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Ernst & Young will öffentlicher Finanzverwaltung mit Blockchain-Software unter die Arme greifen

Langsam, ineffizient, undurchsichtig – nicht selten müssen sich öffentliche Verwaltungen diese Vorwürfe gefallen lassen. Vor allem wenn es um das Management staatlicher oder kommunaler Budgets und die Finanzierung von Projekten geht, wird dabei häufig der Verdacht der Korruption laut. Wohin das Steuergeld fließt und warum, ist vielen Bürger oft unklar. Diesen Problemen wollen die Berater von Ernst & Young (EY) nun mithilfe der Blockchain-Technologie den Kampf ansagen.

Am 16. Oktober hat das Unternehmen in einer Pressemitteilung den Startschuss seines EY OpsChain Public Finance Managers (PFM) verkündet. Mithilfe der Software wollen die Berater Regierungen und öffentlichen Verwaltungen ab sofort bei der Abwicklung von Finanzprozessen unter die Arme greifen.

Auf Basis der hauseigenen Blockchain-Plattform EY OpsChain nutzt PFM Distributed-Ledger-Technologie, um staatliche Ausgaben mit Budgets und Finanzplanungen abzugleichen. Die dezentrale Datenverwaltung soll dabei für den Austausch von Informationen in Echtzeit sorgen und damit einerseits öffentliche Entscheidungen effizienter gestalten. Andererseits zielt das Programm darauf, Verwaltungsstrukturen und Finanzströme transparent zu machen und so einen verantwortlichen Umgang mit öffentlichen Geldern herbeizuführen. Schlupflöcher und Finanzlecks will man so in die Vergangenheit verbannen.

Mark MacDonald, Leiter des EY-Projekts, ist davon überzeugt, dass die Blockchain-Technologie hierfür die richtige Wahl ist.

Ein modernes öffentliches Finanz-Management erfordert einen Fokus auf das Wesentliche. Transparenz, Rechenschaftspflicht und fundierte Entscheidungsgrundlagen – all dies sind Faktoren, die durch die Blockchain-Technologie verbessert werden können. EY OpsChain PFM ist ein aufregendes neues Tool, mit dem Führungskräfte innerhalb der öffentlichen Finanzverwaltung ihre Systeme bewerten und verbessern können,

wirbt er für die Finanz-Software.

Ernst & Young testet in Toronto

Zuletzt hatten die Berater das Software-Angebot unter anderem im Zuge einer gemeinsamen Partnerschaft mit der kanadischen Millionenstadt Toronto auf den Prüfstand gestellt. Die Verwaltung der Provinzhauptstadt des Bundesstaats Ontario hatte die PFM-Software eingesetzt, um die Zuweisung öffentlicher Gelder innerhalb des Regierungsapparates abzuwickeln.

Die Idee hinter EYs Finanzlösung ist allerdings alles andere als neu. Dieser Tage setzen zahlreiche Unternehmen darauf, öffentliche Verwaltungen mithilfe von Blockchain-Programmen zu entstauben. Zuletzt können sie damit immer mehr Regierungen, Städte und Gemeinden überzeugen. Neben den Blockchain-Vorreitern wie Malta, Dubai oder etwa die argentinische Hauptstadt Buenos Aires könnte auch Deutschland künftig auf dezentrale Verwaltungssysteme setzen. In ihrer im September veröffentlichen Blockchain-Strategie etwa zeigt sich die Bundesregierung offen für den Einsatz im öffentlichen Sektor.

Dass Ernst & Young diesem Trend zusätzlichen Rückenwind verleihen, ist dabei durchaus plausibel, schließlich zählt das Unternehmen zu den weltweit größten Beraterfirmen, zu deren Kunden nicht nur transnationale Konzerne, sondern auch zahlreiche Regierungen zählen.

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Neuer Report gibt Blockchain-Empfehlungen für Regierungen

Die IT-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton veröffentlichte am 10. Juni 2019 mit der Research-Institut Data Foundation einen Report zu Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie. Die Autoren des Reports überprüfen darin beispielsweise, wie gut Blockchain-Projekte in US-Verwaltungsstrukturen Lösungen für die Probleme liefern, die ihnen zugrunde liegen.

In dem Dokument mit dem Titel „Bringing Blockchain Into Government: A Path Forward for Creating Effective Federal Blockchain Initiatives“ (zu Deutsch: Blockchain in die Regierung bringen: Eine Anleitung für effektive föderale Blockchain Anwendungen) gibt Booz Allen Hamilton daraus folgend Hinweise zur Implementierung der Blockchain-Technologie für Regierungszwecke.

Blockchain eignet sich besonders für feste Verwaltungsstrukturen

Die Kernempfehlung des Dokuments bezieht sich auf Prozeduren der öffentlichen Verwaltung. Dabei geht es besonders um jene Verwaltungsprozesse, die aus vorhersehbaren Abläufen bestehen. Der beständige Charakter der Ledger-Technologie gibt den Strukturen in diesem Fall Stabilität. Ferner verspricht die Anwendung dezentraler Speichersysteme die Wiederherstellung des Bürgervertrauens in Datensätze und die Qualität von großen Informationsmengen. Darüber hinaus können Transparenzerfordernisse bei der Gestaltung von staatlichen Prozessen erfüllt werden.

Die fünf Leitfragen staatlicher Blockchain Use Cases

Um die Nützlichkeit von Blockchain-Implementierungen für ein Regierungsproblem einzuschätzen, empfehlen die Autoren des Reports die Orientierung an folgenden fünf Leitfragen:

  • Bietet Blockchain einen wirklichen Vorteil für die Informationssicherheit, die Transparenz von oder das Vertrauen in die betreffende Struktur?
  • Kann die Blockchain praktikabel und effizient angewandt werden?
  • Welches Blockchain-Design ist angemessen?
  • Stehen die Anschaffungskosten einer Blockchain-Lösung in einem akzeptablen Verhältnis zu den Informationsgewinnen?
  • Bewegt sich die Implementierung im Rahmen geltender Datenschutzgesetze?

Der Report kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Blockchain Use Cases im Bereich der Food and Drug Administration (FDA), der Gesundheitsverwaltung und der Fiskaladministration in ihrem Erfolg schwanken.

Ob Blockchain eine erfolgreiche Anwendung für Regierungszwecke wird bleibt unklar. Aktuell ist die Anwendung von Blockchain für staatliche Programme und Ausführungen begrüßenswert, wenn sie im Bereich des Möglichen liegt,

so das Fazit der Experten.

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