Goldman Sachs plant vermeintliches DeFi-ETF | BTC-ECHO

Der Investmentriese Goldman Sachs erweitert erneut sein Krypto-Engagement. Doch das geplante Anlageprodukt hält nur bedingt das, was der Name uns verspricht.

Arbeitet Goldman Sachs an einem börsengehandelten Fonds (ETF) mit Bezug zum Decentralized Finance (DeFi) Space? Die Vermutung liegt nahe. Denn die Großbank beantragte bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) die Zulassung für den “Goldman Sachs Innovate DeFi and Blockchain Equity ETF”.

Dem Antrag vom gestrigen 26. Juli ist zu entnehmen, dass der geplante ETF den “Decentralized Finance and Blockchain Index” des deutschen Indexanbieters Solactive abbilden soll. Goldman Sachs verspricht, 80 Prozent der Vermögenswerte des Fonds in Wertpapiere der Unternehmen aus dem Index anzulegen. Jene sind in den USA, Europa und Asien angesiedelt. Als zwei “Schlüsselthemen” der Investmenttätigkeit benennt das New Yorker Bankhaus dabei “die Implementierung der Blockchain-Technologie und die Digitalisierung des Finanzwesens.” Doch wie viel DeFi und Blockchain stecken tatsächlich in ETF und Index?

Serviert Goldman Sachs eine DeFi-Mogelpackung?

Um die soeben aufgeworfene Frage zu beantworten, müsste eigentlich ein Blick in das Factsheet des zugehörigen Index genügen. Der im Antrag der Großbank genannte Index (“Decentralized Finance and Blockchain Index”) lässt sich auf einer Übersichtseite von Solactive indes nicht finden.

Andere News-Seiten zogen daraus den voreiligen Schluss, dass der geplante Goldman Sachs ETF den “Solactive Blockchain Technology Performance Index” abbilden soll. Dieser repräsentiert allerdings nicht Firmen aus dem Krypto- und DeFi-Space, sondern in erster Linie Tech-Größen wie Nokia, Facebook und Google.

Ein Blick in die Guideline dieses Index verrät jedoch, dass ein derartiger Schluss zu voreilig ist. Denn während Solactive dort nur Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 750 Millionen US-Dollar indexiert, ist im Goldman-Sachs-Antrag von einer Mindestmarktkapitalisierung von lediglich 500 Millionen US-Dollar die Rede.

In welchem Verhältnis der ETF tatsächlich zur DeFi-Branche steht, bleibt also erstmal unklar. Die hohe Marktkapitalisierung gepaart mit einem Listing auf einer traditionellen Börse ist allerdings als Voraussetzung des ominösen Index bekannt. Der zugehörige ETF investiert somit aller Voraussicht nach in große börsennotierte Unternehmen, die den beiden obigen “Schlüsselthemen” verschrieben sind. Mit DeFi-Token und -Plattformen im engeren Sinne teilt der ETF sich derart aber nur den Namen. Da bindet Goldman Sachs uns einen Marketing-Bären auf.

Grayscale startet tatsächlich DeFi-Fonds

Anders als Goldman Sachs zieht der weltweit größte Krypto-Vermögensverwalter Grayscale tatsächlich ein Engagement im DeFi-Sektor in Erwägung. Bereits im Juni benannte das Unternehmen eine Reihe an DeFi-Token, die es für weitere Investmentfonds in Erwägung zieht.

Am 19. Juli lancierte das Unternehmen schließlich den Grayscale Decentralized Finance (DeFi) Fonds, der gleich zwölf Kryptowährungen aus der DeFi-Sparte abbildet. Der CoinDesk DeFi Index liefert dabei die Datenbasis. Der Fonds richtet sich an institutionelle Anleger:innen.

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