den Kuchen essen? Gut. Aber du willst ihn auch auf dem Teller behalten? Gut. So ähnlich ist es mit Kryptowährungen: Auf der einen Seite seien sie offiziell nicht reguliert, aber auf der anderen Seite kannst du ins Gefängnis kommen, wenn du Bitcoin verkaufst. Das klingt für mich sehr reguliert.

Es gibt jedenfalls genug Gesetze und Vorschriften bezüglich des Geldtransfers. Nur die Grenze zwischen dem Verkauf persönlichen Eigentums und einer Geldüberweisung ist eben sehr schmal. Beispielsweise haben einige Menschen in Florida jetzt ein Gerichtsverfahren am Hals, weil sie Bitcoin verkauften.

„Auf der einen Seite seien Kryptowährungen offiziell nicht reguliert, aber auf der anderen Seite kannst du ins Gefängnis kommen, wenn du Bitcoin verkaufst“

BTC-ECHO: Kannst du uns vielleicht mit einem Beispiel illustrieren, wie die Strafverfolgunsbehörden vorgehen, wenn sie den Handel von Kryptowährungen strafrechtlich verfolgen?

Richard Heart: Strafverfolgungsbehörden haben ein „fake” Verbrechen geschaffen. Dabei gibt es kein wirkliches Opfer, sondern nur verschärfte Strafen. Mal angenommen du schlägst jemandem auf dem Kopf und klaust seine Brieftasche. Das ist Raub. Wenn du jetzt dieses Geld auf der Bank einzahlst, ist es wiederum Geldwäsche. Es macht keinen Sinn, denn das ursprüngliche Verbrechen war der Raub. Es sollte kein weiteres virtuelles Verbrechen sein, das Geld in Ihrer Bank einzuzahlen. Damit wird nur die Strafe der ursprünglichen Sache modifiziert und eine Art Pseudo-Verbrechen geschaffen. 

BTC-ECHO: Müssen sich auch normale Bitcoin-Holder mit diesen virtuellen oder Pseudo-Verbrechen auseinandersetzen?

Richard Heart: Die regulatorische Belastung für die große Mehrheit der ehrlichen TeilnehmerInnen im System ist enorm. Viele werden bestraft, weil die Behörden die Daten über all diese Leute haben wollen, die nichts Falsches tun. Denkst du irgendein Krimineller auf der Welt hat wirklich ein Problem damit, mit seinem Geld umzugehen? Nein. Denen geht es gut.

Die einzigen, mit denen die Strafbehörden Probleme haben, sind die 99 Prozent der ehrlichen Leute, die ständig hinter das Licht geführt werden. Mit Kryptowährungen konnte man endlich die Mittelsmänner und die Gegenparteien loswerden. Es nervt mich, dass mittlerweile wieder neue geschaffen wurden.

„Die Einzigen mit denen die Strafbehörden Probleme haben sind die 99 Prozent der ehrlichen Leute, die ständig hinter das Licht geführt werden“

BTC-ECHO: Lass uns über deine Kryptowährung sprechen. Wie sieht die Perfomance von HEX aus?

Richard Heart: In HEX haben wir die weltweit erste Festgeldeinlage, ein beliebteste Produkt von Banken. Wir zahlen Stakes aus, um die Coins und den Preis hochzuhalten. Bitcoin hingegen bezahlt die Miner, um den Preis zu drücken. Die Miner kaufen ja die Bitcoins nicht, sie kaufen nur den Strom und verkaufen sie. HEX hat also weniger negative Preisexternalitäten. Unsere reine Preisperformance war 11x höher als Bitcoin über die letzten drei Monate. 

BTC-ECHO: Dein beruflicher Hintergrund ist nicht im Krypto-Bereich. War es so einfach deine eigene Kryptowährung zu erfinden?

Richard Heart: Erstens, du kannst deine eigene Kryptowährung ganz einfach aufbauen, wenn du sie von jemand anderem kopierst. Das ist natürlich deutlich schwieriger, wenn du etwas mit einem „wirklichen” Wert und einzigartigen Eigenschaften auf den Markt bringen möchtest. HEX startete deswegen etwa ein Jahr später als geplant. Wir fügten immer wieder neue Funktionen hinzu und sind dabei ständig auf neue Probleme gestoßen. 

„Du kannst deine eigene Kryptowährung ganz einfach aufbauen, wenn du sie von jemand anderem kopierst“

Zweitens, du brauchst für so eine Innovation nicht viele Menschen. Wir leben in einer Welt, in der du einen Supercomputer und ein Handy in der Tasche hast. Dahinter stecken ungefähr 80 EntwicklerInnen. Du kannst schon mit wenigen Leuten einen großen Einfluss in der Welt ausüben. 

BTC-ECHO: Wo wird HEX hauptsächlich gehandelt – innerhalb der USA ? 

Richard Heart: Das meiste passiert auf Hexdex.win. An den besten Tagen haben wir ein Volumen von bis zu 800 000 US-Dollar, an schlechten eines von 30 000 US-Dollar. Generell kann ich folgendes zum Traden sagen: Frag dich vielleicht zuerst einmal, ob Trading auch wirklich gut für die Menschen ist. Ich habe Bitcoin an einem bestimmten Betrag gekauft und gehalten. Wär ich nicht vielleicht deutlich besser dran gewesen, wenn ich Bitcoin schon verkauft hätte als er 20.000 US-Dollar hatte? Trading kann Konflikte schaffen.

„Die Währung muss volatil sein, ansonsten könnte sie niemals 11x besser als Bitcoin performen“

BTC-ECHO: Ist HEX denn volatiler als Bitcoin? 

Richard Heart: Ja. HEX ist volatiler, aber vor allem nach oben hin schwankend. Die Leute mögen keine Volatilität nach unten. Die Währung muss volatil sein, ansonsten könnte sie niemals 11x besser als Bitcoin performen.

BTC-ECHO: An welche Krypto– oder Fiatwährung ist HEX gebunden?

Richard Heart: Alle Coins sind an Bitcoin gebunden. Und Bitcoin ist mit dem Aktienmarkt verbunden. ETH ist an Bitcoin gebunden, und HEX wiederum an Ethereum. Sie sind durch die Liquidität in den Order Books miteinander verbunden. Alle Kryptos erleben also Hochs und Tiefs zusammen.

BTC-ECHO: Kannst du noch einmal darauf eingehen, warum sie durch die Liquidität in den Order Books miteinander verbunden sind?

Richard Heart: Die Leute fragen sich immer, warum alle Kryptowährungen gleichzeitig auf und absteigen. Es liegt daran, dass sie durch die Liquidität in den Order Books miteinander verbunden sind. Wenn der Ethereum-Preis mit dem Dollar ansteigt, steigt auch der Preis von Hex an. Das gleiche passiert auch, wenn Ethereum gegenüber dem Dollar sinkt. Vorraussetzung ist, dass dort ein Order Book ist, das Liquidität beinhaltet.

Das ist auch der Grund, warum die Dogecoins so viel wert sind. Das Order Book von Dogecoin ist irgendwo an Bitcoin gebunden. Und so hast du jetzt Dogecoin im Wert von einer 250,000 Dollar, weil das Order Book schon früh existierte. 

BTC-ECHO: Wäre es denn sinnvoll, diese Kopplung aufzulösen?

Richard Heart: Nein. Solange Coins miteinander handelbar sind, müssen sie auch verbunden bleiben. Da man einen ETH und einen HEX jederzeit zu einem vernünftigen Kurs umtauschen kann, werden sie sich gemeinsam bewegen. Der Größere bewegt den Kleineren.

„Wenn man ein überlegenes Produkt herstellt, sollte man dafür belohnt werden. Das macht die Welt zu einem besseren Ort“

BTC-ECHO: Cryptoconomy-Podcaster Guy Swann sagte in einem Interview, dass „Alles an [HEX] so designt ist, auszusehen wie ein Spiel, das BenutzerInnen zum Spielen anregt. Aber der einzige Faktor jedes Spielelements ist, dass Richard reicher wird und Sie einen wertlosen Spielstein erhalten, den er kostenlos erfunden hat”. Was sagst du zu dieser Kritik? 

Richard Heart: Wer hat Bitcoin erfunden? Satoshi Nakamoto. Er hatte eine Million Bitcoin. Was für einen Prozentsatz an Gewinn hatten eine Million Bitcoin in den ersten Jahren? Einen gigantischen Prozentsatz. Das ist mit HEX nicht anders. Menschen, die am Frühesten in solche Erfindungen involviert sind, ziehen natürlich auch einen Nutzen daraus die ersten gewesen zu sein. Wenn man ein überlegenes Produkt herstellt, sollte man dafür belohnt werden. Das macht die Welt zu einem besseren Ort. Die Erfinder schaffen Anreize und bringen positive Absichten und Verhalten in Einklang. 

BTC-ECHO: Wie sieht die Zukunft von Kryptowährungen aus?

Richard Heart: Kryptowährungen sind nützlich in Ländern, die in der Zensur härter gegen ihre BürgerInnen vorgehen. Für allgemeine Transaktionen sind sie allerdings unpraktisch. Das ist auch einer der Gründe, warum Leute sie nicht adaptieren wollen. Einige Zahlungsnetzwerke, wie Kreditkarten, funktionieren soweit gut. Wenn jemand dir mit deiner Bankkarte Geld klaut, kannst du sagen „Hey, der hat mir mein Geld geklaut” und dein Geldzurückbekommen. Bei Bitcoin geht das nicht. Trotzdem erzielt Bitcoin die besten Renditen jeglicher Anlageklasse der Menschheitsgeschichte.

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area2invest CEO „Wir wollen das Amazon der Finanzmärkte sein“

Die Liechtensteiner Plattform area2invest.com startet in Kürze und soll die Anlaufstelle für tokenisierte und wertpapierbasierte Finanzprodukte werden. Im Interview hat uns der Gründer und CEO, Max J. Heinzle, erklärt, was es mit area2invest auf sich hat, wie sich Corona auf die Anlegerstimmung auswirkt und warum die Zusammenarbeit mit einer Bank viele Vorteile für ein FinTech bietet.

Das Interview erschien zuerst in unserer Kryptokompass-Ausgabe von Mai.

BTC-ECHO: Ihr beschreibt euch als Marktplatz für Wertpapier- und Token-Emissionen. Kannst du das bitte etwas genauer erläutern?

Max Heinzle: area2invest gibt Anlegern frühzeitigen Zugang zu Anlageangeboten von internationalen Finanzproduktanbietern beziehungsweise kapitalsuchenden Unternehmen – wir sprechen hier von Emissionen, also der Ausgabe von Wertpapieren. Dabei konzentrieren wir uns bei area2invest, anders als der Grossteil der aktuellen Plattformen, nicht nur auf eine Asset- und Produktklasse, sondern wollen Anlegern eine breite Produktauswahl bieten. Auf area2invest können Anleger ein diversifiziertes Portfolio aufbauen. Die Finanzprodukte werden dabei sowohl verbrieft und somit in klassischen Wertpapierdepots, als auch tokenisiert auf Wallets, verwahrt. Wir agieren also als eine Art „Onlineshop“ für Finanzprodukte. Emittenten und Anleger treffen sich auf area2invest, ohne unnötige Umwege und unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften.

BTC-ECHO: Welche Unternehmen und welche Anleger wollt ihr mit eurer Plattform ansprechen?

Max Heinzle: Auf der Anlegerseite sind es nicht-professionelle, professionelle und institutionelle Anleger, also Privatkunden, Gesellschaften, Finanzintermediäre, wie zum Beispiel Vermögensverwalter und Finanzinstitute. Emittenten, die ihre Produkte auf area2invest anbieten, sind Finanzinstitute, -intermediäre, Start-ups, KMUs und Großunternehmen.

BTC-ECHO: Wie läuft die Unterscheidung zwischen nicht-professionellen und professionellen Anlegern bei area2invest?

Max Heinzle: Je nachdem, ob es sich um Privatkunden, unregulierte (z.B. Einzelunternehmen) oder beaufsichtigte Gesellschaften (z.B. Finanzintermediäre) handelt, gibt es Unterscheidungen beim Onboarding und der Verfügbarkeit von Finanzprodukten auf unserem Marktplatz.

Privatkunden und unregulierte Gesellschaften haben das höchste Schutzbedürfnis und werden standardmässig als nicht-professionelle Anleger eingestuft. Sie haben Zugang zu den Retailprodukten, die in ihrem Wohnsitzland zum Vertrieb zugelassen sind.

Bei der Freischaltung ihres area2invest Accounts müssen Anleger Kontaktdaten, Identitätsangaben sowie Konto-, Depot- und Wallet-Verbindung erfassen. Anleger wählen, ob sie eine eingeschränkte oder erweiterte Selbstauskunft machen möchten. Die erweiterte Selbstauskunft umfasst einige wenige Fragen zum Anlegerprofil, den -kenntnissen und -erfahrungen.

Vorausgesetzt, nicht-professionelle Anleger erfüllen die gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien, können sie am Ende der Selbstauskunft und auf eigenen Wunsch das digitale Opt-in-Verfahren nutzen und eine Hochstufung zum professionellen Anleger veranlassen. Für diese Anleger erweitert sich dann das Anlageangebot.

Bei professionellen und institutionellen Anlegern ist es anders. Diese haben direkt Zugang zu den Retailprodukten sowie jenen, welche sich an diese Zielgruppe richten.

BTC-ECHO: Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf euer Business?

Max Heinzle: Uns war es immer wichtig, dass wir IT-technisch auf dem neuesten Stand sind. Jeder Mitarbeiter wird so ausgestattet, dass er problemlos von zu Hause oder unterwegs auf unsere Server und Systeme zugreifen kann. Im Prinzip geht das Tagesgeschäft heute von Zuhause aus – wenn auch mit einigen Umstellungen – weiter. Selbst die Entwicklung an der Plattform konnte ungehindert vorangetrieben werden, sodass wir noch in Zeiten von Corona mit der area2invest öffentlich starten werden.

BTC-ECHO: Und wie beurteilst du den Einfluss auf die Anlegerseite?

Max Heinzle: Zum einen sind Anleger verunsichert und suchen nach Alternativen zu den herkömmlichen, börsengehandelten Aktien und Anleihen – den Public Markets. Genau hier kommen wir ins Spiel, da wir unseren Fokus auf Alternativen zu diesen klassischen Anlagen legen. Zum anderen befinden wir uns weiterhin auf nicht absehbare Zeit in einem Niedrigzinsumfeld, das Anleger veranlasst, nach alternativen Anlagenmöglichkeiten zu suchen.

Was die Geschäftsentwicklung anbelangt, so verhärtet sich mein Eindruck, dass Corona unsere laufenden Verhandlungen mit Partnern eher beschleunigt. Ich bin sicher, dass Extremsituationen wie diese weitere Argumente für die Digitalisierung liefern werden. Dass die Nachfrage für alternative Finanzprodukte steigt, zeigen die uns vorliegenden Marktdaten. Auch Kryptowährungen und digitale Assets erfahren ein gesteigertes Interesse. Neuartige Produkte zum Beispiel auf Gold- und Bitcoin-Basis, also nicht-inflationierbare Vermögenswerte, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

BTC-ECHO: Worin siehst du vor allem die Vorteile der Tokenisierung?

Max Heinzle: Es gibt eine Vielzahl an Vorteilen, die ich sehe. Zunächst einmal das Wegfallen von Intermediären und damit verbunden die Vereinfachung von Prozessabläufen. Auch einen höheren Grad an Automatisierung durch die Verwendung von Smart Contracts sehe ich als Vorteil. Darüber hinaus schafft es Vertrauen, Transparenz und Effizienz. Des Weiteren reduzieren sich durch die Effizienzgewinne die Transaktionsgebühren für Zeichnung und Lieferung der Security Token.

Die Liquidität im Security-Token-Markt ist zwar momentan noch sehr überschaubar, aber sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorliegen und die benötigte Infrastruktur aufgebaut ist, wird sich meiner Meinung nach auch dies ändern.

BTC-ECHO: Nun sitzt ihr in Liechtenstein. Auf welche Regionen zielt ihr denn noch ab beziehungsweise wo möchtet ihr eure Kunden ansprechen?

Max Heinzle: Wir konzentrieren uns zunächst auf den deutschsprachigen Raum. In Kürze wird area2invest aber auf Englisch verfügbar sein. Die in der Pipeline befindlichen Emittenten kommen heute noch überwiegend aus der DACH-Region. Die EU-weite einheitliche Regulierung macht es einfacher, innerhalb Europas zu expandieren. Ein Beispiel wäre eine prospektpflichtige Aktien- oder Anleihenemission, die in EU-Mitgliedsstaaten durch eine Emittentin bei der dort ansässigen Finanzmarktaufsicht gebilligt wird und anschließend in jedem beliebigen Mitgliedsland des europäischen Wirtschaftsraums vertrieben werden kann. Das ist für uns und unsere Emittenten natürlich sehr interessant und ermöglicht den Zugang für ein internationales Anlegerpublikum.

BTC-ECHO: Die Bank Frick ist ein strategischer Investor von euch. Wie beurteilst du das Zusammenspiel zwischen Banken und Blockchain-FinTechs wie euch?

Max Heinzle: Für uns war es ein großes Glück, die Bank Frick & Co. AG im September 2018 als strategischen Investor zu gewinnen. Bank Frick ist Pionierin und First Mover im Bereich Blockchain Services in Europa. Sie hat sich in diesem schnell wachsenden und zukunftsträchtigen Geschäftsfeld sehr früh einen Namen gemacht und damit eine starke Marktstellung erarbeitet. Als Fintech profitieren wir auf multiplen Ebenen von dieser Zusammenarbeit und den vorhandenen Ressourcen, dem Netzwerk, der langjährigen Erfahrung und Expertise unseres Partners. 

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich die Bankenlandschaft stark verändert hat. Der Anleger von heute, insbesondere die Generation Y, verlangt digitale und einfache Lösungen sowohl beim normalen Banking als auch bei der Kapitalanlage. Innovative Marktteilnehmer haben das erkannt und erzielen Erfolge mit ihrem digitalen Service Offering. Aus meiner Sicht ist es nur richtig und wichtig, dass Banken jetzt schnell handeln und entweder mit FinTechs kooperieren oder eigene Plattformen aufbauen. Eine zunehmende Anzahl an Finanzmarktteilnehmern hat die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet.

BTC-ECHO: Was glaubst du, wie sich der Markt für digitale Assets in nächster Zeit weiterentwickeln wird?

Max Heinzle: Wir stehen gerade erst am Anfang des Zeitalters der digitalen Werte. Was man in der Vergangenheit allerdings häufig gemacht hat, nämlich den ICO- mit dem STO-Markt zu vergleichen, führt zu Fehlschlüssen. Man kann den unregulierten Bereich nicht mit dem regulierten Kapitalmarkt beziehungsweise Wertpapierdienstleistungs-Sektor vergleichen. Es tut sich jedenfalls Einiges im Markt. Wir sehen auch Bewegungen bei einer Vielzahl an Banken und Finanzintermediären, wie die Implementierung von Verwahrungs- oder Sales-/Distribution-Lösungen.

Ich denke, am Ende des Tages müssen EU-weit klare gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Thematik an Marktrelevanz gewinnt. Liechtenstein ist da schon viel weiter mit dem seit Anfang diesen Jahres in Kraft getretenen Blockchain-Gesetz. In Deutschland kam zuletzt deutlich Bewegung rein, unter anderem durch die Neuregulierung im Zusammenhang mit der Lizenz zum Krypto-Verwahrgeschäft. Viel liegt also in den Händen der Regulatoren und trotz aller Ungewissheiten bin ich davon überzeugt, dass der Security-Token-Markt am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung steht.

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Unbound: Custody-Gigant über die Herausforderungen in der Krypto-Verwahrung

Die Verwahrung digitaler Assets ist eines der großen Branchenfelder in der Krypto-Ökonomie. Viele neue Player sind in den letzten Monaten entstanden, die sich um die professionelle Aufbewahrung von Token für ihre Kunden kümmern. Das israelische IT-Sicherheitsunternehmen zählt zu den weltweiten Marktführen im Bereich Custody und hat sich seit einiger Zeit auch dem Thema Token-Aufbewahrung verschrieben. Rebecca Aspler von Unbound (Director, Product Management) war so nett, uns einen tieferen Einblick in die Welt der Krypto-Verwahrung geben.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und anschließend ins Deutsche übersetzt.

BTC-ECHO: Kannst du uns einen etwas tieferen Einblick geben, was ihr konkret macht?

Unbound ist ein Anbieter von Softwarelösungen. Unsere Kunden sind die Custodians, die die Lösungen von Unbound implementieren und sind somit diejenigen, die die Custody-Lizenz besitzen. Als Experte in der Betreuung von Unternehmenskunden bedient Unbound Kunden, die nicht bereit sind, die Verwahrungslizenz mit den Technologieanbietern zu teilen. Ihre Kunden erwarten von ihnen, dass sie die Verantwortung für die Assets übernehmen, daher die gesetzliche Haftung.

BTC-ECHO: Wer sind eure Kunden? Nur Krypto-Start-ups oder auch Banken?

Unbound ist erst vor kurzem in den Krypto-Space eingetreten. Eigentlich sind wir ein IT-Sicherheitsunternehmen für unterschiedlichste Unternehmen. Unser Hauptanwendungsfall ist die Virtualisierung von Hardware-Sicherheitsmodulen (HSMs), die ein traditionelles „Coldstorage-Modell “ für kryptographische Schlüssel ermöglicht. Im Jahr 2018 stellten wir fest, dass die HSMs auch gut für Krypto–Asset– und Enterprise-Blockchain beziehungsweise deren Keys gut geeignet sind, und wir erkannten, dass wir etwas anzubieten haben, um den Markt schneller und sicherer zu machen. Ursprünglich lag aber unser Hauptaugenmerk auf traditionelle Finanzinstitute.

BTC-ECHO: In welchem Bereich seht ihr euch als Disrupter?

Ich denke, dass Unbound in vielerlei Hinsicht disruptiv ist. Insbesondere im Bereich der Key SecurityHardware. Unbound war das erste Unternehmen, das die Theorie der sicheren Mehrparteien-Berechnung (SMPC) als kommerzielles Produkt für den Einsatz in Unternehmen lieferte; diese Technologie selbst ermöglicht zum ersten Mal einen fortschrittlichen Schlüsselschutz (für traditionelle oder Blockchain-Schlüssel) durch softwaredefinierte, nicht hardwareabhängige Kryptographie.

Unabhängig davon, ob traditionelle Finanzmärkte Blockchain-Schlüssel für digitale Vermögenswerte oder kryptographische Schlüssel zur Sicherung von Fiat-Vermögenswerten nutzen, sie verlassen sich auf HSMs, bei denen es sich um ein über 20-30 Jahre altes, hardwarebasiertes System handelt.

Und das aus gutem Grund: HSMs leisten hervorragende Arbeit, wenn es darum geht, Schlüssel sicher aufzubewahren. Aber bei digitalen Vermögenswerten reicht es nicht aus, nur Schlüssel sicher aufzubewahren; aufgrund der Art der Sperrkette muss eine böswillige Partei den Schlüssel nur einmal sehen – und ihn missbrauchen -, damit der Inhaber den Vermögenswert verliert. Physische HSMs stoßen hier an ihre Grenze.

BTC-ECHO: Was sind die größten Herausforderungen für die Verwahrung von digitalen Assets?

Die Überwindung regulatorischer Fragen, die dem Schutz des Kunden dienen – im Umgang mit Fiat-Vermögen aber leichter zu erfüllen sind. Unter anderem aus Gründen der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche (AML), des Anlegerschutzes, der Besteuerung usw. Ebenjene Vorschriften werden aber durch das Unveränderlichkeitsprinzip der Blockchain – das heißt, dass Transaktionen endgültig und für alle sichtbar im dezentralisierten Hauptbuch erfasst werden (im Falle einer öffentlichen Blockchain) – komplizierter.

Das bedeutet – wenn der Verwahrer digitaler Vermögenswerte nicht mit einem Blockchain-Security-Spezialisten zusammenarbeitet -, dass Transaktionen zu Folgendem neigen:

  • Im Falle von Betrugsfällen oder AML-Prüfungen können abgeschlossene Transaktionen nicht rückgängig gemacht werden
  • Operationelle oder administrative Fehler kann man nicht mehr rückgängig machen
  • Kunden können ihre eigenen Transaktionen nicht rückgängig machen

BTC-ECHO: Wann glaubt ihr, werden Security Token eine größere Rolle als Bitcoin vom Gesamtvolumen her einnehmen?

Der Markt für digitale Vermögenswerte ist zu jung, um solch gewagte Vorhersagen zu treffen. Im Gegensatz zum Fiat-Geld, bei dem die wichtigsten Assets festgelegt sind und seit Jahrzehnten die Märkte anführen, sind die wichtigsten Asset-Klassen oder die wichtigsten Assets selbst noch nicht bekannt. Ich glaube, dass Stable Coins eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, das Vertrauen der Anleger schneller und in größerem Umfang zu gewinnen als Security Token.

BTC-ECHO: Worin seht ihr euren Hauptvorteil gegenüber Konkurrenten?

Wir arbeiten seit über fünf Jahren mit Tier-1-Banken zusammen und betreuen die größten, strengsten und bekanntesten globalen Unternehmen der Welt. Ein Teil dieses Kundenkreises ist darauf zurückzuführen, dass wir die weltweit führenden Kryptographen – die Professoren Yehuda Lindell und Nigel Smart – zu unseren Mitbegründern und (im Fall von Yehuda) zum CEO zählen. Nichts ersetzt die interne kryptographische Sicherheitsexpertise in Bezug auf unsere Fähigkeit, Sicherheitsprobleme vorherzusehen, zu verhindern und zu beheben. Wir sind zudem für die Post-Quantum-Kryptographie bereit.

Darüber hinaus sind viele unserer Wettbewerber im Bereich Security-as-a-Service (SaaS) tätig. Es gibt einen Platz für SaaS für kleine bis mittelgroße Kunden – aber die größeren Organisationen wären nicht bereit, die Verwahrung (d.h. den Schlüssel) mit einem SaaS-Anbieter zu teilen. Wir haben auch die Flexibilität, die größere Unternehmen benötigen, was für die Geschäftsexpansion entscheidend ist. 

BTC-ECHO: Im Moment seid ihr in den USA und in Israel ansässig; was sind eure Pläne für den europäischen Markt?

Die physischen Standorte des Managements und des F&E-Teams haben nichts mit einem geographischen Schwerpunkt zu tun. Unser europäischer Markt im Bereich Digital Asset wächst ständig, und wir freuen uns darauf, unsere Aktivitäten im europäischen Wirtschaftsraum weiter auszuweiten.

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Larry Sanger: „Der Bitcoin-Crash ist keine Analogie zum Platzen der Dot-Com-Bubble“

Exklusiv: Dr. Larry Sanger, Mitgründer von Wikipedia, im Interview mit BTC-ECHO über Bitcoin, Blockchain und die Dot-Com-Blase.

Von Wikipedia zu Everipedia – und nebenbei noch Blockchain. Dr. Lawrence Mark „Larry“ Sanger experimentierte mit Technologie und der Wissenschaft des Wissens, bevor er 2001 Wikipedia mitgründete. Das Projekt entstand aus dem Wunsch heraus, Zensurwiderstand und Dezentralisierung im Online-Informationsaustausch zu erreichen. Seit Sanger Wikipedia verlassen hat, steht er dem Projekt kritisch gegenüber. Mittlerweile gründete er die Knowledge Standards Foundation, eine gemeinnützige Organisation, die technische Standards für Enzyklopädien setzt.

Du bezeichnest Wikipedia als eine Mobokratie, ein Machtvakuum ohne jegliche verfassungsmäßigen Regelungen oder verantwortlichen Entscheidungsträger. Kannst du dein Anliegen bzw. deine Kritik noch einmal genauer erklären?

Larry Sanger: Wikipedia ist eine Mobokratie, weil jeder anonym beitreten kann. Man kann sich das so vorstellen wie einen Haufen Antifa-Leute, die mit Masken über den Gesichtern herumlaufen. Sie werfen vielleicht keine Steine auf Autos, treffen aber online wichtige Entscheidungen, die den Ruf unterschiedlicher Leute und die öffentliche Meinung beeinflussen. Da es keine Verantwortlichen gibt, übernimmt auf individueller Ebene keiner Verantwortung für schlechte Entscheidungen.

Es fehlt eine Charta oder eine gewisse Lizenz, mit ordnungsgemäß gewählten VertreterInnen, auf die sich jeder berufen kann. Das wird insbesondere in Situationen kritisch, wenn jemand Verantwortung übernehmen muss.  

Könnten sich fehlende Entscheidungsmechanismen auch in Form einer Mobokratie auf das Krypto-Ökosystem und Bitcoin auswirken? 

Larry Sanger: Bisher habe ich das nicht beobachtet. Allerdings gibt es tatsächlich ähnliche Arten von Governance-Problemen, die zwangsläufig auftauchen werden. Beispielsweise basiert Everypedia auf EOS.IO, die auf der einen Seite von Block.one kontrolliert und geleitet wird. Auf der anderen Seite haben die Block-Produzenten (BP), ähnlich den Minern von Bitcoin, eine große Kontrolle. Im Endeffekt kann Block.one zwar rechtliche Bestimmungen festlegen, aber die Block-Produzenten sind nur daran gebunden, solange es auch von irgendwem überprüft wird. Ansonsten können sie die Charta auch einfach ignorieren.

„Ohne konkrete Regelungen wird es immer wieder Probleme geben. Probleme, bei denen letztlich auch das Gesetz einschreiten muss.”

Blockchain-Projekte basieren doch auf einer Peer-to-Peer Interaktion zwischen Individuen und einem unpersönlichen System. Siehst du das anders?

Larry Sanger: Es wird gerne so getan, aber das ist nicht der Fall. Ich sehe durchaus die Notwendigkeit für eine umfangreichere Überprüfung dieser Projekte. Wenn du eine Social Software enwickelst, also ein System, das dazu dient, online eine Gemeinschaft zu schaffen und Menschen dazu einlädt, zu interagieren, ist dort zwangsläufig ein politisches Element involviert. Denn das ist es immer, wenn Menschen in Gruppen miteinander zu tun haben. 

Beim alltäglichen Kontakt von Menschen via Blockchain, wird es ohne konkrete Regelungen immer wieder Probleme geben. Probleme, bei denen letztlich auch das Gesetz einschreiten muss. Allerdings ist das Gesetz in dieser Hinsicht noch nicht ausgereift. Nicht mal ein bisschen.

„Die Firmen, die die Coins erschaffen, sind in 99% der Fälle die Diktatoren in den Gemeinschaften”

Meinst du, es mangelt Blockchain-Projekten an einem gemeinschaftlichen Mitspracherecht, vielleicht sogar von UserInnen?

Larry Sanger: Ja. Das habe ich ganz lange bei großen gewinnorientierten Unternehmen wie Facebook oder Twitter kritisiert: Alle Entscheidungen werden zentralisiert getroffen. Sie liegen in den Händen von den Führenden der Branche. Im Falle von Kryptos wären es beispielsweise Ethereum, EOS oder Monero. Die Firmen, die die Coins erschaffen, sind in 99 Prozent der Fälle die Diktatoren in den Communitys. Sie veröffentlichen ein Whitepaper und informieren die TeilnehmerInnen darüber – das wars. Wenn du teilnehmen willst, kannst du das tun oder auch nicht. Und die Leute wollen natürlich mitmachen, aber sie haben kaum Mitspracherecht.

Wie ist dein allgemeiner Eindruck von Kryptowährungen, Blockchain und dem Markt? Haben die aktuellen Entwicklungen eine Zukunft?

Larry Sanger: Definitiv! Ich glaube immer noch, dass irgendwer herausfinden wird, wie man es richtig macht. Menschen zu ermöglichen, über Netzwerke zu interagieren, die sich wiederum selbst dokumentieren, ist eine großartige Idee. Alleine, dass Bitcoin und Blockchain funktionieren, beweist doch schon, dass die Idee da ist, um zu bleiben. Ob die Projekt-Entwickler von heute noch in zehn Jahren im Geschäft sein werden, da bin ich mir [aber] nicht sicher. Trotzdem sind die Grundlagen von Blockchain und Bitcoin überragend. 

Worin siehst du also die größten Herausforderung für Blockchain-Projekte, um eine Adaption in den Mainstream zu ermöglichen?

Larry Sanger: Die meisten Projekte scheitern an den gleichen Fehlern: Sie leisten nicht die notwendige harte Arbeit, um die Dinge für nicht-technische BenutzerInnen so einfach wie möglich zu machen. Viele Blockchain-Apps setzen voraus, dass man bereits ein technisches Vorwissen hat. Für einige brauchst du beispielsweise zuerst einen bestimmten Token, um sie überhaupt benutzen zu können. Wenn du den Anweisungen genau folgst, kannst du es natürlich auch so schaffen, einen Token zu kaufen. In der Regel musst du trotzdem etwas Erfahrung bringen.

„Blockchain-Projekte verlangen von einer durchschnittlichen Person zu viel Vertrauen”

Um Glaubwürdigkeit bei den Endkonsumenten zu erreichen, bieten Blockchain-Projekte sehr hohe Sicherheit. Und wirklich gute Sicherheitsmechanismen sind in erster Linie meistens nicht sehr benutzerfreundlich. Du erwähntest in einem Interview Vertrauen als ein weiteres Anliegen. Wie meinst du das?

Larry Sanger: Blockchain-Projekte verlangen von einer durchschnittlichen Person zu viel davon. Vielleicht können sich Krypto-ExpertInnen auf ihr eigenes Urteil verlassen, was teilweise sogar fortgeschrittene Mathematik erfordert, aber für etwa 90 Prozent der Menschheit ist das nicht der Fall. Sie müssen auf das Urteilsvermögen und die Ehrlichkeit anderer Menschen vertrauen, also denjenigen, die die Whitepaper schreiben.

„Die meisten Blockchain-Projekte leisten nicht die notwendige harte Arbeit, um die Dinge für nicht-technische BenutzerInnen so einfach wie möglich zu machen”

Du bist selbst Amateur-Programmierer und schon sehr lange in der Technologie-Branche. Wie viel Fachwissen brauchen Menschen, um die White Paper zu verstehen? 

Larry Sanger: Um Codes in den Whitepaper zu überprüfen brauchst du sehr viel Zeit und sehr viel Fachwissen. Viele sind in einem technischem Kauderwelsch geschrieben, dass nicht mal ich das meiste verstehe. Damit will ich nicht sagen, dass es per se schlecht ist, aber es hält Projekte allgemein davon ab, so groß zu wachsen, wie sie eigentlich könnten.

Einige ExpertInnen vergleichen die Entwicklungen von Blockchain und Kryptowährungen sehr gerne mit der Entstehung des Internets. Stimmst du dem zu?

Larry Sanger: Vielleicht. Damals hat auch niemand wirklich verstanden, worum es ging. Jetzt verstehen die Leute es meistens immer noch nicht, aber zumindestens wird es benutzt. Ich denke allerdings nicht, dass wir uns in dem Stadium des Internets von 1990 befinden. Und der Bitcoin-Crash von 2018 ist auch keine eine Analogie zum Platzen der Dot-Com-Bubble.

„Die Technologie ist höchstens vergleichbar mit dem Internet der 70er und 80er Jahre”

Die Technologie ist höchstens vergleichbar mit dem Internet der 70er oder 80er Jahre; In der Zeit, als einige Technik-Freaks ihre eigenen Bulletin Boards entwickelten. Das sind allein stehende PCs mit einer oder mehreren Einwahlverbindungen. Genau die sind heute in der Krypto-Welt aktiv. Das wäre die bessere Analogie. Trotzdem ist es heute noch ein bisschen anders, weil man mit Kryptos unverschämt reich werden kann. Das war in den frühen Tagen des Internets nicht möglich.

Lass uns über dein aktuelles Projekt sprechen. Während Everipedia die weltweit größte Blockchain-basierte Enzyklopädie werden will, soll sie in der Lage sein, mit der Blockchain–Technologie EOS.IO die Qualität hoch zu halten. Setzt die Knowledge Standards Foundation auch auf Blockchain?

Larry Sanger: Nein. Es ist keine konkurrierende Enzyklopädie, sondern vielmehr ein Netzwerk, an dem jede Enzyklopädie, wie auch Everypedia, teilnehmen kann. Insgesamt sollen einheitliche Standards für die Veröffentlichung von Beiträgen aus allen möglichen Enzyklopädien festgelegt werden. Sowas gibt es bisher nur in der Blogosphäre mit dem Namen RSS.

Everypedia benutzt Token, um BenutzerInnen Anreize zu geben, Beiträge zu veröffentlichen. Wie motivierst du Menschen, an deinem Netzwerk teilzunehmen?

Larry Sanger: Es geht weniger darum, Anreize zu schaffen. Normalerweise wird aus Profitgründen versucht, Menschen zur Nutzung eines bestimmten Netzwerks zu animieren, aber die Knowledge Standards Foundation ist eine gemeinnützige Organisation. Ähnlich wie bei Wikipedia sollen Menschen im Sinne einer sozialen, intellektuellen und akademischen Mission bei dem Projekt mitmachen.

Hätte eine Blockchain, wie EOS.IO, sich als Grundlage für dein Projekt nicht trotzdem anbieten können? 

Larry Sanger: Es ist nicht unbedingt notwendig. Unsere Software funktioniert wie ein Webtorrent, also ein freier, dezentralisierter Peer-to-Peer Dateiaustausch. Das funktioniert ähnlich wie eine Blockchain, nur ohne Coins. BenutzerInnen sind in der Lage einen Artikel, den sie veröffentlichen möchten, in ein uniformiertes Format zu bringen. Es geht darum, keinen bestimmten Veröffentlicher zu bevorzugen, also keine zentralisierten Repositorien wie Wikipedia oder soziale Medien wie Twitter und Facebook.

„Es kann keine völlig unzensierte, unkontrollierte Interaktion zwischen Menschengruppen im Internet geben”

Du stehst mittlerweile Wikipedia insgesamt sehr kritisch gegenüber. Was sind denn die Lektionen, die du seit deinem Ausstieg über solche Projekte gelernt hast?

Larry Sanger: Dass häufig strenge, vielleicht lästige, Regeln eingeführt werden müssen, um bestimmte Aufgaben in einer Gruppe zu schaffen. Es kann keine völlig unzensierte, unkontrollierte Interaktion zwischen Menschengruppen im Internet geben. Ich glaube an die Redefreiheit, aber es muss die Möglichkeit bestehen, einzugreifen. Im Falle von Enzyklopädien zum Beispiel, Menschen zu blockieren oder aus dem System zu werfen.

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