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Bitcoin und sein dezentrales Marketing-Team: Der Weg in den Mainstream

Bitcoin hat keine zentrale Autorität. Als dezentrale Grasswurzelbewegung ist es in Sachen Marketing auf seine Nutzer angewiesen. Was Bitcoiner tun können, um der Kryptowährung zu mehr Popularität zu verhelfen.

In der Vergangenheit verließ sich Bitcoin bisher auf ein übergeordnetes Marketing-Tool: Seinen Kursverlauf. Schließlich war die Kryptowährung innerhalb der letzten zehn Jahre mit mehreren Millionen Prozent Kurswachstum das am besten performende Asset der Menschheitsgeschichte. Das lockt natürlich Enthusiasten und Glücksritter gleichermaßen auf den Plan.

Geht der Kurs aber gerade einmal nicht durch die Decke, oder befindet sich die Währung gar im Bärenmarkt, dringt die frohe Kunde vom digitalen Geld nur selten an die Oberfläche des Mainstreams. Logisch, nicht jeder hat die zeitlichen Kapazitäten, sich mit Wohl und Wehe eines möglicherweise weltumspannenden Paradigmenwechsels an der Wurzel menschlicher Kooperation zu beschäftigen. Um vorherrschende Irrtümer über BTC und Co. aus der Welt zu räumen, braucht es daher vor allem eins: Motivierte Bitcoiner, die die Rolle des Marketing-Teams übernehmen.

Eine besondere Rolle fällt dabei der Medienwelt zu. Podcasts, Artikel und YouTube Content sind bestens geeignet, eine interessierte Leser- und Hörerschaft über Für und Wider des digitalen Geldes aufzuklären.

Serien wie „Gradually, then Suddenly“ von Parker Lewis oder Vijay Boyapatis „Bullish Case for Bitcoin“ können hier und da schonmal den Unterschied zwischen Bitcoiner und Nocoiner machen. Auch BTC-ECHO hat mit der BTC-ACADEMY eine eigene Plattform ins Leben gerufen. Sie soll Neugierigen die Vorteile der dezentralen Welt näherbringen.

Damit Precoiner den Sprung auf den Bitcoin-Zug schaffen, muss aber zunächst ein grundlegendes Interesse an der Kryptowährung vorhanden sein. Das reift aber nur über immer wiederkehrende Berührungspunkte.

Ideen wie Flammen

Hier kommen Bitcoiner ins Spiel. Denn seit geraumer Zeit können Bitcoiner über das Awareness Game am dezentralen Marketing teilnehmen und die Berührungspunkte, die Precoiner mit der Kryptowährung haben, deutlich erhöhen. Das Awareness Game ist Teil einer Kampagne, die unter Ideas are like Flames firmiert. Dahinter steckt ein Münchner Bitcoin-Kollektiv.

Wer sich auf ideaslikeflames.com Sticker bestellt und die an öffentlichen Plätzen anbringt, kann dafür sogar bares Geld verdienen. Nach Angabe von Gründer @_pretyflaco schüttete das Awareness Game bereits über 1,5 Millionen Satoshis an klebewillige Bitcoiner aus.

Wie wichtig das freiwillige Engagement der Bitcoin Community ist, betont auch Jeff Gallas, seines Zeichens Gründer von Fulmo und Lightning-Enthusiast. Gegenüber BTC-ECHO sagt Gallas:

Bitcoin ist die erste dezentrale, autonome Organisation der Welt. Es gibt keine Marketingabteilung im herkömmlichen Sinne. Jeder Bitcoiner ist seine eigene Ein-Mann-Bitcoin-Marketing-Abteilung.

Jeff Gallas

Raus aus dem digitalen Raum

Die Idee hinter Initiativen wie Ideas are like Flames ist es, BTC aus den Filterblasen des digitalen Raumes in die Realität zu versetzen, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Hilfreich dabei ist auch der Content von 21ism.com. Das Kunst-Kollektiv hat sich zur Aufgabe gemacht, qualitativ hochwertige Comics zum Thema BTC zu entwerfen und in Umlauf zu bringen. Das beste daran: Das Kollektiv, bestehend aus Zeichner Joshua Cranton und Texter @selfbankt, stellt seine Arbeiten umsonst zur Verfügung. Wer will, kann sich die jüngste Ausgabe von 21ism hier herunterladen (Spenden und Verteilen erwünscht). Dazu Gallas:

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Chainalysis bekommt Zuschlag für Entwicklung von Tracking-Tool für Monero

Das amerikanische Finanzamt IRS hat am gestrigen Mittwoch zwei Aufträge im Wert von 625.000 US-Dollar vergeben, die für die Entwicklung von Lösungen zur Nachverfolgung von anonymen Kryptowährungen ausgeschrieben waren. Konkret geht es dabei um die auf Datenschutz und Anonymität spezialisierte Kryptowährung Monero (XMR) und sogenannte Layer 2 Kryptowährungen, die parallel zu größeren Projekten wie Bitcoin (BTC) geschaltet sind.

Die Zuschläge für die Ausschreibungen haben die Blockchain-Analysefirmen Chainalysis und Integra FEC bekommen.

Das US-Finanzamt hatte die Ausschreibungen für die betreffenden Tracking-Tools erst diesen Monat veröffentlicht. Ein Sprecher des IRS bestätigt gegenüber Cointelegraph, dass die beiden Gewinner aus einem Bewerberfeld von 22 Unternehmen hervorgegangen sind. Als Grundlage für die Entscheidung nennt die Behörde lediglich „ein vergleichendes Analyseverfahren“.

Chainalysis ist eine der führenden Krypto-Analysefirmen, die schon mehrfach Aufträge von Regierungsbehörden erteilt bekommen hat. Integra FEC ist hingegen noch etwas unbekannter, obwohl die Analysefirma ebenfalls schon Regierungsaufträge im Wert von mehreren Millionen Dollar bearbeitet hat, darunter zum Beispiel von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC.

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Bitcoin im Sommerloch? 5 BTC-News, die es in sich haben

Bitcoin steckt im Sommerloch. Seit Wochen pendelt der Kurs des „Stable Coins“ zwischen 9.100 und 9.500 US-Dollar hin und her. Mit Hinblick auf die vielen Entwicklungen in Bitcoin-Land könnte sich dies aber bald ändern.

Bitcoin minen für die Umwelt

Über Bitcoins Energiebilanz kann man streiten. Die einen sagen, BTC sei Energieverschwendung, die anderen betonen Bitcoins positiven Einfluss auf den Energiesektor, da das Mining einen Anreiz für günstige Energiequellen bietet. Und diese sind häufig erneuerbar. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen.

Bitcoin-Minen neben Gas-Förderanlagen wie etwa in Kanada zu platzieren, ist aber unumstritten positiv für die Umwelt. Denn anstatt überschüssiges Erdgas zu verbrennen (man spricht vom sogenannten Flaring), nutzt man die Energie, um BTC zu schürfen. Diesem Business Model hat sich zum Beispiel Upstream Data verschrieben.

Bitcoin-Integration von PayPal

Und dann ist da noch PayPal. Der Zahlungsdienstleister, der vormals eher in Fiat-Land unterwegs war, könnte sich alsbald als wertvoller Brückenbauer zwischen traditionellem und dezentralem Finanzsektor erweisen. Denn die Gerüchte erhärten sich, dass PayPal bald BTC-Käufe in seine Infrastruktur integrieren wird. Mehr dazu hier.

US-Finanzbehörde stellt klar: Banken dürfen Bitcoin-Services anbieten

Banken dürfen Krypto-Asset-Verwahrdienste für Kunden anbieten.

Dies schreibt das Office of the Comptroller of the Currency (OCC), eine Bundesbehörde, die dem US-Finanzministerium untersteht, in einem Dossier vom 22. Juli. Die Behörde nimmt dabei Bezug auf eine Anfrage, eines nicht näher spezifizierten Finanzinstituts.

Das OCC stellt damit klar: US-Banken dürfen Bitcoin und Co. für ihre Kunden verwahren.

Tether unterstützt Lightning

Tether ist umstritten. Der US-Dollar-Stable-Coin steht seit geraumer Zeit in der Kritik, mit nebulösen Verbindungen zu Bitfinex Kasse zu machen. Zuletzt hat ein New Yorker Gericht die Herausgabe von möglicherweis belastenden Dokumenten angeordnet.

Den Innovationsgeist scheint der Milliarden-Prozess allerdings nicht zu stören. Denn erst am 22. Juli vermeldete Bitfinex-CTO Paolo Ardoino via Twitter, dass das Unternehmen daran arbeite, Tether (USDT) auf dem Lightning-Netzwerk verschicken zu können. Dafür setzt Bitfinex dem Tweet zufolge auf RGB Token, ein Smart-Contract-System, dass auf Lightning aufbaut.

Binance: Expansion nach Europa

Auch Binance vermeldet Fortschritte. Die größte Bitcoin-Börse der Welt ist alsbald auch von deutschen Kunden nutzbar. Möglich machts eine Kooperation mit der CM-Equity AG.

Binance hat in einer Pressemitteilung die strategische Partnerschaft mit der Investment-Firma CM-Equity bekannt gegeben. Dadurch können Dienstleistungen rund um den Handel von Kryptowährungen auch in Europa genutzt werden.

Dazu Binance-CEO Changpeng Zhao:

Dank der Partnerschaft mit CM-Equity, werden wir unsere Dienstleistungen im europäischen Raum ausbauen und vermarkten können. Es ist uns sehr wichtig, als reguliertes Unternehmen in Deutschland und Europa auftreten zu können.

Dazu hier mehr.

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5 Bitcoin-Full-Node-Lösungen, mit denen du sofort starten kannst

Man kann es nicht oft genug betonen. Der einzige Weg, um Bitcoin wirklich mit minimalen Vertrauen in Dritte nutzen zu können, ist der Betrieb eines Full Nodes. Hier sind fünf Plug-and-Play-Full-Node-Lösungen, mit denen du sofort loslegen kannst.

1. Casa

Grundlage für Bitcoin Full Nodes sind in aller Regel Minicomputer wie der Raspberry Pi. Im Falle von Casas Full-Node-Lösung hat man auf das Flaggschiff des Mini-Rechners, dem Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM, zurückgegriffen. Neben einem Bitcoin-Knotenpunkt bietet das Casa-Paket noch Schmankerl wie einen Lightning Node sowie die Option auf MultiSig-Lösungen zur sicheren Verwahrung von Krypto-Vermögen. Letzteres ist allerdings mit einer jährlichen Abo-Gebühr von 399 US-Dollar verbunden und somit nur für Bitcoiner geeignet, die ein nennenswertes Vermögen in BTC gespeichert haben.

2. RaspiBlitz

RaspiBlitz ist ein ehrgeiziges Node-Projekt aus dem Hause Fulmo. Das in Berlin ansässige Unternehmen bietet diverse Node-Lösungen auf Raspberry-Pi-Basis für verschiedenste Anwendungsfälle an. So kann man zwischen unterschiedlich leistungsstarken Nodes wählen das günstigste Modell, der RaspiBlitz Basic v 1.4, beginnt bereits ab erschwinglichen 199 Euro.

Selbst, wer alle Einzelteile eigenständig zusammenbastelt kommt kaum günstiger weg. Neben der Hardware haben die Entwickler von RaspiBlitz auch eine eigene Software zur einfachen Bedienung des Lightning- und Bitcoin-Nodes entworfen.

Im BTC-ECHO Podcast erzählt Developer Christian Rootzoll mehr zu dem Projekt.

3. BitBoxBase

Bei dem Schweizer Unternehmen Shift Cryptosecurity handelt es sich um Bitcoiner, wie sie im Buche stehen. Die Entwicklung ihrer Full Node, der BitBoxBase, ist quelloffen, sodass Nutzer die Codebasis nachvollziehen und sogar daran mitarbeiten können. Ziel ist es, ein einheitliches Ökosystem zu entwerfen, in dem Bitcoiner mit einem eigenen Full Node sowie der dazugehörigen Hardware Wallet zu souveränen Teilnehmern am Bitcoin-Netzwerk werden.

Im Gegensatz zu Wallet-Lösungen von Ledger oder Trezor verifizieren folglich nicht die Nodes der jeweiligen Drittunternehmen Transaktionen, sondern die eigene BitBoxBase Node.

4. Nodl

Für Freunde des Coinjoinings dürfte Nodl Dojo der Node der Wahl sein. Denn Nodl kooperiert mit Samurai, den Urhebern des meistgenutzten Coinjoin-Wallets. Wer also nach mehr Anonymität im Bitcoin-Netzwerk strebt, der bekommt mit dem Dojo die Königsklasse der Bitcoin Nodes. Mit 849 US–Dollar dürfte diese Investition allerdings nur für die Wenigsten infrage kommen.

5. MyNode

Eine weitere Budget-Variante liefert MyNode. Der US-Hersteller liefert alles, was das Bitcoiner-Herz begehrt: Einen Full Node, einen Lightning Node, ein Web Interface sowie einen eigenen Blockchain-Explorer zum Auslesen von Daten. Für den Schnellstart ist vor allem das übersichtliche Web Interface ein gutes Argument.

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Liquid, Lightning und Co.: 5 Bitcoin Sidechains, die du kennen musst

Hier sind fünf Bitcoin Sidechains, die es in sich haben.

1. Liquid

Settlement-Geschwindigkeiten von 60 Minuten und mehr für eine normale Bitcoin-Transaktionen und die Ansprüche des modernen Hochgeschwindigkeitstradings vertragen sich nicht gut. Für Trader, die BTC zwischen verschiedenen Exchanges versenden, um etwa Arbitragemöglichkeiten auszunutzen, zählt jede Sekunde.

Für genau diese Fälle hat das Bitcoin Developerteam Blockstream Liquid entworfen. Eine Sidechain, die sich explizit an Trader mit erhöhten Ansprüchen an die Transaktionsgeschwindigkeit richtet. Anstatt den üblichen 6 Bestätigungen (etwa nach 60 Minuten) sehen Exchanges L-BTC-Transfers bereits nach 2 Minuten als verarbeitet an.

2. Rootstock

Smart Contracts gibt es nur auf Ethereum & Co.? Von wegen, auch für Bitcoin gibt es bereits Projekte, die die Implementierung von Smart Contracts in die Kryptowährung Nr. 1 anvisieren. Der wohl prominenteste Versuch ist Rootstock. Der 2-Wege-Pegg mit der Rootstock Sidechain ermöglicht etwa die Entwicklung von dezentralen Applikationen (dApps) sowie verschiedenste Anwendungsfälle wie Spenden und dezentrale Versicherungen. Mit Rootstock müssen Bitcoin-Maximalisten folglich nicht mehr auf die Implementierung pfiffiger Smart-Contract-Ideen verzichten.

3. Hivemind

Ohne Oracle kein Smart Contract. Nun fragt man sich, was denn Oracles eigentlich sind. Bei Oracles handelt es sich um Mechanismen, die Daten aus der „echten“ Welt ins Digitale übertragen, um die Auslösung gewisser Smart-Contract-Bedingungen zu triggern. Insbesondere bei Prediction Markets, also Wetten auf den Ausgang bestimmter Ereignisse, braucht es zuverlässige Oracles.

Eine dieser Oracle-Plattformen ist Hivemind. Im Kern aggregiert Hivemind Daten aus der echten Welt und prognostiziert so den Ausgang bestimmter Ereignisse, die dann entsprechend quotiert werden.

4. Lightning

Ja, auch das Lightning-Netzwerk ist eine Sidechain. Die Mutter der Bitcoin-Skalierungslösungen gilt seit geraumer Zeit als vielversprechender Kandidat, den Weg hin zum digitalen Bargeld zu ebnen. Denn Lightning-Transaktionen sind sowohl instantan als auch kostenfrei.

Das Wachstum des Netzwerks spricht Bände. Schließlich ist die Anzahl der Lightning Nodes in diesem Jahr allein um 31 Prozent gestiegen. Wer mehr über das Potenzial des Lightning-Netzwerks erfahren möchte, kann sich in der BTC-ACADEMY umschauen.

5. Drivechain

Zugegeben, Drivechain hat nicht zum Ziel, eine eigene Sidechain zu implementieren. Dafür gilt das Projekt als Grundlage für eine ganze Reihe anderer Sidechains – darunter Hivemind. Zentrale Idee hinter Drivechain ist, dass alle Sidechains sogenannte Child Chains zu Bitcoin sind und die Kopplung in beide Richtungen funktioniert. Funds können also beliebig zwischen Child und Mother Chain hin und her getauscht werden. Im Gegensatz zu einem zentralen Custodian, der die Freigabe von Token überwacht, wird die Rücküberweisung von Sidechain Token auf die Bitcoin Blockchain dezentral vonseiten der Miner geregelt.

Mehr zum Thema Sidechains findet ihr in der Academy.

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Rene Pickhardt im Interview: „Das Lightning-Netzwerk und Bitcoin sind eine Sache“

Wer am ersten Teil dieses Interviews über die Industrie-Adaption vom Lightning-Netzwerk interessiert ist, kann diesen hier finden. 

BTC-ECHO: Eines der großen Unternehmen, welches im Lightning-Ökosystem aktiv ist, ist bekanntlich Blockstream. Jüngst wurde Liquid-Support auf BTCpay-Servern eingeführt. Wie ist das im Themenkomplex „Industrieadaption von Lightning“ zu bewerten? Gerade weil Adam Back sich in einer Diskussion mit Matt Corallo über die Schwächen von Lightning ausließ: Liquid und Lightning – Koexistenz oder Konkurrenz?

Rene Pickhardt: Sagen wir es mal so: Blockstream wurde ursprünglich gegründet, um Liquid zu bauen. Jene, die das Whitepaper zu Liquid geschrieben haben, sind mit die Hauptgründer von Blockstream. Entsprechend hat das Unternehmen das Ziel, Liquid voranzutreiben. Persönlich habe ich damit kein Problem. Blockstream ist inzwischen auch so weit gewachsen, dass sie neben Liquid eben Lightning als zweites Skalierungs-Angebot im Portfolio haben.

Ich glaube, Liquid und Lightning lösen unterschiedliche Probleme. In der Hinsicht kann ich die Frage stellen, warum man Liquid in BTCPay-Server integriert hat. Meiner Meinung nach ist Liquid eine probate Lösung, um große Mengen an Bitcoins zwischen unterschiedlichen Börsen oder anderen Custodians weiterzugeben. BTCPay-Server sind eher im Endkunden-Bereich angesiedelt.

Vielleicht an der Stelle ein Gedankenanstoß: Warum führen wir überhaupt diese Diskussion? Im Krypto-Space debattiert man dann über einen Austausch zwischen Matt Corallo und Adam Back, bei denen vielleicht private Gründe bei der Diskussion mitschwingen. Und das ist jetzt nicht einfach auf dieses Gespräch bezogen, es ist ein generelles Problem im Krypto-Space: Viele folgen diesem Klatsch und Tratsch auf Twitter, statt die Zeit dafür zu nutzen, den Bitcoin-Kosmos besser zu verstehen. Was konkret ist ein Private Key? Was ist eine Signatur? Wer hat überhaupt verstanden, dass ein Bitcoin nichts anderes als eine Kette von digitalen Signaturen ist? Schließlich: Was bedeutet das für mich und meinen Umgang mit Bitcoin? Ich denke, wenn sich viel mehr im Space solchen Fragen widmen, wäre auch viel für die Lightning-Adaption gewonnen.

Augenzwinkernd könnte man zusammenfassen: Statt über den Gossip auf Twitter sollte man sich eher mit dem Gossip-Protokoll des Lightning-Netzwerks vertraut machen. Mehr Gossip statt Gossip!

BTC-ECHO: Wir sprachen viel darüber, wo der Schuh drückt. Was gibt es zur Lightning-Adaption deiner Meinung nach Positives zu sagen?

Rene Pickhardt: Ein positives Beispiel ist die Menge an wissenschaftlichen Publikationen über das LightningNetzwerk. Es ist ein bekanntes Phänomen aus der IT-Branche, dass hier häufiger die Industrie der Forschung quasi voraus ist. Programmierer entwickeln eine neue Technologie, die theoretische Einordnung folgt später.

Das ist ein sehr guter und wichtiger Prozess, führt dies schließlich zu Verständnis und dazu, dass sich auch Menschen außerhalb des ursprünglichen Entwicklerklüngels mit der neuen Technologie befassen.

Eine kleine Ironie merkt man dabei auch: Zwar sind viele Bitcoiner mehr oder weniger radikal gegen den Staat eingestellt, jedoch sind die genannten universitären Forschungen dann eben doch staatlich finanziert.

Die akademische Erschließung vom Lightning-Netzwerk ist wichtig, da dies, unabhängig von Lightning oder IT häufig der erste Schritt für eine industrielle Adaption ist.

Eine zweite sehr interessante Sache sind die Residencies von chaincode labs. Bei den Residencies handelt es sich um Bootcamps, die ein bis zwei Wochen dauern und wo Besucher von Lightning-Entwicklern das Handwerk erlernen und sich in der Zeit einem eigenen Projekt um das Lightning-Netzwerk widmen können.

Hier kommen wir aber auch wieder auf das Dilemma um die Industrie-Adaption des Lightning-Netzwerks zu sprechen. Wir haben hier also mehrere hochqualifizierte Developer, die Bitcoins Second-Layer-Lösung ausbauen wollten – und die haben kein Funding bekommen. Die sitzen nun auf dem Trockenen und finden keine Stelle. Und auf der anderen Seite beklagen sich dann Unternehmen, dass das Lightning-Netzwerk zu wenig ausgebaut sei, möchten aber selber keinen Cent investieren bzw. Entwickler einstellen.

BTC-ECHO: Wir sind wieder bei der ursprünglichen Problemstellung gelandet. Was denkst du, kann man machen, um diesen gut ausgebildeten Entwicklern zu helfen? Welche Änderung im Mindset ist notwendig?

Rene Pickhardt: Was können Unternehmen im Space machen? Sich an der IT-Welt jenseits von Kryptowährungen orientieren wäre ein Ansatz. Google bezahlt einige Entwickler in den eigenen Reihen, um am Linux-Kernel mitzuarbeiten. Intel, AMD etc. machen das auch, weil sie wissen, dass ihre Partizipation im Open-Source-Bereich auch den proprietären Unternehmen zugutekommt.

Das Paradoxe ist: Eine derartige Haltung hat sich noch nicht flächendeckend im Bitcoin-Ökosystem etabliert, auch wenn an sich viel mehr Geld im Spiel ist.

Ein konkretes Beispiel: Warum ermöglicht eine Webseite wie Bitcoin.de weder Deposits oder Withdrawals in Lightning? Es wäre für Bitcoin.de, wie weiter oben beschrieben, ein unglaublicher Vorteil. Und es geht mir nicht um einen Vorwurf gegen Bitcoin.de, eher frage ich mich: Von den sicherlich vielen Usern, die dort Bitcoin an- beziehungsweise verkaufen – wieso gibt es anscheinend so wenige, die an einer Implementierung von Lightning interessiert sind? Eine Sache, die jeder einzelne tun könnte, wäre, derartige Wünsche – einer Lightning-basierten Peer-to-Peer-Exchange – zu kommunizieren.

BTC-ECHO: Da sind wir letztlich auch bei deinem zweiten Punkt: Was muss sich beim Mindset ändern? Ein großes Problem innerhalb der Bitcoin-Community ist, dass man eben zwischen Bitcoin und Lightning einen Unterschied macht.

Rene Pickhardt: Ich werde im Sommer eine Schüler-Akademie leiten, bei der das ursprüngliche Thema Lightning war. Inzwischen haben wir aber das Thema geändert. Wir sprechen über Bitcoin. Warum? Weil es dasselbe Thema ist. Lightning ist eine gute Art und Weise, wie man Bitcoin gut verwendet. Es ist keine zweite Sache, es ist keine „Off-Chain-Lösung“ oder ähnliches. Bitcoin und das LightningNetzwerk sind eins.

Lieber Rene, vielen Dank für das Gespräch!

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Rene Pickhardt im Interview: „Lightning wird schon jetzt mehr als viele Altcoins verwendet“

Darüber haben wir uns mit Datenanalyst und Lightning-Experten Rene Pickhardt, der schon öfter bei uns zu Gast war, unterhalten.

BTC-ECHO: Rene, jüngst hast du Brian Armstrong, dem CEO von Coinbase, auf Twitter eine Gretchenfrage zum Lightning-Netzwerk gestellt. Weniger ein „Wie hältst du es mit Lightning“, denn vielmehr nach dem Engagement seitens Coinbase, das Lightning-Netzwerk weiter auszubauen. Du bist bekannt als „Lightning-Advokat“, arbeitest mit an dem Buch Mastering the Lightning Networkund hast jüngst ein Paper zum Second Layer veröffentlicht. Was fehlt deiner Meinung nach dem Lightning-Netzwerk zu einer flächendeckenderen Adaption?

Rene Pickhardt: Die Menge an Menschen, die professionell im Lightning-Netzwerk arbeiten, ist klein. Ja, es existieren nicht wenige Start-ups und unabhängige Developer, die Zeit für die Weiterentwicklung des Lightning-Netzwerks aufbringen, aber außer ein paar Leuchtturm-Projekten fehlt es noch an wirklich professionellen Unternehmen beziehungsweise solchen mit langer Zeit am Markt.

Gleichzeitig sehe ich eine milliardenschwere Industrie, die zweifellos von Bitcoin-Investoren profitiert, aber kein Geld in deren Weiterentwicklung steckt.

Wen meine ich? Ich rede von Börsen oder Custodians wie Coinbase. Haben derartige Unternehmen nicht eher Interesse an neuen KryptoAssets, denn an der Entwicklung von Bitcoins Fundamentals?

BTC-ECHO: Das weist natürlich auf ein Meta-Problem hin: Für den Großteil der Anleger ist Bitcoin wirklich nur ein exotischer, viel Profit versprechender Investment Case und eben nicht (beziehungsweise erst in zweiter Linie) eine neue Form des Geldes. Entsprechend ist für diesen Industriesektor Lightning nicht so wichtig, wie die Anzahl der Altcoins zu erhöhen. Börsen funktionieren akzeptabel genug mit einem Bitcoin ohne Lightning-Netzwerk. Ein signifikanter Teil des Geschäftsmodells von Krypto-Börsen ist eben das Unterstützen und Bewerben von Bitcoin-Alternativen.

Rene Pickhardt: Im Rahmen meiner Arbeit an Mastering the Lightning Network beschäftigte ich mich mit seinen Ursprüngen. Schon im Jahr 2011 schrieb ein pseudonymer Nutzer namens Hashcoin auf bitcointalk über ein System an Multi-Signature-Wallets, mit welchen Nutzer auf Mt.Gox Bitcoins traden können – ohne ihre Gelder Mt.Gox anvertrauen zu müssen. Mit einer sinnvollen Nutzung des Lightning-Netzwerks hätte weder Mt.Gox noch viele andere Börsen die Verantwortung für die Coins übernehmen müssen – sie wären lediglich eine Plattform für die Payment-Hashes gewesen.

BTC-ECHO: Aber das ist bisher leider nicht passiert…

Rene Pickhardt: Sowohl Mt.Gox als auch alle darauffolgenden Börsen sind, trotz des Risikos eines Hacks, trotz der regulatorischen Herausforderungen für Krypto-Verwahrer einen anderen Weg gegangen.

Dazu kommt das Problem, dass die Industrie in weiten Teilen eben nicht daran zu arbeiten scheint, die Nutzerinnen und Nutzer mündig zu machen. Statt ihnen die Technik hinter Bitcoin beizubringen, entwickelt man hübsche Frontends für Wallets.

Schließlich stellt sich die Frage: Warum unterstützen Börsen eher eine neue Fork oder einen neuen Altcoin, als die Technologie von bestehenden Systemen voranzutreiben? Letztlich sicherlich, weil es sich für sie mehr lohnt. Es wird einfacher sein, neue Kryptowährungen in ihr bestehendes Ökosystem zu etablieren, denn auf Lightning oder ähnliches umzusatteln. Ebenso werden Altcoins ihre eigentlichen Geschäftsmodelle deutlich mehr bestärken.

Doch man macht es sich zu einfach, wenn man nun den schwarzen Peter den Börsen zuschiebt. Auch innerhalb der Bitcoin-Szene dreht sich ein Großteil der Gespräche um den Bitcoin-Kurs. Bitcoin wird letzten Endes immer noch in Fiat bewertet. Viele im Space scheinen sich darüber einig zu sein, dass der Wert eines Bitcoins mehreren Eigentumswohnungen entspräche. Wenn dem jedoch der Fall ist: Warum handeln häufig dieselben Nutzer noch mit Bitcoin? Es ist dann halt doch eine reine Spekulation, an die Fundamentals hinter Bitcoin glauben dann viele offensichtlich nicht. Sonst hätte die Preis- beziehungsweise Wertfindung schon längst stattgefunden und wir hätten weniger Volatilität im Markt.

BTC-ECHO: Aber ist nicht das Argument auch umgekehrt denkbar? Wenn die Nutzer nur frei nach „Set and Forget“ die Bitcoins nie nutzen: Kann Bitcoin überhaupt zu seinem erhofften Wert kommen?

Rene Pickhardt: Ich kritisiere auch nicht die wirkliche Nutzung von Bitcoin. Da muss sich durchaus was tun. Immer wenn ich mich mit Leuten über Lightning unterhalte, wird gesagt, dass niemand Lightning nutzen würde. Und sicher: Lightning wird aktuell von wenigen Enthusiasten genutzt. Klar, es ist schön, jetzt zu den Pionieren zu gehören, aber eben: Eine flächendeckende Nutzung ist das noch nicht.

Wer setzt sich eigentlich mit Technologien wie Lightning überhaupt auseinander? Ich würde behaupten, dass Lightning, selbst jetzt, mehr als so ziemlich jeder Altcoin verwendet wird. Klar, sie werden getradet und erhalten so eine Marktbewertung. Klar, man kann sagen, dass Spekulieren selbst ein Use Case ist, aber das wird wohl nicht der einzige Grund für die Entwicklung eines Altcoins sein. Spekulieren kann ich mit jedem Asset.

Was dabei so schade ist: Lightning bietet für Exchanges eine große Chance. Es wäre ihnen möglich, ihr Geschäftsmodell anzupassen und sich weniger Sorge um die Fonds der Nutzerinnen und Nutzer machen zu müssen.

BTC-ECHO: Könntest du darauf genauer eingehen?

Rene Pickhardt: In Lightning könnte man, wie oben angedeutet, lediglich die Pre-Images für Payment-Hashes halten. Börsen hätten die ganzen Kryptoverwahrprobleme nicht mehr, ohne etwas an der User-Experience aufgeben zu müssen. Wenn ich dir Bitcoin verkaufen will, erstellst du ein Invoice, gibst das Pre-Image an die Börse. Wenn ich das Geld erhalten habe, würde die Börse schließlich das Settlement initiieren. Alles Peer-to-Peer, ohne dass große Gelder gelagert werden müssten. Die Börse würde zum „Trust Provider“ werden, ohne dass wir ihr vertrauen müssten. Aber das scheint niemand zu wollen. Schade ist das…

Ein damit zusammenhängendes Problem, welches ich aus eigener Erfahrung kenne: Ich wollte mittels eines Fundraiser für Lightning Education Geld sammeln. Ich weiß nicht, ob man diesen Fundraiser als Erfolg sehen kann, viel kam nicht zustande. Zwar haben mich knapp 400 Menschen, denen ich sehr dankbar bin, mit Spenden unterstützt. Doch von Mt.Gox schreibt sich – zumindest aktuell – noch kein Buch und zahlen sich auch nicht meine Rechnungen. Alle Leute sagen, dass sich mehr für Education im Space tun müsste, aber zahlen möchten die wenigsten dafür. Das gilt nicht nur für Einzelne, sondern mehr noch für die großen Player in der Industrie.

Im zweiten Teil werden wir das Gespräch über Industrie-Adaption des Lightning-Netzwerks fortsetzen. 

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Listicle: 5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest

1. Lightning Duel

„Dieses Protokoll ist nicht groß genug für uns beide.“ So oder so ähnlich dürfte der Arbeitstitel für Lightning Duel gelautet haben. Denn wie der Name schon andeutet, verschlägt uns das Satoshi Minigame in den wilden Westen. Das Spiel wirbt mit einer nachweislich fairen Chance von 48 Prozent, das Mexican Standoff für sich zu entscheiden und die gewetteten Satoshi zu verdoppeln.

2. Thunder Sats

Rien ne va plus: Eine weitere Möglichkeit, hart verdiente Satoshi zu verzocken, bietet Thunder Sats. Die Roulette-Simulation akzeptiert nur Wetten in harter Währung, nämlich BTC. Mindesteinsatz sind 100 Satoshi und dann alles auf schwarz!

3. Unlock

Wer eine Handvoll Satoshi auf der hohen Kante hat, kann ferner bei Unlock sein Glück versuchen. Ziel des Spiels ist es, die richtigen Schlösser anzuklicken und dabei jeweils den Gewinn von 50 Satoshi zu verdoppeln. Aber Obacht: Wer zu häufig daneben klickt, verliert alles.

4. Where is Nakamoto?

Solange die sagenumwobenen Hintergründe des Bitcoin-Vaters weiterhin ungeklärt sind, dürfte die Folklore um Satoshi Nakamoto nicht abreißen. Where is Nakamoto? schließt sich an die Suche nach dem Autor des Bitcoin White Papers an und macht daraus ein Minigame.

Wer mit etwas Glück das richtige Feld erwischt, wird reich belohnt. Den Hauptgewinn, Satoshi Nakamoto höchstselbst, gibt es in dem 16-mal-16 messenden Feld allerdings nur einmal. Dafür winken dem Heber des Schatzes ganze 18.000 Satoshi.

5. RGB Slot

Das Spielprinzip von RGB Slot ist denkbar einfach: Satoshi deponieren, Wette machen und auf das Beste hoffen. Denn wenn der Spieler die richtige Farbkombination erzielt, winken Gewinne. Je unwahrscheinlicher das Ergebnis, desto höher die Mitnahme – logisch. Wer früh genug den Absprung schafft, hat eine faire Chance, mit mehr Satoshi nach Hause zu gehen als eingesetzt wurden.

Wie im echten Casino gilt allerdings auch beim Bitcoin-Pendant: Am Ende gewinnt immer die Bank. Als kleine Spielerei sind die Angebote nett. Beweisen sie doch, dass sich kleine Anwendungen im Handumdrehen auf Lightning aufbauen lassen. Nutzer sollten sich allerdings nicht verführen lassen, größere Summen zu verwetten.

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My Two Sats: Bitfinex implementiert Lightning – Was das für Bitcoin bedeutet

Ein kleiner Schritt für Bitfinex, ein – nein, lassen wir das. „Wir freuen uns ankündigen zu können, dass Bitfinex seine Unterstützung für das Lightning-Netzwerk [LN] gestartet hat“, schreibt ausgerechnet die Börse, die mit windigen Klüngeleien immer wieder Schlagzeilen gemacht hat. Wie BTC-ECHO berichtet hatte, steht aktuell der Vorwurf der Marktmanipulation im Raum – nebst Verdacht auf Veruntreuung von 850 Millionen US-Dollar.

Doch das Unternehmen, das auch Tether nahesteht, mimt Normalität und schreibt dieser Tage ausnahmsweise positive News. Denn ab sofort können Händler ihre Trading-Konten bei Bitfinex mittels Lightning-Zahlungen mit Satoshis aufladen. Damit ist die New Yorker Bitcoin-Börse die erste Exchange, die sich das Second-Layer-Netzwerk zunutze macht.

Bitcoin ist als Alternative zu herkömmlichen Finanztransaktionen angetreten; vielen erschien es entsprechend unpraktisch, dass sich First-Layer-Transaktionen nicht instantan haben durchführen lassen. Wer noch Erinnerungen an den zurückliegenden Bull Run hat, weiß um die Probleme schnellen „Auscashens“ von BTC-Vermögen. Lightning könnte Abhilfe schaffen. Allerdings gilt das Netzwerk noch immer als fehleranfällig und Benutzerfreundlichkeit sieht auch anders aus.

Mit wachsender Adaption hat Lightning indes gute Chancen, sich zu etablieren. Genau dafür braucht es Unternehmen, die mutigen Schrittes die Fahne für Second Layer Payments hochhalten.

Das Bitfinex-Geschmäckle einmal außer Acht gelassen: Börsen, die Lightning unterstützen, erweisen dem Netzwerk einen großen Dienst. Schließlich dürfte damit die chronisch geringe Satoshi-Liquidität im Netzwerk ansteigen und auch der Preisfindungsmechanismus gewinnt an Effizienz: Trader können auf Bitfinex ab sofort in Echtzeit BTC handeln. Folgen in Zukunft andere Börsen, ist Arbitrage kaum noch möglich. Der Inbegriff eines effizienten Markts.

Für eine Handvoll Sats

Man dürfe es nur nicht übertreiben, so Ardoino sinngemäß gegenüber dem Bitcoin Magazin. Denn Lightning sei zwar robuster als noch vor einem Jahr, ganz ohne Risiko sind LN-Transaktionen jedoch auch heute noch nicht.

Wenn wir nicht ein wenig mehr Risiko eingehen, werden wir nicht mit der Innovation in unserer Branche Schritt halten können. Bitfinex wird seinen Teil dazu beitragen,

meint Bitfinex CTO Paolo Ardoino.

Die Risiken, von denen der Bitfinex CTO spricht, sind handfester, monetärer Natur. Schließlich kommt es innerhalb des LN immer wieder zu Coin-Verlusten. Jüngst war sogar die Rede von vier BTC, die einem prominenten Lightning-Fan in den Tiefen der Channels abhanden gekommen sind.

Und so sehen sich sowohl Trader als auch Börsen einer Zwickmühle entgegen: Will man zu den Early Adopters gehören und ist man bereit, das Risiko zu tragen, oder wartet man an der Seitenlinie, bis das Netzwerk an Robustheit gewonnen hat?

Bitfinex hat seine Entscheidung getroffen. Satoshi-Verluste von ein paar Tausend US-Dollar könne man schon verkraften, so der Chefentwickler. Trader könnten die bestehenden Risiken jedoch abschrecken; zumal der eingesetzte Lightning Client LND von Lightning Labs Transaktionen über 0,04 BTC per default verbietet. Um große Summen um den Erdball zu schicken, eignet sich die LN-Implementierung von Bitfinex also ohnehin noch nicht.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist es ein mutiger Schritt, Lightning in das Börsen-Ökosystem zu integrieren. Bitfinex wird sich das für immer auf die Fahne schreiben können. Ausgerechnet Bitfinex.

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Mit RGB zu Bitcoin-basierter Tokenisierung – Im Gespräch mit Giacomo Zucco (Teil 1)

Dieses Interview ist in zwei Teilen organisiert. Im ersten Teil lassen wir die Lightning Conference etwas Revue passieren und diskutieren über das RGB-Protokoll.

BTC-ECHO: Vom 19. bis zum 20. Oktober fand die Lightning Conference statt, auf der du gemeinsam mit Dr. Maxim Orlowsky einen Vortrag gehalten hast. Die Lightning Conference war eine von Fulmo organisierte Veranstaltung, bei der die weltweite Lightning Community zusammenkam. Als jemand, der recht regelmäßig auf Bitcoin-Konferenzen ist, wie war dein Eindruck von diesem Event?

Giacomo Zucco: Es war eine tolle Konferenz! Die Leute von Fulmo haben da wirklich etwas Großartiges geschaffen. Wie vor einigen Monaten schon auf dem Lightning Hackday betont, fangen die von Fulmo organisierten Events etwas von der Aufbruchsstimmung ein, die ich 2013/2014 auf den damaligen Bitcoin-Konferenzen sah. Das Vorhaben Bitcoin steckte noch in den Kinderschuhen, entsprechend experimentierten, diskutierten und phantasierten die Besucher derartiger Konferenzen.

Diese Geisteshaltung findet man bei Diskussionen über den Base Layer Bitcoins nur noch wenig. Dafür gibt es gute Gründe, das Bitcoin-Protokoll muss in erster Linie sicher und stabil sein. Dennoch vermisst man diese #reckless-Haltung aus alten Tagen.

Das Lightning-Netzwerk jedoch bietet gerade für diesen Pioniergeist einen Boden. Das merkt man auch bei den Events von Fulmo. Dort finden sich nicht einfach passiv interessierte Leute zusammen, sondern Maker, die Kreatives, Neues und Verrücktes entwickeln. Diese Entwickler, die häufig normale Menschen aus der Community sind, treffen auf derartigen Konferenzen auf die Main Developer hinter dem Lightning-Netzwerk. So wird garantiert, dass all diese Individualisten an einem Strang ziehen oder sich zumindest austauschen und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.

BTC-ECHO: Du bist eine der Personen hinter dem RGB-Protokoll. Kannst du kurz erklären, was das RGB-Protokoll ist?

Giacomo Zucco: Das RGB-Protokoll gehört zu einer Reihe an Bitcoin-bezogenen Projekten, die ich seit meiner Zeit als CEO bei Blockchainlabit unterstütze. Zu diesen Projekten gehören auch OpenTimestamps, ProofMarshal oder der erste Versuch mit Bolt. RGB selbst hat das Ziel, ein guter Standard für tokenisierte Assets auf Bitcoin-Basis zu sein. Die Idee ist nicht neu, Dinge wie Colored Coins, Counterparty oder Omni hatten auch dieses Ziel, zeigten aber verschiedene Probleme auf. Zwar existiert mit Blockstreams Liquid Sidechain ein insgesamt interessanter Ansatz, jedoch ist dieser auf spezifische permissioned Blockchains zugeschnitten.

RGB wählt einen anderen Weg. Das Protokoll basiert auf dem Gedanken der Client Side Validation. Hier wird die Timechain Bitcoins nur dazu genutzt, um Verweise zu externen Daten zu speichern. So wird kein Platz in den Blöcken verschwendet. Die externen Daten werden von lokalen Clients in einem Peer-to-Peer-Netzwerk verarbeitet, überprüft und gespeichert. Über das Lightning-Netzwerk sollen Probleme gelöst werden, die bei einer Client-Side-Validierung auftreten. Die Nutzung des Lightning-Netzwerks ermöglicht auch eine höhere Skalierbarkeit und Privatsphäre für diese tokenisierten Assets.

BTC-ECHO: Im Vortrag fällt häufiger der Begriff LNP/BP. Kannst Du diesen auch den Lesern erklären?

Giacomo Zucco: Viele Bitcoiner sprechen von LNP/BP und nutzen diese Abkürzung als Beschreibung für den aus verschiedenen Ebenen bestehenden Technology Stack Bitcoins. Der Begriff ist in Anlehnung an TCP/IP, dem Base Layer des Internets, entstanden. BP steht für das Bitcoin-Protokoll, also den Basis-Layer. LNP steht für das Lightning Network Protocol, also dem wichtigsten Vertreter von auf Bitcoin aufbauenden Off-Chain-Lösungen. Neben dem Lightning-Netzwerk gibt es zwar auch andere interessante Off-Chain-Erweiterungen von Bitcoins Base Layer (Side Chains und State Chains fallen hier ein), aber auch hier kann man eine Analogie zu TCP/IP spannen: TCP ist nur eine der Erweiterungen des klassischen IP. Die Abkürzung LNP/BP steht schließlich noch im RGB-Kontext für eine wichtige Vision um Bitcoin: Wie auf dem TCP/IP das moderne Internet mit Protokollen wie HTTP aufbaut, wird es auch LNP/BP-Lösungen wie RGB geben.

BTC-ECHO: Du hast vorher schon angesprochen, dass man das RGB-Protokoll als weiteren Layer jenseits vom Layer 2 ansehen kann. Was kann man sich unter diesen weiteren Layern vorstellen?

Giacomo Zucco: Es gibt viele Beispiele für Layer-3-Lösungen. Das RGB-Protokoll ist dafür nur ein Beispiel. Es nutzt das LNP zum Versenden und Speichern von Off-Chain-Daten und Payment Channels zur Absicherung der auf RG aufbauenden Assets. Auf dem Lightning Network Protocol sind jedoch auch andere Anwendungsfälle denkbar. Dezentrale, verschlüsselte Messanging-Services sind ein Anwendungsfall, der in den Projekten „Whatsat“ und „Sphinx.app“ verfolgt wird. Das Storm Protocol, welches Maxim auch auf der Lightning Conference ansprach, hat ein dezentrales Datenspeicher- und -austauschsystem als Ziel. Man könnte sogar über Dinge wie dezentrales Computing nachdenken. Hier stoppe ich jedoch, bevor ich wie ein Ethereum-Fan klinge.

BTC-ECHO: Dr. Maxim Orlowsky sprach diesen Layer 3 auch auf seinem Talk auf der Lightning Conference an. Seiner Meinung nach sei ein Problem am aktuellen Lightning Network, dass sein Design aktuell nicht auf weitere Layer optimiert ist. Was fehlt denn konkret dem Lightning Network?

Giacomo Zucco: Es stimmt, das Lightning Network Protocol ist nicht für die Verwaltung von darauf aufbauenden Meta-Layern designt. Prinzipiell ist das gut, das Lightning Network hat in erster Linie die Aufgabe, die Privatsphäre und die Skalierbarkeit Bitcoins zu erhöhen. Was jedoch für Erweiterungen wie Genannten fehlt ist letztlich eine Art Stabilität des Lightning Network Protokolls. Aktuell ändern sich die Spezifikationen ständig. Einige Teile des Protokolls sind zu wenig definiert, andere Definitionen innerhalb des Lightning Networks weisen Redundanzen auf. Das führt innerhalb des Protokolls zu Widersprüchen. Für den Layer 3 heißt das, dass es bisher keinen Königsweg gibt, wie derartige Erweiterungen implementiert sein sollten.

Ein zweites Problem ist, dass die drei Lightning-Implementationen recht unflexibel bezüglich Erweiterungen sind. Die Arbeit am RGB-Protokoll zeigt auf, wo der Schuh drückt und erfüllt damit für die weitere Entwicklung des LNP/BP meiner Meinung nach einen wichtigen Zweck.

Was ist also zu tun? Das Lightning Network hatte einen sehr guten Start und funktioniert prinzipiell. Bezüglich der Standards, der Verbesserung der Privatsphäre und der Routing Interoperabilität oder auch neuer Features gibt es noch viel zu tun. Watchtowers, AMP-Transaktionen, Trampoline Nodes, Eltoo – die Liste an Verbesserungen, an denen Entwickler arbeiten, ist lang.

Im zweiten Teil des Interviews werden wir über Maximalismus und Tokenisierung sprechen.

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