Beiträge

Sri Lanka: Zentralbank will gemeinsame KYC-Prüfung im Finanzsektor

Die Central Bank of Sri Lanka (CBSL) hat IT-Unternehmen aufgerufen, Konzepte für eine gemeinsame Blockchain-Plattform zur vorgeschriebenen Identitätsprüfung von Kunden zu entwickeln („Know-Your-Customer“, KYC).

Wie alle Blockchain-Entwicklungen in Sri Lanka soll auch dieser Proof of Concept (PoC) auf freiwilliger Basis erfolgen. Firmen sollen ihre Expertise bei der Blockchain-Entwicklung demonstrieren können und entsprechend gewürdigt werden, wie die CBSL in ihrem Aufruf angibt.

Die vorgeschriebene KYC-Prüfung über Blockchain solle dabei nur einmal erfolgen und dann die gesammelten Informationen mit Banken teilen. Die CBSL hofft dadurch einerseits, Identitätsprüfungen effizienter zu machen. Andererseits sollen mehr Menschen Zugang zum Finanzsystem erhalten. Im besten Fall sollte dann also ein Knopfdruck für die Identitätsfeststellung von Neukundinnen und Neukunden genügen.

Wird Sri Lanka Vorreiter bei KYC-Prüfung?

Um Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu verhindern, müssen bislang alle Kreditinstitute die persönlichen Daten und Geschäftsdaten von Neukunden selbst prüfen. Ob eine einmalige gemeinsame Prüfung für die Finanzbranche diesen Anforderungen entspricht, ist noch völlig unklar. Wer haftet, wenn sich eine Bank auf eine gemeinsame Identitätsprüfung verlässt, aber trotz aller Sorgfalt doch ein Betrugsfall vorliegt? Was passiert, wenn gleich mehrere Banken eine gefälschte Identität ohne eigene Prüfung akzeptieren und sich dadurch vielleicht Terroristen finanzieren?

Unabhängig von den technischen Herausforderungen wäre ein gemeinsamer KYC wegen möglicher Betrugsfälle in vielen Ländern derzeit rechtlich nicht zulässig. Sri Lanka will da offensichtlich Vorreiter werden.

Langfristig werden sich gemeinsame KYC-Prozesse aus Kostengründen im Finanzsektor sicher durchsetzen, gibt sich der internationale Wirtschaftsberatungsspezialist Deloite in einem Thesenpapier überzeugt.

Welche Technologie dafür aber wirklich geeignet ist, stehe noch in den Sternen. Alle Papiere zur Identitätsfeststellung an einem zentralen Ort zu speichern, erscheint aus Datenschutzgründen eher ungeeignet. Dezentrale Modelle, in denen die Nutzer selbst darüber entscheiden können, wem sie welche Informationen preisgeben wollen, erfüllen nicht die erhöhten Anforderungen an Identitätsprüfungen bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismus.

Sri Lanka kann allerdings auch schon erfolgreiche Blockchain-Entwicklungen vorweisen, etwa beim Angebot von Mikroversicherungen für seine Reisbauern.

Mehr zum Thema:

auf btc-echo lesen

Oxfam testet erfolgreich Mikroversicherung auf Blockchain-Basis für Reisbauern

Seit Anfang des Jahres 2019 läuft ein  entssprechendes Projekt mit 200 Landwirten in Sri Lanka. Die Reisbauern konnten dabei eine blockchainbasierte Mikroversicherung testen. Diese sollte sie im Falle von extremen Witterungsbedingungen und damit verbundenen Ernteausfällen versichern. Bereits in der ersten Phase hat sich das System bereits für die Landwirte ausgezahlt. Angeführt wird das Projekt von Oxfam, dem Tech-Unternehmen Etherisc und dem Versicherungskonzern Aon Plc. Nun suchen die Beteiligten nach einer neuen Lösung, denn in der nächsten Projektphase steht die Erntesaison an. Dies könnte noch einmal ganz andere Herausforderungen mit sich bringen.

Die Mikroversicherungen scheinen ihre Aufgabe zu erfüllen

In einer Pressemitteilung von Etherisc kommt Michiel Berende, Chief Inclusive Officer bei Etherisc, zu Wort:

Wir sind stolz darauf, mit einer Blockchain-Lösung für Mikroversicherungen einen echten Erfolg vor Ort zu haben. Wir sind begeistert von den Ergebnissen der ersten Phase und freuen uns, weitere Landwirte anzutreiben und ihnen zu helfen.

Entstanden ist die Idee der blockchainbasierten Mikroversicherungen im Rahmen eines OiSL-Inklusivversicherungsprojekts. OiSL (Oxam in Sri Lanka) setzt sich schon viele Jahre mit großem Engagement für die lokale Bauerngemeinschaft ein. Um die Landwirte vor Ort zu stärken, hat OiSL zusammen mit Aon und Etherisc das neue Projekt gestartet. Dabei bringt Aon fundiertes Wissen im Bereich der Rückversicherung mit. Etherisc ist bei den Mikroversicherungen für die Blockchain-Lösung verantwortlich. Zusätzlich hilft Sanasa Insurance mit lokalem Fachwissen, Netzwerken und tatkräftiger Unterstützung.

Der Klimawandel und die fehlenden finanziellen Ressourcen

Die steigenden Temperaturen machen es den Bauern in Sri Lanka schwer, langfristig erfolgreich zu wirtschaften. Erschwingliche Versicherungen in diesem Bereich sind bisher Mangelware. Auch fehlte vielen potentiellen Versicherungsnehmern grundlegendes Wissen darüber, wie eine solche Versicherung überhaupt funktionieren könnte. Das hat sich nun mit den Mikroversicherungen von Oxfam geändert. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

Diese neue Blockchain-Technologie spricht diese Probleme direkt an, da der Versicherungsprozess die Automatisierung umfasst. Dies kann den Schadenprozess transformieren und vereinfachen, sodass ein Landwirt keinen Schaden geltend machen muss und gleichzeitig der Versicherer keinen Schadenregulierer ins Feld schicken muss. Darüber hinaus werden durch diesen Vorgang die Verwaltungskosten gesenkt und anschließend ein höherer Prozentsatz der Prämien für die Schadenszahlung und die sofortige, voll vertrauenswürdige Auszahlung verwendet.

Noch gibt es allerdings einige Bereiche, die die Initiative verbessern möchte. Da wäre zum einen der fehlende Internetzugang der Bauern in manchen Regionen. Auch möchten die Verantwortlichen in der Zukunft die Daten von Wetterstationen, automatisch bereitgestellt, miteinbeziehen. Zudem gilt es, das Problem zu lösen, dass die Landwirte vorrangig mit Bargeld oder Schecks bezahlen. Automatisierte Auszahlungen sind entsprechend noch ein Knackpunkt.

Mehr zum Thema:

auf btc-echo lesen

Mit Blockchain gegen Ernteausfälle: Oxfam-Kooperation versichert Sri Lankas Bauern

Während sich hierzulande dieser Tage die Hitzerekorde stapeln, sind die Folgen des Klimawandels im globalen Süden am stärksten zu spüren. Eines der am härtesten getroffenen Länder ist Sri Lanka. Hier gehen den Bauern aufgrund plötzlicher Sturzfluten und anhaltender Dürre jedes Jahr große Teile ihrer Reis-, Tee- und Kaffeeernte verloren. Versicherungen, wie sie für Landwirte in unseren Breitengraden selbstverständlich sind, haben jedoch die wenigsten Ceylon-Bauern abgeschlossen. Ungedeckte Ernteausfälle sind an der Tagesordnung.

Das Start-up Etherisc will dies ändern. Gemeinsam mit dem Versicherer Aon und der weltweit aktiven Hilfsorganisation Oxfam verkünden die Schweizer an diesem Montag, den 2. Juli den Start einer Plattform für Mikroversicherungen. Wie es in einer entsprechenden Pressemitteilung heißt, soll deren Schlüssel zum Erfolg Blockchain-Technologie sein.

Blockchain wickelt Versicherungsfälle automatisch ab

Während das Versicherungswesen gerade im Bereich der Landwirtschaft lange Zeit mit großen Hürden für Sri Lankas Kleinbauern verbunden und etwa bezahlbare Versicherungen lange spärlich gesät waren, soll die neue Plattform Angebot und Abwicklung günstiger gestalten.

Indem die Bauern Felder und Anbaukulturen auf der Plattform eigens registrieren, soll die neue Plattform künftig Schadensfälle automatisch abwickeln. Dazu holt die Software im Fall von Wetterevents Informationen von offiziellen Metrologiebehörden selbstständig ein. Somit will man nicht nur Verwaltungskosten herunterschrauben, sondern zudem Auszahlungsprozedere vertrauenswürdiger gestalten.

Landwirte stellen ein Drittel der Erwerbsbevölkerung und machen fast 20 Prozent der Wirtschaft aus, aber nur sehr wenige sind versichert. Dies machte Sri Lanka zu einem perfekten Kandidaten, um die Vorteile einer dezentralen, gemeinschaftlichen und automatisierten Versicherung zu zeigen. Diese Partnerschaft ist wirklich eine Kooperation zwischen allen und zeigt [das Potential der] Blockchain für das soziale Wohl,

gibt sich Michiel Berende von Etherisc von der Breitenwirkung des gemeinsamen Projektes überzeugt, für das sich derzeit rund 200 Bauern angemeldet haben. Dem stimmt auch Oxfam-Landesdirektor Bojan Kolundzija zu. Er nennt die Initiative einen „wichtigen Meilenstein“ für die Wirtschaft des Landes.

Mit dem Erfolgreichen Startschuss hofft man nun, dass immer mehr Landwirte auf das Angebot aufmerksam werden.

Aufgepasst: Der Kryptokompass ist das erste digitale Magazin für digitale Währungen und Blockchain-Assets. Er liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen, spannende Insights und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Nur jetzt und nur solange der Vorrat reicht: Im Monatsabo inkl. GRATIS Bitcoin Whitepaper (Deutsche Fassung gedruckt)

Mehr zum Thema:

auf btc-echo lesen