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Europäische Kommission untersucht Monopolbildung durch Facebook Libra

Die Kartellaufsicht innerhalb der Europäischen Kommission hat einen Fragebogen verschickt, um herauszufinden, ob Facebooks Kryptowährung Libra gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

Laut einem Bericht vom 20. August will das Nachrichtenportal Bloomberg Einsicht in ein Dokument erhalten haben, das belegt, dass die EU-Kommission Anfang August einen Fragebogen an Facebook und die Mitglieder der Libra Association verschickt hat, durch den untersucht werden soll, ob die Kryptowährung des Social-Media-Konzerns überhaupt einen fairen Wettbewerb zulässt.

Die Kartellaufsicht befürchtet, dass Facebook und die beteiligten Unternehmen untereinander verschiedenste Kundendaten austauschen könnten, um sich einen gemeinsamen Vorteil zu verschaffen. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht werden, inwiefern Libra in WhatsApp und den Facebook Messenger integriert werden soll.    

Des Weiteren bereiten die Mitgliederstruktur und die Machtverteilung innerhalb der Libra Association der Aufsichtsbehörde Sorge, da sich hier eine Art exklusiver Club herausbilden könnte, der nur ausgewählten großen Unternehmen eine Teilhabe ermöglicht und kleine Unternehmen vom Markt ausschließt.

Allerdings ist die Kartellaufsicht nicht die einzige Abteilung der EU-Kommission, die sich mit der Regulierung von Libra beschäftigt, so hat ein Sprecher der Abteilung für Finanzdienstleistungen bestätigt, dass diese „alle Entwicklungen im Bereich der Kryptowährungen und Zahlungsdienstleistungen verfolgt, darunter auch Libra“.

Wie Cointelegraph zuvor berichtet hatte, sind auch andere Regierungen besorgt, dass Facebook die Zahlungsbranche komplett an sich reißen könnte. So hatte der US-Senator Sherrod Brown, der ein ranghohes Mitglied des parlamentarischen Bankenausschusses ist, schon im Juni davor gewarnt, dass Facebook sowohl für kleine Unternehmen als auch für die Verbraucher zur Bedrohung werden könnte:

„Was passiert, wenn Facebook die Unternehmen dazu zwingt, keine Kreditkarten oder Bankkarten mehr anzunehmen? Dann werden die Kunden dazu gezwungen, Facebooks neue Monopolwährung zu nutzen. Oder was geschieht mit kleineren Unternehmen, die gezwungen sind, Libra zu nutzen, da sie ansonsten den Zugang zu Millionen von Facebook Nutzern verlieren, sich so aber von Facebook abhängig machen?“

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Winklevoss-Brüder in Gesprächen mit Libra Association

Tyler und Cameron Winklevoss, beide bekannte Bitcoin (BTC)-Bullen und Gründer der Kryptobörse Gemini, sagen, sie wären offen für eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Mark Zuckerberg im Hinblick auf Libra.

CNN Business berichtete am 19. August, dass die berüchtigte und langwierige Einigung zwischen den Zwillingsbrüdern und Zuckerberg einer möglichen Zusammenarbeit nicht im Wege stehen solle.

Gespräche über Beitritt in die Libra Association

Cameron erklärte gegenüber CNN, dass Libra – unabhängig davon, ob eine Partnerschaft zustande kommt oder nicht – einen Schritt in Richtung Massenakzeptanz für Kryptowährungen darstelle. Er betonte:

„Ich denke, es wird der Tag kommen, an dem wir nicht ohne Krypto leben oder uns eine Welt vor Krypto vorstellen können.“ 

Wie CNN erklärte, könnte die proaktive Förderung einer Kryptoregulierung durch die Zwillinge die beiden zu einem attraktiven Partner für Facebook machen. Denn weltweit hat das Libra-Projekt von Facebook bei Regierungen und Regulierungsbehörden bereits Bedenken aufgeworfen.

Die Zwillinge gaben bekannt, dass sie Gespräche über einen Beitritt zur Libra Association geführt hätten. Die Libra Association ist ein neu gegründetes, unabhängiges Governance-Konsortium für das geplante Token von Facebook – , das derzeit 28 Gründungsmitglieder zählt. Diese Zahl soll bis zum Start von Libra auf 100 ausgeweitet werden.

Tyler und Cameron erklärten jedoch, dass sie noch mehr Details über das Projekts in Erfahrung bringen müssen, bevor sie sich entscheiden, ob sie der Vereinigung beitreten oder nicht. Auch die Frage, ob sie Libra an der Börse Gemini notieren wollen soll in diesem Zusammenhang geklärt werden.

Die Libra Association wollte sich zu laufenden Verhandlungen mit Partnern nicht äußern.

Internet-Riesen werden Krypto begrüßen

Laut Cameron ist Facebook vielleicht der erste Tech-Riese, der eine firmeneigene Kryptowährung einführen möchte – aber er wird nicht der letzte sein:

„Ich denke, dass Internetunternehmen eine Krypto-Strategie haben müssen, und ich glaube, viele von ihnen denken über eigene Coin-Projekte nach. Sie beobachten Libra und Facebook wahrscheinlich, um zu sehen, wie das läuft, bevor sie eine eigene Währung entwickeln.“ 

Er prognostizierte, dass Amazon, Apple, Netflix und Google folgen werden und hob vor allem Amazon als soliden Konkurrenten hervor:

„Amazon kann wahrscheinlich Pakete an buchstäblich jeden Ort der Welt bringen, auch wenn die letzte Meile auf einem Geländefahrrad oder etwas in der Art gefahren werden muss […] sehr ironisch, dass wir physische Sachen überall auf der Welt hinliefern können, aber wir Geld an viele Orte auf der Welt nicht hin überweisen können.“

Heute früh berichtete Cointelegraph, dass die Entwicklung der geplanten staatlichen Kryptowährung der chinesischen Zentralbank von der Bekanntgabe des Libra beeinflusst wurde.

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Binance kündigt Stable-Coin-Projekt Venus an

Die maltesische Bitcoin-Börse Binance hat ein neues, globales Blockchain-Projekt angekündigt. Das unter dem Arbeitstitel „Venus“ laufende Projekt soll den Fokus auf die Erschaffung von lokalen Stable Coins abzielen. Wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht, will die Krypto-Börse dazu unter anderem mit Regierungen kooperieren. Binance will nach eigenen Angaben

eine Initiative zur weltweiten Entwicklung lokaler Stable Coins und digitaler Assets, die an Fiat-Währungen gekoppelt sind [starten]. Binance strebt neue Allianzen und Partnerschaften mit Regierungen, Unternehmen, Technologieunternehmen und anderen Kryptowährungsunternehmen und Projekten an […].

Mit weiteren Informationen geizt die Pressemitteilung indes. Die Bitcoin-Börse verweist auf die hauseigenene Blockchain Binance Chain als Beispiel für ihre globalen Blockchain-Aktivitäten. Danach haben mit BTCB und BGBP bereits erste Stable Coins von der „Sicherheit und Robustheit“ der Binance Chain profitieren können.

Aus der chinesischen Variante der Pressemitteilung geht deutlicher hervor, dass sich Binance bei Venus vom umstrittenen Facebook Coin Libra hat inspirieren lassen. Es ist von einer „regionalen Version“ Libras die Rede.

Binance ruft zur Venus-Kooperation auf

Zu etwaigen Kooperationspartnern hat sich Binance bislang ebensowenig geäußert wie zu der genauen Beschaffenheit von Venus. Am Ende der Pressemitteilung ruft die Bitcoin-Börse potenzielle Partner aus Industrie und Politik dazu auf, sich per E-Mail mit ihr in Verbindung zu setzen.

Binance freut sich über weitere Regierungspartner, Unternehmen und Organisationen mit einem starken Interesse und Einfluss auf globaler Ebene, die mit uns zusammenarbeiten, um eine neue offene Allianz und eine nachhaltige Gemeinschaft aufzubauen. Wir ermutigen Gleichgesinnte und Organisationen, sich mit uns in Verbindung zu setzen und gemeinsam die unendlichen Möglichkeiten der digitalen Welt zu diskutieren.

Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass sich Venus noch ganz am Anfang befindet. Auf der anderen Seite hat das Vorbild Libra gezeigt, wie schnell aus einem Gerücht eine handfeste Bedrohung für das staatliche Geldmonopol erwachsen kann. Die Bitcoin-Börse täte also gut daran, etwaige regulatorische Bedenken hinsichtlich Venus frühzeitig zu zerstreuen. Ob der Aufruf zur Kontaktaufnahme per E-Mail der richtige Weg dazu ist, darf allerdings bezweifelt werden.

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Wegen Libra: US-Delegation besucht Schweiz

Die USA entsenden demnächst eine sechsköpfige Experten-Gruppe in die Schweiz. Bei der Reise der Delegation geht es vor allem um Informationsaustausch hinsichtlich Facebooks Libra. Dies meldete die große Schweizer Print-Zeitung NZZ am Sonntag am 18. August im Rahmen eines Reports.

Demnach treffen sich die sechs Delegierten des „United States House Committee on Financial Services“ am Freitag, dem 23. August, mit dem eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten Adrian Lobsiger.

Bei einem weiteren Meeting im Bundeshaus in Bern wird es laut der Schweizer Politikerin Christa Markwalder „die Gelegenheit für einen Austausch mit unseren amerikanischen Kollegen zu Kryptowährungen geben“. Dies sei ein kompliziertes Thema, zu dem man zweifellos voneinander lernen könne. Unterdessen postete Adrian Lobsinger vor Kurzem selbst ein Statement, in dem er kritische Fragen bezüglich Libra aufwirft. Konkret geht es dabei insbesondere darum, wie Facebook zukünftig die Datensicherheit seiner Nutzer gewährleisten will. Das Statement war unter anderem von Datenschutzbeauftragten der USA, EU, Australien und Kanada unterzeichnet worden. Trotz dieser gemeinsamen Stellungnahme unterzeichnete Lobsinger das Statement nicht selber, sondern verwies auf ungeklärte juristische Rahmenbedingungen des Schweizer Rechts. Lobsinger ist außerdem für die Beaufsichtigung der Libra-Aktivitäten im Land zuständig.

Delegationsleiterin Waters warb für Libra-Moratorium

Im Gegensatz zur ambivalenten Haltung Lobsingers sind die Ansichten der Delegationsleiterin Maxine Waters in Bezug auf Libra eindeutig. Waters ist nämlich Vorsitzende des Bankenausschusses und eine scharfe Kritikerin von Facebooks Kryptowährung.

Erst im Juni 2019 sprach sie sich demnach für ein Moratorium von Libra aus, solange der Kongress keine einheitliche Strategie im Umgang mit dem Produkt ausgearbeitet hat. Auch kritisierte Waters in einem TV-Interview die Schweiz als Libra-Standort, da es in dem Land in der Vergangenheit häufiger zu Geldwäsche-Skandalen kam.

Facebook betont indes regelmäßig die Vereinbarkeit von Libra mit dem US-Recht. Laut Libra-Chef David Marcus bestehen keine Bedenken zu Privatsphäre und Sicherheit von Nutzerdaten. Auch hierzulande wirft das Krypto-Projekt des Sozial-Media-Giganten jedoch Fragen auf. Politiker und Wirtschaftsexperten sorgen sich vornehmlich um die Regulierbarkeit der Währung und den Erhalt von Geld als soziopolitischer Infrastruktur.

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US-Gesetzgeber tauschen sich mit der Schweiz über Facebooks Libra aus

Eine Delegation des US-Repräsentantenhauses wird die Schweiz wegen Bedenken hinsichtlich der Kryptowährung besuchen. Im Mittelpunkt steht dabei Facebooks noch nicht veröffentlichte Stablecoin Libra.

Wie die lokale Wochenzeitung NZZ am Sonntag am 17. August berichtete, wird eine sechsköpfige Delegation des House Financial Services Committee mit dem Datenschutz- und Informationskommissar (EDÖB) Adrian Lobsiger zusammentreffen, um sich über digitale Währungen auszutauschen.

Ein Sprecher sagte der NZZ am Sonntag, dass Libra im Mittelpunkt des Dialogs zwischen der Aufsichtsbehörde und dem US-amerikanischen Gesetzgeber stehen wird. Die Delegation wird von der Vorsitzenden des House Financial Services Committee, Maxine Waters, geleitet, die zuvor darum gebeten hatte, die Entwicklung von Facebook zu stoppen, bis die angeblichen Risiken, die damit verbunden sind, richtig verstanden werden.

Schweizer Verordnung

Der Besuch der US-Gesetzgeber zielt darauf ab, regulatorische Fragen im Zusammenhang mit Libra zu klären. In Anhörungen vor dem House Financial Services Committee im Juli äußerten einige Vertreter ihr Unbehagen darüber, dass die Coin von der Schweiz aus reguliert wird. 

In den Anhörungen versicherte David Marcus von Facebook dem Vertreter Bill Huizenga, dass Facebook mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht in Kontakt getreten sei.

Der Leiter der Kommunikation bei der EDÖB, Hugo Wyler, sagte anschließend, dass Facebook die Regulierungsbehörde bezüglich der Registrierung seines Kryptowährungsprojekts nicht kontaktiert habe. Die FINMA sandte daraufhin einen Brief an die Libra Association –das von der Stablecoin vorgeschlagene Leitungsgremium – mit der Bitte um Einzelheiten über Libra:

„Die EDÖB erklärte in einem Schreiben, dass die Libra Association sie über den aktuellen Stand des Projekts informieren sollte, damit sie beurteilen kann, inwieweit sie beratend und aufsichtsrechtlich kompetent ist, da sie keine Informationen darüber erhalten hat, welche persönlichen Daten verarbeitet werden und inwiefern sie als Berater und Aufsicht zuständig ist.“

Bei einer Anhörung vor dem US- Repräsentantenhaus Mitte Juli wurde Marcus die Frage gestellt, warum das Unternehmen entschieden hatte, seine Libra Association in der Schweiz und nicht in den USA zu registrieren. „Die Wahl der Schweiz“, so Marcus, „hatte nichts damit zu tun Umgehen von Vorschriften oder Versehen.“ Marcus argumentierte, dass die Gerichtsbarkeit ein internationaler Ort sei, der der Geschäftstätigkeit förderlich sei.

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Die chinesische nationale Kryptowährung scheint keine wirkliche Krypto zu sein

Die People’s Bank of China (PBoC), die Zentralbank des Landes, hat die Entwicklung eines Prototyps für die Ausgabe einer nationalen Kryptowährung abgeschlossen, wie Cointelegraph am 11. August berichtete. Wie sich herausstellte, wird sie von einem zweistufigen Betriebssystem angetrieben, dies jedoch wird nicht vollständig dezentralisiert sein.

Was wir bis jetzt wissen:

Die Tatsache, dass China kurz davor steht, staatliches digitales Geld auszugeben, was seit drei Jahren in den Händen der lokalen Behörden liegt, wurde auf der China Finance 40, dem Forum für politische Forschung zu chinesischer Wirtschaft und Finanzen, deutlich. Während der Veranstaltung gab der stellvertretende PBoC-Direktor Mu Changchun die Details der Entwicklung und das Veröffentlichungsdatum nicht bekannt, brachte jedoch seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die digitale Währung Bargeld und andere Kryptowährungen ersetzen und auch zur Umsatzsteigerung des Yuan beitragen wird.

Die Erklärung über die hohe Bereitschaft, die neue Kryptowährung herauszugeben, wurde kurz nach der Ankündigung von PBoC-Vertretern abgegeben, um den Prozess der Schaffung des digitalen Geldes des Staates am 2. August zu beschleunigen. Den Behörden zufolge kann die neue Währungen dafür genutzt werden, Handelssanktionen der USA zu umgehen. Darüber hinaus regt sie den Investmentfluss des Landes an.

Einige Analysten vermuten, dass ausländische Investoren, nachdem die USA eine Erhöhung der Handelstarife für chinesische Waren angekündigt hatten, in Eile Renminbi gegen verlässlichere Vermögenswerte tauschen wollten. Beispiele hierfür sind Gold oder andere Währungen, unter anderem Bitcoin (BTC), die Anfang August um 3.000 US-Dollar auf fast 12.000 US-Dollar zulegten.

Siehe auch: Chinas Digitalwährung – Was steckt hinter den Plänen?

Die Medien führen Chinas Entscheidung, sein staatliches digitales Geld zu schaffen, auch auf die aktive Förderung von Facebooks Kryptowährung Libra zurück. Im Juli sagte Wang Xin, Leiter des PBoC-Forschungsbüros, dass Libra das internationale Währungssystem bedrohe und die Länder ihre digitale Währung entwickeln sollten, um die negativen wirtschaftlichen Folgen zu vermeiden. Andere Behörden äußerten die Notwendigkeit, die Landeswährung durch die Ausgabe von digitalem Geld zu stärken.

Es ist auch bekannt, dass lokale kommerzielle Institutionen und Unternehmen wie Alibaba, Huawei und Tencent in den Prozess involviert sein können. Einige von ihnen haben bereits zugestimmt, an dem Projekt teilzunehmen. Wie aus den Patenten hervorgeht, können Einzelpersonen und Unternehmer mobile Wallet herunterladen, ihren Yuan in digitale Währung umtauschen und dann damit Zahlungen tätigen. Gleichzeitig wird die chinesische Zentralbank die volle Kontrolle über alle Operationen übernehmen.

Heiße Debatten, die durch die Ankündigung der chinesischen Regierung zur Entwicklung ihrer eigenen Kryptowährung ausgelöst wurden, haben zu noch mehr Fragen geführt. Die Nutzer interessierten sich vor allem dafür, wie schnell sie eine neue Währung in Aktion sehen und wie China in der Lage sein würde, kurzfristig ein ganzes dezentrales System zu schaffen, das für eine volle Funktionsfähigkeit notwendig ist.

Wie sich herausstellte, wird die Emission der künftigen Kryptowährung über ein zweistufiges System erfolgen, wobei sich die People’s Bank of China auf der obersten Ebene befindet. Die zweite Ebene wird von den Geschäftsbanken eingenommen, wie Mu in einer Rede auf der China Finance 40 betonte:

„Dieses zweistufige System ist für unsere nationalen Bedingungen geeignet. Es kann vorhandene Ressourcen nutzen, um Geschäftsbanken zu unterstützen und zu entwickeln und die digitale Währung reibungslos zu fördern.“

Gleichzeitig wird die Blockchain nur teilweise verwendet. Er sprach sich aus folgenden Gründen für diese Entscheidung aus:

China ist eine komplexe Volkswirtschaft mit einem riesigen Territorium und einer großen Bevölkerung, was mögliche Schwierigkeiten beim Massenübergang auf die neue Technologie impliziert. Die chinesische Zentralbank schlägt auch die zweistufige Betriebsstruktur vor, um die Zugänglichkeit der vorgeschlagenen Kryptowährung und die reibungslosere Inbetriebnahme zukünftiger digitaler Vermögenswerte zu verbessern. Zweitens wird eine zweistufige Struktur die Ressourcen, Talente und technologischen Vorteile kommerzieller Organisationen voll ausschöpfen, Innovation fördern und den Kampf um technologische Überlegenheit unterstützen.

Drittens kann die Verwendung einer einstufigen Betriebsarchitektur die Rolle der Banken in der Finanzdienstleistungskette verringern. Mu fügte hinzu, dass in einem solchen Rahmen die chinesische Zentralbank in Fragen der digitalen Währung direkt mit der Bevölkerung in Kontakt treten wird, was sich negativ auf die Kreditvergabefähigkeit von Geschäftsbanken auswirken und deren Wettbewerbsfähigkeit verringern wird. Dies kann zu erhöhten Preisen und Sozialfinanzierungskosten sowie zu Schäden für die Realwirtschaft führen.

Die Gesellschaft antwortete

Die negative Stimmung in der Öffentlichkeit hat sich anscheinend weiter verschlechtert, als neue Details im Internet durchgesickert sind. Viele Unternehmer, Blogger und Krypto-Enthusiasten waren der Meinung, dass die neue Kryptowährung zum Nachverfolgen von Benutzerdaten oder zur Kontrolle ihrer Gelder verwendet werden würde. Mati Greenspan, Senior Analyst bei eToro, äußerte sich ähnlich zu der neuen Initiative der chinesischen Zentralbank:

„Sie wollen ein höheres Maß an Kontrolle und Überwachung. Dies gibt ihnen ein bisschen mehr praktische Autorität. Diese Währung ist nicht dafür gedacht, den Menschen finanzielle Freiheit zu geben, wie es bei anderen Kryptos der Fall ist, sondern der chinesischen Regierung eine Möglichkeit zu bieten, Transaktionen zu überwachen.“

Der Blogger Ben Yorke widmete einen ganzen Artikel der Aufdeckung der zukünftigen chinesischen Kryptowährung, in dem er fünf Fakten zitierte, die bestätigten, warum „China sich wahrscheinlich nicht für digitale Währungen öffnet.

Es gibt überhaupt nichts Öffentliches: Die Erstellung einer Kryptowährung setzt im Wesentlichen die Verwendung von Blockchain-Technologie und dementsprechend die Einbeziehung erfahrener Organisationen voraus. Gleichzeitig beabsichtigt die chinesische Zentralbank, eine private Chain einzusetzen, die an vollständig kontrollierten privaten Knoten betrieben wird.

China hat bereits eine digitale Währung: Yorke verweist auf die Zahlungssysteme Alipay und WeChat Pay, die die traditionellen chinesischen Zahlungsmethoden fast vollständig abgelöst haben. Im Jahr 2018 verarbeiteten sie 57 Milliarden Transaktionen mit fast 1.800 Transaktionen pro Sekunde (TPS). Dieser Wert liegt über der Bandbreite von Bitcoin, Ethereum (ETH), Ripple (XRP) und EOS. Darüber hinaus weist der Autor auf das völlige Fehlen von Anonymität hin: In solchen Systemen sind Benutzerinformationen an die Wallet-Adresse gebunden, was bedeutet, dass sie von den Entwicklern kontrolliert werden.

Alles dreht sich um Kontrolle: Als letztes Argument gibt Yorke an, dass das Hauptziel der PBoC nicht darin besteht, „grenzüberschreitende Transaktionen zu vereinfachen“, sondern den Zugang der lokalen Banken zu Krediten und Schattenbanken einzuschränken.

Risiken werden vermieden

Wahrscheinlich um öffentliche Bedenken auszuräumen, sagten die PBoC-Mitglieder, sie würden Maßnahmen ergreifen, um eine Überrepräsentation der digitalen Währung und infolgedessen die damit verbundenen Manipulationen zu verhindern. Um sicherzustellen, dass die digitale Währung der PBoC nicht überrepräsentiert ist, überweisen kommerzielle Institute den vollen Transaktionsbetrag und die 100%-Reserve an die Volksbank von China. Somit bleibt die neue Kryptowährung zentral.

 

Mu fügte hinzu, dass die zukünftige Währung keine Bargeldzinsen zahlt, keine finanzielle Disintermediation auslöst und keine großen Auswirkungen auf die bestehende Realwirtschaft haben wird. Darüber hinaus sollten alle geltenden Vorschriften zur Bekämpfung von Bargeld, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung beachtet werden.

Fortsetzung folgt 

Insgesamt wirft die nationale Kryptowährung in den Augen der Community mehr Fragen und Zweifel hinsichtlich der wahren Ziele auf. China ist möglicherweise in der Lage, mit ihrer neuen Krypto Investoren anzuziehen oder abzuhalten, die vom US-China-Handelskrieg betroffen sind. Darüber hinaus stellt sie ein gutes Druckmittel im Streit mit Washington dar. Es ist jedoch noch nicht bekannt, ob die Währung ernsthaft mit dezentralen Coins wie Bitcoin konkurrieren kann. Auch die Frage nach den Fristen bleibt offen. Laut Greenspan könnte die Aussage der Zentralbank nicht ganz richtig interpretiert werden:

„Für die chinesische Regierung wäre es nicht schwierig, sie in ein oder zwei Wochen auszugeben. Das hat mehr mit politischer Macht zu tun. Die Kapitalkontrollen in China sind sehr streng und sie wollen die Geldmenge im Auge behalten. Wenn sie sagen: „Es ist soweit“, meinen sie, dass sie einfach die Willenskraft haben, sie auszugeben.“

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Facebook Libra: Deutscher Bankenverband fordert strenge Kontrolle

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) Andreas Krautscheid hat in einem in den Zeitungen der Funke Mediengruppe veröffentlichten Interview vom 14. August eine strenge Regulierung von Facebooks Stablecoin Libra gefordert.

Schockwellen durch Libra-Ankündigung

Laut dem Verbandschef hat das von ihm gegenwärtig nur als “Idee” bezeichnete Projekt “im Finanzsektor eingeschlagen wie ein Meteorit”. Es sei zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abzusehen, ob Libra zu einer Art globaler Währung in privater Hand oder eine Gefahr für das Geldsystem werde.

Sollte Libra jedoch auf den sozialen Plattformen angenommen werden, “dürfte sie im internationalen Geldsystem allein wegen der schieren Zahl von derzeit 2,4 Milliarden aktiven Facebook-Nutzern eine wichtige Rolle spielen”, sagt Krautscheid vorher.

Zu den Bedingungen einer möglichen Zulassung durch die Regulierungsbehörden sagte Krautscheid:

“Wenn man eine „Währung“ in privater Hand zulassen will, dann muss das gut kontrolliert und reguliert sein. Libra müsste die weltweit höchsten regulatorischen Standards erfüllen und einer sorgfältigen Aufsicht und Kontrolle unterliegen. Zudem spielt Prävention gegen Cyberangriffe eine riesige Rolle.”

Bankenverband präzisiert seine Kritik

Bereits im Juli hatte der Bankenverband in einem Positionspapier zu einer internen Veranstaltung eine Regulierung von Libra eingefordert. Mit dem Interview hat Krautscheid diese Position öffentlich bekräftigt.

Angesichts des breiten Widerstands gegenüber Libra hat Facebook mittlerweile eine einflussreiche und gut in der US-Politik vernetzte Lobbyistin für das Projekt eingestellt. Unterdessen veröffentlichte der US-Einzelhandelsriese Walmart ebenfalls ein Patent für eine eigene Kryptowährung, welche nach der Meinung einiger Experten bessere Chancen haben könnte als Libra.

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Chinesische Digitalwährung „ist bereits fertig“

Die chinesische Zentralbank (PBOC) hat verlauten lassen, dass ihre Digitalwährung „schon als fertig bezeichnet werden kann“.

Laut Mu Changchun, dem stellvertretenden Direktor der PBOC, wurde nun nach fünf Jahren Entwicklungszeit ein erster Prototyp auf Basis der Blockchain-Technologie fertiggestellt.

Die entsprechende Ankündigung wurde auf einer chinesischen Finanzkonferenz gemacht, wie die Shanghai Securities News am 10. August berichtet hat.

Zweistufiges System

Wie Mu erklärt, basiert die Digitalwährung allerdings nicht ausschließlich auf der Blockchain-Technologie. Dies sei angesichts der Größe Chinas nicht möglich, da besonders der Einzelhandel eine hohe Zuverlässigkeit des Währungssystems benötigt, was zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich durch die Blockchain erreicht werden kann.

Des Weiteren wird die Digitalwährung in einem zweistufigen System betrieben, um einer „komplexen Volkswirtschaft mit einer großen Bevölkerung“ Rechnung zu tragen. Die chinesische Zentralbank operiert dabei auf dem obersten Level, während die Privatbanken auf der untergeordneten breitflächigen Ebene zum Zug kommen. Dadurch soll der Zugang zur Digitalwährung größtmöglich gemacht werden, um die Annahme in der Bevölkerung voranzutreiben und Innovation zu fördern.

Laut dem stellvertretenden Direktor der Zentralbank ist die Digitalwährung in erster Linie für „kleinere Händler mit viel Umschlag“ gedacht.

Antwort an die USA?

Wie Cointelegraph am 10. August berichtet hatte, waren die Planungen um eine chinesische Digitalwährung zuletzt immer lauter geworden, da diese auch als Antwort auf Libra und die momentane Politik der USA gedacht ist.

Trotz der jüngsten Ankündigung von Mu bleibt allerdings weiterhin unklar, wann Chinas Digitalwährung tatsächlich in Umlauf kommen wird. Es ist davon auszugehen, dass es sich zunächst um eine Art Säbelrasseln handelt, um den großen Konkurrenten aufhorchen zu lassen. 

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Wer ist David Marcus: Vom Bitcoin-Enthusiasten zum Leiter von Libra

David Marcus, der das Blockchain-Projekt von Facebook anführt, hat in letzter Zeit enormes Aufsehen erregt. Das rasche Aufkommen von Libra hat die Berichterstattung über andere Entwicklungen im Zusammenhang mit Krypto dominiert, da sich herausstellte, dass der Einstieg des Social-Media-Riesen in den Bereich digitaler Vermögenswerte schwerwiegende Folgen für den Blockchain-Sektor und das globale Finanzsystem im Allgemeinen haben wird.

Die Kryptoindustrie hatte bisher keinen richtigen Hauptsprecher – was für eine Domäne, in der Dezentralisierung die am meisten geschätzten Werte sind, vielleicht eine natürliche und begrüßenswerte Angelegenheit ist. Nun findet sich Libra in einer zentralen Positionen einer Finanzdebatte wieder, was den charismatischen Leiter des Projekts zum Gesandten für den gesamten Kryptowährungsraum aufsteigen lässt.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht, die Gesetzgeber der alten Schule in den USA und darüber hinaus sind es gewohnt, mit bestimmten Personen, die Interessengruppen und Branchenverbände vertreten, umzugehen. Die beiden Auftritte von Marcus vor dem US-Kongress haben ihn wahrscheinlich nicht nur zu „Mr. Facebook-Kryptowährung“ sondern eher zu „Mr. Kryptowährung “ in den Augen vieler Menschen in hohen Ämtern aufsteigen lassen. Aber wie kam es, dass ein in Paris geborener, in Genf aufgewachsener Studienabbrecher diese herausragende Stellung erlangte?

Von Genf ins Silicon Valley

Geboren in eine rumänisch-iranische Familie in Paris, wuchs der zukünftige Leiter von Libra in der Schweiz auf, wo er die Universität Genf besuchte. Wie so viele seiner zukünftigen Kollegen aus der Technologiebranche verließ er die Schule lange vor seinem Abschluss, um sich auf eine unternehmerische Karriere zu konzentrieren. Im Alter von 23 Jahren gründete Marcus sein erstes Startup – einen Telekommunikationsanbieter – der nach vier Jahren unter seiner Führung von einem größeren Kommunikationskonzern übernommen wurde. Seine ersten Erfahrungen mit Zahlungen sammelte er, nachdem er das Unternehmen namens Echovox gegründet hatte, zu dessen Leistungen unter anderem die Erleichterung der SMS-Abstimmung für bekannte Fernsehsendungen gehörte.

Zong, ein Spin-off von Echovox, hat erfolgreich ein Zahlungsnetzwerk eingerichtet, mit dem Benutzer Einkäufe über die Abrechnung von Mobilfunkanbietern tätigen können. Der Aufbau eines solchen Dienstes in großem Maßstab erforderte Verhandlungen zwischen Marcus und Hunderten von Mobilfunkbetreibern und Tausenden von Händlern. Es war Zongs Erfolg, der Marcus bei der Akquisition des Startups durch den Payment Koloss zum Vizepräsidenten der Abteilung für mobile Zahlungen bei PayPal machte. Es war hilfreich, dass PayPal sich auf die Ausweitung seiner mobilen Dienste eingestellt hatte, für die sich die Erfahrung von Marcus als unschätzbar erwies. 2012 wurde er zum Präsidenten des Unternehmens befördert und leitete das explosive Wachstum einer der weltweit größten Zahlungsplattformen.

Im Jahr 2014 gelangt es Mark Zuckerberg, Marcus als Leiter für Messaging-Produkte bei Facebook zu gewinnen. Marcus verwies auf seine Bereitschaft, wieder kleinere Teams zu leiten (PayPal zählte am Ende seiner Amtszeit rund 15.000 Mitarbeiter) und verbraucherorientierte Produkte und Dienstleistungen in einem dynamischeren Startup-Umfeld zu entwickeln. Unter seiner Führung wuchs der Facebook Messenger im Hinblick auf die Anzahl der aktiven Benutzer erheblich und verzeichnete einige Verbesserungen in seiner Funktionalität – einschließlich der Einführung von Tools, die die Interaktion zwischen Einzelhändlern und ihren Kunden erleichtern, z. B. Chatbots zur Unterstützung von Zahlungen.

Marcus leitete den Messenger vier Jahre lang, bevor das völlig neue Kapitel seiner Karriere mit der Ankündigung von Facebook eröffnet wurde, dass er die Leitung der neu eingerichteten Blockchain-Task Force übernimmt – der Initiative, die jetzt unter dem Namen Libra bekannt ist.

Früh-Anwender

Es wird angenommen, dass David Marcus einer der Ersten in der Welt der Big Tech ist, der mit Kryptowährungen experimentiert, wie Asaf Fybish, Mitbegründer der Blockchain-Marketingfirma GuerrillaBuzz, gegenüber Cointelegraph sagte:

„David Marcus gilt als einer der ersten Top-Manager im Silicon Valley, der Bitcoin akzeptiert und unterstützt. Auf der LeWeb-Konferenz in Paris im Jahr 2013 erklärte Marcus, dass er ein großer Fan von Bitcoin ist und selbst einige besitzt. Er nannte Bitcoin einen Wertspeicher und ein Distributed Ledger. Es war ziemlich aufregend, diese Art der Unterstützung im Jahr 2013 zu erhalten, und wir können feststellen, dass David ein Gespür für Blockchain- und Kryptowährungen hat.“

In dem von dem Journalisten Nathaniel Popper  verfassten Buch „Digital Gold“ wird Marcus neben den Gründern der digitalen Geldbörse Gemini (Cameron und Tyler Winkelvoss), dem Co-Vorsitzenden der Fortress Investment Group Peter Briger, und dem Unternehmer Wences Casares als hochrangiger Manager erwähnt, die in mindestens seit 2013 in Bitcoin investiert haben. Popper behauptet, Marcus sei so fasziniert von dem ursprünglichen digitalen Vermögenswert, dass er irgendwann überlegte, PayPal zu verlassen, um eine Kryptobörse zu starten.

Im April 2013 gab Marcus zu, dass PayPal nach Möglichkeiten suchte, Bitcoin in die Abläufe des Zahlungsunternehmens einzubinden.

„Also habe ich viel Zeit damit verbracht, mich damit zu beschäftigen, und es ist wirklich faszinierend: Die Art und Weise, wie die Währung gestaltet wurde und wie die Inflation eingebaut wird, um die Miner zu bezahlen, und all das ist wirklich faszinierend.“ Ich denke, dass es für uns bei PayPal nur eine Frage ist, ob Bitcoin den Weg zum PayPal-Finanzierungsinstrument findet oder nicht.“

Später im selben Jahr, als Marcus auf der erwähnten LeWeb-Konferenz sprach, meinte er, dass Kryptowährungen eine größere Chance hätten, die Zahlungsbranche innerhalb der nächsten 10 Jahre zu revolutionieren, als beispielsweise die NFC-Tap-to-Pay-Technologie.

Obwohl es anfangs so aussah, als hätte der Umzug zu Facebook Marcus viel weiter von seinen Bestrebungen nach Kryptowährung weggelockt als bei PayPal, schloss das Schicksal den Kreis, und nur ein paar Jahre später steht er an die Spitze des Blockchain-Projekts der sozialen Plattform. Einige Leute in der Branche ziehen direkte Vergleiche zwischen Libra und dem Zahlungsnetzwerk, das Marcus einst verwaltet hat. Ruud Feltkamp, ​​CEO und Mitbegründer der Crypto-Handelsplattform Cryptohopper, sagte gegenüber Cointelegraph:

„Hier bei Cryptohopper haben wir uns oft gefragt: Warum erschafft niemand das „PayPal“ von Krypto-Branche? Es ist großartig zu sehen, dass es tatsächlich ihr ehemaliger Präsident ist, der jetzt Libra leitet. Unabhängig davon, was Sie von Facebook halten, ihr Eintritt markiert den Beginn des Einzugs von großen Unternehmen in die Krypto-Branche. An nächster Stelle vielleicht Google?“

Während seiner Zeit bei PayPal blieb Marcus in einem abwartenden Modus. Er sagte in einem Interview von 2014, dass es für ein in mehr als 90 Ländern präsentes Zahlungsunternehmen von entscheidender Bedeutung sei, die regulatorischen Auswirkungen der Akzeptanz von Kryptowährung in allen Gerichtsbarkeiten zu verstehen. Zu diesem Zeitpunkt konnte er offenbar keinen realistischen Weg finden, um dies zu erreichen, da PayPal nicht über die Verbraucherbasis und die Wirtschaftskraft verfügte, die es Facebook ermöglichten, fünf Jahre später einen globalen Kryptowährungsplan aufzustellen.

Skalierende Blockchains

Eine der Hauptkompetenzen von Marcus besteht darin, die Bürokratie, die mit der Skalierung eines globalen Zahlungssystems auf Transaktionen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar pro Minute einhergeht, auf graziöse Weise zu durchbrechen. Bereits im Jahr 2012 sprach er mit Begeisterung über diese Facette seiner Arbeit Noch bevor er zum Leiter des Libra-Projekts benannt wurde, hatte diese Fähigkeit ihm eine Position im Coinbase-Verwaltungsrat eingebracht, da die Krypto-Handelsplattform gegen Ende des Jahres 2017 auf dem Vormarsch war, um einen Anstieg sowohl der Krypto-Preise als auch der Anzahl der Krypto-Investoren zu bewältigen.

Marcus zeigte sich begeistert von dieser Chance, Coinbase dabei zu helfen, „den Zugang zu Kryptowährungen zu demokratisieren und die Mission zur Schaffung eines offenen Finanzsystems für die Welt zu erfüllen“. Seine Amtszeit bei der Börse dauerte jedoch nur einige Monate, bevor er zurücktreten musste. Daraufhin  erhöhte Facebook seine eigenen Blockchain-Bemühungen.

Vor der Enthüllung von Libra prognostizierte Marcus die vorsichtige Haltung von Facebook in Bezug auf Kryptowährung. Er verwies beispielsweise auf die funktionalen Hürden bei Blockchain-fähigen Zahlungen und sagte:

„Krypto-Zahlungen sind derzeit sehr teuer und sehr langsam. Daher müssen die verschiedenen Communities, in denen die verschiedenen Blockchains und Assets ausgeführt werden, alle Probleme beheben. Wenn wir eines Tages dort ankommen, werden wir möglicherweise etwas unternehmen.“

Nach der umstrittenen Entscheidung, alle kryptobezogenen Anzeigen  zu verbieten, trat er auch für Zuckerberg ein und unterstützte die Ansicht, dass die meisten von ihnen ohnehin Betrug waren und das Verbot zum Schutz der Nutzer notwendig gewesen sei.

Stephanie So, Mitbegründerin und Chief Development Officer des Blockchain-Sicherheits-Startups Geeq, bemerkte gegenüber Cointelegraph, dass Marcus für seinen Job gut qualifiziert sei, dass dies jedoch die Bedenken hinsichtlich des Führungsmodells von Libra nicht ausräumen dürfe:

„Ich würde sagen, dass David Marcus seine Karriere eindeutig damit verbracht hat, die Zahlungsverkehrsbranche zu leiten und zu verstehen. Wenn es für eine Gruppe privater Unternehmen Möglichkeiten geben sollte, eine alternative Weltwährung zu gründen, um Handelstransaktionen zu dominieren, könnte die Erfahrung von Marcus im Bereich Finanzen in Milliardenhöhe und mit internationalen Aufsichtsbehörden Sinn machen. “

Dies stimmt auch mit den Ansichten überein, die Marcus in seiner Anhörung vor dem US- Kongress dargelegt hat. Sie sagte:

„Ich stimme auch dem zu, was er anscheinend in seiner Aussage vor dem Kongress angegeben hat: Blockchain-Technologie ist unvermeidlich. Wie Sie wissen, ist das Verständnis der Blockchain-Technologie noch dürftig. Trotz der ideologischen Tendenzen der meisten Blockchains zu Inklusion und Selbstverwaltung gibt es Gründe, warum Blockchain noch nicht weit verbreitet ist, und das liegt daran, dass es potenziell große Lücken in ihren Sicherheitsmodellen gibt, was das traditionelle Finanzwesen bedeutet (oder bedeuten sollte), dass Institutionen noch nicht bereit sind, auf Blockchain umzusteigen. “

Der wahre „Mensch“

Im Gegensatz zu vielen Technologiemanagern, die jahrzehntelang im Silicon Valley prominente Positionen innehatten, ohne ihre Ansichten öffentlich zu äußern, scheute Marcus dies nie – und das auf eine ziemlich leidenschaftliche Weise. Hill Ferguson, gleichzeitiger Mitarbeiter bei Zong und dann bei PayPal, sagte gegenüber der Financial Times einmal, dass der Libra-Chef kein menschliches Element in ihm vermisse lasse: „Er kann eine großartige, überzeugende Person in Bezug auf eine Vision sein, aber er kombiniert dies mit einer soliden Persönlichkeit – oder, wie er sagen würde, ein Mensch – und das ist er wirklich im wahrsten Sinne des Wortes.“

Ein berüchtigter, versehentlicher Ausdruck dessen, wie Marcus sich das, was er tut, zu Herzen nimmt, entstand im Jahr 2014, als der damalige PayPal-Präsident die Mitarbeiter des Unternehmens für ihre Abneigung gegen die Verwendung von PayPal-eigenen Produkten anklagte. Er nannte es „inakzeptabel“ und implizierte, dass diejenigen, die die App nicht nutzen oder ihr Passwort vergessen haben, sich lieber etwas suchen sollten, bei dem sie mit vollem Herzen dabei sind“.

In einem anderen Fall nutzte Marcus die sozialen Medien, um seine Meinung zu einer Streitigkeit zu äußern, die im Jahr 2018 zwischen dem Facebook-Management und Brian Acton, dem Mitbegründer von WhatsApp, bestand. In Bezug auf Acton schrieb Marcus, er habe „Angriffe auf die Menschen und die Gesellschaft verübt, die Sie zu einem Milliardär gemacht haben, und die in einem beispiellosen Ausmaß vorgegangen, um Sie jahrelang zu beschützen, unterste Schublade.“

Insgesamt lässt eine Überprüfung der Aufzeichnungen von Marcus darauf schließen, dass er unabhängig von seinen Gefühlen gegenüber Facebook und Waage ziemlich gut qualifiziert ist, den Kryptoraum vor den Mächtigen der Welt darzustellen. Während seine frühe Beschäftigung mit Bitcoin die Echtheit seiner Pro-Krypto-Behauptungen bestätigt, gibt Marcus aufgrund seiner Erfahrung mit dem globalen Zahlungsverkehrsmarkt und seiner Nutzer-Orientierung Anlass zur Hoffnung, dass er zumindest einen ehrlichen Versuch unternehmen könnte, Libra in Richtung des sozialen Wohls zu lenken .

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Facebook stellt einflussreiche Lobbyistin zur Förderung von Libra ein

Facebook hat Susan Stoner Zook, die ehemalige Assistentin des einflussreichen US-Senators Mike Crapo, als Lobbyistin für die firmeneigene Kryptowährung Libra eingestellt.

Facebook intensiviert Lobbyarbeit für Libra

Wie das Nachrichtenportal Politico am 5. August berichtet, wird Zook bei Facebook Teil eines größeren Lobbyismus-Teams, das sich speziell darum kümmern soll, in der amerikanischen Politik die Weichen für Libra zu stellen. In einer E-Mail soll Zook bereits angekündigt haben, dass sie in erster Linie auf Senatoren aus der Republikanischen Partei einwirken will.

Wie Cointelegraph im Juli berichtet hatte, hatte sich Mike Crapo, der ehemalige vorgesetzte Senator von Zook, besorgt zum Thema Datenschutz gezeigt, wobei er allerdings nicht allein Facebook ins Visier nahm, sondern alle Unternehmen, die ähnliche Vorhaben planen. Dahingehend meinte Crapo:

„Wir müssen uns anschauen, wie wir den Datenschutz in den USA regeln […]. Wir brauchen dafür einen ganzheitlichen Ansatz. Wie das genau auszusehen hat, kann ich aber noch nicht genau sagen.“

Die jüngste Anhörung im US-Senat, die sich allgemein mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen befasst hat, warf neue Zweifel auf, wie mit der Technologie umzugehen ist. Neben harscher Kritik forderten einige Stimmen, dass die USA sich bemühen müsse, ein Vorreiter der Branche zu werden, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Senator Sherrod Brown betonte im Rahmen der Anhörung, dass Facebook in der Vergangenheit wiederholt bewiesen habe, dass dem Social-Media-Konzern nicht vertraut werden kann. Brown befürchtet vielmehr, dass Facebook anstrebt, den US-Dollar und die Zahlungsbranche zu unterwandern.

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