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Blockchain wird 2025 35 Mrd. US-Dollar Anteil an der Energiebranche ausmachen

Laut einer neuen Studie der Marktforscher von Premium Market Insights (PMI), wird das globale Investitionsvolumen für die Anwendung von Blockchain im Energiesektor bis 2025 auf 34,7 Mrd. US-Dollar ansteigen. Ausgehend von einem Wert von 156,5 Mio. US-Dollar für diesen Anwendungsbereich im Jahr 2016 prognostiziert die Studie eine zukünftige Wachstumsrate von 82 % pro Jahr.

Die Prognose von 35 Mrd. US-Dollar scheint hochgegriffen, ist angesichts des Volumens von 1,85 Bio. US-Dollar im gesamten Energiesektor jedoch relativ gering. Einige Unternehmen, die die Blockchain-Technologie für diesen Anwendungsbereich bereits einsetzen, sind namhafte Player wie Accenture, AWS, Bigchaindb, Deloitte, IBM, Infosys, Microsoft, Nodalblock, Oracle, SAP, Enosi und Electron. 

Die hauptsächlichen Einsatzgebiete für die Blockchain-Technologie im Energiesektor sind Datenverwaltung, die Überwachung von Finanzströmen und die Abwicklung von Interaktionen. Laut Studie wird als treibende Kraft für die Adoption von Blockchain steigender Kostendruck wirken. Durch die daraus entstehende, zunehmende Automatisierung kann die Blockchain eine wichtige Rolle bei Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit von Daten spielen.

Allerdings könnte die prognostizierte Wachstumsrate durch die momentane Corona-Krise etwas aus den Fugen geraten, da sich die Pandemie auch auf die Energiebranche stark ausgewirkt hat.

Blockchain im Energiesektor

Unternehmen finden immer mehr Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie im Energiesektor. So ist die Firma Power Ledger zuletzt eine Partnerschaft mit dem Ökostromanbieter ekWateur eingegangen, um knapp 250.000 Franzosen mit grünem Strom zu versorgen.

VeChain hat wiederum angekündigt, im Rahmen der bestehenden Kooperation mit Shanghai Gas eine „Energy-as-a-Service“ Blockchain-Plattform zu entwickeln.

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Österreich: Stromnetzbetreiber APG will Blockchain für Netzregelung nutzen

Der österreichische Stromnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) und die Schweizer Energy Web Foundation (EWF) führen gemeinsam einen Machbarkeitsnachweis für die dezentrale Stromnetzregelung per Blockchain-Technologie durch. Dies gab APG am 24. Januar per Pressemitteilung bekannt.

Blockchain soll Österreichs Stromnetze optimieren

Die Partner wollen testen, wie “kleine und dezentrale Flexibilitätsressourcen” an der Leistungs-Frequenzregelung des österreichischen Stromnetzes beteiligt werden können. Der von APG als “Flex-Hub”-Konzept bezeichnete Testaufbau nutzt das Energy Web Decentralized Operating System (EW-DOS) der EWF. Dabei sollen “Anlagenqualifikation und -registrierung, Gebotsmanagement, und Abrechnungsfunktionen für dezentrale Flexibilitäten unter einem Schirm” zusammengeführt werden.

Dahinter steckt, wie Gerhard Christiner von APG-Vorstand erläutert, die künftig immer wichtiger werdende dezentrale Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien:

“Die Mission-2030-Ziele, bis zum Jahr 2030 bilanziell 100 Prozent erneuerbaren Strom in Österreich zu haben, sind durchaus zu schaffen, wenn man es wirklich will! […] Zu diesem Zweck müssen wir die technischen Konzepte für einen „Flex-Hub“ entwickeln, welcher diese Potenziale für alle Marktakteure zugänglich macht, während die Netzrestriktionen auf allen Ebenen berücksichtigt werden.”

Einbindung kleinerer Verbraucher und Erzeuger

APG bezeichnet das EW-DOS der EWF als effizienten und kostengünstigen Weg, um kleinere Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen “für den Markt zu qualifizieren, deren Teilnahme an Netzregelungsprozess zu managen, sowie deren Abrechnung einfach durchzuführen.”

Im Gegensatz zu herkömmlichen zentralen IoT Cloud-Plattformen, ermögliche der EW-DOS-Ansatz den Nutzern, ihre Anlagen direkt zu registrieren.

Neben der Energy Web Foundation arbeiten auch andere Akteure aus dem Energiesektor an Blockchain-Lösungen für den dezentralen Stromhandel, so etwa das deutsche Startup Stromdao. Dass sich Blockchain-Technologie im Energiesektor schon heute gewinnbringend einsetzen lässt, hat eine im Februar 2019 vorgelegte Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) bereits umfassend herausgearbeitet.

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Norddeutsche EnergieWende 4.0: Blockchain-Energieplattform besteht Praxistests

Das Verbundprojekt Norddeutsche EnergieWende 4.0 (NEW 4.0) hat unter Beteiligung mehrerer Industrieunternehmen und Stromproduzenten eine Blockchain-Handelsplattform für erneuerbare Energie getestet. Dies meldete die für die Entwicklung der Blockchain-Plattform mitverantwortliche Ponton GmbH am 21. Januar.

Blockchain-Stromhandel mit Großabnehmern

Unter Realbedingungen seien verschiedene Anwendungsfälle erfolgreich getestet worden, wie “kurzfristige, auf individuellen Lieferintervallen basierende Flexibilitätsgeschäfte zwischen industriellen Großabnehmern wie TRIMET Aluminium SE, ArcelorMittal Hamburg GmbH und Aurubis AG”. Zur Bedeutung dieser Tests mit Großunternehmen schreibt Ponton:

“Diese Produzenten benötigen große Mengen an Energie für ihre Produktionsprozesse und bieten gelegentlich überschüssige Energie an, die sie kurzfristig verkaufen können. Die neue Energiehandelsplattform NEW 4.0 ermöglicht die Monetarisierung der Flexibilität durch den Verkauf von Strom an Verbraucher, die einen unerwarteten Bedarf an zusätzlicher Energie haben. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung von regionalen Flexibilitäten, die in industriellen Prozessen schlummern.”

Der über die Blockchain-Plattform gehandelte Strom für den Test wurde von mehreren Partnern bereitgestellt. Die Stadtwerke Norderstedt lieferten grünen Überschussstrom aus Windkraftanlagen an ihre Einzelhandelskunden und die Stadtwerke Flensburg stellte Strom aus einem Heizkraftwerk bereit.

Die von Ponton mit entwickelte Energieplattform nutzt nach Aussage des Unternehmens Pontons WRMHL Blockchain Framework, welches auf der Konsensus-Engine Tendermint Core basiert.

Weitere Pilottests für Stromhandel auf der Blockchain

Stromhandel per Blockchain wird bereits von mehreren Projekten getestet. Der Energieversorger Wien Energie testet in der österreichischen Hauptstadt bereits seit dem Sommer mit 100 Anwohnern den dezentralen Handel von selbst erzeugtem Solarstrom per Blockchain. In Deutschland führen die Stadtwerke von Tübingen und Eberbach Pilottests mit einem durch das Startup Stromdao bereitgestellten System durch. In einem in der österreichischen Steiermark können lokale Energiegemeinschaften in einem Praxistest den eigenen Solarstrom über ein Blockchain-System untereinander handeln.

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Chinesische Behörden beschlagnahmen knapp 7.000 Mining-Geräte

Die chinesischen Behörden haben knapp 7.000 Mining-Geräte beschlagnahmt, die illegale Stromnutzung betrieben haben sollen.

Die Beschlagnahmung geschah im Rahmen einer Prüfung von mehr als 70.000 Haushalten, 3.061 Einzelhändlern, 1.470 Gemeinden sowie Fabriken, Dörfern und Minen im Distrikt Kaiping, der wiederum der Stadt Tangshan angehört. Die Untersuchungen wurden von der Polizei Tangshan in Zusammenarbeit mit dem Energieministerium und anderen betroffenen Aufsichtsbehörden durchgeführt, um den illegalen Verbrauch von Strom zu bekämpfen.

Die Untersuchung wurde bereits im vergangenen April eingeleitet, wobei nun insgesamt 6.890 Mining-Geräte und 52 Starkstrom-Transformatoren sichergestellt wurden. Laut Angaben der Polizei hatten die Krypto-Miner unberechtigt Strom aus einem nahegelegenen Dorf geklaut. Mining-Geräte sollen Rund-um-die-Uhr betrieben worden sein, weshalb sie bis zu das 40-Fache eines durchschnittlichen Haushaltes verbraucht haben.

Behörden kämpfen zunehmend gegen Krypto-Mining

China ist für knapp 66% der weltweiten Mining-Power, besser bekannt als Hashrate, verantwortlich. Im Zuge dessen ist die illegale Nutzung von Strom für Krypto-Mining zu einem echten Problem geworden, gegen das die heimischen Behörden verstärkt vorgehen. So haben zum Beispiel die Aufsichtsbehörden der chinesischen Provinz Innere Mongolei im November Untersuchungen gegen Mining-Unternehmen eingeleitet.

Auch in anderen Ländern ist die illegale Stromnutzung durch Krypto-Miner zunehmend ein Thema. So hat Abchasien zum Beispiel einen verstärkten Bedarf in seinen Stromnetzen festgestellt, der wohl größtenteils durch Mining-Farmen entstanden ist, die sich illegal ans Netz anschließen.

Die iranischen Behörden haben derweil eine Belohnung für die Offenlegung illegaler Krypto-Miner ausgesprochen. Da das Land seine Stromnutzung subventioniert, ist das Mining hier umso lukrativer. Um dem entgegenzuwirken versprechen die Behörden eine Belohnung in Höhen von bis zu 20% des entstandenen Schadens für Informationen über illegale Stromnutzung zum Zwecke des Minings.

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Blockchain-Ökostrom: Richard Lohwasser im Interview: „Die Branche ist eine der rückständigsten“

Wir haben im Jahr 2019 unzählige interessante Interviews geführt, die es wert sind, wiederholt veröffentlicht zu werden. So ist das folgende Interview bereits im Oktober 2019 bei BTC-ECHO veröffentlicht worden. 

BTC-ECHO: Was war für euch der Anlass, Lition zu gründen?

Richard Lohwasser: Mein Mitgründer und ich sind zehn Jahre lang in der Energiebranche tätig gewesen. Ich war bei McKinsey, Vattenfall und zuletzt bei ExtraEnergie. Immer wieder haben wir versucht, frischen Wind in unsere Branche zu bringen. Obwohl ich zuletzt sogar Geschäftsführer war, ist es mir nicht gelungen, innovative Konzepte auszuprobieren. Es gab immer ein Nein. Die Branche ist nicht umsonst eine der rückständigsten.

BTC-ECHO: Ihr habt einen Strommarktplatz für ökologisch erzeugten Strom entwickelt, wo kommt da jetzt die Blockchain zum Einsatz?

Richard Lohwasser: Die Blockchain nutzen wir für Peer-to-Peer-Trading. Wenn man mit Bitcoin Geld ohne Bank transferieren kann, warum kann man dann nicht auch Kilowattstunden ohne Versorger transferieren? Direkt zwischen Erzeuger, also dem Kraftwerk auf der einen Seite und Konsument oder Kunde auf der anderen Seite. Das ist die Idee von Lition und genau da setzen wir die Blockchain ein.

BTC-ECHO: Wie dezentral ist die Blockchain-Lösung? Verifizieren die Nodes die Transaktionen?

Richard Lohwasser: In unserer Blockchain-Infrastruktur, einer Sidechain-Lösung auf Ethereum, gibt es keine Super Nodes oder Ähnliches. Es ist ein BFT-Konsensus-Mechanismus, in dem jede Node gleich gewichtet ist und Blocks mit einer Zweidrittelmehrheit geschrieben werden. Also absolut demokratisch und dezentral.

BTC-ECHO: Kann ich dann als Verbraucher auch nachvollziehen, wo der Strom herkommt, ergo Strom-Tracking über die Blockchain durchführen?

Richard Lohwasser: Genau, jeder Erzeuger hat einen öffentlichen Schlüssel, den wir veröffentlichen und den der Erzeuger auch veröffentlicht. Anhand dieses Schlüssels lässt sich mathematisch nachweisen, dass eine Energie-Verkaufstransaktion auch von einem bestimmten Kraftwerk gekommen ist – das gleiche Prinzip wie bei Bitcoins.

BTC-ECHO: Muss ich dann bei euch meine Stromrechnung mit einer Kryptowährung bezahlen?

Richard Lohwasser: Man kann mit Binance Token die Stromrechnung bei uns bezahlen, aber die große Mehrheit nutzt die klassische Lastschrift vom Bankkonto.

BTC-ECHO: Wie kommt dabei für den Kunden eine Ersparnis zustande?

Richard Lohwasser: Der Kunde nutzt uns über unsere Website Lition.de als ganz normalen Energieversorger. Man braucht dafür keine Wallet, alles was wir brauchen, ist die Zählernummer und ein Bankkonto. Mit der Blockchain kommt der Kunde nur in Berührung, wenn er mit ihr in Berührung kommen möchte. Also wenn er eigene Transaktionen signieren möchte, eine eigene Node laufen lassen möchte oder wenn er unsere Lition Token zum Staken verwenden möchte – das ist aber alles optional.

BTC-ECHO: Der Kunde hat also die Möglichkeit, selbst an diesem Strommarktplatz zu verdienen?

Richard Lohwasser: Richtig, unsere Blockchain-Infrastruktur – die Lition.io-Blockchain – nutzt Lition Token als Gas, genau wie bei Ethereum. Als Konsensus-Mechanismus haben wir aber nicht Proof of Work gewählt, sondern nutzen in unserem Mainnet, das letzte Woche gestartet ist, einen Proof-of-Stake-Mechanismus, der deutlich energieschonender ist. Schließlich können wir schlecht einen grünen Energiemarktplatz ausschließlich mit grünen Energieerzeugern anbieten, wenn wir auf der anderen Seite Energiefresser wie Proof of Work Blockchains verwenden.

BTC-ECHO: Der traditionelle Stromkonzern wird damit übergangen?

Richard Lohwasser: Ja, mit Lition macht man aktuell die Leipziger Energiebörse überflüssig. Dieser Mittelsmann wird komplett aus der Gleichung genommen. Wenn sich das Gesetz ändert, kann man mit Peer-to-Peer-Trading auch den Energieerzeuger selbst aus der Gleichung nehmen.

BTC-ECHO: Auf eurer Homepage steht Lition.de sei das Stromsystem der Zukunft. Was meint ihr damit?

Richard Lohwasser: Unser aktuelles Stromsystem wurde 1999, vor zwanzig Jahren, entworfen. Dort kam es zur Trennung von Erzeugung, Vertrieb und Handel. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wir haben inzwischen ein sehr komplexes System, in dem vor allem die Mittelsmänner verdienen. Letztlich braucht man aber nur drei Parteien. Man benötigt einen Erzeuger, der den Strom produziert, man braucht einen Netzbetreiber, der die Stromkabel im Boden hat und man braucht den Kunden. Faktisch wurde aber sehr viel drumherum geschaffen. Es wurden Energieversorger geschaffen, so wie Vattenfall zum Beispiel, die die Stromrechnung erstellen. Es gibt die Trading-Firmen, die Stromgewinne machen. In Summe gibt es fast 1.000 verschiedene Netzbetreiber in Deutschland, die natürlich alle miteinander kommunizieren müssen. Das ist alles ein System, das meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß ist. Es sollte verschlankt werden. Man sollte wegkommen von den staatlichen Monopolen. Und blockchainbasiertes Peer-to-Peer-Energie-Trading ist dafür eine sehr gute Lösung.

BTC-ECHO: Nun fördert ihr mit eurem Blockchain-Marktplatz ökologische Energiewirtschaft. Wo siehst du bei der Blockchain noch andere Ansätze, wie Blockchain ökologisch nachhaltige Energiewirtschaft fördern oder generell dem Klima zuträglich sein kann?

Richard Lohwasser: Ein weiteres Thema, das wir nur indirekt betreiben, sind Herkunftsnachweise. Wenn man bei uns Strom von einem Kraftwerk kauft, weiß man, dass Strom von diesem Kraftwerk ökonomisch gekommen ist. Wir kaufen in genau der Menge Strom von diesem Kraftwerk über die traditionellen Alte-Welt-Kanäle. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre, dass man jegliche Art der CO2-Vermeidung in Blockchains über Echtheitszertifikate darstellen kann.

Mehr zum Thema:

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Power Ledger: Blockchain-Deal in Südaustralien

Das australische Blockchain-Energieunternehmen Power Ledger hat eine Partnerschaft mit einem lokalen Energieversorger geschlossen und will damit seine Technologie in Südaustralien einführen. Die Blockchain-basierte Software von Power Ledger gibt australischen Bügern die Möglichkeit, den Überschuss in ihren Solar- und Batteriespeichern in einem virtuellen Kraftwerk zu sammeln, um ihren Strom besser zu kontrollieren und zu verwalten.

Handelsdeal mit australischem Stromvertrieb Powerclub

Im Rahmen der Partnerschaft will Power Ledger seine Blockchain-basierte Energiehandelsplattform Virtual Power Plant (VPP) in ein Angebot des australischen Stromvertreibers Powerclub integrieren, wie die Firma am 7. November ankündigte.

Wie bei den vorhergehenden Initiativen von Power Ledger soll das neue Projekt den Nutzern Zugang zum Stromgroßhandel bieten und die Energiekosten pro Jahr senken.

Insbesondere können Powerclub-Mitglieder ihre Überschüssigen Solar- und Batteriespeicher in einem VPP sammeln. Ein VPP ist ein Cloud-basiertes dezentrales Kraftwerk, das die Stromerzeugung verbessern und den Handel mit Strom ermöglichen soll. So können Nutzer ihren überschüssigen Solarstrom verkaufen, wenn die Nachfrage oder die Preise steigen, so der Bericht.

Die Technologie von Power Ledger will auf diese Weise die Energiebranche dezentralisieren und demokratisieren.

Die Technologie soll australieschen Bürgern die Möglichkeit geben, ihren Energieverbrauch und die kosten zu kontrollieren. Damit sollen zusätzliche, versteckte Kosten und Gebühren von Stromhändlern vermieden werden, so die Pressemitteilung besagt.

Jemma Green, Mitbegründerin und Vorsitzende von Power Ledger, sagte in einer Erklärung, dass die Zukunft der Stromwirtschaft in der Dezentralisierung und Demokratisierung liege – genau so, wie es auch in der Taxibranche durch Mitfahr-Apps wie Uber und Ola passiert ist. „Man muss kein riesiges Stromunternehmen mehr sein, um Energie für jedermann bereit zu stellen“, so Green.

In der Pressemitteilung erklärte Power Ledger, dass dieser neue Handelsdeal die erste groß angelegte Einführung seiner Energiehandelstechnologie sei. Zuvor hatte Power Ledger im September 2019 in Westaustralien ein Pilotprojekt im Zusammenhang mit dem Energiehandel durchgeführt.

Anfang Oktober kündigte das Unternehmen einen weiteren, Blockchain-basierten Test im Zusammenhang mit dem Energiehandel in der japanischen Region Kanto an. Das sei der zweite Test in dem Land, der bis Dezember 2019 abgeschlossen sein soll.

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„Die Branche ist eine der rückständigsten“ – Richard Lohwasser im Interview zu Blockchain-Ökostrom

BTC-ECHO: Was war für euch der Anlass, Lition zu gründen?

Richard: Mein Mitgründer und ich sind zehn Jahre lang in der Energiebranche tätig gewesen. Ich war bei McKinsey, Vattenfall und zuletzt bei ExtraEnergie. Immer wieder haben wir versucht, frischen Wind in unsere Branche zu bringen. Obwohl ich zuletzt sogar Geschäftsführer war, ist es mir nicht gelungen, innovative Konzepte auszuprobieren. Es gab immer ein Nein. Die Branche ist nicht umsonst eine der rückständigsten.

BTC-ECHO: Ihr habt einen Strommarktplatz für ökologisch erzeugten Strom entwickelt, wo kommt da jetzt die Blockchain zum Einsatz?

Richard: Die Blockchain nutzen wir für Peer-to-Peer-Trading. Wenn man mit Bitcoin Geld ohne Bank transferieren kann, warum kann man dann nicht auch Kilowattstunden ohne Versorger transferieren? Direkt zwischen Erzeuger, also dem Kraftwerk auf der einen Seite, und Konsument oder Kunde auf der anderen Seite. Das ist die Idee von Lition und genau da setzen wir die Blockchain ein.

BTC-ECHO: Wie dezentral ist die Blockchain-Lösung? Verifizieren die Nodes die Transaktionen?

Richard: In unserer Blockchain-Infrastruktur, einer Sidechain-Lösung auf Ethereum, gibt es keine Super Nodes oder ähnliches. Es ist ein BFT-Konsensus-Mechanismus, in der jede Node gleich gewichtet ist und Blocks mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit geschrieben werden. Also absolut demokratisch und dezentral.

BTC-ECHO: Kann ich dann als Verbraucher auch nachvollziehen, wo der Strom herkommt, ergo Strom-Tracking über die Blockchain durchführen?

Richard: Genau, jeder Erzeuger hat einen öffentlichen Schlüssel, den wir veröffentlichen und den der Erzeuger auch veröffentlicht. Anhand dieses Schlüssels lässt sich mathematisch nachweisen, dass eine Energie-Verkaufstransaktion auch von einem bestimmten Kraftwerk gekommen ist – das gleiche Prinzip wie bei Bitcoins.

BTC-ECHO: Muss ich dann bei euch mit einer Kryptowährung meine Stromrechnung bezahlen?

Richard: Man kann mit Binance Token die Stromrechnung bei uns bezahlen, aber die große Mehrheit nutzt die klassische Lastschrift. Vom Bankkonto.

BTC-ECHO: Wie kommt dabei für den Kunden eine Ersparnis zustande?

Richard: Der Kunde nutzt uns über unsere Webseite Lition.de als ganz normalen Energieversorger. Man braucht dafür keine Wallet, alles was wir brauchen, ist die Zählernummer und ein Bankkonto. Mit der Blockchain kommt der Kunde nur in Berührung, wenn er mit ihr in Berührung kommen möchte. Also wenn er eigene Transaktionen signieren möchte, eine eigene Node laufen lassen möchte oder wenn er unsere Lition Token verwenden möchte zum Staken – das ist aber alles optional.

BTC-ECHO: Der Kunde hat also die Möglichkeit, selbst an diesem Strommarktplatz zu verdienen?

Richard: Richtig, unsere Blockchain-Infrastruktur – die Lition.io-Blockchain – nutzt Lition Token als Gas, genau wie bei Ethereum. Als Konsensus-Mechanismus haben wir aber nicht Proof of Work gewählt, sondern nutzen in unserem Mainnet, das letzte Woche gestartet ist, einen Proof-of-Stake-Mechanismus, der deutlich energieschonender ist. Schließlich können wir schlecht einen grünen Energiemarktplatz ausschließlich mit grünen Energieerzeugern anbieten, wenn wir auf der anderen Seite Energiefresser wie Proof of Work Blockchains verwenden.

BTC-ECHO: Der traditionelle Stromkonzern wird damit übergangen?

Richard: Ja, mit Lition macht man aktuell die Leipziger Energiebörse überflüssig. Dieser Mittelsmann wird komplett aus der Gleichung genommen. Wenn sich das Gesetz ändert, kann man mit Peer-to-Peer-Trading auch den Energieerzeuger selbst aus der Gleichung nehmen.

BTC-ECHO: Auf eurer Homepage steht Lition.de sei das Stromsystem der Zukunft. Was meint ihr damit?

Richard: Unser aktuelles Stromsystem wurde 1999, vor zwanzig Jahren entworfen. Dort kam es zur Trennung von Erzeugung, Vertrieb und Handel. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wir haben inzwischen ein sehr komplexes System, wo vor allem die Mittelsmänner verdienen. Letztlich braucht man aber nur drei Parteien. Man benötigt einen Erzeuger, der den Strom produziert, man braucht einen Netzbetreiber, der die Stromkabel im Boden hat und man braucht den Kunden. Faktisch wurde aber sehr viel herum geschaffen. Es wurden Energieversorger geschaffen, so wie Vattenfall zum Beispiel, die die Stromrechnung erstellen. Es gibt die Trading-Firmen, die Stromgewinne machen. In Summe gibt es fast 1.000 verschiedene Netzbetreiber in Deutschland, die natürlich alle miteinander kommunizieren müssen. Das ist alles ein System, das meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß ist. Es sollte verschlankt werden. Man sollte weg von den staatlichen Monopolen kommen. Und blockchain-basiertes Peer-to-Peer-Energie-Trading ist dafür eine sehr gute Lösung.

BTC-ECHO: Nun fördert ihr mit eurem Blockchain-Marktplatz ökologische Energiewirtschaft. Wo siehst du bei der Blockchain noch andere Ansätze, wie Blockchain ökologisch nachhaltige Energiewirtschaft fördern oder generell dem Klima zuträglich sein kann?

Richard: Ein weiteres Thema, das wir nur indirekt betreiben, sind Herkunftsnachweise. Wenn man bei uns Strom von einem Kraftwerk kauft, weiß man, dass Strom von diesem Kraftwerk ökonomisch gekommen ist. Wir kaufen in genau der Menge Strom von diesem Kraftwerk über die traditionellen Alte-Welt-Kanäle. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre, dass man jegliche Art der CO2-Vermeidung in Blockchains über Echtheitszertifikate darstellen kann.

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1000-fach energieeffizienter als Ethereum: Österreichisches Startup präsentiert klimafreundliche Blockchain

Das Grazer Startup Lab10 Collective hat nach eigenen Angaben eine im Vergleich zu Ethereum um den Faktor 1000 energieeffizientere Blockchain entwickelt. Dies berichtete das Technologie-Magazin der brutkasten am 8. Oktober.

Kampf gegen den Klimawandel als Motivation

Mit der “weltweit ersten Web 3.0 Plattform” hätten sich die Entwickler dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben und eine zu Ethereum voll kompatible Plattform für Smart Contracts geschaffen.

Lab10 Collective-Vorstand Thomas Zeinzinger erklärt die Motivation für das Projekt mit der Dringlichkeit der Frage des Themas Klimawandel:

“Seit drei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie dezentrale Internet-Technologien zu mehr Nachhaltigkeit und Fairness in der Wirtschaft beitragen können. Den Klimawandel und die damit einhergehende Notwendigkeit der Entkarbonisierung sehen wir als dringliche Herausforderung, der wir uns nun radikal zuwenden.”

Um die Effizienzsteigerung bei der bereits bestehenden Artis-Blockchain zu erreichen, werde diese noch in 2019  einen neuen Konsens-Algorithmus erhalten.

Abgesagtes ICO von 2018

Im Jahr 2018 sorgte Lab10 Collective durch sein abgesagtes Initial Coin Offering (ICO) für Aufsehen. Die Finanzierungsform via ICO habe sich “in eine Richtung entwickelt, die nicht mit unseren Werten und jenen unserer Partner vereinbar ist”, gab das Startup bekannt und gab bereits gezahlte Gelder an die ICO-Investoren zurück.

Im Mai stellte eine von Lab10 Collective gestützte Kooperation ein Konzept für kabellose Ladestationen mit Blockchain-Abrechnung vor. 

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Schweizer Joint-Venture lanciert Blockchain-Verrechnungsplattform für Eigenstrom

Die Schweizer Unternehmen PostFinance und Energie Wasser Bern (EWB) stellen mit der von ihnen gegründeten Ormera AG eine Plattform für die Blockchain-gesteuerte Verrechnung selbstproduzierter Energie bereit. Dies gab EWB am 14. Oktober per Pressemitteilung bekannt.

Blockchain-Plattform für Energieversorger und Hausverwalter

Die von Ormera betriebene Blockchain-Plattform richtet sich primär an Energieversorgungsunternehmen, Energie- und Immobiliendienstleister sowie Liegenschaftsverwaltungen, die durch selbsterzeugten Strom ihre Kosten senken wollen. 

Möglich werde dies aufgrund des bereits in 2018 in Kraft getretenen Energiegesetzes der Schweiz, welches Hauseigentümern den “Zusammenschluss zum Eigenverbrauch” (ZEV) erlaube. Auf dem Dach von Liegenschaften erzeugter Solarstrom kann seitdem direkt an Bewohnerinnen und Bewohner einer Liegenschaft verkauft werden.

Die Ormera-Plattform soll dafür eine intelligente Verrechnungsplattform bereitstellen, welche automatisch einen Abgleich zwischen aus dem Netz abgerufenen Strom und selbst erzeugter Energie ermöglicht. Zu den technischen Details der auf dem Internet der Dinge (IoT) basierenden Blockchain-Plattform schreibt EWB:

“Sie verknüpft intelligente Stromzähler – sogenannte Smart Meter – als Komponenten des Internet-of-Things mit der Blockchain. Dort werden die Stromproduktions- und Verbrauchsdaten gespeichert, für die automatische Abrechnung aufbereitet sowie zur Verrechnung genutzt. Die hierfür verwendete Blockchain-Technologie bietet die ideale Basis, um Daten transparent, vertrauenswürdig und sicher zu speichern und weiterzuverarbeiten.”

Ähnliche Projekte in Deutschland

Die dezentrale Verrechnung von Eigenstrom gilt als klassischer Anwendungsfall der Blockchain-Technologie und wird auch in Deutschland bereits erforscht und getestet. Der von Stromdao entwickelte Grünstromindex bietet in mehreren Pilottests Anbietern und Nachfragern bereits jetzt ein Blockchain-Verfahren zur Optimierung der Einspeisung und Entnahme von Ökostrom. Der Freistaat Bayern erwägt die Einrichtung einer regionalen Stromhandelsplattform auf Basis von Blockchain-Technologie, welche ähnlich funktionieren könnte.

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Freistaat Bayern fördert Erforschung einer regionalen Blockchain-Strombörse

Ein durch den Freistaat Bayern gefördertes Forschungsprojekt mehrerer Projektpartner soll die Umsetzbarkeit einer regionalen Stromhandelsplattform (RegHEE) auf Basis von Blockchain-Technologie untersuchen. Dies gab die beteiligte Thüga-Gruppe am 8. Oktober per Pressemitteilung bekannt.

Breit aufgestelltes Forschungsprojekt

Neben der Thüga-Gruppe sind an dem Forschungsprojekt auch die Technische Universität München, die regionalen Energieversorger erdgas schwaben und Energie Südbayern sowie das Unternehmen Syneco beteiligt. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert das Projekt über das Zentrum Digitalisierung.Bayern.

Auf einer Veranstaltung zum Projektstart hob der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Hubert Aiwanger die Bedeutung des Projekts hervor:

“Wichtig für die Akzeptanz erneuerbarer Energien ist die Bürgernähe. Wenn wir den Bürgerinnen und Bürgern ihren persönlichen Nutzen deutlich aufzeigen, gelingt es uns, mehr erneuerbare Energien in das System zu bringen. Ich sehe neue Technologien wie Blockchain als wichtiges Mittel, die Energiewirtschaft zu modernisieren. Die Kunden möchten, dass ‚ihr‘ Strom auch wirklich vor Ort erzeugt wird.”

Auf der von dem Forschungsprojekt geplanten Handelsplattform sollen alle Teilnehmer sowohl Erzeuger als auch Abnehmer sein können. Vom Ansatz her soll das System für alle Erzeuger offen sein, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der Thüga Aktiengesellschaft Dr. Matthias Cord:

“Neben Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) von Hausbesitzern könnten dies auch Blockheizkraftwerke oder sogar Windenergieanlagen von Bürgerenergiegenossenschaften sein.”

Erste Pilotversuche für dezentralen Stromhandel laufen bereits

Wie eine solche regionale Stromhandelsplattform funktionieren kann, zeigt bereits der von Stromdao entwickelte Grünstromindex. Dahinter steht ein Blockchain-Verfahren, mit dem Anbieter und Nachfrager von Ökostrom ihre Einspeisung und Entnahme auch zeitlich optimieren können. Erste Pilotversuche laufen bereits in den Gemeinden Tübingen und Eberbach in Baden-Württemberg.

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