Ethereum Hard Fork London kommt heute – das müsst ihr jetzt wissen

Durch die Hard Fork “London” wird die Gebührenpolitik bei Ethereum angepasst und die ETH-Umlaufmenge gedrosselt. An einigen Krypto-Börsen wird der Ether-Handel währenddessen ausgesetzt.

Es ist so weit, bei Block Nummer 12.965.000 findet heute die Hard Fork “London” auf Ethereum statt. Das Upgrade beinhaltet vier “Verbesserungsvorschläge”, sogenannte Ethereum Improvement Proposals (EIP), die zeitgleich implementiert werden. Große Erwartungen werden allen voran an EIP-1559 geknüpft, das nicht nur die Gebührenpolitik verändert, sondern auch einen Deflationsmechanismus einführt.

Ethereum führt Grundgebühr ein

Wer Transaktionen über Ethereum verschickt, muss teilweise tief in die Wallet greifen. Die Gebühren, in Ether-Sprech: “Gas-Fees”, können zu Stoßzeiten schon mal absurde Ausmaße annehmen und die Blockchain zur Spielwiese für Besserverdiener verkommen lassen. Schuld daran ist ein veraltetes Gebührenmodell, das offenbar mit dem Hype um DeFi und NFT überfordert ist. Denn bislang galt ein Auktionsprinzip: Diejenigen, die am meisten Gebühren zahlen, werden von Minern für eine schnelle Abwicklung bevorzugt. Wer das Wett-Spiel nicht mitspielt, braucht Sitzfleisch.

Das ändert sich jetzt. Mit dem EIP-1559 führt Ethereum eine algorithmisch festgelegte Grundgebühr ein, die sich der Netzwerkauslastung anpasst. Optional können Transaktionen zusätzlich mit “Trinkgeldern” versehen werden, um den Anreiz für eine schnelle Verarbeitung zu erhöhen. Trotz der Vorzugsrechte für Tipp-Spender dürfte die Hard Fork sämtlichen Ethereum-Nutzern zugutekommen. Die Krypto-Börse Gemini schätzt, dass sich die Transaktionskosten durch EIP-1559 im Schnitt um 90 Prozent senken.

Größere Blöcke drosseln Kosten

Damit es einheitliche Gebühren geben kann, muss auch eine einheitliche Netzwerkauslastung bzw. Blockauslastung gewährleistet werden. Blöcke, in denen Transaktionen abgearbeitet werden, haben schließlich begrenzte Kapazitäten. Steigt die Auslastung bei vielen gleichzeitig eingehenden Transaktionen, wächst nicht nur der Mempool, also das “Wartezimmer” für noch ausstehende Überweisungen. Es steigen auch die Gas Fees immer wieder sprunghaft an.

Die Hard Fork soll dieses Problem lösen, indem sich die Blockgröße künftig der Nachfrage anpasst. Dafür wird die Obergrenze der Blockgröße von 12,5 Millionen Gas-Einheiten auf 25 Millionen verdoppelt. Angestrebt wird jedoch eine 50-prozentige Auslastungsrate, also ungefähr das Maximum der bisherigen Blockgröße. Übersteigt die Nachfrage diese Rate und die Blöcke sind zu mehr als 50 Prozent gefüllt, steigt die Grundgebühr an. In umgekehrte Richtung sinken die Gebühren bei niedrigerer Auslastung. Die Anhebung der Blockgröße soll die Gebühren auch in “heißen Phasen” stabil halten.

Ether-Drosselung

Ein weiterer Nebeneffekt des EIP-1559 ist die Drosselung der Angebotsmenge. Denn die Grundgebühren fließen zukünftig nicht an Miner, sondern werden “verbrannt” und somit aus dem Verkehr genommen. Dieser Mechanismus verringert die zirkulierende Ether-Umlaufmenge und könnte sich dadurch als Kurstreiber erweisen. Da Miner als Ausgleich noch Trinkgelder erhalten, gehen sie zwar künftig nicht leer aus. Das EIP-1559 leitet aber dennoch den langsamen Abschied von den Minern ein, die nach der Umstellung des Konsensverfahrens von Proof of Work auf Proof of Stake in der neuen Netzwerkarchitektur Ethereum 2.0 keine Rolle mehr spielen.

Während der Hard Fork könnte es jedoch an einigen Börsen zu Verzögerungen kommen. Binance hat bereits angekündigt, Ein- und Auszahlungen mit Ether und ERC-20-Token ab 11:45 Uhr (UTC) zu pausieren. Ebenso OKEx, das den Handel bereits um 9:00 Uhr (UTC) einstellt.

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